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The Black Phone

Herstellungsland:USA (2022)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Horror, Drama
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,84 (19 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Ein schalldichter Kellerraum. Ein defektes Telefon. Niemand kann den 13-jährigen Finney Shaw (Mason Thames) schreien hören, als er von einem sadistischen Serienmörder entführt wird. Niemand? Als das Telefon plötzlich klingelt und eine geheimnisvolle Stimme ihm einen wertvollen Tipp gibt, wird klar: Jemand hört ihn, und wer immer es ist, weiß genau, was Finney erwartet, wenn er es nicht schafft, aus dem Keller zu fliehen. Jede Stimme ist ein Opfer. Jede Verbindung ein Hinweis. Jeder Anruf könnte sein Leben retten. Dann klingelt es erneut … (Universal Pictures)

eine kritik von themoviestar:

Wann haben Sie sich eigentlich das letzte Mal so richtig gegruselt? Wenn Sie eine neue Herausforderung bezüglich Spannung und Nervenkitzel suchen, dann könnte der mir vorliegende übernatürliche Horrorfilm The Black Phone (2022) genau das richtige für Sie sein. The Black Phone kombiniert nämlich die von Haus aus verstörende und schockierende Thematik der Kindesentführung mit Anleihen von Stephen King's Es, einer Portion Nostalgie und paranormalen Ergänzungen, die sukzessive an der Spannungsschraube drehen und niemals lächerlich werden. Herausgekommen ist ein atmosphärischer, ein ungemein spannender und ein düsterer Psycho-Horror, der von der ersten bis zur letzten Minute fesselt und Liebhaber von mental aufwühlenden Werken komplett zufrieden stellen dürfte, was auch die beeindruckenden wirtschaftlichen Zahlen belegen: Aus einem Budget von 18 Millionen Dollar konnte man einen weltweiten Kinoumsatz von 161 Millionen Dollar raus holen!

The Black Phone ist eine Adaption von Joe Hills gleichnamiger Kurzgeschichte aus dem Jahr 2004. Regisseur und  Drehbuchautor Scott Derrickson, der das Skript gemeinsam mit C. Robert Cargill schrieb, konnte für das Projekt gewonnen werden, als er von den Marvel Studios vom Set des Films Doctor Strange in the Multiverse of Madness wegen kreativer Differenzen entlassen wurde. Die Haupthandlung spielt 1978 in einem Vorort von Denver: Der psychotische Kindesentführer Der Grabber (Ethan Hawke) treibt sein Unwesen und ist für eine Serie von mysteriösen Vermisstenfällen in der Nachbarschaft verantwortlich. Eines Tages gerät auch der 13 jährige Finney (Mason Thames) in seine Hände, den er in ein verlassenes Kellerverließ einsperrt. Während Finney vom maskierten schwarzen Mann alleine im Raum zurückgelassen wird, klingelt plötzlich ein an der Wand hängendes, geheimnisvolles, altes, schwarzes Telefon und als er abnimmt, scheint er mit anderen bereits toten Opfern des Serienkillers zu kommunizieren...

Man könnte tatsächlich meinen, man wäre bei einer typischen Verfilmung eines Stephen King Romans gelandet. In The Black Phone legt Scott Derrickson, der 2012 mit dem fiesen Horror Schocker Sinister bewies, dass er dem Publikum das Fürchten lehren kann, viel Wert auf Atmosphäre, in dem er den Geist der späten 70er Jahre prima einfängt: Die Kulissen, die Mode, die Haarschnitte, die Musik, es ist fast so, als reise man in der Zeit zurück. Dazu geht The Black Phone bei der Figurenzeichnung in die Tiefe und baut parallel mehrere Nebenhandlungen auf, die stimmig neben dem Hauptplot laufen und geschickt mit ihm verknüpft werden, so dass sich das eigentliche Grauen langsam auf leisen Sohlen anschleicht und dann eiskalt zu schlägt. Die beiden jugendlichen Protagonisten werden sympathisiert und in ein schwieriges privates Umfeld gesteckt, während das personifizierte Böse dementsprechend mysteriös und geheimnisvoll gestaltet ist. Ein dunkel gekleideter, wie ein Clown maskierter Mann mit schwarzen Luftballons der es auf Kinder abgesehen hat. Das Verschmelzen von Realität und Fiktion. Übernatürliche, seherische Kräfte. Die beratende Funktion von ehemals lebendigen Geisterwesen. Ja, da steckt verdammt viel vom Horrorpapst drin und wenn man weiß, dass Joe Hill im wahren Leben Kings leiblicher Sohn ist, dürfte man eigentlich gar nicht mehr so überrascht sein...

