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cecil b
Level 17
XP 5.645
Eintrag: 10.10.2013

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Runaway Girl

(Originaltitel: Hick)
Herstellungsland:USA (2011)
Genre:Drama, Thriller

Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,50 (4 Stimmen) Details
inhalt:
Die 13-jährige Luli hat ihr Kleinstadt-Leben zwischen dem ständig besoffenen Vater und der überforderten Mutter satt. Sie reißt aus und macht sich auf den Weg nach Las Vegas. Bewaffnet mit einem 45-er Revolver und etwas Taschengeld geht es per Anhalter nach Westen. Auf ihrer Reise trifft sie den Cowboy Eddie und die Kokserin Glenda...findet sie in Las Vegas wirklich was sie sucht?
eine kritik von cecil b:
Der Independent-Film Runaway Girl ist Dereck Martinis (Lymelife) Verfilmung von Andrea Porteas gleichnamigen Romans, die auch das Drehbuch verfasste. Die oft schlechte Bewertung der Internetseiten begründet sich meistens darin, dass der Film zu unentschieden zwischen Komödie, Drama und Thriller sei. Dabei ist genau dieser 'Mischmasch' nötig um das Fazit des Films zu ermöglichen. Der literarische Hintergrund hat einfach seine eigene Sprache, die -wenn sie gerne erkannt wurde- auch oft zu guten Kritiken führte. Das Problem mag auch sein dass das Cover einen Roadmovie mit Krach und Action vermittelt, das in dem Drama keinen Platz hat. Zudem sind die Figuren meist beispielhaft und weniger wörtlich gemeint. Wim Wenders trifft auf die südlichen Arbeitergegenden Amerikas.

Luli (Chloë Moretz) lebt zusammen mit ihrer überforderten Mutter (juliette Lewis) und ihrem versoffenen Vater in einem winzigen Kaff. Luli langweilt sich in dem verarmten Städtchen und sie leidet darunter dass ihre Eltern schon lange das Lieben und die Lebenslust verloren haben.Kurz nach ihrem 13ten Geburtstag beschließt die Kleine mit ihrem Geburtstagsgeschenk -einer 45'er Smith and Wesson- nach L.A zu flüchten. Auf ihrem Weg dorthin lernt sie den geheimnisvollen Cowboy Eddie und die durchgeknallte Glenda kennen, die Luli zeigt wie man sich durchmogeln kann.Lulis Abenteuer lehren sie viel über das Leben, aber sie begibt sich zunehmend in große Gefahr.

Luli sitzt auf der Treppe des Schulgebäudes ihres Kaffs. Nachdenklich zeichnet sie ein Leben welches sie sich wünscht auf Papier. Zeichnet Dinge die ihr im Leben wichtig sind, Dinge die sie erlebt hat. Ihre mit schmutzigen kleinen Schuhen bekleideten Füße streifen dabei verspielt eine Treppenstufe bis ihr versoffener Vater mit seinem Wagen in das eiserne Kunstwerk vor der Schule kracht. Relativ gelassen nach dem Motto dass kenne ich schon geht Luli zu ihrem Vater und der Aufdruck ihres T-Shirts der mit verdrehtem Satzbau sagt: 'Bring mich nach Hause ich bin besoffen' wird sichtbar.
Gut, Lulis familiäre Probleme werden mit dem Holzhammer vor den Latz geknallt. Mit rasender Geschwindigkeit lernt man Lulis Mutter kennen, die mit ihrem Leben überfordert ist und versucht sich die Welt mit Whisky, flotten Sprüchen und einer Jukebox in der Kneipe schön zu reden. Lulis Vater hat sich schon so sehr hinter dieser Welt versteckt, dass der Whisky seine größte Zuflucht ist. Beide sind trotzdem durchaus freundliche und auf ihre Art und Weise liebevolle Eltern. Da punktet der Film, in dem er Luli nicht zu einem zutiefst traumatisierten Gör macht, welches Schläge bekommt und am besten noch vom Vater sexuell missbraucht wird. So schablonenhaft ist die Dramatik also doch nicht. Vielmehr wird Luli als ein 13-Jähriges Mädchen gezeigt welches in den armen ländlichen Gegenden Amerikas aufwächst, und darunter leidet dass sie sich in dieser Welt einfach nicht wohl fühlt. Eine Knarre zum Geburtstag und versoffene Eltern, dass ist nicht Lulis Ding.
Sie steht vor der Wellblech-Kneipe die von der amerikanischen Flagge geziert wird und ihre Eltern konfrontieren sie voller Trauer und Verzweiflung mit deren Problemen und Wünschen. Die Flagge macht den amerikanischen Traum in diesem Moment zu einer Groteske, welches ein roter Faden des Films wird. Luli hat schnell bemerkt dass die Menschen versuchen durch Luftschlösser und Scheinwelten ihre Probleme zu vergessen, und auch sie selbst hat einen Weg gefunden dies zu tun. Ob sie vor dem Spiegel Clint Eastwood als Dirty Harry oder Marylin Monroe spielt, sie erkennt die zwei Seiten Amerikas, und macht ihr Leben selbst zu einem Kunststück. Und wo könnte man ein aufregendes Leben besser spielen als in L.A.? Also packt sich Luli eine Tasche und ihre Knarre und beschließt per Anhalter nach Vegas zu flüchten, um die Flucht vor den Problemen wenigstens glamourös zu machen.

