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Girl Hell 1999

Originaltitel: Shôjo jigoku ichi kyû kyû kyû

Herstellungsland:Japan (1999)
Genre:Amateurfilm, Drama, Erotik/Sex
Alternativtitel:Shôjo jigoku 1999
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,50 (2 Stimmen) Details
eine kritik von dr. kinski:

Girl Hell aus dem Jahr 1999 ist ein Film, der an sich nicht weltbewegend ist. Aufgrund der Tatsache, dass dieses Werk aber lediglich bei der Veröffentlichung auf VHS erschienen ist und sich danach kein Mensch mehr um ein Re-Release bemüht hat, sorgt dieser Film gelegentlich noch einmal für Diskussionsstoff. Heutzutage noch so ein abgenudeltes VHS-Tape zu bekommen, ist ein Ding der Unmöglichkeit und ohne Internet und Bootlegs könnte man dieses Werk auch schon fast zu den Lost-Media zählen. Das wäre wiederum sehr schade, da Girl Hell aus meiner Sicht dann doch noch einige Qualitäten besitzt und der geneigte Sicko-Freund hier durchaus auf seine Kosten kommen kann.

Wir bewegen uns hier wieder einmal im Bereich des Violent-Pink. Zur Erläuterung des Begriffs sei, ohne viele Worte darüber zu verlieren, auf meine Review zu Pleasure Kill verwiesen, der im selben Brackwasser schwimmt. Anders als bei Pleasure Kill führte aber bei Girl Hell kein Geringerer als Daiksuke Yamanouchi Regie und allein um dessen filmisches Gesamtwerk zu besitzen, ist so ein Film dann doch wieder ein Muss. Wer in diesen Gefilden sonst nicht heimisch ist, kann mit diesem Namen ohnehin nichts anfangen, wenn man sich aber für japanische Sickos interessiert, kommt man an diesem Mann eigentlich nicht vorbei. Seine hierzulande bekanntesten Werke dürften wohl die beiden Red Room Filme sein, über die man aufgrund des Release von Unearthed Films auch international schon einmal stolpern konnte. Von diesen Werken mag man halten, was man will, aber auch wenn kein Yamanouchi-Film wirklich überragend ist, haben diese doch alle einen gewissen Unterhaltungswert. Der Rape and Revenge Streifen Blood Sisters, erfindet nichts neu, aber liefert dennoch ab und der herrlich dämliche Kyoko vs. Yuki ist so skurril, dass ich ihn am ehesten als eine Mischung aus Hard Revenge Milly und Visitor Q beschreiben würde. Damit ist auch direkt eine Eigenschaft angesprochen, die im Grunde alle Yamanouchi-Filme auszeichnet. Neben den obligatorischen Sex- und Gewalt-Szenen sind skurrile Perversionen praktisch in allen seinen Werken vertreten.

 

Mit skurrilen Perversionen sieht sich in diesem Film auch die Protagonistin Misaki (Yoko Satomi) regelmäßig konfrontiert. Persönlich kann sie da eigentlich nichts für, aber da ihre einzigen Freundinnen eine pummelige Prostituierte und eine geisteskranke Obdachlose sind, fehlt ihr einfach der richtige Umgang. Zu Hause gibt es auch keinen Halt für sie, denn ihre Schwester ist nach einem Unfall gelähmt und nahezu vollständig mit Verband eingewickelt und ans Bett gefesselt. Die Mutter ist sowieso schon längst über alle Berge und ihr Vater findet eigentlich bloß noch daran gefallen, regelmäßig die gelähmte Schwester zu missbrauchen. Die einzigen Menschen, die ihr im Grunde wohlgesonnen sind, sind ihre zweifelhaften Freundinnen zu denen sie sich gelegentlich flüchtet. Ach ja, und zwei gewaltbereite und dauergeile Fabrikarbeiter rennen auch noch durch die Stadt. Man merkt als Zuschauer dann auch recht schnell, dass außer Misaki hier im Grunde jeder Charakter auf die eine oder andere Weise einen an der Waffel hat und entweder Täter oder hilfloses Opfer ist. Bei einer solchen Ausgangslage lässt es sich auch nicht vermeiden, dass Misaki praktisch von einer unangenehmen Situation zur Nächsten stolpert.

Bei einer Länge von nicht einmal 70 Minuten bietet dieses Werk auf alle Fälle auch genug Abwechslung, sodass keine Langeweile aufkommt. Der Look ist zwar durchweg billig, aber das muss bei so einem Werk auch nicht verwundern und stört Freunde dieser Art von Film in der Regel auch nicht besonders. Aufwendige Effektarbeit gibt es hier zwar nicht zu bewundern, aber eine Person wird immerhin mit einem Baseballschläger bearbeitet, sodass es dann auch etwas blutig werden kann.

