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Barfly - Szenen eines wüsten Lebens

Originaltitel: Barfly

Herstellungsland:USA (1987)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Drama, Komödie, Liebe/Romantik
Alternativtitel:Barfly - Condenados Pelo Vício
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,50 (8 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Eine Spelunke, wie es sie in jeder Stadt gibt, in der Abend für Abend die gleichen Typen auftauchen und vor ihrem Schnapsglas meditieren. Einer dieser Stammgäste ist Henry, ein Gelegenheitspoet aus Los Angeles, der jeden Abend das gleiche Ritual vollzieht: Er trinkt, schreibt an seinen Gedichten, trinkt weiter, fängt Streit an, prügelt sich und landet schließlich auf der Straße. Eines Tages entdeckt Henry am anderen Ende des Tresens Wanda, ebenfalls eine Trinkerin wie Henry, und dennoch eine Klassefrau. Als der Trunkenbold seine letzten Dollars fur Fusel ausgegeben hat, bittet Wanda ihn zu sich nach Hause... (Koch Media DVD-Cover)

eine kritik von cecil b:

 

                                                                 BARFLY, EIN FILM VON CHARLES BUKOWSKI 


Bevor es zum innerlichen Aufruhr kommt, weil dieser Mann doch ein Schriftsteller war, und kein Regisseur, erkläre ich meine durch plakative große Schrift gekennzeichnete Aussage einleuchtend. Der halb-autobiographische Protagonist von BARFLY beinhaltet viel von diesem Autor, der auch den Hauptteil des Drehbuchs zu diesem Film verfasste. Dieses hat autobiographische Züge und zitiert wiederholt Werke des Künstlers. Dessen ausformulierter Blick auf Menschen, die unkonventionell unter schwierigen Bedingungen ihr Leben lebten, sollte für manchen amerikanischen Leser und Literaturwissenschaftler in späten Jahren ähnlich bedeutend wie Flannery O' Conner († 1964) werden, ich lege nahe, sich DER KETZER (Wise Blood) zuzulegen (Review vorhanden). BARFLY erinnert auch an die Abwandlungen von William Blake, die Jim Jarmusch in DEAD MAN (Review vorhanden) und Gus Van Sant in LAST DAYS (Review vorhanden) inszenierten. Männer, die sich bereitwillig in ihrer schwierigen Lage auflösen. Und ein Sprachrohr der positiven wie negativen Aspekte der gegebenen Interaktion sind. 


 
                                                                              DIE BASIS: DER VERFASSER


Der im Rheinland geborene, und in Los Angeles ärmlich aufgewachsene Bukowski, brauchte eine ganze Weile, um auf den eigenen Beinen halbwegs zu stehen, sowie einen Platz in der Gesellschaft zu finden. Die schwierigen Umstände flossen in seine Kunst. Schläge vom saufenden, rum hurenden Vater, und eine auch von Krankheiten belastete Jugend, zeichneten die beschwerlichen Anfänge ab. Daraus resultierten Bücher wie Das Schlimmste kommt noch oder Fast eine Jugend, ein Roman, in dem eine Figur ähnlich wie einst der junge Künstler leidet, und sich zusätzlich mit Fäusten auf dem Pausenhof wehren muss. Der Mann mit dem wertvollen Wortschatz erkannte sein Interesse an der Sprache als Ventil früh, und studierte daraufhin Journalismus, sowie dass er seine ersten literarischen Schritte ging, zunächst erfolglos. Dem Alkohol verfiel er ebenso früh, ein kurzer Gefängnisaufenthalt und ein Besuch in der Psychiatrie gingen damit einher. Die Künstlernatur wanderte von Stadt zu Stadt, Job zu Job. In den Fünfzigern konnte Bukowski schließlich einer Arbeit bei der Post nachgehen, dann begann er damit, Gedichte zu schreiben. Zu dieser Zeit heiratete der bedeutende Autor in spe eine reiche Schriftstellerin und Herausgeberin eines Literaturmagazins, von der er sich allerdings ein paar Jahre später scheiden ließ. Bukowski erlangte zunächst vielleicht nur bei der Post Kontinuität, die Arbeit verleitete ihn auch zu seinem Romandebüt, Der Mann mit der Ledertasche (Post Office). Der erste kleine Erfolg kam aber mit einem Gedichtband zustande. In den Sechzigern entwickelte sich eine längere Beziehung, der eine Tochter entsprang, die später versicherte, einen liebevollen Vater gehabt zu haben.

