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Mad Heidi

Herstellungsland:Deutschland, Schweiz (2022)
Standard-Freigabe:FSK keine Jugendfreigabe
Genre:Abenteuer, Action, Horror, Komödie,
Splatter, Trash
Alternativtitel:Heidi
Heidiland
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,80 (10 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

In einer chaotischen Welt, in der Diktator Meili mit seiner Morgenstern-Miliz das Volk unterdrückt und Bürgerkriege anheizt, setzt sich in der Schweiz ein kleines Dorf zur Wehr, denn ein Mädchen vom Lande beweist schlagkräftig, dass sich die Unterdrücker mit der falschen Heidi angelegt haben. ()

eine kritik von themoviestar:

"Heidi, Heidi, deine Welt sind die Berge. Heidi, Heidi, denn hier oben bist du Zuhaus. Dunkle Tannen, grüne Wiesen im Sonnenschein... Heidi, Heidi brauchst du zum glücklich sein!" Johanna Spyri's "Heidi" aus dem Jahr 1880 ist ein weltberühmter Kinderbuch Klassiker und ist unter anderem auch dafür verantwortlich, dass wir die Schweiz neben ihrem leckeren Käse auch als erstes mit romantischen Berglandschaften und grenzenloser Freiheit assoziieren. Der Roman um das kleine Waisenmädchen von der Alm wurde in insgesamt 50 Sprachen übersetzt. Bis heute gibt es unzählige mediale Auswertungen in Form von Spielfilmen, Hörspielen oder Animationsserien. Was möglich ist, wenn man den altbekannten Stoff  in einen abgefahrenen, außer Rand und Band geratenen und Blut triefenden Exploitationfilm packt, zeigt der am 24.11.2022 in den deutschen Kinos gestartete, ausreichend unterhaltsame Mad Heidi. Auch wenn in gewissen Bereichen sicherlich noch Luft nach oben ist, lohnt sich insgesamt betrachtet eine Sichtung, sofern man für völlig verrückte Trashbomben etwas übrig hat.

Dabei ist das Schweizer Projekt Mad Heidi kein Millionen schwerer Hollywood Streifen, sondern ein über Crowdfunding finanzierter Independent Film. Spielfilmdebütant Johannes Hartmann hatte 2017 die ursprüngliche Idee. Er erstellte gemeinsam mit Sandro Klopfstein kleine Fake Trailer im Tarantino Grindhouse Stil, um potenzielle Geldgeber auf sich aufmerksam zu machen. Die ausführenden Produzenten waren der Schweizer Valentin Greutert und der Finne Tero Kaukoma, der bereits an der Umsetzung der Nazi-Trash-Komödie Iron Sky (2012) beteiligt war. Durch 538 Investoren aus 19 Ländern kamen ca. 2 Millionen Schweizer Franken zusammen. Mit dem ehemaligen Starship Troopers Star Casper Van Dien konnte sogar ein berühmter Hollywood Darsteller dem Cast hinzugefügt werden. Die "Story" übernimmt die bekannten Charaktere Heidi, Geissenpeter und den Alpöhi und rechnet nebenbei auf schräge, irrwitzige und völlig verrückte Weise mit den volksmundlichen Klischee's über unsere Nachbarn ab.  Seit 20 Jahre tyrannisiert der skrupellose Käse-Fabrikant und Diktator Meili (Casper Van Dien) das schweizerische Volk. Er hält das Monopol für die Käse Produktion. Laktosefreie Milchprodukte werden auf dem Schwarzmarkt gehandelt. Nachdem er den illegalen dunkelhäutigen Käsehändler Geissenpeter (Kel Matsena), der mit dem attraktiven Bauernmädchen Heidi (Alice Lucy) zusammen ist, von seinem sadistischen Handlanger Knorr (Max Rüdlinger) erschießen hat lassen, steckt er Heidi in einen Frauenknast, in dem die Insassinnen zu brutalen Ringkämpfen gezwungen werden. Mit einem Trick gelingt der nach Rache sinnenden Heidi die Flucht...

Wenn es etwas gibt, was Mad Heidi nicht abgesprochen werden kann, dann ist es das Herzblut, mit dem alle Beteiligten wohl am Werk waren. Zuerst stechen die wunderschönen Landschaftsaufnahmen der schweizerischen Alpen ins Auge, die teils in der Totalen, teils auch im Panorama Blick ansprechend eingefangen wurden. Wie in vielen Exploitationfilmen meist üblich, erscheint das Bild in kräftigen, kontrastreichen Farben. Ebenso beeindruckend sind die phantasievollen Kostümierungen der mittelalterlich gekleideten Bergbewohner und die Uniformen der schweizerischen Streitkräfte samt ihrem durchgeknallten Führer Meili, was als eindeutige Parodie auf Adolf Hitler und seine Nazi Gefolgschaft zu erkennen ist. Apropos Parodie: Humor wird in Mad Heidi groß geschrieben: Hartmann und Klopfstein ziehen genüsslich so ziemlich jedes Vorurteil über die Alpenrepublik durch den Kakao. Von A wie Alpenmilch über H wie Heidi bis hin zu K wie Käse ist alles dabei. Bis auf wenige Ausnahmen sind die Gags über lactoseintollerante Aussätzige und durch Käse gezüchtete Supersoldaten-Zombies anfangs zum Brüllen komisch, verlieren aber nach der gefühlt hundertsten Wiederholung irgendwann auch ihren Reiz, was sich vor allem im eintönigen Mittelteil bemerkbar macht. Glücklicherweise findet Mad Heidi zum völlig abgefahrenen Gladiatoren Finale, bei welchem ich Tränen gelacht habe, wieder zurück in die Spur.

