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Chase

Originaltitel: Last Seen Alive

Herstellungsland:USA (2022)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Thriller
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,80 (5 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Will (Gerard Butler) und Lisa (Jaimie Alexander) sind auf dem Weg zu Lisas Eltern. Die beiden stecken in einer Ehekrise und Lisa will einige Zeit bei ihren Eltern verbringen, um einen klaren Kopf zu bekommen. Als sie an einer Tankstelle halten, verschwindet Lisa plötzlich spurlos. Will gerät in Panik und ruft die örtliche Polizei um Hilfe. Die Ermittlungen kommen erst langsam in Gang, da es keine Anzeichen für ein Verbrechen gibt. Als Sheriff Patterson Will verdächtigt, beschließt dieser, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Er beschafft das Überwachungsvideo der Tankstelle, auf dem ein Mann zu sehen ist, der Lisa anspricht. Will beginnt eine verzweifelte Jagd nach Lisas Entführer, während ihm die Polizei dicht auf den Fersen ist. (LEONINE Distribution)

eine kritik von themoviestar:

Mit spannenden und spektakulären Actionreißern wie Olympus Has Fallen (2013), London Has Fallen (2016) oder Angel Has Fallen (2019) bewies der 300 Star Gerard Butler nachhaltig, dass er auch auf Grund seiner einprägsamen Mimik und seines Charismas das Zeugs zum Actionhelden hat. Das Publikum liebt Schauspieler, mit denen es sich identifizieren kann. Dass sich seine markante Mimik auch gut in einem Entführungskrimi macht, zeigt Butler in dem im Juli 2022 in den deutschen Kinos gestarteten Film Last Seen Alive aká Chase, in dem der sympathische Schotte  seine auf einmal verschwundene Ehefrau suchen muss. Auf den Pfaden von Streifen wie Spurlos Verschwunden oder Breakdown entsteht Spannung über die volle Laufzeit, auch wenn nach der Auflösung eigentlich nicht mehr viel übrig bleibt, was eine zweite Sichtung rechtfertigen könnte, weil Chase insgesamt betrachtet kaum Höhepunkte liefert.

Der ursprüngliche Arbeitstitel lautete Chase, bevor der Streifen in Last Seen Alive unbenannt wurde und so seine Erstveröffentlichung in Amerika erhielt. Bei uns in Deutschland läuft der Film allerdings unter dem Namen Chase. Als Regisseur fungierte Brain Goodman (Black Butterfly), während Marc Friedmann die Geschichte schrieb. Obwohl es bei weitem schlechtere Unterhaltung gibt, ist Chase mit einem weltweiten Kinoeinspiel von 5,9 Millionen Dollar derbe gefloppt und wurde von der Fachpresse größtenteils verrissen. Anstoß zur Kritik gab vor allem der innovationsarme Plot, der sich bei den oben genannten Inspirationsquellen nicht nur einmal bedient hat, ohne sonderlich viel Eigenständiges hinzuzufügen, worauf sich viele Kritiker förmlich eingeschossen haben. Dass alles ändert aber nichts daran, dass Butler wieder einmal eine starke Leistung abliefert und der Film für sich betrachtet, zumindest bei der Erstsichtung, nicht langweilig werdende Thriller Unterhaltung  parat hat.

Zum Anfang behilft sich auch Brain Goodman der mittlerweile oft verwendeten "X Stunden zu vor" Formel: Wir sehen den dunkelhäutigen Polizisten Dedektiv Paterson (Russel Hornsby), der einen jammernden Verbrecher nach dem Verbleib des Entführungsopfers fragt, ehe in stündlichen Etappen die vorangegangene Entwicklung ausführlich nachgeschoben wird. Hilfreich für die Klarstellung der Fronten und für den Sympathieaufbau ist, dass die Hauptfigur Will Spann (Gerard Butler) kurz als Mann von nebenan vorgestellt wird, der trotz Eheprobleme und trotz des Auszeitsgesuchs seiner Frau, an die Zukunft der Beziehung glaubt. In der Schlüsselszene des Films verschwindet Lisa (Jaimie Alexander) an helligsten Tag an einer Tankstelle, während ihr Mann seinen Wagen volltankt. Goodmans Inszenierungsstil ist eher bodenständig als spektakulär ausgerichtet, auf die Dramatisierung durch nicht unbedingt notwendige Actionszenen wird verzichtet und Spannung wird damit erzeugt, dass alle wichtigen Einzelheiten erst nach und nach aufgedeckt werden, wenn Will und Dedektiv Paterson versuchen, den Aufenthaltsort der jungen Frau herauszubekommen.

