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Der Manitou

Originaltitel: The Manitou

Herstellungsland:Kanada, USA (1978)
Standard-Freigabe:FSK 12
Genre:Horror
Alternativtitel:Super Zombie: Die Geburt des Grauens
Manitou: Geburt des Grauens, Der
Geburt des Dämon
Superzombie, Der
Super Zombie
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,67 (3 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Als Karen Tandy eines Tages in ihrem Nacken eine Geschwulst entdeckt, welches schnell an Größe zunimmt, wendet sie sichan einen bedeutenden Tumorarzt, welcher zur Entfernung dessen rät. Doch die Operation an der seltsamen Wucherung schlägt fehl und der Arzt schneidet sich in die eigene Hand. Verzweifelt und unsicher nimmt Karen Kontakt mit ihrem alten Freund Harry Erskine auf, welcher als Kartenleger normalerweise alte Damen ausnimmt. Als Karen im Schlaf seltsam fremde Worte murmelt und kurz darauf eine Kundin bei Erskine während eines seltsamen Anfalls von Besessenheit verscheidet, sucht er Hilfe bei seiner Freundin Amelia, einer Spiritistin. Während einer Seance werden sie von unheimlichen Mächten attackiert und ein aus der Tischplatte wachsender Kopf gibt Erskine einen Hinweise auf indianische Magie. Offenbar will ein mächtiger Manitou in Karens Körper re-inkarnieren und seine Kräfte sind so mächtig, dass er die Welt ins Chaos stürzen könnte... ()

eine kritik von cecil b:

 

Es war einmal vor langer Zeit,

da verfilmte William Girdler (Abby) einen Bestseller des Briten Graham Masterton, und zwar DER MANITOU. Seinerzeit war dieser Autor für diverse sogenannte Frauenzeitschriften tätig, und er interpretierte den damaligen emanzipativen Faktor auch durch gut verkaufte Bücher wie How to drive your Man wild in Bed, um dann erfolgreich den schlichten Horror zu verfassen. Grusel, der mit beispielsweise Dschinns, Bestien, Flüchen, verwunschenen Spiegeln oder einer prophetischen Wucherungen hantiert. Letzteres inspirierte Girdler, Jon Cedar († 2011, Besetzung: Unternehmen Capricorn) und Thomas Pope (Marines) dazu, innerhalb von drei Tagen das Drehbuch für DER MANITOU zu schreiben. Allein schon die gut gelungene Regie, und die solide Arbeit von dem Mann an der Kamera, Michel Hugo, († 2010, Feuerkäfer), sowie dem Cutter Bub Asman (Oscar-Nominierungen: Letters from Iwo Jima, American Sniper), heben den Film knapp aus dem Mittelmaß heraus. Auch die großenteils tolle schauspielerische Leistung, die vor allem durch Toni Curtis († 2010, Oscar-Nominierung für The Defiant Ones) als Protagonist zum Tragen kommt, ist ausschlaggebend. DER MANITOU hat besonders daher etwas, weil die Balance zwischen unfreiwilliger (?) Komik und einem bewussten, teilweise sogar recht gewitztem Humor, alla Steve Miner's HOUSE oder Larry Cohen's AMERICAN MONSTER, oft gut gehalten wird. Es stellt sich die Frage, ob Girdler den Schund dadurch aufpolieren wollte, oder ob man das über Masterton sagen kann. Girdler kann man nicht mehr danach fragen, schließlich verstarb er bei einem Helikopter-Unfall, bevor der Film veröffentlicht wurde. Ich halte mich mal mit makaberen Spekulationen zurück, so viel Anstand darf sein.

           

                                                                         EINE PARASITÄRE ÜBERMACHT

Von Lalo Schifrin (6 Oscar-Nominierungen!) fein säuberlich komponierte Pauken und Trompeten, sowie Streich- und Tasteninstrumente, kitzeln in bewährter damaliger Manier Vorahnungen der Dramatik heraus, sogar unheilvollen Röntgenbildern verleihen sie einem angenehm bizarren Beigeschmack. Bereits das erste Gespräch zwischen Doktoren besticht, auch daher, weil Jon Cedar als einer davon, Dr. Jack Hughes, eine gute Figur macht, und obendrein mit Christian Brückners unnachahmlichen Stimme (De Niro) beschert wurde. Fest steht, dass die Medizin von Anfang an mit dem Latein am Ende ist, und die Ärzte realitätsnahe Reflexionen davon sind, wie diplomatisch sie ihre berufliche Gratwanderung meistern müssen. Verschwiegenheit sei die oberste Devise. Wie bringt man auch der hübschen Karen bei, dass ihre bewegliche Beule rasant, unaufhaltsam und unerklärlich wächst? Susan Strasberg († 1999, Ein Toter spielt Klavier) spielt die Dame lieblich, dann obligatorisch mittels weit aufgerissenen Augen und Mund. Die Akteurin berichtete damals, noch bevor DER MANITOU gedreht wurde, dass sie und ihr Gatte paranormale Aktivitäten erlebt haben. Sie wusste wohl, wie man sich interessant macht. Karen ist für ihren Ex, Harry Erskine, ebenfalls in vielerlei Hinsicht interessant. 