Ein weiteres Jahrzehnt verging, bis Bukowski endlich den Anreiz dafür bekam, sein Geld ausschließlich durch das Schreiben zu verdienen. Denn, ein Verleger hatte ausgemacht, wie ansprechend es dem Poeten der einfachen Sprache gelang, mit Gedichten und Geschichten zum Teil das Leben der Einwohner seines Wohnortes, East Hollywood, zu spiegeln. Diese literarischen Zeit- sowie Gesellschaftsbilder, die eine eigene Handschrift trugen, zahlten sich aus. Bukowski erfand wiederkehrend Figuren, die ausdrückten, was ihn bewegte. Dazu zählten auch seine Beziehungen und Affären, mit ihren Auf und Abs, begreiflich, oft ironisierend. Einige Künstler dokumentierten etwas von der Lebenswelt und dem Aphorismus dieses Schriftstellers, und das auch nach dessen Tod. Auf seinem Grabstein stehen die Worte: "DON'T TRY", die unterschiedlich interpretiert werden. So wird darin zum Beispiel die Aussage gelesen, man solle nicht versuchen, zu schreiben (oder anders zu handeln?), frei von der Leber Weg sollten die Worte kommen. Darin sehe ich auch den Appell, sich treu zu bleiben. 


                                                                               DIE PERFEKTE BESETZUNG


Und, wer hätte den Säufer mit etwas Charme und gutem Herzen versteckt hinter Dreck und Blut besser spielen können als Mickey Rourke? Wohl niemand. Darin kann man mit einem lachendem und einem weinenden Auge Authentizität sehen. Rourke ist in gewaltorientierten Familienverhältnissen und prekären Milieus aufgewachsen, abwechselnd überzeugte er als Akteur, oder war als Boxer tätig, bis der Schwerenöter sich endgültig -wenn auch rebellisch- im schauspielerischen Bereich etablierte. Einer, der am Rande der Gesellschaft ein Quäntchen bübische Gutherzigkeit bewahrt, war Rourke schon in Alan Parkers ANGEL HEART wie auf dem Leib geschrieben, so sieht man ihn gerne. In BARFLY ist der Protagonist mit einer intensiven Method Acting-Variante ausgestattet. 

 

BARLFY, 

dürfe auch in heutigen Zeiten polarisieren, wenn man bedenkt, dass die Hauptfiguren praktisch immer betrunken sind.

Annähernd wie eine Fliege fliegt die Kamera über eine Straße irgendwo in L.A., die des Nachts von Neonröhren erhellt wird, bunt wie Süßkram, der Hänsel und Gretel anlocken soll, und landet in einer Bar. Genial, der Übergang zu der Perspektive von dem, der auch mal Barfliege genannt wird. Grelle Lichter haben vor Ort nichts mit dem Sonnenlicht zu tun, in der Nacht schwirren um sie herum Insekten und gemessen an der Norm gescheiterte Existenzen. Sonst gibt es geflissentlich nur theoretisch andere Anlaufstellen. Über die Stammkundschaft sagt die arbeitslose Hauptfigur wohlweislich, dass doch aber sowieso niemand den jeweils anderen wirklich kennt, das sei überall so. Ab den mittleren bis zum hohen Alter wird angestoßen, gestichelt, gescherzt, nur ein winziger Rest Persönlichkeit unterscheidet von dem skrupellosesten Schläger, Mörder, Vergewaltiger, der etwaig im Nebenzimmern seine Geschäfte macht, man sollte sich da raushalten. Das Trinken, ein Gemeinschaftsgefühl, Zugehörigkeit, ein unmittelbarer Indikator, Strohhalm. Eine angeregte Diskussion fokussiert meistens das Hier und Jetzt. Mit dem Glas in der Hand wird darüber debattiert, ob der Preis für vorhergegangenes "Schwanzschlucken" angemessen sei, und es seine Berechtigung hatte, jemanden als "verfickten Scheißhaufen" zu bezeichnen. Halbnah nimmt das Geschehen rund um den Tresen viel Raum ein. Dass Henry sich immer wieder mit einem bestimmten muskulösen Barkeeper (Frank Stallone, dass der Nachname bekannt ist, kommt nicht von ungefähr) schlägt, das ist ein Ritus. Zwei spüren und beweisen sich, können eine vermeintliche Stärke demonstrieren, die doch ihren Beifall bekommt, egal, wie illusorisch sie ist. Verliert Henry ein weiteres Mal, und liegt blutüberströmt auf dem Hinterhof, der Boxring der einfachen Leute, nimmt der das so hin. Er hasst Hilfe, so heißt es. 

