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Wolfen

Herstellungsland:USA (1981)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Horror
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,73 (29 Stimmen) Details
inhalt:
Ein grausiger Umstand verbindet eine einflussreichen Grundstücksmakler, seine koksende Frau und einen heruntergekommenen Säufer: Sie sind die aktuellen Opfer in einer Serie scheinbar wahlloser Morde. Ein erfahrener New Yorker Polizist vermutet bald, dass die Opfer vorsätzlich und auf übernatürliche Art umgebracht wurden: Uralte Kreaturen von scharfer Intelligenz und unglaublicher Macht verteidigen ihr Territorium gegen das unbefugte Eindringen der Menschen.
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von tom cody:
Ich wollte heute erst mal eine Perle des Horrorfilms (ach, was heisst "Perle", ein echter Diamant!) zurück in`s Gedächtnis rufen. Michael Wadleigh`s Verfilmung des Bestsellers von Autor Whitley Strieber –

"WOLFEN",... wobei der Romantitel durch die einfache Hinzufügung des bestimmten Artikels noch etwas prägnanter klingt-

"THE WOLFEN"

Um mal das Fazit ein bisschen vorwegzunehmen, würde ich behaupten "WOLFEN" ist einer der 10 besten Horrorfilme aller Zeiten (einer meiner persönlichen Favoriten sowieso)! Leider hat der Film nie jenen Status bzw. Bekanntheitsgrad erreicht, wie ihn Filme mit ähnlicher Wolfs- bzw. Werwolfs-Thematik haben, wie z.B. "AN AMERICAN WERWOLVE IN LONDON" oder "THE HOWLING" ("DAS TIER").
Doch worum geht es eigentlich genau? In einem heruntergekommenen Viertel in der New Yorker Bronx wird die übel zugerichtete und verstümmelte Leiche eines Obdachlosen gefunden. Das alleine würde der Polizei sicherlich kein Kopfzerbrechen bereiten, doch bereits kurze Zeit später kommt es zu einem weiteren Vorfall. Diesmal findet das Verbrechen jedoch in der Nähe der Wall Street statt und die Opfer sind ein reicher und einflußreicher Grundstücksmakler (oder eher Spekulant), seine Frau und deren Chauffeur und Bodyguard. Der Angriff erfolgt so schnell, daß der Chauffeur noch nicht einmal in der Lage ist, seine Waffe abzufeuern, bevor die abgetrennte Hand samt Revolver durch die Luft fliegt. Der etwas heruntergekommen wirkende und mürrische Polizist Dewey Wilson (Albert Finney) wird mit der Klärung des Falls beauftragt. Unterstützt wird er von der Psychologin (und auch seiner Geliebten) Rebecca Neff (Diane Venora) und dem farbigen Polizisten Whittington (Gregory Hines). Die Ermittler stehen vor einem Rätsel, erst recht als bei der Autopsie der Opfer Wolfshaare gefunden werden! Sollte tatsächlich ein WOLF für dieses Massaker verantwortlich sein? Als weitere Vorfälle passieren, versucht ein früherer Verdächtiger, der indianische Arbeiter Eddie Holt (Edward James Olmos), Wilson die geradezu unglaubliche Wahrheit zu vermitteln, die auf uralte Indianermythen zurückzuführen ist. Hochintelligente, wolfsähnliche Wesen, die so genannten "Wolfen", die wie die Indianer Jahrtausende in Einklang mit der Natur lebten, haben sich in den Randgebieten unsere Zivilisation eingenistet und ernähren sich vom Ausschuß der Gesellschaft. Da ihr Lebensraum aber immer mehr eingeschränkt und vernichtet wird, gehen sie zum Gegenangriff über. Zusammen versuchen Wilson und Whittington, den unheimlichen Wesen auf die Spur zu kommen...

"WOLFEN" ist der einzige Spielfilm von Regisseur Michael Wadleigh, der eigentlich vom Dokumentarfilm kommt, und dessen bekanntester Streifen die mehrstündige Dokumentation "WOODSTOCK" von 1970 ist. Eigentlich ein Jammer, dass Wadleigh nicht noch weitere Versuche beim Spielfilm gestartet hat. Das Talent hatte er zweifellos.

