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Wie ein wilder Stier

(Originaltitel: Raging Bull)
Herstellungsland:USA (1980)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Biographie, Drama, Sportfilm
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,45 (11 Stimmen) Details
inhalt:
1941: Der junge Jake LaMotta ist ein Boxer, der nur seinem Bruder und Manager Joey halbwegs vertraut. Nachdem er einige Kompromisse mit den Promotern eingeht, bekommt er schließlich einen Weltmeisterschaftskampf. Durch seinen Bruder lernt er Vickie kennen, die er später auch heiratet. 1949 wird er dann Weltmeister im Mittelgewicht, doch die Titelverteidigung fällt ihm schwer, da er sich zu sehr gehen ließ. Nachdem er seiner Frau immer mehr misstraut, findet er heraus, dass dieser Gedanke nicht unbegründet ist...
eine kritik von deniro:
Na bitte, da ist das Dream- Team ja wieder vereint!

"Raging Bull" oder auf deutsch "Wie ein wilder Stier" erzählt die bewegende Geschichte von Jack La Motta (Robert de Niro), der in den 1940ern und 1950ern neben Sugar Ray Robinson (Johnny Barnes) einer der bekanntesten Boxer ist. Der Film greift die aktive Laufbahn des Boxers auf und basiert auf der 1970 erschienenen Autobiografie La Mottas. Als Einwanderer aufgewachsen in der Lower East Side in New York begann er schon als Jugendlicher mit dem Boxen. Der Film beginnt kurz bevor La Motta seine langjährige Frau Vickie (Cathy Moriarty) – gerade mal 15 Jahre alt – kennen lernt. Neben Vickie gibt es letztlich nur einen Menschen, der für La Motta eine Bedeutung hat: sein Bruder und Manager Joey (Joe Pesci). La Motta wächst (wie Scorsese) in Little Italy auf.

De Niro, Pesci und Scorsese! Was kann da schon schiefgehen? Richtig, absolut gar nichts!

In "Raging Bull" sieht man das Trio zum ersten Mal vereint, eine Allianz die sich in den nächsten Jahren als erfolgreiche und besonders kreative Kombination erweisen sollte.
Auch mit "Raging Bull" beweist Scorsese, nach dem ebenfalls wegweisenden "Taxi Driver", sein Faible für die brutale und realitätsgetreue Darstellung von bestimmten Milieus. Auch die Protagonisten in "Raging Bull" sind keine strahlenden Helden, keine Sympathieträger im eigentlichen Sinne. Hier liegt natürlich auch die große Diskrepanz zu den gleichzeitig erschienen Helden-Epen wie den "Rocky" Filmen.
So ist "Jake La Motta" eben auch ein brutaler und gewalttätiger Ehemann und Bruder, der sich ganz bewusst von der fast schon liebevollen und hingebungsvollen Vaterrolle eines Rocky Balboa entfernt.

Scorsese zeigt in eindringlichen und bedeutungsschwangeren Schwaz- Weiß Bilder den rasanten Aufstieg und tiefen Fall eines Menschen der aus ärmlichen Verhältnissen zu Ruhm und Reichtum kommt, doch kein vernünftiges Verhältnis, zu diesen für ihn fremden Werten, aufbauen kann. "Wild" und "blind" beginnt der selbstzerstörerische Zerfall seines Lebens und damit verbunden schlussendlich auch seiner sportlichen Karriere. Ein Motiv übrigens das man immer wieder in vielen von Scorsese´s Filmen entdecken kann (Hexenkessel, Good Fellas, Casino).

Natürlich muss im Zusammenhang mit der Entstehung dieses Meisterwerks, die fast schon fanatische und höchst akribische Vorbereitung eines Robert de Niro, Erwähnung finden. So trainierte kein geringer als der echte "Jake La Motta" an den Box- Fähigkeiten des Schauspielers. Auch die legendäre Gewichtszunahme gegen Ende des Filmes zeigt ein weiteres mal aus welchem Holz ein Vollblut- Schauspieler wie "de Niro" geschnitzt ist.
Selbstverständlich kann auch der restliche Cast absolut überzeugen, allen voran Joe Pesci dem man auch hier ein weiteres Mal seine italo-amerikanische Herkunft in jeder Szene ansieht.
Dabei stand die Entstehung des Filmes selbst, unter keinen all zu guten Stern. So musste der Regisseur damals erst seinen eigenen Kampf gegen die Kokainsucht gewinnen, um von Robert de Niro überredet zu werden, diesen Film zu drehen. In vielen Szenen im Film kann man diesen innerlichen Kampf förmlich spüren.
So sind die eigentlichen Boxszenen auch keine künstlich überfrachteten und gestylten Hollywood- Bilder, sondern brutale und realitätsnahe Momentaufnahmen eines Kampfes zwischen zwei Männern und Rivalen. Dabei hatte Scorsese zweifelsohne den Vorteil auf ein für die damaligen Verhältnisse beachtliches Budget von 15 Millionen Dollar zurück greifen zu können. Ein Fakt der dem Film an jeder Ecke zu Gute kam (Bauten, Ausstattung, Musik etc,.)

"Wie ein wilder Stier" ist ein weiteres Scorsese Meisterwerk, das von den starken und eindrucksvollen Bildern und der eindringlichen Beschreibung der amerikanischen Einwanderer- Milieus des letzten Jahrhunderts, lebt. Zu Recht wurde Robert de Niro mit einen Oscar bedacht, Scorsese selbst sollte erst viele Jahre später zu diesen Ehren kommen.


10/10
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