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On the Line

Herstellungsland:USA (2022)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Thriller
Bewertung unserer Besucher:
Note: 5,80 (5 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Während einer nächtlichen Radio-Talksendung kidnappt ein anonymer Anrufer die kleine Tochter und Ehefrau des Moderators Elvis Cooney und droht ihm, sie zu töten. Um seine Familie zu retten, muss der raubeinige Talkmaster ein sadistisches Überlebensspiel bestreiten, bei dem mehrere Unbeteiligte im Gebäude des Senders getötet werden. Der nicht immer freundliche Cooney hat nur einen Ausweg: er muss seine Vergangenheit durchforsten, um die Identität des Killers zu ermitteln. Gespannt verfolgt die ganze Stadt im Radio, wie sich der perfide Wettstreit zu einem für alle Beteiligten unerwarteten Ende entwickelt. (LEONINE Distribution)

Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von lamb:

On the Line hat eine grandiose und originelle Grundprämisse auf kleinstem Raum, der Opener mit Musik von den Red Hot Chilli Peppers zieht einen gleich mit in die Welt hinter die Kulissen einer Radiosendung, in das Leben des zynischen Moderators Elvis (Mel Gibson), der die meisten Kollegen nicht gerade mit Watte eindeckt, spricht er mit ihnen oder über diese. Der Humor der ersten viertel Stunde ist absolutes Gold in Sachen mimischer Situationskomik und pointiertem Hohn. Ein paar Augenblicke sind wirklich große Komödie und so launisch wie spielfreudig dargeboten, oh ja! Danach wird es allerdings richtig ernst und finster. Elvis gerät in das Visiers eines Entführers, welcher die Familie von Elvis wegen Vergangenheit und Verhalten in seiner Gewalt hat. Dieser Antagonist, der Georges Orwells Essay 'Rache ist sauer' offenbar nicht gelesen hat, baut ein ziemlich interessantes, aufreibendes und psychotisches Versteck- und Drohspiel mit Elvis auf. In dem Sender beginnt ein Kampf ums Überleben zwischen Ohnmacht und Abgrund. Wendung um Wendung kauen sich die Fingernägel bis Minute 80 fast von selbst ab.

Wer On the Line noch nicht gesehen hatte, sollte direkt zum letzten Absatz springen, um sich nix zu verderben.

Klassisches Spannungskino? Durchaus. Doch man sollte den Schelm am Anfang, als Elvis mit seiner Tochter in der Küche sitzt, nicht aus den Augen verlieren.

Selten hat ein durchweg solider bis guter Spannungsfilm derart geil nach etwa 80 Minuten aufgetrumpft und das bereits Gesehene kongenial eingekleidet und auf links gedreht. So ein breites Grinsen hatte ich lange nicht im Gesicht und dieser Film hat mich damit wirklich beeindruckt. Das ist ein resilienter und unerwarteter Geniestreich, einer gauklerischer Schabernack allererster Güte! Leider auch ein geschliffener Geniestreich, der die letzte viertel Stunde und die teils komische Figurenkonstellation nicht ganz glücklich zu schultern weiß, aber was haben wir gefeiert, als der wichtigste Teil der ganzen Wahrheit ins Licht rückte! Ansonsten ist der grau melierte und angemessen bärtige Mel Gibson herrlich arschig und locker auf schroffen Biss aus, die restlichen Darsteller immerhin in Ordnung, teils sogar super, das Gesamtpaket zuwenigst interessant und ziemlich einzigartig. Mir fällt kein zweiter Film wie dieser ein und das ist doch schon was. Teuer oder zumindest angemessen budgetiert war der Film sichtbar nicht, das ist kein Kino großer Gesten in Ausstattung oder dergleichen, aber das anfänglich dialoglastige Kammerspiel besteht immerhin mit viel Verve im Wort und verschütteten Abwasser unter Mitkollegen. Es gibt ja nicht viel schöneres, als jene Menschen zu veräpfeln, die mit einem Arbeiten und mit denen man die meiste Zeit verbringt. Hassliebe deluxe, wobei die Liebe immer ein Teilchen mehr birgt als der Hass. Die Metaphern und Lehren aus der Schose sind zumindest im Ansatz zu hinterfragen, was ein schräges Häubchen auf den ohnehin schiefen Film setzt. Wie weit darf man denn bei all dem Spaß gehen, gibt es wirklich Grenzen? On the Line macht beim zweiten Sehen aus einer ganz anderen Richtung Freude. Nachdem die Bombe allerdings geplatzt ist, kann der letzte Jux nicht ganz mithalten. Der Vorhang fiel schon mit der achtzigsten Minute und da wäre besser Schluss gewesen. Alles Nachfolgende hat die Qualität einer schmalen Witzereihe, einer nicht ganz nüchternen Witzereihe nach zwölf Uhr Mitternacht. Keine Gedanke nach Mitternacht wurde je zu Ende gedacht, wie es so schön heißt. Immer nett zu den Kollegen sein? Seid auf alles gefasst, nicht wahr. On the Line ist ein sehenswerter Spiegel, der sich selbst mit Quark bewirft. Origineller Kalauer, ohne Frage.

Letzter Absatz.

Das Fazit fällt überraschend gut aus. Ein spannender Film, der lange Zeit nach fünf, sechs Punkten mit Zuckerguss schmeckt, gewinnt mit einem Schlag die Höchstnote, würfelt sich selbst ganz neu aus und wirft sich um. Das wird nicht jedem gefallen, vielleicht sogar den wenigsten, doch ich geb gerne noch einen drauf, denn das muss man sich erstmal trauen, so als Filmemacher. Logisch und plausibel ist das nicht immer, doch in sich schlüssig ist dieser Film, eben on the line, auf der Linie. Außergewöhnlich.

8/10
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Kommentare

09.12.2022 11:45 Uhr - cecil b
1x
Moderator
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Wieder sehr kreativ verfasst, Lamb! :)

15.12.2022 19:23 Uhr - lamb
User-Level von lamb 3
Erfahrungspunkte von lamb 154
Das sehe ich auch so ;-)

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