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Terrifier 2

Herstellungsland:USA (2022)
Standard-Freigabe:FSK keine Jugendfreigabe
Genre:Horror, Splatter
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,72 (42 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Art, der Clown, ist zurück und macht sich erneut auf den Weg nach Miles Country. In der Halloween-Nacht begibt er sich auf die Jagd und nimmt ein Geschwisterpaar ins Visier... ()

Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von jason:

Jack in the Schmodderbox

 

"Es gibt keine schlechte PR" lautet  eine journalistische Glückskeksweisheit. Wenn im Vorfeld eines schon als zeigefreudig angekündigten Horrorfilms Legenden von in Ohnmacht fallenden oder sich übergebenden (Kino-) Zuschauern die Runden machen, fährt der Hypetrain indes natürlich munter los; nicht gar so sehr in Europa, im dahingehend etwas einfacher & oberflächlicher gestrickten Land of the Free dafür um so mehr. 
Zumal man in den USA ohnehin ein etwas gestörteres, manchmal ein wenig art-ifiziell (Brüller!) anmutendes Verhältnis zu - vermeintlichen - Killerclowns hat. Wie nunmehr wohl auch zu Art the Clown, vor über 10 Jahren ins Leben gerufen im 20-minütigen Kurzfilm Terrifier von Damien Leone. Seitdem in der Anthalogie All Hallow's Eve und dem Terrifier-Spielfilm, Vorgänger des besprochenen Streifens, jeweils zurückgekehrt, scharte vor allem letztgenannter Streifen in den letzten fünf, sechs Jahren eine kleine, aber feine Fangemeinde um sich, die den stets verstörend wirkenden Pantomimen-Clown Art als neue Slasherikone feiern.
Das Potential ist da, und der mittlerweile für solide, handgemachte Make Up-FX bekannte Leone ließ es sich dann im ersten Terrifier auch nicht nehmen, teils durchaus graphische (und für das damalige, schmale Budget von etwa 50.000 $ sogar recht ordentliche) Goreeffekte einzubauen, von denen einer es gar in die Schulhof-Mundpropaganda geschafft hat (Stichwort Sägekill).

Die Erwartungshaltung ob des Nachfolgers Terrifier 2, welcher es hierzulande ab dem 08.12.22 sogar in eine -ungekürzte! - Kinoauswertung geschafft hat, entbehrt also tatsächlich nicht einer gewissen Größe. In Sachen (film-) medialer Aufmerksamtkeit alles richtig gemacht: Eine für solch eine Produktion nahezu epische Herr der Ringe-Beinahelaufzeit von 138 Minuten angekündigt, in Teasern / Trailern einen neuerlichen Art-Sidekick und das eine oder andere, übersinnliche Element angedeutet, und bei den ersten Vorführungen dem zuvor erwähnten Hypetrain die Sporen gegeben - das etwa fünffache Produktionsbudget des direkten Vorgängerfilms wird Teil 2 locker mit reichhaltig Gewinn obendrauf in die Kassen zurückspülen.
Letztlich ist das Ergebnis dabei allerdings eine durchweg zwiespältige Angelegenheit geworden.

Das fängt bereits bei der Laufzeit an, denn: Leone hat nichts, aber auch gar nichts von Substanz zu erzählen, und etwas das von vorne nach hinten durch halbwegs Sinn ergibt schon zweimal nicht. Heißt, man muß nach einem durchaus sehr launigen Beginn, welcher direkt an das Ende von Teil 1 anschließt, in dem Art erst einmal den Leichenbestatter genüßlich verhackstückt, um danach seine blutbesudelten Klamotten in einem Waschsalon zu reinigen und sich derweil nackig & Zeitung lesend auf einen Stuhl zu hocken, einen überaus zähen Brei über die Familien-Nichtidylle rund um das neue, als solches natürlich vom Fleck weg klar erkennbare Final Girl (macht die süße Lauren LaVera in ihrem Spielfilmdebüt durchweg ordentlich) über sich ergehen lassen.
Nur passt hier eben nix zusammen was da munter in den Topp geworfen wurde: Auf das finalmente, vielleicht zumindest halbwegs logische  Zusammenführen der Storyfäden um den toten Vater, der vor seinem Ableben Zeichnungen von seiner Tochter im She-Ra Kostüm, Art sowie anderen, deformierten Gesellen in einem kleinen Büchlein gesammelt hat, den Sohnemann, der leicht auf der schiefen Bahn läuft und seit einem Jahr, auch und gerade mithilfe dieses Büchleins nach Hinweisen zum Killerclown Ausschau hält oder der kleinen Dame, die Art ab dem Waschsalon im ihm nachempfundenen Look begleitet und welche zunächst nur er wahrnimmt, später dann merkwürdigerweise aber alle Beteiligten sehen können (?) etwa wartet der geneigte Zuschauer vergeblich. Diese Elemente werden recht wahllos nach und nach in die Geschichte eingestreut, ohne Sinnzusammenhang oder sonstige, tiefere Bedeutung, ebenso wie ein zum zuvor beschriebenen Kostüm gehörigen, vom Vater überlassenen Blinkeschwert mit scheinbar übernatürlichen Kräften (??), welches die zu dem Zeitpunkt eigentlich schon mausetote Heroine im viel zu langezogenen Finale zunächst einmal gar wiederbelebt ("Bei der Macht von Grayskull!") und sie dann auch - vermeintlich - über Art triumphieren lässt.

