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High Tension

Originaltitel: Haute Tension

Herstellungsland:Frankreich (2003)
Standard-Freigabe:SPIO/JK geprüft: strafrechtlich unbedenklich
Genre:Horror, Thriller
Alternativtitel:Alta tensión
Blady strach
Switchblade Romance
X-Tension
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,88 (307 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Ein einsames Haus, eine vereinte Familie, zwei unzertrennliche Freundinnen. Ein brutaler Mörder, der vor nichts zurückschreckt. Und die Nacht. Eigentlich wollte Alex nur mit Freundin Marie ihre Familie auf dem Land besuchen. Doch als die Nacht einbricht, dringt ein brutaler Fremder in das Haus und der Kampf ums Überleben beginnt. (Ascot Elite)

eine kritik von themoviestar:

Der mir vorliegende Horror-Thriller High Tension (2003) , im französischen Original geschrieben Haute Tension, wird gerne als Begründer der neuen französischen Terrorwelle angesehen. Das ist eine inoffizielle Reihe an voneinander völlig unabhängigen, knallharten Horror / Terrorstreifen, die inhaltlich eigentlich nur ihre Herkunft und den übermäßig ausgeprägten Anteil an graphischer Gewalt gemeinsam haben. Obwohl High Tension rein wirtschaftlich betrachtet eine Enttäuschung war (Budget 2,5 Millionen Dollar, Kinoeinspiel 6,8 Millionen Dollar), eilt dem kompromisslosen Film ein ausgezeichneter Ruf hinterher. Viele sehen in ihm sogar absolutes Kultpotenzial. Ganz so weit würde ich jetzt nicht gehen, da das unvorhersehbare Finale, welches den packenden, bis dahin eher konventionell verlaufenden High Tension in einem völlig anderen Licht erscheinen lässt, neben der unbestrittenen Innovation auch Fragezeichen aufwirft, die je nach Empfinden unterschiedlich stark gewichtet werden können. Trotzdem ist High Tension natürlich ein ganz großes Stück Genrekino, dass man als Liebhaber von etwas härterer Kost unbedingt gesehen haben muss.

Inszeniert wurde der Film von einem damals noch eher unbekannten Alexandre Aja, der durch die überdurchschnittlichen Kritiken internationale Berühmtheit erlangte und sich so für nachfolgende Projekte wie The Hills Have Eyes (2006) oder Mirrors (2008) bewarb. Aja schrieb das Drehbuch gemeinsam mit seinem Freund Grégory Levvasseur. Sie konzeptionierten High Tension als Hommage an die Old School Horrorfilme der 70er/80er Jahre. Gedreht wurde in Rumänien, obwohl die Handlung eigentlich in Südfrankreich spielt: Die befreundeten Studentinnen Marie (Cécile de France) und Alex (Maïwenn Le Besco) besuchen Alex's Familie in einem abgelegenen, ländlichen Bauernhaus. Als es Nacht wird, dringt ein brutaler Mörder ins Haus ein, so dass sich die beiden Frauen einem gnadenlosen Überlebenskampf stellen müssen...

Aja und Levvasseur haben sich ziemlich offensichtlich von klassischer Horror bzw. Slasher Kost inspirieren lassen, was im Falle von High Tension bestimmt kein Nachteil ist. Strukturell ziemlich einfach aufgebaut mit altbekannter Hauptfigur / Opfer / Täter Einführung setzt AJa's Durchbruchswerk unter Bedienung des ein oder anderen Klischees auf triste, dunkle, Unbehagen hervorrufende Settings wie ein abgelegenes altes Landhaus, oder ein nächtliches Maislabyrinth. Die Dunkelheit, die situative Stille und die Enge der räumlichen Einschränkungen tragen gemeinsam mit dem zielstrebig-konsequenten Killer, der mitreißend gespielten Opferangst und den brachialen Gewaltspitzen für Angst und Schrecken. Auch wenn der Bodycount insgesamt überschaubar ausfällt, schockiert High Tension mit seiner bebilderten Brutalität und dem gewissenlosen, unbeirrbaren Vorgehen des Mörders, der selbst vor einem kleinen unschuldigen Kind nicht halt macht. Die handgemachten, streckenweise derben Blut und Splattereffekte wurden vom italienischen Maskenbildner Giannetto De Rossi, der ein Bekannter des verstorbenen Regisseurs Lucio Fulci war, in beeindruckender Art und Weise umgesetzt.

Nach der schockierenden Familienauslöschung steigt die Spannung für das Publikum mit dem von Philippe Nahon dargestellten, schmierigen, leicht korpulenten Psychopathen und den beiden charismatisch verkörperten Hauptfiguren Marie und Alex sukzessive konstant an. Das mitreißende Schauspiel von Cécile de France und Maïwenn Le Besco, die schnörkellose Inszenierung sowie die hochbrisante Frage, ob und wie die beiden Frauen mit dem ekelhaften Scheusal fertig werden, lassen für den Zuschauer kaum Verschnaufpausen zu, so dass High Tension, was übersetzt ins Deutsche Hochspannung heißt, seinem Namen alle Ehre macht. Dabei bedienen sich Aja und Levvasseur dem inszenatorischen Kniff, die Story und eine für möglich erachtete Auflösung in eine bestimmte Richtung zu lenken, nur um danach alles über Bord zu schmeißen und einen unerwarteten, völlig überraschenden Twist zu platzieren, der den eh schon verstörenden Handlungsverlauf zum alles in den Schatten stellenden, Magengruben verstimmenden Finale führt, dass neben dem inhaltlich starken Tobak auch nochmal Ausrufezeichen in Sachen exzessiver Gewaltdarstellung setzt.