Klar ist, wer bei der im positiven Sinne idiotischen, aber irgendwie auch innovativen Story Spaß haben will, braucht eben einen gewissen Sinn für bizarren Humor und sollte überzogener, teils splattriger Gewaltdarstellung ebenfalls nicht abgeneigt sein. Egal ob es Geissenpeters Hinrichtung ist, dem mit einer Knarre einfach mal so der Kopf in Stücke geschossen wird, oder ob es Heidi ist, die mit schlagkräftigen One-Linern auf den Lippen drei Schurken auf einmal blutig und comichaft ausschaltet: Die handgemachten Effekte und deren Optik können sich wirklich sehen lassen. Leider hat man in einigen Sequenzen das Gefühl, dass Mad Heidi an die Grenzen seines Budgets gestoßen ist, wenn eine Szene beispielsweise nach einem blutdurchtränkten Massaker schreit, die Gelegenheit aber dann relativ unspektakulär bzw. ohne Kamerafokus beendet wird. Die Qualität der Action bzw. der Gore Inhalte stimmt also, die Quantität hingegen kann durchaus auch als ausbaufähig bezeichnet werden.

In der Rolle der schlagkräftigen und glorifizierten Heldin Heidi ist Alice Lucy zu sehen, die insgesamt betrachtet eine ansprechende Leistung abliefert. Damit sie in ihren Kampfszenen überzeugen konnte, absolvierte die attraktive, dunkelhaarige Schweizerin im Vorfeld zu den Dreharbeiten ein 14 tägiges Training. Ihr Schauspiel wirkt professionell und selbstbewusst, während sie ihre Filmfigur auf der Leinwand emotional evident und sicher repräsentiert. Klasse tritt auch Max Rüdlinger auf, der mit seiner gewissenlosen und abstoßenden Interpretation des sadistischen Kommandeurs entfernt an die grandiose NS Schergen Darbietung von Christoph Waltz aus Tarantinos Inglourious Basterds (2009) erinnert. Bei Casper Van Dien (Starship Troopers; Tarzan) hingegen hatte ich phasenweise das Gefühl, dass er trotz insgesamt ordentlicher Performance manchmal etwas übermotiviert war. In einigen Momenten übertreibt er es förmlich mit seinem bemüht ausdrucksstarken (Over)Acting. Die restlichen, durch die Bank motivierten Darsteller, spendieren ihren gewollt überspitzt gezeichneten Figuren überzeugende und zweckdienliche Verkörperungen, so dass das Publikum am Ende des Tages mit allen Darbietungen zufrieden sein kann.

Kurz vor dem Abspann wird mit einem ironischen Augenzwinkern eine mögliche Fortsetzung mit dem Namen Heidi & Klara angeteasert. Da Mad Heidi wahrscheinlich nur bei einem wirtschaftlichen Erfolg in Runde 2 gehen wird, wäre ich einem weiteren Teil gegenüber nicht abgeneigt, weil dann aller Voraussicht nach auch mehr Geld zur Verfügung steht, womit ein noch aufwendigerer, verrückterer und actionreicherer Film gedreht werden könnte. Mad Heidi ist in Anbetracht seiner begrenzten Mittel ein befriedigender und kurzweiliger Streifen geworden, den man sich ungeahndet des festgestellten Verbesserungspotenzials mindestens einmal ansehen kann. MovieStar Wertung: 6 von 10 Punkte.

 

6/10
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Kommentare

02.12.2022 21:26 Uhr - Phyliinx
User-Level von Phyliinx 10
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Blu Ray kann später mal kommen

04.12.2022 10:57 Uhr - TheMovieStar
User-Level von TheMovieStar 13
Erfahrungspunkte von TheMovieStar 2.885
@ Phyliinx: Danke fürs Lesen und fürs Kommentieren. Der Film ist meiner Meinung nach auch eine Kinosichtung wert, auch schon aus dem Grund, um so eine mit Herzblut entstandene kleine Produktion zu unterstützen 😀

04.12.2022 15:21 Uhr - Phyliinx
User-Level von Phyliinx 10
Erfahrungspunkte von Phyliinx 1.318
04.12.2022 10:57 Uhr schrieb TheMovieStar
@ Phyliinx: Danke fürs Lesen und fürs Kommentieren. Der Film ist meiner Meinung nach auch eine Kinosichtung wert, auch schon aus dem Grund, um so eine mit Herzblut entstandene kleine Produktion zu unterstützen 😀
tja dann soll er sich um eine größere vö bemühen, läuft nämlich nicht in meiner Nähe

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