San Fransisco ist mit riesigen Häusern prall gefüllt, sie sind voller Wohnungen, und in einer davon lebt Harry. Durch das Fenster begibt sich die Perspektive dorthin, wo er all sein Hab und Gut hat, neben dem gewöhnlichen Mobiliar sind massenweise Bücher, seltsame Dinge und Tarot-Karten präsent. Der Eindruck wird aufgrund der  Quacksalberei und dubioser Prognosen geschärft, die der Scharlatan dafür gebraucht, schrulligen alten Damen einen Bären nach dem anderen aufzubinden. Ungeahnt beschwingt prägt die von Curtis famos gespielte Figur den Humor, wenn sie den Ausklang ihrer Gaukelei saufend und tanzend feiert. Harry glaube nicht an schwarze Magie, er handele nur mit ihr. Ein charmanter Filou sowie Schürzenjäger, der auch jede Herzensdame mit Handkuss und einem Lächeln so geschickt verlässt, dass er anscheinend immer gut in ihrer Erinnerung bleibt. Karen sucht ihn wie verzaubert auf, und Harry möchte wissen, wie er ihr helfen kann. Jetzt erlebt der Halsabschneider sein blaues Wunder. Köstlich, wie sich dann eine Kundin unter Zuhilfenahme von Großaufnahmen und einem exzentrischen Zug, zu einer Figur wandelt, die Dramatik und Makaberes unterhaltsam verbindet. 

Nach Unannehmlichkeiten im Operationssaal und einer schreienden Karen mit dem dazugehörigen Zoom müssen alle Register gezogen werden. Deswegen besucht der Protagonist eine alte Bekannte, die dann eine folgenschwere  Séance hält. Die Begleiterscheinungen, Blitze, blaue Lichter in der Schwärze der Nacht, ein Grummeln, klirrende Fenster und so weiter, beschwören gemeinschaftlich einen garstigen konkreten Ansatz herauf. Was nun? Die, die Heilsbringer sein wollen, rätseln, und schmökern dabei in einem Buch des guten alten Dr. Snow (Burgess Meredith: Rocky). Der ist skeptisch. "Sie glauben uns nicht?" "Sagen wir es lieber so: ich bin vorsichtig." Das zeichnet DER MANITOU eben auch aus. Der Film ist sich für keinen Schund zu schade, aber dieser wird mit einem reflektiertem Abstand dargestellt. So ist die typische Vorgehensweise, den Menschen mit dem Unerklärlichen als Übermacht zu konfrontieren, spaßig. Und, nichtsdestotrotz, bleibt dann so ein Zausel mit Zwirbelbart erhalten, der sich darüber ärgert, dass er seinen überfüllten Dachboden voller Geheimnisse nicht aufräumt. Fast so gut wie der ebenfalls konsultierte weise Indianer (Spitze: Michael Ansara, † 2013, Mohammed -Der Gesandte Gottes), der irgendwie nicht fehlen darf. John singing Rock lebt in einem Reservat, streckt daher Weißen gegenüber den Mittelfinger aus, ist aber zu cool, um ein Arschloch zu sein. Dieser Mann kennt sich in übernatürlichen Bereichen aus, über die Harry vorzugeben weiß, dass er etwas davon versteht. Der Indianer sagt noch süffisant, der Bauernfänger könne ihm ja zum Dank ein Päckchen Tabak schenken, wenn er denn will. Das Ensemble ist komplett. Frisch ans Werk! 

                                                                         "DAS WILL ICH NICHT GLAUBEN!"