So wartet man zwischen tonnenweise Lückenfüllerei in Form von Gesprächen innerhalb des Familienkreises oder mit Freundinnen bspw. eigentlich nur auf die Auftritte von David Howard Thornton alias Art, der grotesk-brutal seine Stech- und Schlitzrunden dreht und bei den Kills teilweise so unnachgiebig Körperteile entfernt, zerstückelt, Opfer abfackelt, über den Haufen schießt, ausweidet oder was die Schlachtplatte sonst noch so hergibt, dass es eine wahre Prosthetics-Freude ist. Hier wird mit kübelweise Latex, Kunstblut und Animatronik zwar nicht ganz das Level eines Screaming Mad George oder der KNB-Group erreicht, dennoch lässt sich die Hingabe für detailverliebte Handmade-FX als stilsicheres Schockmittel ganz klar erkennen.
Wobei das mit der Schockwirkung auch so eine Sache ist - der Allie-Kill etwa hatte ja bereits zuvor im I-Net (bewusst) die Runde gemacht um zeigen, wo die Splatterreise hingehen soll; allein macht eine ewig lange Abfolge von ebenso  sadistischen wie suppigen Auseinandernehmerreien eben noch kein sich im Gedächtnis als überaus unangenehm einbrennendes Tötungsdelikt (weshalb Terrifier 2 auch kein potentieller § 131-Kandidat ist). Die Chose ist dermaßen überzogen dargestellt, von der Darstellerin im Hinblick auf die ihr angetanen Grausamkeiten mit geradezu "gefasst" dargebotenen Schauspiel(nicht)leistungen veredelt, am Ende mit kuriosen Drehbuchentscheidungen - das Mädel soll tatsächlich noch am Leben sein wenn die Mutter das Schlafzimmer betritt (???) - entwertet und, so man Konsument der deutschen Synchronfassung ist (kommt direkt aus dem Hinterzimmer eines versifften Hinterhof-Schmuddelpornokinos), noch mit diversen, lustlosen "Nein!"-Jammerrufen garniert, die sich annhören, als würde die Dame mehrfach eine Einladung zum Brunch ablehnen, dass man das Dargebotene in Summe zwar durchaus als abartig empfinden, aber kaum wirklich ernst nehmen kann. Zumal auch der Rahmen vollkommen random ist - wurde der berüchtigte Sägekill aus Teil 1 tatsächlich noch als verstörende Kunst seitens des Antagonisten in Form einer "Theateraufführung" für die gefesselte Hauptdarstellerin inszeniert, wird hier einfach auf Teufel komm raus gemordet wo man(n) eben gerade so geht und steht. 

So bleibt nicht viel mehr übrig als eine illustre Gebein- & Gedärmeschau, bei der der angehende Gore FX-Papst Leone der vermutlich vorzugsweise jüngeren Zielgruppe mal so richtig zeigt, wo ein 80s-Horrorfan und Latex- & Prothesenbarthel den Kunstblutmost holt. Teils in der Tat ganz skurril-spannend geratene Situationen (Kostümladen) oder gar vollkommen abgedrehte, direkt auf den lautlosen Clown abgestimmte Sequenzen (The Clown Café) sowie ausgewalzte, mit liebevollem Charme getrickste Splatterszenen stehen einem monströsen, zusammenhanglosen Geflecht an Nicht-Handlung ohne Sinn und Verstand sowie schier endlosen Nullgesprächen zwischen allen sonstigen Beteiligten gegenüber, die Horrorfans mit dem Anspruch zumindest etwas Substanz serviert zu bekommen garantiert außen vor und bei der anspruchsloseren Fraktion des öfteren mal den Triggerfinger auf die Vorspultaste wandern lassen dürfte.
Und wer es bis kurz nach dem Einsetzen der Credits schafft, darf sich "storytechnisch", soweit bis dahin noch nicht geschehen, dann wahrlich und wahrhaftig komplett die (Logik-) Schuhe ausziehen lassen.

Für Nostalgiker und andere Liebhaber vergangener Tage vergnüglich-blutigen Horrorstumpfsinns oder solche, die es noch werden wollen; ohne rosarote Fanboybrille aber auch ganz arg verrissgefährdet. Versöhnliche 5/10 Schmadderpunkte.

5/10
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Kommentare

09.12.2022 12:50 Uhr - cecil b
Moderator
User-Level von cecil b 19
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Eine äußerst lesenswerte Review!

Ich gehe davon aus, dass meine Sichtweise eine ähnliche ist. Wobei ich die Begeisterung anderer auch für verständlich halte.

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