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Barbarian

Herstellungsland:USA (2022)
Genre:Horror, Thriller
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,00 (6 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Eine Frau bucht für ein Vorstellungsgespräch eine Wohnung in Detroit. Doch als sie spät nachts ankommt, sieht sie, dass das Haus doppelt belegt ist und ein fremder Mann bereits dort wohnt. Wider besseres Wissen beschließt sie, den Abend dort zu verbringen, stellt aber fest, dass es mehr zu befürchten gibt als nur einen unerwarteten Gast im Haus. (Disney+)

Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von lamb:

Regisseur und Autor Zach Gregger, den man nach diesem Film durchaus im Auge behalten sollte, schafft es mit einem minimalen Budget von gerade einmal knapp viereinhalb Millionen Dollar, effektiv und zuweilen sehr unterhaltsam hängen zu bleiben, auch wenn Barbarian, entgegen der äußerst wohlwollenden Kirtikerschafft, nicht der ganz große Wurf geworden ist. Diesen Umstand nun zu begründen, ist nicht ganz einfach, denn der Zusammenhang zwischen einer bloßen und kurzen Empfehlung, einer angemessenen Filmkritik und einer an für sich sinnvollen Analyse dieses launigen Werkes ist ziemlich engsprossig, womit man gerade bei Barbarian schnell an dem Punkt angelangt ist, was man denn eigentlich darüber erzählen und empfehlen sollte, ohne zu viel zu verraten oder sich zu verrennen - oder eben nix weiter zu erzählen. Zach Greggers Stoff ist so angelegt, dass man im Vorfeld wirklich überhaupt nichts zum Film in Erfahrung bringen sollte, um einen maximalen Effekt zu erzielen, auch wenn zum Beispiel der Trailer durchaus gelungen und zurückhaltend ist. Ich hatte Glück, ich wusste bis zu den ersten laufenden Sekunden des Film nichts über diesen. Doch allein dieses Gedankenspiel, also über was man nun spricht oder eben nicht spricht, offenbart viel über Barbarian und ist auch universell anwendbar. Denn Barbarian fällt mit diesem Gedankenspiel leider auch in jene Sparte Film, die sich zwar nicht nur, aber zum großen Anteil über gewisse Leuchtpunkte in der Handlung definieren lässt und da dann leider meist weniger Tiefe rundum zum Vorschein trägt.

Und dabei fängt der Film so dermaßen klasse an. Tess (Georgina Campbell) und Keith (Bill Skarsgård) teilen sich zunächst eher widerwillig, langsam tastend und auf einen scheinbaren Buchungsfehler zurückzuführenden Fehler eine Bleibe in Detroit. Tess agiert erst nur sehr unsicher auf Keith und die beiden talentierten Akteure spielen das wirklich wunderbar. Es entsteht nach und nach eine sehenswerte Lockerung, eine zwischenmenschliche Chemie im Dunkel einer Nacht im Nirgendwo. Das ist tolles, natürliches Schauspielkino, das ist originäres und unwohliges Genrekino. Man spürt, wie hier mehr drin gewesen wäre, man erwägt, dass man sich in die hervorragend dargebotenen Charaktere hineinfühlen könnte. Doch dann der erste Zusammenbruch im Drehbuch, den der gesamte Film nicht so gut übersteht, wie es der Schöpfer sich ausgemalt hat.. 

Mehr zu verraten ist wirklich nicht nötig. Zach Gregger versucht sich hier an einem Kniff, den - Achtung Spoiler -  schon der ehrwürdige Hitchcock ins Auge fasste. Einfach mal eine der gedachten Hauptfiguren aus dem Bilde scheiden lassen. Und man muss es Gregger lassen. Eindruck macht dieser heftige Augenblick, der einfach mal ein Drittel des hundert Minuten langen Films quasi zurücksetzt. Wieder Schnitt. Eine neue Figur, gespielt von Justin Long, kommt hinzu. Dreißig Minuten weiterer, leider aber weniger interessanter Film. Wieder Schnitt. In der Zeit wird gesprungen, eine Figur unter Richard Brake wird eingeführt. Schnitt, Bruch, Tobsucht. Alles läuft letztlich zusammen.

Nietzsche sagte mal sinngemäß, wer ein Warum zum Leben hat, erträgt fast jedes Wie. Und Barbarian dreht diese These auch nicht ins Gegenteil, nein, Barbarian unterstreicht es sogar überdeutlich. Und das gibt durchaus zu denken, denn es gibt Filme, über die sollte man nichts verraten, weil sich Wie und Warum besser in Schach halten, was hier nicht komplett zugunsten des Zuschauers ausgeht. Zach Gregger hat ein Warum inszeniert, das dann doch zu dürr ist, schallt der Abspann unangebracht cool und eigenartig augenzwinkernd dahin, auch wenn das Wie immerhin solide geraten ist. Vergleiche zu anderen Filmen zu ziehen, würde den Film in ein sehr imprägniertes Licht stellen, deshalb verzichte ich an dieser Stelle auf Verweise. Engsprossig halt, egal wie man es angeht. Wer allerdings einen zerstückelt episodenhaften und ordentlich geschriebenen, später zusammenlaufenden und schön schaurigen, atmosphärischen Horrorfilm als eine Art ungehobelten Snack in Ausschau stellt, der wird nicht enttäuscht werden, Barbarian allerdings auch nie wiederholt anfassen.