Der Begriff MANITOU oder auch Manitu stammt aus einer ursprünglichen Sprache nordamerikanischer indigener Völker. Damit wird eine übergeordnete Macht ausgedrückt, die verschiedenste Formen annehmen kann. Und mit so einer bekommen es unsere Helden zu tun. Es liegt nahe, darin die Rache der amerikanischen Ureinwohner zu sehen, dafür, dass ihre Heimat brutal von den Weißen bevölkert wurde. DER MANITOU umgeht aber ein pseudo-moralisches Gleichnis, es soll einfach spannend dargestellt werden, dass der Fortschritt und die wissenschaftliche Herangehensweise ihre Grenzen haben. Denn, die Figuren können sich zwar mit ihrem medizinischen Wissen und Computern aufrüsten, und das Opfer quasi einsperren, das reicht jedoch nicht aus. Also erzählt DER MANITOU auch eine klassische Gespenstergeschichte. Finstere Gestalten rücken in der Finsternis versteckt heran, sie können z. B. das Inventar zu einem gefährlichen Spielzeug umfunktionieren. Eine ansehnliche Maskerade sowie dämonische Lichtprojektionen erfüllen ihren Zweck zufriedenstellend, das bunte Spektakel im Finale ist so überzogen, dass es schon wieder witzig ist. Das sind simple Effekte, die da präsentiert werden. Ein schriller Kontrast, zu der bedrohlichen Schwärze, die der Superzombie (siehe Alternativtitel) zuvor im Gepäck hatte. 

Ein netter kleiner Grusler, mit guten Schauspielern, der toll in Szene gesetzt wurde. Das ist kein Film zum Nägelkauen, sondern eher einer zum Schmunzeln. 

 

6/10
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Kommentare

30.11.2022 08:06 Uhr - dicker Hund
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Du schwebst mal wieder über den ganzen Klischees - amüsant zu lesen. Fazit für mich: Den Manitou brauche ich wohl weder als Schuh, noch als Superzombie.

30.11.2022 10:28 Uhr - cecil b
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Danke, freut mich. :) Den Schuh versuchte ich zu verdrängen.

Den Superzombie empfehle ich, wenn der mal im Fernsehen läuft. ;) Wie Harry die Omis ausbeutet, das ist schon lustig, und der Indianer hat nen paar coole Sprüche auf Lager. Die Staubschicht hat auch einen gewissen Charme, finde ich.

30.11.2022 19:47 Uhr - Dissection78
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Den mochte ich früher irgendwie, obwohl er mit fortlaufender Handlung immer trashiger und unfreiwillig komischer wird. Hatte ich vor über dreißig Jahren zum ersten Mal gesehen und ihn mir dann vor einiger Zeit auf Scheiblette besorgt. Stimme Deiner Rezension zu. Ich finde, William Girdler hat mit "Grizzly" und "Panik in der Sierra Nova" bessere Horrorfilme gedreht, aber "Der Manitou" ist okay und nimmt schon Motive von "Poltergeist II" vorweg :)

Von Graham Masterton habe ich auch mal den ein oder anderen Roman gelesen. Ist ein guter Spannungsautor, der teils etwas derber wird. Seine Vorlage zu "Der Manitou" kenne ich allerdings nicht. Ich überlege gerade, ob er nicht sogar des Öfteren in einem Atemzug mit 'Splatterpunk'-Schriftstellern wie Jack Ketchum, Richard Laymon oder James Herbert genannt wird.

30.11.2022 22:18 Uhr - cecil b
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Stimme dir auch zu. Der anfängliche bewusste Humor ist echt gut, aber der spätere Horror ist unfreiwillig komisch, ohne zu punkten.

Die Szene, in der Harry nicht weiß, was er mit der durchgeknallten Oma anstellen soll, hat für mich etwas zwischen den Evil Dead-Filmen und Ghostbusters. Ernsthaft. Die Art, wie die Oma inszeniert wurde, und schwebt.

Den Indianer und Harry finde ich super. Der Manitu ist nicht so toll wie etwa Häuptling Holzkopf aus CREEPSHOW 2.

Masterton war mir tatsächlich unbekannt. Ich las nur über ihn, dass manche Bücher eigentlich zu harmlos sein. Was nichts bedeuten muss, und auf andere von ihm offensichtlich nicht zutrifft. Herbert ist ziemlich dirty, Ketchum ist für einen meiner Lieblingshorrorfilme verantwortlich, THE WOMAN. Laymon habe ich wieder vergessen! Von dem habe ich vor tausend Jahren was gelesen. Vielleicht sollte ich den mal wiederentdecken. TheRealAsh hat übrigens auch empfehlenswerte Bücher geschrieben. Mindfuck!

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