Es wird dann noch versucht mit fernost-typischen Piano-Klängen etwas Atmosphäre aufzubauen, diese haben aber nur einen geringen Mehrwert für den Film. Jedenfalls sind sie nicht in der Lage, großartig Atmosphäre aufzubauen. Dies liegt aber nicht nur an der standard-mäßigen musikalischen Untermalung, sondern eben auch an den Charakteren und der gesamten Geschichte.

Der Fokus wird dann eher darauf gelegt Perversionen aneinanderzureihen und eine im Ansatz kranke Atmosphäre zu erschaffen. Misaki befindet sich meist in der Opferrolle und diese wird auch glaubhaft genug gespielt, sodass man etwas Mitleid mit ihr bekommen kann und die Ernsthaftigkeit gewahrt bleibt. Dies ist stellenweise auch nicht ganz einfach, da die Charaktere häufig überzeichnet dargestellt sind und außer in der Verkörperung ihrer perversen Triebe charakterlich sehr blass bleiben. Hier ist dem Regisseur aber aus meiner Sicht ein guter Mittelweg gelungen, da die ernsthafte Misaki hier in gewisser Weise überdrehte Charaktere wie die geistig umnachtete Obdachlose oder die Fabrikarbeiter ausgleicht und die ganze Szenerie so nicht ins Klamaukige abdriftet. Die meisten Schauspieler sind hier qualitativ auch nicht wirklich gut, da sie aber meistens eh nur ihre Triebe verkörpern, habe ich das nicht als störend empfunden. Hier spielen durch die Bank weg auch nur No-Names mit und eine Namensnennung würde hier wohl niemanden etwas nützen, zumal mir das bei den mageren Informationen, die ich besitze, auch nicht leicht gefallen wäre. Die Protagonistin soll an dieser Stelle reichen.

Gegen Ende hat der Drehbuchautor auch noch einen kleinen Twist eingebaut, den der Zuschauer aber möglicherweise auch schon erahnen könnte. Der Twist wirft zwar kein völlig neues Licht auf die Ereignisse, gibt den Ganzen aber noch einmal eine etwas perversere Note und ist somit zu begrüßen.

 


Nun ja, insgesamt mal wieder ein kleiner fieser Film, der von seiner kranken Prämisse lebt und ein paar merkwürdige Charaktere abliefert. Wirklich grenzüberschreitend ist hier aber nichts. Gewalt und Vergewaltigungen sind natürlich vorhanden, aber keine Szene sprengt irgendwie den Rahmen des Zumutbaren. Personen, die mit Visitor Q oder Red Room klargekommen sind, sollten hier auch keine Probleme haben. Schauspielerisch zwar durchwachsen, aber insgesamt zeigt Girl Hell dann doch mal ein bisschen was anderes. Letztlich also ein solider und durchaus unterhaltsamer Yamanouchi-Film und irgendwie hat das allein schon seinen Charme. 6 Punkte

6/10
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Kommentare

25.11.2022 14:48 Uhr - Jichi
1x
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Klingt von der Qualität her ähnlich wie die "A Baroque House" Titel der mittleren Liga, aber mit etwas mehr Charme und Atmosphäre. Passt ja auch irgendwie, aus der Richtung kommt die Inspiration ja her ;-)

Der Name des Regisseurs ist mir natürlich ein Begriff, aber ich habe noch keinen seiner Filme gesehen, aber "Red Room" ist mir auf diversen Verkaufsplattformen schon öfters begegnet. Lohnen die sich denn?

Danke auf jeden Fall für die coole Vorstellung, ein weiterer Titel aus dem asiatischen extremeren Bereich auf meinem Schirm!

25.11.2022 18:05 Uhr - Dr. Kinski
1x
User-Level von Dr. Kinski 4
Erfahrungspunkte von Dr. Kinski 271
Ja, der Titel ist schon eher oberes Baroque House Niveau, wobei die nicht so richtig vergleichbar sind.
Grafisch ist "Girl hell" relativ harmlos, da sind SamHel Filme auf jeden Fall deutlich härter.
Dafür haben die Yamanouchi Filme aber, wie du bereits vermutet hast, mehr Charme und Atmosphäre und vor allem auch eine richtige Geschichte. Yamanouchi schafft zwar keine Meisterwerke, aber ich finde fast alle seine Filme sehr unterhaltsam und einigermaßen kreativ ist er auch. Du solltest dir seine Werke mal ansehen, ich denke, dass diese dir gefallen werden.
Ist eben meist überdrehter Japan Kram, aber nicht so, wie diese Japan Splatter Filmchen sondern eher wie "Visitor Q". Irgendwie pervers abgedreht, wenn du verstehst was ich meine :D

26.11.2022 10:50 Uhr - Jichi
1x
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Mit pervers abgedrehten Japan - Filmen kann ich meist etwas anfangen, dass stimmt ;-)
Bin ja auch ein großer Fan von Miike, also könnte das wirklich was werden, ich halte die Augen offen !

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