Stets übernächtigte Augen, fast durchgehend ein spitzbübisches Lächeln. Dieser torkelnde Gang, seltsam tänzerisch. Und oft einen Witz oder eine tiefsinnige Reflexion seiner Umgebung parat, so erscheint Henry. Wieso provoziert er so vulgär, fragen sich manche, fällt bei jeder Gelegenheit aus dem Rahmen, und ist dabei so viel mehr, hat Herz und Verstand. Nicht ganz ein Anarchist, der mehr oder weniger pleite in seiner Drecksbude ungewaschen und betrunken auf den nächsten Besuch in der Bar wartet, und schönste klassische Musik hört. Das Gemeinschaftsgefühl seiner Umgebung ist ein anderes, Henry sei genau so in Ordnung wie alle anderen, einfach, weil er dazugehört. Bewirbt er sich für einen Beruf, ist sein Gegenüber darüber erstaunt, was für ein "Penner" da auf dem Bürostuhl sitzt, und vielmehr daher, weil dieser so unangebracht wie freiheitlich interpretierbar scharfsinnige Rhetorik im Blut hat. Anzüglich, ohne das Gefühl zu geben, jemals eine gewisse Aufdringlichkeit übersteigern zu wollen. Innerhalb des Molochs hin und wieder ein winziger Lichtblick. Genauso eine Unbeugsamkeit auf zwei Beinen, die mit Vorsicht zu genießen ist. Man könnte den Zuständen in gewissen Gegenden in L. A. auch den Rücken kehren. Die Literaturagentin Tully Sorenson (gut: Alice Krige, Star Trek: Der erste Kontakt) ist von ihm mehr fasziniert als abgestoßen, nur am Rande steht nämlich geschrieben, welch Poet da vor ihr steht. Wanda macht keine Umstände, Henry interessiert sich sofort für sie, und beide legen die Karten auf den Tisch. Eine rasante Innigkeit entsteht. Als sich diese Figuren kennenlernen, sitzt übrigens der echte Bukowski am Tresen. 

Die ebenfalls durchtriebene Wanda stellt sich als Menschenfeindin vor, und macht keinen Hehl daraus, dass sie Henry mag, und haben will. Sofort teilen sie eine abenteuerliche Nacht, die zusammenschweißt, dann eine Wohnung. Während des Drehs soll niemand gewusst haben, dass Bukowski tatsächlich zusammen mit einer Partnerin in dem Haus gelebt hatte, in dem diese Figuren ihre Schlüsse ziehen. Ihre Direktheit vereint die beiden, was um sie herum passiert ist beispielhaft für das gesellschaftliche Elend. So sehr sich Wanda und Henry auch lieben, ihre Ecken und Kanten sind automatisch verletzend. Andererseits schnuppert der verkappte Literator am Prunk der Reichen, wenn er mit Tully unterwegs ist. Bukowskis Worte führen die Dialoge partiell entwaffnend, sie strömen in Hirn und Herz, dichten Erfahrungen des berühmten Schriftstellers. Wie Faye Dunaway (Oscar für Network) darin aufgeht. Lasziv, achtunggebietend, heruntergekommen und doch apart. Diese Mischung meistert wahrlich nicht jeder. Die größte Bereicherung dieser Beziehungen ist aber, dass durch diese der Protagonist entblättert wird. Eine spannende Ambivalenz. Mit der Zeit ist es möglich, das klassische Prinzip der westlichen Gesellschaft mit anderen Augen zu sehen. Philosophische Eigentümlichkeit, verquer, nah am Leben. 