Ansonsten lebt The Black Phone dann von der alles entscheidenden Frage, ob Finney seinem Schicksal entfliehen kann oder ob er wie die anderen bedauernswerten Jungen sein Leben an das Monster verliert, was mit der Kreuzung der fantastischen Inhalte um die rastlosen Seelen der toten Kinder packend ausgearbeitet wird. Auch wenn Genrekenner den Ausgang erahnen dürften und im Prinzip doch alles irgendwie voraussehbar ist, kann The Black Phone mit den clever platzierten Jump Scares und seinen übersinnlichen Ergänzungen seine enorme Intensität bis zum Schluss aufrecht erhalten, obwohl ein finaler, alles auf den Kopf stellender Twist sicherlich nicht schlecht gewesen wäre. Besonders erwähnenswert ist, dass The Black Phone bis auf ein paar kurze, knackige Gewaltspitzen fast ohne Blut, Gedärme oder Eingeweide auskommt, was für die unter die Haut gehende Inszenierung und für die fabelhaft aufgelegten Darsteller wie ein sinnbildlicher Ritterschlag zu werten ist.

Stichwort Darsteller: Die hinterlassen allesamt einen zufriedenstellenden Eindruck. Die wohl einprägsamste Leistung des Films liefert Ethan Hawke als maskierter, geistesgestörter Killer. Ihm gelingt es nachhaltig, in seinen leider etwas knapp ausgefallenen 10 - 15 Minuten Screentime, geheuchelte Freundlichkeit, Hinterlistigkeit und gnadenlose Boshaftigkeit zu einer schaurig geheimnisvollen Darbietung zu vereinen. Auch die beiden primären Kindesdarsteller erfüllen ihr Soll vollumfänglich. Mason Thames spielt die 13 jährige Hauptfigur ergreifend, die Anfangs nicht an sich glaubt und oft von anderen Schülern gemobbt wird, während er gleichzeitig unter der Alkoholsucht seines Stiefvaters leidet. Durch die schreckliche Entführung wird der Junge aber auch im Laufe des Films mental stärker und lernt, für sich selbst und für sein Schicksal einzugestehen, was Thames absolut authentisch verkörpert. Madeleine McGraw ist als gleichaltrige Schwester Gwen, die mit geheimnisvollen Wahrträumen reale Entwicklungen erahnen kann, zu sehen. Die schwarzhaarige Madeleine McGraw erinnert von ihrer düsteren Optik und von ihrer entschlossenen Ausstrahlung her an die junge Christina Ricci, die 1991 in der Horror Komödie The Addams Family ein ähnlich schlagfertiges und charismatisches Mädchen spielte. Selbstverständlich sind Gwen's Fähigkeiten für die Spurensuche der Polizei alles andere als unnützlich, so dass ein weiterer Spannungstreiber gegeben ist.

Neben dem bereits erwähnten finanziellen Glücksgriff ist The Black Phone auch ein gefeierter Held bei den Kritikern, die größtenteils nur lobende Worte übrig haben und meist die hervorragenden Akteure und die Treue zur Textvorlage hervorheben. Außerdem gewann der Streifen auch den Saturn Award für den besten Horrorfilm 2022, da sind Derrickson's und Hill's Gespräche wegen einer möglichen Fortsetzung fast schon als folgerichtig zu bezeichnen. Bis es neuen Stoff gibt, wird es allerdings noch ein bisschen dauern. Wer sich also die Wartezeit versüßen möchte, der kann bei einer Sichtung vom sehenswerten Original so gut wie nichts falsch machen. MovieStar Wertung: 8/10 Punkte.

 

 

8/10
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Kommentare

25.01.2023 18:08 Uhr - Founding Father
1x
User-Level von Founding Father 2
Erfahrungspunkte von Founding Father 66
Mal wieder eine ganz ausgezeichnete Arbeit, lieber MovieStar 😃 super verfasst und anregend vorgetragen, zumal es mir sehr gefällt, wie du uns als Leser in deinen ersten Sätzen ansprichst 👍🏻

Der Film könnte mir tatsächlich gefallen, zumal ich bereits " Sinister " (2012) enorm stark finde.

Ganz prima Text von dir und einfach klasse, wie du die Leserschaft bei Schnittberichte immer mit so tollen Zeilen verwöhnst 🤗

27.01.2023 15:50 Uhr - Insanity667
1x
DB-Helfer
User-Level von Insanity667 11
Erfahrungspunkte von Insanity667 1.819
Neben "X" meiner Meinung nach einer der besten Horrorfilme des vergangenen Jahres, sehr gut beschrieben lieber MovieStar! 🙂

27.01.2023 16:43 Uhr - TheMovieStar
User-Level von TheMovieStar 13
Erfahrungspunkte von TheMovieStar 2.899
@ Founding: Danke fürs Lesen und für deine ausführliche Rückmeldung. Schau dir den Film an, wenn dir Sinister gefällt, ist die Möglichkeit auch da, dass Du mit dem Film hier warm wirst.

@ Insanity: Danke fürs Lesen und fürs Kommentieren. Freut mich, wenn dir der Film ähnlich zusagt wie mir. Auch ich fand X nicht schlecht.

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