Gregger und seine Crew bestehen im Filmhandwerk. Kamera, Score, Soundtrack. Licht, Schnitt und Stimmung. Zeichen, Leerstellen und dramaturgische Eruptionen sitzen, auch wenn das Missliche etwas zu oft in voller Natur gezeigt wird. Barbarian kommt stimmig daher und der finanzielle Erfolg spricht, ähnlich wie die offiziellen Kritikerworte, für das kurzweilige Werk. Nur eine buchstäblich unangenehme Tiefe, die eben stark in den Anfang gesetzt worden ist, fällt letztlich nicht an. Ich fühlte mich ziemlich leer nach dieser bunten Mischungen an Prämissen, die dreifach einfach zweifach zu viel sind, um gleichrangig zu bestehen. Die Gewichtung stimmt nicht ganz, auch wenn gar nicht viel fehlt. Insgesamt gut ist der Film dennoch, einfach schon weil er mich dahingehend beschäftigt hat, was Wie und Warum an sich ausmachen, gerade in filmischer Hinsicht. Barbarian bietet ein paar sehr gelungene Momente, an Blut und Fleisch mangelt es nicht, gerade im Kontext, doch Zach Gregger bleibt letztlich noch zu nah an der Oberfläche, was Genrekino schon oft genug besser vorgemacht hat. Im Auge und im Ohr bleibt er trotzdem, der Name Gregger.

6/10
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Kommentare

21.11.2022 13:17 Uhr - Man Behind The Sun
1x
User-Level von Man Behind The Sun 6
Erfahrungspunkte von Man Behind The Sun 476
Nicht ganz der große Hit, für den er gehalten wird (auch wegen dem von dir angesprochenen Bruch in der Erzählung), aber wenn man genauer hinsieht, ist der Film eine Kritik am Wirtschaftssystem der USA, thematisiert der Rolle der Frau, Urbanisierung und die "Broken Windows"-Theorie.

Ich mochte den Streifen, würde ihn aber noch mit einer 7 bewerten.

Schöne Kritik, die ich auf jeden Fall nachvollziehen kann.

21.11.2022 20:00 Uhr - lamb
1x
User-Level von lamb 2
Erfahrungspunkte von lamb 98
Schön, dass wir da ähnlich denken, dennoch würde ich die Anmerkung mit der Kritik am Wirtschaftssystem der USA nicht gänzlich, zumindest nicht über allem stehend unterschreiben, ist dieser Hauch im Film doch von eher nebensächlicher Natur, selbst wenn es in Detroit spielt, also jener Stadt, die ja oft genug in derlei Kerben und Offenbarungen schlägt. Trotzdem ist das nie Fundament, eher Besenkammertür eines filmisch erbauten Hauses. Deshalb habe ich es im Text weggelassen. Zumindest ist das meine Sicht, aber bitte, ich bin kein Experte in der Hinsicht.

Thematisiert der Rolle der Frau? Wie meinst du das? So wie es dasteht klingt es sehr weit gefächert. Macht das nicht jeder Film, in dem eine oder mehrere Frauen von Gestalt sind?

Zur Urbanisierung und der Broken-Windows-Theorie habe ich gerade nachgelesen - das lässt der Film auf jeden Fall durchscheinen, auch wenn es letztlich nicht die Hauptsache von Barbarian ist.

22.11.2022 18:34 Uhr - Man Behind The Sun
User-Level von Man Behind The Sun 6
Erfahrungspunkte von Man Behind The Sun 476
21.11.2022 20:00 Uhr schrieb lamb
Schön, dass wir da ähnlich denken, dennoch würde ich die Anmerkung mit der Kritik am Wirtschaftssystem der USA nicht gänzlich, zumindest nicht über allem stehend unterschreiben, ist dieser Hauch im Film doch von eher nebensächlicher Natur, selbst wenn es in Detroit spielt, also jener Stadt, die ja oft genug in derlei Kerben und Offenbarungen schlägt. Trotzdem ist das nie Fundament, eher Besenkammertür eines filmisch erbauten Hauses. Deshalb habe ich es im Text weggelassen. Zumindest ist das meine Sicht, aber bitte, ich bin kein Experte in der Hinsicht.

Thematisiert der Rolle der Frau? Wie meinst du das? So wie es dasteht klingt es sehr weit gefächert. Macht das nicht jeder Film, in dem eine oder mehrere Frauen von Gestalt sind?

Zur Urbanisierung und der Broken-Windows-Theorie habe ich gerade nachgelesen - das lässt der Film auf jeden Fall durchscheinen, auch wenn es letztlich nicht die Hauptsache von Barbarian ist.


Ich denke da an diese eine Szene, die in den 50ern/60ern spielt... Frauen hintern Herd und so....

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