Der ursprünglich aus dem Iran stammende Barbet Schroeder (Oscar-Nominierung für Die Affäre der Sunny von B.) hatte die Ehre, das Drehbuch zu verfilmen, und auch daran zu feilen. Schroeder gab Kameramann Robby Müller († 2018, ehemals Jim Jarmusch's Nr.1) Anweisungen, die das Miteinander einer Gruppe oder die Figur, die gerade von zentraler Bedeutung ist, fest im Griff haben. Die Hauptfiguren werden förmlich porträtiert, mit all ihren Bewegungen und Mienen. Ein paar aufwendige Szenen ziehen einen mit ausgewählten Kamerafahrten zusätzlich in den Bann. Éva Gárdos's (Apocalypse Now) Schnitte fallen zum Beispiel dann positiv auf, wenn die Figuren stimmig von einem Szenenbild zum anderen gehen. Jack Baran und Rourke suchten Klassik, Funk und Jazz aus, der kongenial ist. Schroeder konnte Baran oft vertrauen, der war u. a. Regie-Assistent bei seinem WEIBLICH, LEDIG, JUNG, SUCHT....

BARFLY ist nicht für viele Zuschauer geeignet, was keinesfalls an seiner Qualität liegt. Man muss sich darauf einlassen wollen, in Bukowskis Abgründen die Schönheit zu sehen. Es lohnt sich. 

 

          "Manche Menschen sind nie verrückt. Was für ein wahrhaft grauenvolles Leben müssen sie führen!"

                                                                             Henry Charles Bukowski, Jr.

                                                                (1920 - 1994) Rest in Peace

 

TRIVIA:

1985 veröffentlichte Schroeder die TV -Serie Charles Bukowski par Barbet Schroeder, die lediglich Interviews von dem Regisseur mit dem Schriftsteller zeigte. 

Bukowski beschrieb in dem Buch Hollywood,  welche Erfahrungen er mit der Traumfabrik gemacht hatte, u. a. berichtete der Autor verschlüsselt formuliert über die Produktion von BARFLY.

Da die Produktionsfirmen, die den Film finanzierten, angeschlagen waren, musste Produzent Fred Fuchs (Der Pate 3) seinen Freund Francis Ford Coppola (Regisseur der Der Pate-Trilogie) darum bitten, das Projekt zu unterstützen. Ohne Coppola hätte Schroeder BARLFY nicht verwirklichen können.

Frank Stallone (Der Bruder von Sylvester) und Mickey Rourke waren und sind miteinander befreundet. 

Der Song Green Corn, der erfolgreichen Punk-Rock-Band NOFX , fußt auf BARFLY. Bukowski schrieb im Punk-Rock-Magazin Half Truth eine Rezension über das Album Ribbed, auf dem das Lied veröffentlicht wurde.  

8/10
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Kommentare

06.12.2022 17:41 Uhr - Cinema(rkus)
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Yeahhhh, Cecil, schieb` mir doch bitte mal eine kühle "Halbe" rüber.
Ich liebe Theken, an denen sich gebrochene, gescheiterte Menschen im Restalkohol ihrer Gläser spiegeln, die philosophieren, streiten, sich lieben, sich hassen....und das alles mit ehrlicher Zunge.
Ja, das ist Leben. Das Leben lernst Du in keinem Hörsaal, in keinem Studium, sondern hier. Ja, an der Theke, in der Kneipe. Wunderbar.

