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Raze - Fight or Die!

Originaltitel: Raze

Herstellungsland:USA (2013)
Standard-Freigabe:SPIO/JK geprüft: strafrechtlich unbedenklich
Genre:Action, Horror
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,98 (28 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Den kalten Steinboden schmeckend wacht Sabrina (Zoe Bell) in einem finsteren Bunker auf. Ahnungslos, wo sie sich befindet, lernt sie schnell die einzige Regel kennen: Fight or Die! Zusammen mit 49 weiteren Frauen ist sie Teil eines perfiden Spiels, das einer monströsen Geheimgesellschaft zur Unterhaltung dient: In Zweikämpfen bis zum Tod müssen sich die Frauen gegenseitig zu Brei schlagen, um sich und ihre Familien zu retten. Doch es kann nur eine geben... (Alamode Film)

eine kritik von founding father:

" Siegerinnen seid gegrüßt. Wir haben die Geweihten von daheim vertrieben, in einem wilden Akt und führen unsere Mänaden in den Kampf gegeneinander. In jeder steckt eine Bestie, wild gemacht bis zur Raserei. Lasst die ganze Welt tosen in eurem frenetischen Rhythmus mit donnernden Rufen und Schreien, während sie sich gegenseitig zerpflücken mit ihren bloßen Händen "

 

 

Selbsterhaltung und Lustgewinn - sind es nicht jene Grundtriebkräfte, aus denen das Streben der Menschen nach uneingeschränkter Macht resultiert ? Ist es nicht einzig und allein das enganliegende Korsett aus Ethik und Moral, das den Menschen daran hindert, seine wahre Natur bestialisch auszuleben ? Legt man den Fokus auf den reinen Lustgewinn, so sind es oftmals die psychisch labilen Charaktere, die mitunter sogar einen Hang zum Sadismus aufweisen und aus reinem Vergnügen töten. Es macht ihnen Spaß, andere Menschen zu jagen. Aus Selbsterhaltung handeln die moralisch stabilen Figuren indessen aus Notwehr und haben gar keine andere Chance als sich zu verteidigen. Was aber, wenn eine weitere Komponente hinzugefügt wird, welche die Rolle des Betrachters darstellt ? 

Regisseur Josh C. Waller, bekannt für seine Werke " McCanick - Bis in den Tod " (2013) und den späteren " Camino - Gejagt " (2015), erschuf anno 2013 mit " Raze - Fight or Die ! ", einen knallharten und überaus gewalttätigen Survival - Thriller, der ebenfalls auf die faszinierenden Mechanismen des zur Schau gestellten Tötens setzt und fügt dem nihilistischen Spektakel Elemente des Exploitation - sowie Horrorfilms hinzu. Inhaltlich erwacht eine Frau namens Sabrina auf dem kalten Boden eines Bunkers, ohne dass sie weiß, wie sie hierher gekommen ist. Schnell wird ihr jedoch über Monitore und Lautsprecher klargemacht, das sie sich in einem Wettbewerb auf Leben und Tod befindet, in der nur eine Regel zählt: Kämpfe oder stirb! Um Sabrina und die anderen Frauen gefügig zu machen, werden ihnen über einen Bildschirm Aufnahmen von ihren jeweiligen Familien gezeigt, die sterben werden, sollten sich die Frauen weigern, gegeneinander anzutreten oder sollten sie den jeweiligen Kampf verlieren.

Stuntfrau und Schauspielerin Zoe Bell, gesehen in " Death Proof - Todsicher " (2007) sowie " Gamer " (2009), verkörpert hier die knallharte Kämpferin Sabrina, über deren Hintergrund wir zunächst so gut wie nichts erfahren, doch ist diese zähe Dame mit besonderer Schlagkraft gesegnet und prügelt bereits im ersten Kampf ihrer Mitspielerin, wenn man denn so will, buchstäblich den letzten Funken Leben aus dem Leib. Mit welch brachialer Gewalt hier ans Werk gegangen wird, ist schon erschreckend und wer bisher glaubte, das schöne Geschlecht würde nur aus Zucker bestehen, der lasse sich nun eines besseren belehren, wobei die Schläge von Sabrina derart erbarmungslos sind, dass es schon beim bloßen zusehen weh tut. Da ihre Tochter gefangen gehalten und als Druckmittel benutzt wird, ist Sabrina bereit, bis zum Äußersten zu gehen und all ihre Konkurrentinnen erbarmungslos aus dem Weg zu räumen.

