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Blue Velvet

Herstellungsland:USA (1986)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Drama, Thriller
Bewertung unserer Besucher:
Note: 9,06 (18 Stimmen) Details
inhalt:
Hinter den blitzblanken Kulissen des verträumten amerikanischen Holzfäller-Städtchens Lumberton geschehen merkwürdige Dinge. Auf dem Rückweg vom Krankenhaus, wo er seinen Vater besucht hat, findet der College-Student Jeffrey Beaumont ein menschliches Ohr. Er liefert es bei der Polizei ab. Durch seine Neugier gerät in einen Strudel aus Sex, Gewalt und Perversion. Im Zentrum steht eine mysteriöse Nachtklubsängerin.
eine kritik von deniro:
Bereit für eine weitere Reise tief in die Abgründe der menschlicher Psyche?

Bereits mit seinem verstörenden Erstlingswerk "Eraserhead" (1977) sperrte der Regisseur David Lynch die Türen zum Wahnsinn ein Stück weiter auf. Doch dabei sollte es nicht bleiben!

An einem sonnigen Tag findet Jeffrey Beaumont (Kyle MacLachlan), ein junger Mann aus der Kleinstadt Lumberton, findet auf einer Wiese ein abgetrenntes menschliches Ohr. Mit Hilfe von Sandy (Laura Dern), der Tochter des Polizei-Inspektors, führt er auf eigene Faust Ermittlungen durch und versucht die Hintergründe um seinen merkwürdigen Fund zu lüften. Im Zuge seiner Untersuchungen sieht er sich jedoch schon sehr bald mit einigen skurrilen und höchst unangenehmen Personen und Wahrheiten konfrontiert.

Ich muss gestehen das ich "Blue Velvet"(1985) bis heute zu einen meiner Lieblingsfilme zähle! Die morbide und bedrohliche Atmosphäre und die überragende schauspielerische Leistung eines Dennis Hopper, zählen für mich noch immer zum Beeindruckendsten was das Genre in den letzten Jahrzehnten hervorgebracht hat. Gern zitiere ich auf Partys auch heute noch einzelne Sätze aus diesem verstörenden Alptraum ("...Wo bleibt das fucking Bier?").
Natürlich gehören auch weitere Dialoge mittlerweile einfach zum Repertoire einer gepflegten Partyunterhaltung. Beispiel gefällig?
..."D...Du...Du meinst ich soll das Bier aufmachen?...", "...Nein Mann, ich meine du sollst ficken..., schenk das verdammte Bier ein...!!!
An dieser Stelle sei noch erwähnt das ich natürlich nicht in diesem Ton mit meinem Gastgeber spreche!

Zurück zum Thema!

Wie viele andere seiner Kollegen vor ihm, so legte auch Lynch speziell bei diesem Werk einen großen Fokus auf den gezielten Einsatz von Farben und Musik. Am ehesten noch zu vergleichen mit dem alptraumhaften Farb- und Soundwelten eines Dario Argento. Doch wo Argento, im direkten Vergleich zu "Blue Velvet", eher subtil auf die Farbenlehre hinweist, setzt Lynch mit voller Wucht auf die Wirkung der gezeigten Farbsymbolik (Eingangssequenz mit roten Rosen und weißen Zaun, der blaue Samtvorhang u.s.w).
Überhaupt scheint der Film ein Paradebeispiel für verschiedene Metaphern und vermeintlich offensichtlichen Symbolen zu sein. So lässt er dem Zuschauer, wie bei Lynch üblich, eine Menge Spielraum für Interpretation und der kritischen Einschätzung des Gezeigten.

So wird "Blue Velvet" ein Diorama, das uns einen neugierigen Blick hinter die Fassaden, einer im ersten Augenblick heilen und intakten Kleinstadtidylle, hinab zu den morallosen und bedrohlichen Millieu´s eines Frank Booth (Dennis Hopper), ermöglicht.
Gerade dieser Frank Booth ist es, der den jungen Jeffrey auf einen Trip, in seine verkommene und gewalttätige Welt voller sexueller und psychotischer Gewalt, mitnimmt.
Dabei lässt Frank keinen Zweifel daran mit welcher Abscheu er Jeffreys heile Welt doch sieht.

Der Film spielt oft genug mit den Kontrasten der einzelnen Charaktere, zeigt in Form der unterschiedlichen Sprache (das Wort FUCK findet inflationär Anwendung), welch tiefer Graben zwischen den zwei Welten liegt.

Auch die "Beziehung" und die regelmäßigen Vergewaltigungen, zwischen Frank und der unterdrückten und gedemütigten Nachtclubsängerin Dorothy Vallens (Isabella Rossellini) gehen bis an die Schmerzgrenze des Zumutbaren.
Fast scheint es, als sei Jeffrey der Erlöser oder Retter der jungen Frau, der diese aus diesem Sumpf ziehen, und sie schlussendlich wieder in eine bessere Welt mitnehmen möchte. Selbst diese grundsätzlich positive Intention Jeffrey´s, verkommt durch die ebenfalls anrüchige sexuelle Beziehung zwischen Jeffrey und Dorothy zu einer sadistischen "Ödipus- Perversion".
Überflüssig zu erwähnen das auch Frank hier entscheidend ein Wörtchen mit zureden hat!

Sicherlich ist "Blue Velvet" einer der kommerziell erfolgreichsten Filme in Lynchs Karriere. Und das obwohl der Film alles andere als leichte Abendunterhaltung bietet. Ganz im Gegenteil, selten hat ein Film die eigenen Moral- und Schamgrenze, so sehr berührt wie "Blue Velvet".
"Blue Velvet" ist ein intensives und extremes Stück Film, der seine gesamte Energie aus den gezeigten Bildern und den aggressiven und schmutzigen Grundtenor der Geschichte zieht.

Oder war doch alles nur ein böser Traum?
10/10
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