Und genau hier kann Chase punkten: Ein fast wahnsinnig vor Sorge werdender Ehemann klammert sich an jeden Strohhalm. Er versucht die Hoffnung aufrecht zu erhalten, obwohl alles danach aussieht, dass er mit dem Schlimmsten rechnen muss. Butler spielt die Verzweiflung, die Zuversicht und die Wut seines Charakters absolut glaubwürdig, so dass das Publikum auch in der Lage ist, sich in ihn hineinzuversetzten. Was würde man an seiner Stelle tun? Wie würde man selbst in so einer Situation reagieren? Wo ist Lisa hingekommen? Lebt sie noch? Wurde sie gegen ihren willen entführt, oder ist sie vielleicht wegen der kriselnden Ehe einfach nur abgehauen? Die Neugier auf die Antwort dieser Fragen und Butlers authentisches Schauspiel sorgen dafür, dass die Geschichte ohne Leerlauf fesseln kann, auch wenn die Entwicklung bzw. die Auflösung der kriminellen Hintergrundstory trotz sichtlichen Verschleierungsbemühen insgesamt voraussehbar bleibt und Thriller erfahrene Zuschauer wohl kaum überrascht sein dürften. Auch zum Finale hin bleibt Chase dem angeschlagenen Ton treu: Action findet wenn dann nur zweckdienlich und mit angezogener Handbremse statt, so dass Chase auf der einen Seite relativ realitätsnah wirkt, auf der anderen Seite fehlen aber auch die Hingucker, um eine zweite oder dritte Begegnung zu rechtfertigen, wenn man den Ausgang einmal kennt.

Neben Butlers bereits erwähnter gelungenen Performance weiß auch Russel Hornsby, den viele aus den Serien Gideon's Crossing und Lincoln Heights kennen dürften, als eifriger Polizeibeamter zu überzeugen. Jaimie Alexander, welche die attraktive Filmehefrau Lisa spielt, legt zwar einen grundsoliden Auftritt hin, im Vergleich zu Butlers emotionaler Darbietung bleibt sie aber blass. Apropos blass: Das gilt auch für sämtliche Antagonisten, die zum einen vom Drehbuch allesamt relativ eindimensional und einfältig vorgegeben worden sind, zum anderen fehlt der Geschichte auch ein erinnerungswürdiger Hauptschurke, der hinter der ganzen Aktion steckt. Ethan Embry jedenfalls enttäuscht in dieser Hinsicht auf ganzer Linie. Cindy Hogan und Bruce Altman sind als Will's Schwiegereltern zu sehen, die aus ihrer überschaubaren Bildschirmzeit das beste machen und ihre Rollen ordentlich verkörpern.

Chase ist also am Ende des Tages ein leicht überdurchschnittlicher Thriller geworden, der in summa summarum befriedigend unterhält, auch wenn es in fast allen relevanten Bereichen Verbesserungspotenzial gibt. Schauspielerisch lebt die Produktion von Butlers beeindruckender Strahlkraft, die farblosen Bösewichte sind aber nicht in der Lage, ein angemessenes Gegengewicht zu erzeugen. Das Verhältnis zwischen angestrebtem Realismus und unterhaltender Action stimmt auch nicht immer, hier hätte man die Nuancen besser abstimmen können, vielleicht sogar müssen. MovieStar Wertung: 6 von 10 Punkte.

6/10
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Kommentare

22.01.2023 23:31 Uhr - Phyliinx
1x
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Tolle Kritik.

Was freu ich mich nächsten Monat auf Butlers "Plane". Vielleicht sollte Chase als Vorbereitung dienen?

23.01.2023 10:11 Uhr - Stoi
1x
CHASE ist aber kein weiteres Remake von George Sluizers SPURLOS, oder?
Der Anfang vom Plot klingt nämlich identisch.

23.01.2023 12:53 Uhr - Founding Father
1x
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Den Butler sehe ich eigentlich recht gerne und bei deiner Einführung musste ich unweigerlich an " Breakdown " (1997) denken, den du ja auch erwähnst.
Das alles klingt jetzt nicht sonderlich berauschend, denn wenn mit angezogener Handbremse vorangeschritten wird und zudem handfeste Actionelemente fehlen, dann gibt es jetzt, bis auf die solide Darbietung von Butler, eigentlich nichts, weshalb mich dieser Titel locken würde.

Ganz anders verhält es sich da mit deinen Reviews, für die ich immer wieder gerne hinter dem Ofen hervorgekrochen komme 😁😉

23.01.2023 17:14 Uhr - cecil b
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Moderator
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Deine Reviews sind grundsolide, diese ist keine Ausnahme. :)

23.01.2023 22:04 Uhr - Insanity667
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Was, wie, wo? Ein neuer(er) Film mit Gerald Butler? Ich finde ja, dass kaum ein anderer aktueller Schauspieler den Spagat zwischen solidem Charakterspiel und beinharten Actionhelden schafft, wie er. "Chase" war mir bis jetzt völlig unbekannt, dank Dir werde ich mir den garantiert mal ansehen. Eine 6/10 soll mich da erstmal nicht schrecken. ;)

25.01.2023 15:22 Uhr - TheMovieStar
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@ All: Vielen lieben Dank für eure zahlreichen Rückmeldungen und fürs Lesen. Hat mich sehr gefreut :-)

@ Stoi: Der Film ist kein Remake, orientiert sich aber stark an dem von dir genannten Film, was ich auch im Review vermerkt habe.

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