Da die Organisation dieser tödlichen Spiele ihrer reichen und gelangweilten Kundschaft ein möglichst rohes und sehr intimes Gewaltspektakel bieten möchte, wird auf den Einsatz jeglicher Waffen verzichtet, weshalb nur die blanken Fäuste und Füße zum Einsatz kommen und die Orgie der Gewalt per Livestream übertragen wird. Das Setting der kargen Gemäuer und der endlos langen Flure, durch welche die Frauen wie Ratten in einem Experiment gehetzt werden, könnte trostloser nicht sein und versprüht nicht mal den Hauch von Freundlichkeit, bevor es in die Arena geht, einem überschaubaren Kreis, der mit seinen Mauern wie der Grund eines Brunnens anmutet, nur durch eine massive Stahltür zu betreten ist und zudem mit Kameras und Mikrofonen ausgestattet ist, damit das perverse Klientel, welches in einem anderen Teil des Komplexes untergebracht ist, bei einem Gläschen Champagner auch ja nichts verpasst.

Durch die Angst einen geliebten Menschen zu verlieren, agieren die Frauen völlig entfesselt und keinen klaren Gedanken mehr fassend wie im Rausch und gehen dabei wie wild gewordene Tiere aufeinander los. Knochen brechen, Haare werden ausgerissen und sogar Augen eingedrückt, kurz gesagt, die holde Weiblichkeit steht ihren männlichen Kollegen in ähnlich gelagerten Werken in nichts nach. Das solch furchtbare Gewalt dabei nicht ohne Blut auskommt, brauche ich eigentlich nicht zu erwähnen. Die Frauenknastfilme der 70er und 80er Jahre standen hier Pate und auch wenn man Frauen hier ganz obligatorisch instrumentalisiert, so ist es dennoch ein weiblicher Held, der immer wieder triumphiert. Die ungefilterte Gewalt bei den Kämpfen tut dabei so weh, als wäre man mittendrin. Schläge und Tritte werden hier nicht durch eine entsprechende Soundkulisse abgefedert, sondern sind so real wie nur irgend möglich. Treffen die Gegnerinnen in rasender Willkür aufeinander, so wird dies dem Zuschauer wie in einem Videospiel mitgeteilt, z. B. Cody vs Teresa. Man weiß, dass eine von beiden sterben wird, die Frage ist nur, welche ?

Editor Brett W. Bachmann (Die Farbe aus dem All - 2019 und Next Exit - 2022) setzt seine Schnitte dabei bis auf wenige Ausnahmen ganz hervorragend , nur ein paar Mal wirkte es mir zu hektisch, obwohl das Dargebotene in seiner Härte ohnehin heftig genug ist. Unterlegt wird dabei mit den Tönen von dem für elektronische Musik bekannten Komponisten Frank Riggio (Symmetric Human Door - 2009 oder Anamorphose - 2009), dessen Klänge in den Kämpfen eher subtil zu verzeichnen sind, in emotionalen Momenten jedoch besonders eindringlich zum Tragen kommen und ganz besonders in der vom Zuschauer herbeigesehnten Konfrontation zwischen Sabrina und Phoebe als erstklassig zu bezeichnen sind.

Dieses vermaledeite Biest wird dabei von Rebecca Marshall, zuvor gesehen in " Saw 3D - Vollendung " (2010) und " Der Chaos - Dad " (2012), evident verkörpert. Wenn Sabrina dann aus dem in rotes Licht getauchten Fahrstuhl, welcher die Frauen von ihren Zellen aus runter in die Arena bringt, wie ein wilder Stier durch die Gänge rast, an deren Ende Phoebe sie schon erwartet, dann ahnt man bereits, dass hier gleich ganz ordentlich die Fetzen fliegen werden. Gnadenlos manipulativ und extrem expressiv wird die Transformation einer vom Selbsterhaltungstrieb gepeitschten Gefangenen zum eiskalten Racheengel vollzogen und dies wird von uns als Zuschauer aller Selbstjustiz zum Trotz nicht nur akzeptiert, sondern geradezu gefordert und letztendlich bejubelt.

Was mir dennoch etwas fehlte, sind mehr Hintergrundinformation zu den einzelnen Frauen gewesen, denn dadurch, dass man außer ihrer Namen im Prinzip rein gar nichts über diese erfährt, fällt es dementsprechend schwer eine emotionale Bindung zu diesen aufzubauen, weshalb das Ableben so mancher einem dann in seiner Konsequenz mehr oder weniger egal ist. Der Fokus liegt eben klar auf Sabrina. Der ganze Film spielt sich im Grunde genommen nur in der Arena, der Zellen der Frauen und relativ kurz in einem Vorraum der noblen Gesellschaft ab, von dem wir allerdings nicht gerade viel zu sehen bekommen, denn das, was einen Großteil der Screentime ausmacht, sind die Kämpfe und die sind wie erwähnt hammerhart inszeniert worden.