Einer der auffälligsten Unterschiede zwischen dem Film "WOLFEN" und der Romanvorlage "THE WOLFN" ist der, daß die "Wolfen" im Buch eher dem klassischen Werwolf- bzw Wolfsmenschen -Mythos ähneln, während die Kreaturen im Film eigentlich wie ganz normale Wölfe aussehen. Sicherlich auch aus Gründen der Machbarkeit , führt diese Entscheidung aber auch (zumindest im Film) zu einer etwas "realistischen" Herangehensweise. Zudem hätte die letzte, extrem spannende und faszinierende Konfrontation im Film zwischen Wilson und den "Wolven", hätte man denn statt dessen ein Gruppe Werwölfe verwendet, möglicherweise unfreiwillig komisch gewirkt. Typische Werwölfe hätten den Film, mit seinen durchaus zivilisationskritischen Anklängen, zu sehr in die Nähe des klassischen "Creature"-Films gebracht. 1981 war übrigens auch das Jahr, in dem die Genre-Highlights "AMERICAN WEREWOLVE IN LONDON" und "THE HOWLING" in die Kinos kamen. Überhaupt wirkt die Abkehr vom klassischen , europäisch geprägten Werwolfmythos sehr erfrischend. Stattdessen beruft man sich im Film auf uralte Indianermythen und stellt eine Verbindung her zwischen dem Genozid an den Indianern und dem Verschwinden der Wölfe. Zwei Arten von Lebewesen, die nebeneinander lebten, bis sie fast gänzlich von der fortschreitenden Zivilisation des weißen Mannes ausgelöscht wurden.

Eddie Holt:" Es sind keine Wölfe. es sind Wolfen! Seit 20.000 Jahren, zehn mal so viel wie ihre beschissene christliche Ära, Wilson, lebten der rote Mann und die Wölfe, beides großartige Jagdnationen, zusammen in Balance mit der Natur. Dann begann das Abschlachten!

Wilson: "Sie töten."

alter Indianer: "Die Kranken, die Ausgestoßenen, diejenigen, die keiner vermisst."

Wilson: "Nicht nur die!"

alter Indianer: "Sie töten, um zu überleben. Sie töten, um zu beschützen."

Wilson: "Die Familie?"

alter Indianer: "Der Mensch tötet für weniger. Aber am Ende geht es nur noch um das Jagdrevier"

"WOLFEN" ist ein unglaublich dichter und nervenaufreibender Horrorfilm, den der Zuschauer gebannt bis zu seinem tollen Finale verfolgt. Einige Szenen führen auch bei wiederholtem Anschauen regelmäßig zu einer Gänsehaut (Ängstlichere Zuschauer sollten hierfür vielleicht einen frischen Satz Unterwäsche parat halten). Als Beispiel möchte ich hier eine Szene nennen, in der Wilson aus einer gewaltigen, verfallenen Kirche mitten im Abbruchgebiet, ein Baby weinen hört. Vorsichtig wagt er sich auf der Suche nach dem Ursprung des Weinens in die Dunkelheit der Kirche. Nach und nach verändert sich das Weinen allerdings in eine Art Wolfsjaulen, so daß Wilson doch lieber den eiligen Rückzug beginnt. Als er die Kirche verlassen hat, sieht man kurz im Dachbereich mehrere Augenpaare gelb aufleuchten.. Also, spannender kann Horrorkino eigentlich nicht sein.

Neu bei diesem Film war übrigens eine spezielle Optik, die das Geschehen aus Sicht der Wolfen zeigt. Eine dicht über den Boden gleitende Steadycam-Kamera zeigt optisch stark verfremdete Aufnahmen, die an eine Mischung aus Nachtsicht und Infrarot erinnern. Zudem wurde die Geräuschkulisse entsprechen verändert. Im Grunde hat einige Jahre später der Film "PREDATOR" dieses Prinzip wieder aufgenommen, allerdings nicht mit derselben Intensität wie "WOLFEN". Die Angriffe selbst sind kurz, heftig und mit gelungenen Make-up Effekten in Szene gesetzt, aber auch nicht übertrieben blutig.

Auch der tolle Soundtrack von dem damals noch relativen "Newcomer" James Horner weiß zu begeistern und dem Zuschauer die teils unheimliche, teils aufpeitschende Stimmung perfekt zu vermitteln. Einige musikalische Sequenzen fanden später eine ähnliche Verwendung in "Aliens".

Unterm Strich bleibt ein überragender, äußerst dichter und einzigartiger Horrorfilm, der leider nicht die Würdigung erfahren hat, die ihm eigentlich zusteht. Zudem ist es geradezu skandalös, daß der Film immer noch nicht im bluray-Format ausgewertet wurde. Selbst die DVD scheint es nicht mehr so häufig zu geben. So kann man nur weiter hoffen, daß sich irgendwann ein Verleiher dieses Genre-Meisterstück mit einer entsprechenden Veröffentlichung annehmen wird.

Fast die Höchstwertung erhält "WOLFEN" von mir

9 von 10 Punkten
9/10
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Kommentare

24.11.2014 14:50 Uhr - JasonXtreme
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Super Review zu einem von mir ebenso hoch geschätzten Film! Bisher kenne ich das Buch noch nicht, werde das aber demnächst mal nachholen. Allerdings heißt es WOLFEN mit einem F ;) :)

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