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The Twin

Herstellungsland:Finnland (2022)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Horror
Alternativtitel:The Twin - Paha kaksonen
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,00 (1 Stimme) Details

Inhaltsangabe:

Nach einem tragischen Unfall, bei dem einer ihrer Zwillinge ums Leben kam, ziehen Rachel und ihr Mann Anthony mit ihrem verbliebenen Sohn ans andere Ende der Welt, in der Hoffnung, sich ein neues Leben aufzubauen. Was als eine Zeit der Heilung in der ruhigen skandinavischen Landschaft anfängt, nimmt bald eine unheilvolle Wendung, als Rachel beginnt, die erschütternde Wahrheit über ihren Sohn zu entdecken und sich den bösartigen Kräften entgegenstellt, die versuchen, ihn in ihre Gewalt zu bringen. (LEONINE Distribution)

eine kritik von lamb:

Wenn man ein Kind mit in diese Welt hinein gebiert, dann ist es so, dass man einen großen Teil von sich mit in dieses Lebewesen gibt, was einen nie wieder loszulassen vermag. Man ist nach und nach nicht nur nicht mehr derselbe wie zuvor, sondern auch weniger in Form und Gewicht, eben anders. The Twin, von Aleksi Hyvärinen und Taneli Mustonen, baut auf dieser sicherlich streitbaren These, die vielleicht auch nur ich und ein Teil aller möglichen Eltern so sehen, auf. The Twin ist in psychologischer Hinsicht treffend, verzweifelt und ausreichend schürfend, allerdings auch wenig originell ausgefallen. Trauer geht oft den Weg alter Pfade, Trauer fällt oftmals denselben Klippen zum Opfer. Von der gesetzten Inszenierung her gibt es keine große Bank zu bestaunen, auch wenn der Film sehr viel besser aussieht und erklingt, als es seine Wertungen allerorts vermuten lassen. Doch irgendetwas fesselt einen an diesen Film, an den verloren gegangen Zwilling.

Zum einen ist da natürlich die hochbegabte Teresa Palmer, die bisher leider keinen ganz großen Hype erfahren hat. Palmer spielt die Rolle der Mutter von Zwillingen und die der Ehefrau, die eben eines ihrer Kinder verloren hat, ganz großartig und einnehmend. Allein ihr an allen möglichen Facetten reiches Gesicht und all die eigentümlichen Bewegungen darin sind ein Sehgenuss, der ganz für sich steht. In solchen Augen, in solch einem Leben, nun, da verliert man sich leicht in Schwebe. Palmers Spiel überzeugt und ihr zuzuschauen macht unheimlich Laune, selbst wenn ihre Rolle hier natürlich weniger freudvoll angelegt ist. Und zum anderen ist es die durchweg entrückte Atmosphäre, die The Twin auszeichnet. Es geht nicht allzu schnell und eilig voran, es werden nie absolute Untiefen ausgegraben und untergraben. Es werden auch nicht die ganz sperrigen und fiesen Genretüren zu dunkelsten Kellern voller Grausamkeiten eingetreten. The Twin ist in Rahmen, Leuchtkraft und Gangart ein recht gewöhnlicher Film, der hätte mehr sein können, aber auch nicht so wenig ist, wie es allerorts durchscheint. Wer eine Vorliebe für Filme mit geerdetem Spuk, ansehnlichen Drehern im Buch und morbiden Spitzen im Unausgesprochenen hat, dürfte einen Abend lang immerhin keine Enttäuschung erleben. Und wer faserige Twists mag, der dürfte diesen Film durchaus nochmal sehen wollen, was ich selbst bestätigen kann. The Twin ist nicht riesig im Gesamten, allerdings auch kein belangloser Nischenfilm, hat man zum Beispiel selbst Kinder und kann sich in den sorgsam aufgearbeiteten Stoff in allen Fasern und Kappen hineinfühlen.

Das lässt sich leicht und vielleicht auch ein wenig rührselig daher sagen und klingt so ein bisschen wie tranig herbe Ausflucht, doch The Twin, der wirklich hochwertig gemacht ist, lässt letztlich keine Zweifel über. So ist es eben. Gibt man einen beachtlichen Teil seines Daseins mit in ein neues Leben ein, fällt es wohl umso schwerer, ist dieses Kind dann für immer fort. Und denkt man sich eben in solch einen scharfkantigen Abgrund hinein und taucht dann hinunter, sieht es wahrlich duster aus, Wirklichkeiten brechen dann harsch zusammen, gewohnte Fäden verlieren sich wild schlingernd im Nirgendwo. Halt und Falz, Wärme und Licht - alles scheint so fern, scheint dahin. Aus dieser Situation heraus spinnt das kreative Duo hinter dem Film ein sonores, bedächtiges Märchen, eine kleine und finstere Geschichte über das was man fort gibt und  nie wieder zurückerhält, eine Geschichte, die es am Ende nicht allzu gut, ja, durchaus bitter meint. Glück und Gutes sind oft nur ein Teil einer Strecke. Das Grauen kommt nicht immer auf demselben Wege, manchmal gar nicht auf dem ganzen Weg. Alles Schöne scheint im Nachgang nur wie der Anfang dessen, was in Schrecken und Trübsal kippt. The Twin macht daraus genug, dass diese Zeilen hier entstanden sind, aber eben auch nicht genug, dass es durch Symbolik und Spiralen bis ins Mark kitzelt und sticht. Am Ende weder Weiß noch Schwarz, eher so ein krümeliges Grau, ein ganz helles Grau in dem man selbst verschwimmt.

7/10
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