Obwohl also " Raze - Fight or Die ! " im Prinzip nichts neues bietet und man solch ein Szenario bereits aus Filmen wie " Temmink - The Ultimate Fight " (1998), " Battle Royale " (2000) oder aus der Teenie - Variante " Die Tribute von Panem - The Hunger Games " (2012) kennt, ist es doch die hoffnungslose und gleichzeitig erschütternde Intensität, mit welcher der Zuschauer hier konfrontiert wird, die diesen Titel von anderen Produktionen abhebt. Ohne jeglichen Anflug von Humor dient die gezeigte Gewalt hier kaum als Unterhaltung, sondern vielmehr als Katharsis, was sowohl die Figur der Sabrina als auch den Rezipienten selbst betrifft. Bekommt der Zuschauer für seine aufgestauten Emotionen schlussendlich ein Ventil oder wird ihm seine Figuren bezogene Empathie für Sabrina zum Verhängnis, ähnlich wie bei " Martyrs " (2008) ? Auch " Raze - Fight or Die ! " hat sich dahingehend noch eine fiese Schlusspointe aufgespart, die das Publikum ähnlich konsterniert zurücklässt, aber am besten ist es, man sieht sich den Film einfach selbst an.

7/10
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Kommentare

24.01.2023 18:35 Uhr - cecil b
1x
Moderator
User-Level von cecil b 19
Erfahrungspunkte von cecil b 7.892
Eine großartige Vorstellung!!! Sehr gut geschrieben dazu.

Und deine Aussagen sind mMn treffend!

Schön, dass du dich dazu entschieden hast, deine Reviews auf Schnittberichte zu veröffentlichen. :)

24.01.2023 19:21 Uhr - Founding Father
1x
User-Level von Founding Father 2
Erfahrungspunkte von Founding Father 66
@cecil b

Vielen lieben Dank dafür und ich freue mich sehr 🤗 wenn ich ein gutes Bild des Films vermitteln konnte, der nicht unbedingt jedermanns Geschmack treffen dürfte.

Schnittberichte finde ich super 👍🏻 denn Aufbau, Struktur und die Kommunikation mit anderen Autoren gefällt mir sehr !
Daher gedenke ich auch gar nicht, meine Reviews woanders zu veröffentlichen 😉

25.01.2023 10:06 Uhr - Insanity667
1x
DB-Helfer
User-Level von Insanity667 11
Erfahrungspunkte von Insanity667 1.819
Kann mich noch sehr gut an den Hype um den Streifen und die Freigabe-Schlammschlacht erinnern. Den Film selbst fand ich dann aber reichlich oberflächlich, viel zusammengeborgt und nicht besonders originell... Ein "Fight Club - Rollerball - Panem - Tarantinolike - Hybrid", der meiner Meinung nach hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt, besonders - und das hast Du ja auch beschrieben - im Hinblick auf die Figuren. Trotzdem habe ich deine ausführliche Review, wie immer, genossen! Sehr gute Arbeit! :)

25.01.2023 15:34 Uhr - Founding Father
1x
User-Level von Founding Father 2
Erfahrungspunkte von Founding Father 66
@Insanity667

Da hast du allerdings recht, denn das Rad wird hier wahrlich nicht neu erfunden und vermischt bekannte Szenen aus ähnlich gelagerten Werken.

Dennoch gefiel mir dieser Titel, zumal sich hier Frauen gegenseitig windelweich prügeln 👱🏼‍♀️💥👊🏻💥👩🏻‍🦰 die nicht minder beeindruckenden und gewalttätig ans Werk gehen, wie wir Männer.
Eine solide Inszenierung wurde mir geboten; kein Meisterwerk, aber kurzzeitige, brutale Unterhaltung.

Besten Dank für deine Rückmeldung, Insanity 😉👍🏻

25.01.2023 15:37 Uhr - TheMovieStar
1x
User-Level von TheMovieStar 13
Erfahrungspunkte von TheMovieStar 2.899
Leider noch nicht gesehen, aber wieder einmal grandios vorgestellt. Die Vergleiche, die gezogen werden, sprechen mich an und ich überlege mir, den Film auch zu gucken.

Saubere Arbeit, Founding Father!

25.01.2023 18:02 Uhr - Founding Father
User-Level von Founding Father 2
Erfahrungspunkte von Founding Father 66
@TheMovieStar

Vielen Dank mein Lieber, denn es freut mich sehr, wenn ich dir eine ansprechende Review bieten konnte ☺️

Den Film selbst muss man zwar nicht zwingend gesehen haben, aber wenn du mal bestaunen willst, wie sich die holde Weiblichkeit buchstäblich die Scheiße aus dem Leib prügelt, dann bist du hier genau richtig 💪🏻😁
Nicht etwa mit Waffen oder schwindelerregenden Kampfeinlagen wird hier drauf gedroschen, sondern nur mit den blanken Fäusten und Füßen werden die Visagen nicht nur verschönert, sondern komplett neu modelliert 😆😅

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