Vulgär, ordinär, Bukowski.
Der Meister.
Es gibt diesen vulgären Gossen-Slang, der keine Substanz hat und dann gibt es diese intellektuelle Steigerung, die in den Wörtern erkannt werden muss. Und siehe da, ja, Bukowski.
Genialer Typ, geniale Erscheinung, fernab vom windkanalgetesteten Everybody`s Darling und deshalb so wichtig für die Welt.

Rourke ?
Der SCHAUSPIELER, der nicht spielt, sondern "ist". Ein Typ, der die Kamera vergisst, der einfach "ist". Jammerschade, dass er heute oftmals nur noch mit seinen missglückten Operationen in Verbindung gebracht wird. Für mich ein Gigant, der mich über viele Jahrzehnte immer wieder beeindruckte, eine phantastische Rollenauswahl in seinem Lebenslauf verewigt hat, ein Monument.

Und dann Du.
Der uns mit seinen Worten in diese Kneipe entführt, der uns die Kunst des Bukowskis mit der Kunst des geschriebenen Wortes eines unvergleichlichen Cecils näher bringt und sich auf grandiose Art vor diesem außergewöhnlichen Film verneigt.
Eine extralange Theke hast Du hier bewirtet, lässt Dich nicht aus der Konzentration bringen, durchleuchtest alle Aspekte dieses Kneipen-Aufenthaltes und hast mich mal wieder beeindruckt.
Darauf einen Drink.
Gruß C.M.

06.12.2022 18:13 Uhr - cecil b
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Du hast mich ebenfalls, und auch mal wieder, beeindruckt.

Einen literarischen Kommentar zu verfassen ist auch nicht jedermanns Sache.

Bukowski: Ein manchmal garstiger Poet, dessen Worte einen immer noch mit Leichtigkeit zum Nachdenken und Fühlen anregen können. Die Wahrheit geht selten auf Eierschalen. Ich unterstütze seine Devise, sich das Philosophieren zu erlauben. Manchmal erwische ich mich dabei, dass ich denke: Kannst du das wirklich so schreiben, solltest du das nicht anders machen? Dann komme ich unbewusst auf Bukowski zurück, gelegentlich bewusst, der es dann besser wusste als ich. ;)

Rourke: DU SAGST ES! Ich habe zwar etwas über seine Kanten schreiben müssen (!), aber er ist auch im positiven Sinne einzigartig. Er verschmilzt förmlich mit Bukowski, ist nah bei sich. ;) Der Schriftsteller brauchte eine Weile, um mit seinem Spiel warm zu werden. Dass er dann damit einverstanden war, DAS ist ein Ritterschlag!

Dunaway und Rourke: Ein Erlebnis! Ich spoiler ja nix, aber, meine Güte, wie die sich dann steigert...

Und Barbet Schroeder braucht nicht viel Aufwand, um viel zu bieten. Aber er ist dem großen Aufwand ebenso gewachsen! Ein Meister der nuancierten Regie. Muss mal wieder was von dem gucken.

Robby Müller war einer der Besten.

Danke dir! :)

07.12.2022 18:22 Uhr - Cinema(rkus)
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Außergewöhnlich starker Film, ein ganz besonderer Film-Review-Verfasser.
Hier ist wieder mal zusammengekommen, was zusammen gehört :-))

Cecil, es gibt Künstler, Kunstschaffende, die haben ihren Monument-Platz in meinem Herzen, alleine wegen einem Werk oder einer Aktion, selbst wenn sie danach nur Dinge erschaffen hätten, mit denen ich nicht mehr viel anfangen kann.

Robby Müller ---------> Dead Man.
Aber Hallo !! Nicht falsch verstehen, Robby Müller hat viele besondere Werke erschaffen.
Was hatte er bitte schön für einen Blick bei Dead Man ? Diese elegischen Bilder, diese Kompositionen, das klare Bild, die Poetik und über jeder Einstellung die dunklen Schwingen des Todes.
ALLEINE hierfür gebührt ihm ewige Verehrung.
Dead Man, ein Meisterwerk des Jahrhunderts, fotografiert für die Ewigkeit.

