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Lady in a Cage

Herstellungsland:USA (1963)
Genre:Drama, Thriller
Alternativtitel:Une femme dans une cage
Bewertung unserer Besucher:
Note: 9,00 (1 Stimme) Details

Inhaltsangabe:

Die vermögende Witwe Cornelia Hilyard wohnt mit ihrem erwachsenen Sohn in einem feudalen Haus. Da sie sich die Hüfte gebrochen hat, ist sie zeitweise gehbehindert und kann nur in einem Aufzug in die oberen Stockwerke fahren. Als ihr Sohn auf Geschäftsreise geht, ist sie ein paar Tage auf sich alleine gestellt, und kurz darauf fällt der Strom aus, während sie sich gerade im Aufzug befindet. Natürlich bleibt sie auf halber Höhe stecken und kann sich aus eigener Kraft nicht mehr befreien. Allerdings hat sie einen Alarmknopf in der Aufzugskabine, und wenn man diesen Knopf betätigt, dann geht vor dem Haus eine Alarmglocke los. Diesen Alarm hört aufgrund des Verkehrslärms aber niemand, nur ein Landstreicher wird darauf aufmerksam. Als er die prekäre Lage von Mrs. Hilyard erkennt, sieht er die Chance seines Lebens, so richtig fett abzusahnen und sich an ihren Besitztümern zu bereichern. ()

Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von evilcat:

Die Inhaltsangabe hört sich im ersten Moment nicht besonders originell und mitreißend an. Wer will schon einen Obdachlosen sehen, der sich ein paar Weinflaschen und einige Gegenstände aus einem Haus mitnimmt? Eigentlich niemand, aber weit gefehlt, denn die Handlung ist extrem spannend und hält sich erst gar nicht lange mit einer Vorgeschichte auf. Bereits ziemlich früh am Anfang bleibt Mrs. Hilyard im Aufzug stecken, weit und breit ist niemand da, der ihr hilft, und allein schon diese Ausgangssituation ist einer unserer schlimmsten Alpträume schlechthin und erzeugt eine riesige Erwartungshaltung, denn die Verzweiflung der Witwe ist durch die großartige darstellerische Leistung regelrecht spürbar und greift sehr schnell auf den Zuschauer über. Der Landstreicher ist dagegen ein ziemlich schmieriger Typ, der sich einen Dreck um die alte Frau schert und stattdessen lieber die Wohnung nach Alkohol und Wertsachen absucht, die er zu Geld machen kann, und genau das tut er dann auch. Er säuft sich die Hucke voll und lässt erstmal einen Toaster mitgehen, mit dem er ins Pfandhaus geht. Dort kriegt er auch Geld dafür, aber leider auch die Aufmerksamkeit von drei jungen Taugenichtsen, die dort herumlungern und sich wundern, wo der heruntergekommene Landstreicher wohl den teuren Luxustoaster her hat.

Kurz darauf holt sich die obdachlose Schnapsdrossel Hilfe bei einer abgetakelten Schlampe namens Sade, die sofort mit ihm in das Haus zurückkehrt und in Anbetracht der ganzen Reichtümer schier in Ekstase verfällt. Fleißig fangen die beiden an, die Räume zu durchsuchen, doch es dauert nicht lange, und da tauchen auch schon die drei zwielichten Gestalten auf, die der Säufer im Pfandhaus getroffen hat. Allein bis hierhin ist es schon ziemlich nervenaufreibend, denn es könnte ja schließlich jeden Moment Besuch kommen und die Diebe auf frischer Tat ertappen. Aber die einzigen, die die Diebe stören, sind selbst noch viel größere Gauner: Die fiesen Typen Randall, Elaine und Essie dringen in das Haus ein und übernehmen sofort das Kommando, denn auch sie wittern das große Geld. Der Landstreicher und Sade sind fortan nur noch geduldet, werden beleidigt und mit den verächtlichen Namen Wino und Hustler angesprochen, was nicht gerade ein Kompliment darstellt.

Währenddessen dreht die arme Witwe im Aufzug schier durch, als sie sieht, dass immer mehr Verbrecher ins Haus eindringen, um sie zu bestehlen. Zunächst ist das Trio um Randall noch darauf bedacht, mit Masken umherzulaufen, um nicht erkannt zu werden, doch bald geben die drei Oberpsychopathen alle Vorsichtsmaßnahmen auf und ziehen ihre Masken aus, denn sie beschließen, dass die anderen drei Zeugen alle sterben müssen: Die Schnapsnase Wino, Ms. Hustler und natürlich die alte Frau im Aufzug. Denn dann können sie das ganze Haus leerräumen und müssen mit niemandem mehr teilen, und keiner könnte sie je verraten.

Im letzten Drittel des Film schaltet die Handlung von superspannend auf hochdramatisch um, und es beginnt ein verzweifelter Überlebenskampf zwischen den Beteiligten, den die Schwächeren gar nicht gewinnen können. Mich hat das Abnehmen der Masken sofort an "The Strangers" erinnert, denn im gleichnamigen Film bedeutete dies ebenfalls das Todesurteil der Hauptdarsteller, genau wie hier.