Die Kehrseite von der Medaille ist, dass die einschneidende Wendung trotz unbestritten positiver Wirkung auf den Spannungs- und Unterhaltungswert, den vorangegangenen Plot automatisch auch einer unumgänglichen Plausibilitätsüberprüfung unterzieht. So interessant, abartig und krank das psychologische Stimmungsbild auch sein mag, so unwahrscheinlich erscheinen danach manche Inhalte im Nachhinein. Die Augen davor zu verschließen ist dabei eben so falsch, wie die unsachgemäße Verteufelung mancher Logik Fetischisten, so dass die Wahrheit hier sinnbildlich in der goldenen Mitte liegt. Egal wie man letzten Endes dazu stehen mag: Durch die 360 Grad Drehung polarisiert der Film natürlich ungemein, was für High Tension erhöhte Aufmerksamkeit und massig Diskussionsstoff bedeutete frei nach dem Motto: Egal wie die Leute über dich reden, es ist besser im Gespräch zu bleiben als wegen Belanglosigkeit tot geschwiegen zu werden, von daher haben Aja und Levvasseur alles richtig gemacht.

High Tension hat also auch inhaltlich mehr zu bieten als nur stumpfe, sinnlose Gewalt. Apropos Gewalt: Seiner Vorreiterrolle der "neuen französischen Härte" wird der Film übrigens auf Grund einiger expliziter Szenen mehr als gerecht. Wie zu erwarten war, fanden die deutschen Zensurbehörden den völlig ohne Humor auskommenden, an manchen Stellen wirklich brutalen Slasher überhaupt nicht lustig, was dazu führte, dass der Streifen in Deutschland nur zensiert erschienen ist. Wer den stets fesselnden High Tension in deutscher Sprache uncut sehen will, muss auf die österreichischen Unrated Veröffentlichungen zurückgreifen. Leute, die härterer, psychologisch aufwühlender Horror Unterhaltung nicht abgeneigt sind, sollten Switchblade Romance, so ein alternativer Titel, auf jeden Fall mindestens einmal, am besten mehrmals gesehen haben, da sich einige Qualitäten gerade durch die Richtungsänderung am Schluss erst nach wiederholter Sichtung voll entfachen. MovieStar Wertung: 9 von 10 Punkte.

 

9/10
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Kommentare

08.12.2022 22:45 Uhr - voorheeskrüger
1x
Wieder mal habe ich von dir das super , gut verfasste Review sehr gerne gelesen. Ich mag Horror Filme ohne Humor . Nur das Ende das finde ich nicht gut. Das ist für mich sowas von unlogisch das ich dem Film 5 von 10 gebe .Der Film rockt ,keine Frage aber wegen dem Schluss gehe ich da mit der Punktewertung von 9 nicht mit ,obwohl wir fast einig sind bei den Filmen wo ich ein Kommentar zu deinem Reviews schreibe.

09.12.2022 09:15 Uhr - Kassiopeia
1x
User-Level von Kassiopeia 3
Erfahrungspunkte von Kassiopeia 140
Was für ein toller Text. Ich bin begeistert wie viel du aus diesem Film herausgeholt hast. Mir gefällt der Film eigentlich auch sehr gut, weil er wirklich sehr, sehr spannend ist. Nur die übermäßige Gewalt und besonders die Auflösung des Ganzen haben mir etwas die Freude genommen, aber ansonsten ist High Tension sehr empfehlenswert. Gerade wenn man auf die härtere Art von Filmen steht. Mir persönlich reicht aber die einmalige Sichtung, doch habe ich deine Zeilen hierzu wirklich sehr gerne gelesen.

09.12.2022 13:40 Uhr - Lukas
1x
Schöne Kritik zu einem grandiosen, hammerharten, extrem atmosphärischen Horrorthriller, der für mich mit Abstand der beste der "neuen französischen Terrorwelle" ist. Da verzeiht man sogar, dass das Finale tatsächlich ein einziges kratergroßes Logikloch ist. ;-) Von mir auch 9/10.

09.12.2022 15:54 Uhr - TheMovieStar
1x
User-Level von TheMovieStar 13
Erfahrungspunkte von TheMovieStar 2.878
Danke euch Voorheeskrüger, Kassiopeia und Lukas fürs Lesen und für eure Rückmeldungen, hat mich sehr gefreut.

11.12.2022 00:21 Uhr - Pantera
1x
Schöne Kritik, schöner Film. 9/10

12.12.2022 21:59 Uhr - TheMovieStar
User-Level von TheMovieStar 13
Erfahrungspunkte von TheMovieStar 2.878
@ Pantera: Danke auch dir fürs Lesen und für deinen Kommentar. Hat mich sehr gefreut.

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