Wir Menschen sind vom Geiste her verschieden, was auch gut so ist.
Es gibt Leute, o.K., die haben die Segnung mit Intelligenz nicht zu sehr erhalten und sie saufen irgendwann. Mit denen unterhalten, na ja, kann ganz nett sein, aber für mich nichts sensationelles.

Und dann gibt es die intelligenten, spitzbübischen, eloquenten, geistreichen Kerle, die sich irgendwann auch Alkohol oder Drogen hingeben. Wenn Du diesen Typen zuhörst, Dir von denen Romane zu Gemüte führst, dann merkst Du, sie öffnen eine neue Ebene, eine neue Dimension,, sie sprengen Konventionen, dringen in tiefere Sphären vor.
Bitte nicht falsch verstehen. Sollen jetzt alle intelligenten Künstler auch trinken, Drogen nehmen ?
Natürlich nicht. Aber, he, wir werden dies auch nicht verhindern können.
Diese Leute haben aber einen besonderen Zugang zu sämtlichen Facetten der Kunst, haben irgendetwas in ihrem Delirium eingeatmet, was nüchterne Typen nie hinbekommen werden.

Bukowski war so einer.
Direkt, vulgär, ordinär, aber immer diese besondere Raffinesse in seinen Worten, in seinen Werken, immer dieses besondere "Etwas", was sich ihm öffnete, weil er eben in irgendwelche Zwischenreiche abtauchte.
Immer nüchtern, der Kerl wäre nicht dieser Kerl gewesen.
Ich mag ihn, seine Arbeiten, das BESONDERE.

Rourke ist eine Naturgewalt.
Seine Darstellung des Franziskus ? Mann, konnte der Typ sein, und ich sage bewusst nicht "spielen". Er spielte nicht, er ist, er war, er wird immer sein. Ehrlich ? Ich liebe ihn für sein Dasein, alleine dafür. Es war so schade zu sehen, wie er irgendwann diesem Wahn verfiel, diesem bescheuerten "Hollywood-Glitzer-Alles-Kommt-auf-Die-Optik-AN-Wahnsinn", der ihn wohl irgendwann vertilgte, auffraß und dann billig ausgeschieden hat, mittlerweile ist er leider bei vielen nur noch als Witzfigur präsent.
Ich mag ihn, werde ihn immer mögen.

So, Cecil, war schön mal wieder über einen Film mit Dir zu kommunizieren.
Toll, wenn Wort-Ästheten wie Du diese Werke so dermaßen gelungen vorstellen.
Ich hebe den Drink, proste Dir zu, nicke anerkennend.
Gruß C.M.

07.12.2022 19:47 Uhr - cecil b
2x
Moderator
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Ein Kommentar wie ein stattliches Review, mit Perspektiven, die ich im Bezug auf die Filme gerne verstehe. :)

Es ist nur verständlich, dass Bukowski so fasziniert hat, und fasziniert. Er konnte mich mit heftigen Sichtweisen erschrecken, und dann verblüffte er mich angenehm, mit dieser Leichtigkeit in schwierigen Verhältnissen.

Rourke: Yeap. In manchen Filmen gelang es ihm zum Glück, sympathisch zu wirken, obwohl die Figur nicht dafür sprach.

Dead Man: Es hatte richtig gut getan, DEAD MAN, GHOSTDOG und DOWN BY LAW zu besprechen. DM und DBL liebe ich. Jarmusch erzählt die Dinge anders. Das faszinierte mich, darüber zu schreiben.

Prost: ;)

08.12.2022 21:59 Uhr - TheRealAsh
1x
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Ach Cecil, das ist ja mal wieder ein großer Wurf, vielen Dank! Ich habe als Jugendlicher Buk natürlich auch geliebt, auch wenn ich der ganzen Sauferei nie so wirklich viel abgewonnen habe. Bukowski - ein Schriftsteller wie er, heute undenkbar. Dabei wird seine Zärtlichkeit völlig verkannt. Ein großer Schriftsteller, auch in 50 Jahren noch.