Als sie dem Cowboy Eddie begegnet, ist Luli gleichermaßen von diesem Mann fasziniert wie erschreckt. Der freundliche Eddie scheint der Inbegriff eines einfachen Mannes zu sein und er verlor bei der Arbeit ein Bein, aber er wirkt auf seine Art trotzdem stolz und aufrichtig. Genau wie Luli von dem Cowboy irritiert und fasziniert ist, ist dieser verwundert darüber, dass die 13-Jährige versucht sich so zu geben wie eine gestandene Frau die schon so einiges hinter sich hat und die sich von niemanden etwa sagen lässt.

Zwei wichtige Elemente des Films sind ins Leben gerufen. Luli will ihr Leben selbst in die Hand nehmen ,und sie versucht dies mit den Mitteln zu erreichen die sie durch die Erwachsenen kennen lernt. Und sie begegnet einigen, die am Rande des Existenzminimums sind, die sich den Großgrundbesitzern untergeben müssen,und die jede Gelegenheit nutzen ein Stück vom Kuchen zu bekommen, egal ob legal oder illegal. Die Träume aller wurden zerbrochen, und jeder versucht ein Spiel zu spielen welches ein Stück von einem Traum kurzfristig ermöglichen kann. Luli muss lernen zu spielen. Jeder hat seinen Stolz, und auch Luli versucht ihren zu behalten.

Es ist nicht neu den amerikanischen Traum als ein Luftschloss darzustellen und das Luftschloss der verarmten Menschen dieses Landes zu thematisieren. Aber Runaway Girl weiß seine Geschichte gekonnt zu erzählen. Chloë Moretz ist dabei eine tragende Rolle, da ihr Spiel nur dann ein Overacting ist wenn ihre Figur spielt. Ihre Leistung erinnert mich an die ganz jungen Tage von Ellen Page und ich freue mich auf Chloe in ihre Rolle als Carrie in der Neuverfilmung von Stephen Kings Carrie! Ein weiterer darstellerischer Lichtblick ist Eddie Redmayne, der seine Figur so unglaublich charismatisch, undurchsichtig und zu gleichen Teilen vertrauenswürdig wie gefährlich erscheinen lässt! Einfach unglaublich! Und trotz rührseliger Zitate aus dem Roman gelingt es Lulis Roadtrip zu einer Ansammlung von Figuren zu machen, die beispielhaft für die Missstände einer Gesellschaft sind. Der Traum von Freiheit, von Glück und Liebe wird zu einer cineastischen Metapher. Lulis Figur wird zu gleichen Anteilen als süßes, blauäugiges Mädchen dargestellt wie als ein junger Mensch mit Ambitionen und ernst zu nehmenden Gedanken und Bedürfnissen. Genau wie der Film zu gleichen Anteilen verschrobenen Humor aufzuweisen hat, wie eine Dramatik die in seinem etwas überzogen erscheinenden letzten Drittel mitten ins Herz trifft. Vor allem Chloe zerreißt dem Zuschauer auf einmal gekonnt das Herz, und man ist dankbar für ein Talent welches nicht in einem Highschool Musical auf das putzig sein reduziert wird. Wer literarische Filme mag die den 'amerikanischen Albtraum' thematisieren, dem empfehle ich unbedingt Asia Argentos The Heart is deceitful above all Things mit Jeremy Sisto, Peter Fonda und Marylin Manson, der schon Terry Gilliams Tideland inspirierte!

8/10
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