In "The Strangers" werden die Bösen von ihren Opfern gefragt, warum sie sterben müssen. Die Antwort war: "Weil ihr zu Hause wart."
In "Lady in a Cage" stellt eines der Opfer dem Oberbösewicht die gleiche Frage. Die Antwort lautete ebenfalls: "You're here, that's what you done!"
In beiden Filmen bestehen die Bösewichte aus zwei Männern und einer Frau. Die Parallelen sind daher unverkennbar, wenn auch vermutlich nicht beabsichtigt.

Der ganze Film zeichnet das Portrait einer Gesellschaft, in der jeder sich selbst der Nächste ist und sich niemand um den anderen kümmert. Nicht nur, dass der alten Frau keiner zu Hilfe kommt, selbst die Diebe werden im Angesicht des Reichtums immer gieriger und gönnen sich gegenseitig überhaupt nichts mehr. So werden aus den anfänglichen Jägern im Laufe der Handlung selbst Gejagte. Diese Geschichte zeigt einmal mehr eindrucksvoll, was passiert, wenn Menschen zu gierig werden. Jeder von den Einbrechern hätte sich was mitnehmen können und verschwinden, und es wäre niemandem was passiert. Aber nein, man kriegt den Hals nicht voll, und dann nimmt das Unglück eben seinen Lauf, denn die Schattenseiten der menschlichen Gier sind wirklich sehr unangenehm. Von daher kann man hier als Zuschauer sogar etwas lernen: "Man muss auch mal mit etwas zufrieden sein!"

Zu allem Unglück ist der Mensch nicht nur habgierig und missgünstig, sondern auch noch eigennützig und rücksichtslos, da der eingesperrten Frau jegliche Unterstützung verwehrt bleibt. Das Haus der Witwe steht dabei noch in einer belebten Gegend mit Nachbarn und liegt zudem an einer stark befahrenen Strasse, doch es gibt niemanden, der auf das Verbrechen hinter den Mauern aufmerksam wird, da sich einfach keiner dafür interessiert. Wie teilnahmslos die Menschen sind, sieht man bereits in der Eingangsszene und auch sehr deutlich in der Schlusssequenz, denn der Anfang und das Ende des Films ähneln sich auf frappierende Art und Weise. Hier wird beide Male die Gleichgültigkeit und der Egoismus unserer Bevölkerung auf drastische Art und Weise zur Schau gestellt. Und auch daraus lässt sich erneut eine leider allzu bekannte Regel für den Zuschauer ableiten: "Hilf dir selbst, sonst hilft dir keiner!"

Die Hauptrolle der Cornelia Hilyard spielt die zweifache Oscar-Preisträgerin Olivia de Havilland ("Vom Winde verweht"), und als Anführer der Gangsterbande überzeugt der junge James Caan ("Misery"), den ich gar nicht erkannt hätte, und von dem ich nur deshalb wusste, dass er mitspielt, weil ich es in den Anfangscredits gelesen hatte. Auch die restlichen Rollen sind erstklassig besetzt, die Darsteller agieren durch die Bank glaubwürdig, aber nicht nur schauspielerisch ist der Film vom Feinsten. Handwerklich hervorragend in Szene gesetzt basiert der Film auf einem intelligenten Drehbuch, darum ist es ein Jammer, dass dieser Film so unbekannt ist. Gedreht wurde er in edlem schwarz/weiß, wobei die Szenen alle gut ausgeleuchtet worden sind. Dadurch wirken die Bilder auch viel heller und frischer als bei den älteren s/w-Filmen. Andererseits geht durch die Helligkeit auch etwas von der unheimlichen Atmosphäre verloren, die viele alte Horrorfilmklassiker einst ausgezeichnet hat, doch "Lady in a Cage" ist ja auch kein Gruselfilm, sondern erzählt eine sehr reale Geschichte, die in Sachen Atmosphäre durch das düstere Drehbuch und die hervorragenden Darsteller punkten kann.

Die meisten Szenen wurden in dem Haus gedreht, aber da die Räume ständig wechseln und man zwischendurch auch immer wieder kurze Außenaufnahmen zu sehen bekommt, fällt das gar nicht so sehr auf. Man hat jedenfalls mit relativ wenigen Locations einen sehr abwechslungsreichen Film gedreht. Als Kammerspiel würde ich den Film aber trotzdem nicht bezeichnen, denn dazu hat er dann doch zu viele Schauplätze.

Für die damalige Zeit war das ein relativ gemeiner Thriller, der zum Schluss sogar eine etwas härtere Gangart einlegt. Das Finale ist top, genau wie man es sich von einem früheren Vertreter des "Home Invasion"-Genres wünscht. In jeder Beziehung sehenswert und ein Geheimtipp für alle Fans von beklemmenden Psycho-Thrillern.

 

9/10
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Kommentare

03.12.2022 19:22 Uhr - cecil b
1x
Moderator
User-Level von cecil b 19
Erfahrungspunkte von cecil b 7.930
Eine wieder mal hochinteressante Vorstellung, mit einer sehr breitgefächert durchdachten Review!

Vielen Dank!

04.12.2022 12:37 Uhr - EvilCat
1x
User-Level von EvilCat 2
Erfahrungspunkte von EvilCat 65
Ich danke auch. Freut mich, wenn dir die Review gefällt.

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