Was ich schade finde, ist, dass bei den neuen Mediabooks die Doku von Barbet Schröder, bzw. die Interviews mit ihm, wie du ja erwähnst, nicht dabei sind, die er neben den Dreharbeiten gemacht hat. In einer früheren DVD-Ausgabe waren die dabei und die sind sehr lohnenswert, wie auch der Film zwar nicht ganz gut ist und ihm gerecht wird, aber gut genug und auch außergewöhnlich genug, mit deiner Wertung gehe ich voll mit:-D

09.12.2022 11:28 Uhr - cecil b
1x
Moderator
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Freuu. Danke dir! :)

Ja, ich sehe Bukowski auch von zwei Seiten, du hast es schön getroffen. Teilweise eine unangenehme Person, wie ich finde. Aber die Worte...

Deine Infos sind auch interessant!

Barfly: Ja, 10 Punkte sind es nicht. Aber, vielleicht ist der Film auch daher gut, 8 sind nicht wenig, weil der eben nicht 'perfekt' ist.

Ich hätte noch Minuspunkte aufzählen können, z. B., das die Schlägereien komisch ablaufen, aber das hätte mMn den Fluss beim Lesen gestört. Außerdem ist es auch das Komische, was zu Barfly passt.

Ob es einem Film gelingen kann, wirklich kongenial zu sein, was so einen Künstler angeht?

16.12.2022 21:47 Uhr - lamb
1x
User-Level von lamb 3
Erfahrungspunkte von lamb 154
In den Fünfzigern konnte Bukowski schließlich einer Arbeit bei der Post nachgehen, dann begann er damit, Gedichte zu schreiben.


Über den gesamten Beginn deines Textes werden wunderbare Erinnerungen wach, siehe Nachricht and dich ;-)

Auf seinem Grabstein stehen die Worte: "DON'T TRY", die unterschiedlich interpretiert werden. So wird darin zum Beispiel die Aussage gelesen, man solle nicht versuchen, zu schreiben (oder anders zu handeln?), frei von der Leber Weg sollten die Worte kommen. Darin sehe ich auch den Appell, sich treu zu bleiben.


So schaut's mal aus, tolle Stelle im Text. Und wer hier noch mit Begriffen wie objektiv und subjektiv seine oder andere Texte zu trennen missversteht, hat noch einen Weg vor sich, auf dem ich viel Glück anbei wünsche.

Hab den Film gerade bei zwei köstlichen Bieren genossen oder durchlitten, je nachdem wie ich es brauche. Deine Zeilen dazu sind wunderbar abgründig und machen die Ausweglosigkeit samt aller Umstände greifbar, wenn man auch nie zu einem Ende gelangen kann, ist der obszöne Suff doch so unendlich wie das Universum. Sinnbildlich dreht man sich im Kreis und fängt immer wieder bei Null an. Aber gerade aus dieser Mischung, aus dieser Rezeptur hat Bukowski großartiges in den korkigen Untersetzer geschlagen. Ohne all das wäre diese giftige Magie wohl nicht möglich gewesen. Danken wir ihm, dass er sich derart tief hinab begab und litt, womit er einem Erlöser nahe kam wie kaum ein anderer.

Danke für den Text. Das wollte ich, frei von der Leber und nachdem du dich ab und an bei mit für meine Werke auf dieser Seite bedankst, auch mal sagen.

17.12.2022 14:29 Uhr - cecil b
Moderator
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Erfahrungspunkte von cecil b 7.882
Vielen dank auch für diesen Kommentar!

Das zweite Zitat und dein dazugehöriger Kommentar sind der Grund, warum ich eine Parallele sah, unter der C'mon, C'mon-Review. :)

Ansonsten freue ich mich sehr darüber, dass deine weiteren Aussagen über BARFLY in meinen Augen exakt den Tenor des Films wiedergeben!

Ich denke, dass Bukowski auch daher so bedeutsam für viele wahr und ist, weil er offen seine Schwächen und Stärken zeigte, und vieles relativierte.

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