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Gamer

Herstellungsland:USA (2009)
Standard-Freigabe:FSK keine Jugendfreigabe
Genre:Action, Science-Fiction
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,08 (105 Stimmen) Details
inhalt:
Was, wenn ein Spiel grausame Wirklichkeit wird? Milliardär Ken Castle (Michael C. Hall) ist Erfinder von "Slayers", einem perfiden Online-Game, in dem zum Tode Verurteilte zu realen Spielfiguren werden. In riesigen Wettkampfzonen treten sie als moderne Gladiatoren auf Leben und Tod an. Von Spielern fremdgesteuert, kämpfen sie gegen ihren Willen und ohne Kontrolle über das, was sie tun. Kable (Gerard Butler) ist unangefochtener Held dieser Cyber-Arena. Von dem Teenager Simon kontrolliert und von Millionen von Zuschauern weltweit live verfolgt, hat er das tödliche Spiel am längsten überlebt. Doch um sein Leben und auch das seiner Frau Angie (Amber Valletta) und seiner Tochter zu retten, muss er Castles Spiel entkommen. Als die Untergrundbewegung "Humanz" zu Kable Kontakt aufnimmt, scheint es endlich einen Ausweg aus dieser Hölle zu geben...
eine kritik von cecil b:
Ich bin wirklich kein Actionfan, aber was Mark Neveldine und Brian Taylor im Jahre 2006 mit Crank auf den Bildschirm fabrizierten war für mich eine willkommene Adrenalinspritze! Mit dem Film Gamer gingen die Beiden mit ihrer Action in das kritische Sci-Fi-Kino, ohne dabei die Adrenalinspritze zu vergessen. Aber so richtig lässt sich der kritische Hintergedanke nicht mit der Action vereinen.

In nicht allzu ferner Zukunft haben die Medien weltweit eine enorme Macht. Die Völker aller Länder jubeln den Werken des Medienmoguls Ken Castle zu, der es mit seinen virtuellen Spielen ermöglicht andere Menschen in der Realität zu steuern. So hat sogar der Normalbürger vor dem Monitor sitzend die Möglichkeit in dem Spiel Society Menschen deren Neuronen über das Netzwerk gesteuert werden nach seinen Vorstellungen zu gestalten und handeln zu lassen. Diese Menschen wiederum kassieren dadurch wieder Geld. Das Spiel mit den Menschen geht sogar so weit dass zum Tode Verurteilte wie John Tillman(Gerald Bulter) vor der Wahl stehen sich in dem virtuellen Spiel Slayers bis zur Freiheit durch zu kämpfen statt die Todesspritze zu bekommen. Dabei muss ein Kandidat es schaffen 30 Level zu überleben, in denen er sich mit einem Gewehr durch Reihen von anderen virtuellń Soldaten durch kämpfen muss. John Tillmann ist der König dieser Disziplin, und er ist für die ganze Welt ein Star, der nur noch wenige Level überleben muss um sich zu befreien. Kann er es schaffen?

Bevor man ans Eingemachte geht sollte man erst einmal ein Bild davon bekommen, was GAMER dem Zuschauer zeigt.
Es gibt in Gamer zwei virtuelle Welten zu sehen, die aber auch einen starken Einfluss auf die Realität haben. Da gibt es die Welt der Slayer die durchweg in ein sehr düsteres und dunkelblaues und graues Licht getaucht ist, und die Welt von Society in der alles so schrill, bunt und übertrieben dargestellt wird dass dem Zuschauer durch die Überreizung schlecht werden kann. Auch die Realität ist wenig vertrauenswürdig. Die Medienwelt ist steril, und trotz aller Farben kalt. Ebenso wie die schlichte Welt der Normalbürger und Verbraucher, in der kaum etwas natürliches zu sehen ist.

Die Welt der Slayer ist eine Art gigantisches Industriegebiet durch das hunderte von menschlichen Spielfiguren zur Sendezeit schwer bewaffnet gegen einander antreten. Mit hektischen Schnitten und einer Kamera die so umher wirbelt als wolle sie den sich panisch drehenden Kopf eines Soldaten nachahmen werden die Kämpfer begleitet. Teilweise wird im Sekundentakt einer nach dem anderen abgemetzelt und hier und da fliegen auch mal Autos in die Luft und Motorräder brennend durch die Luft. Die Slayer kämpfen in jedem Level eine virtuell gesteuerte Schlacht, und die Grenzen werden durch ebenfalls schwer bewaffnete Soldaten und Granatwerfer gesetzt. Diese sind ja aber ohnehin eher nicht nötig, da die Kämpfer ja nur wenig Macht über ihren Körper haben. Sie sind menschliche Spielfiguren. Das 'Spiel' ist sehr düster und so anstrengend verzerrt inszeniert, dass es unangenehm ist den Bildern zu folgen. Was eigentlich doch nur im Sinne des Films ist.

Interessant ist dass die bunte Welt Society (was wie ein einfallsreicher Name, buä) genau so anstrengend und unangenehm ist. Pro Zehn Sekunden werden einem gefühlte tausend Eindrücke an den Latz geknallt. Alle Menschen habe schrille Outfits, Würmer krabbeln in Gläsern herum, Frauen küssen sich debil grinsend und eine künstliche Gothik-Anhängerin rast mit ihrem Skateboard lachend in eine Frau die beherzt lachend das Blut an sich verschmiert. Alle haben die 'perfekten' Körper und sie werden dazu gezwungen fast alles zu tun was die User von ihnen wollen.
Fast jedes Hirngespinst bekommt seinen Platz.

Die sterile mediale Welt ist einfach kaltherzig und falsch. Die Mitarbeiter von Castles Firma interessieren sich nicht für Menschen, sondern dafür wie diese medial wirksam genutzt werden können. Es wird fast ausnahmslos von Fuck hier Fuck da gesprochen und Sprüche zu einer Mitarbeiterin wie:" ich finde weibliche Emotionen langweilig" gehören zur Normalität. 

Die eigentliche natürliche Norm existiert kaum mehr. Die Menschen außerhalb der benannten virtuellen Welten und der Medienwelt sind fast komplett darauf fixiert sich die Spiele anzugucken oder sie zu spielen. Wenn man nicht ohnehin hungernd auf der Straße sitzt, trifft man sich auch mal zu großen Massenansammlungen um die Show Slayers auf einem Wolkenkratzer projiziert zu verfolgen. Zwischenmenschlichkeit im klassischen Sinne gibt es kaum mehr. Sex ist meist ein virtuelles Kommunikationsmittel ohne Liebe. Man hat nur die Wahl Menschen zu kontrollieren, kontrolliert zu werden, oder dabei zu zuschauen wie dies andere machen. Der Mensch ist eine Maschine und die Medien regieren die Welt. Aber egal ob User oder Spielfigur, Castle macht die Menschen willen- und gedankenlos. Immer wieder macht er grinsend und selbstherrlich klar dass er die Macht über die Welt hat, da er durch die Virtuell Reality alle Menschen beeinflussen, sogar besitzen kann.

Die Story ist natürlich aktuell und sie macht im Grunde nichts falsch. Medien haben in der heutigen Zeit einen sehr hohen Einfluss auf die Gesellschaft und die Politik. Ohne das Internet ist es kaum mehr Möglich ein Teil unserer Gesellschaft zu sein, und das Netz bietet alles zu sehen was man sich vorstellen kann. Gerne werden auch echte Videos gezeigt, in denen sich Menschen dass ansehen können was ihnen den gewissen Thrill oder einfach die sexuelle Stimulanz bietet. Im Netz wird der User nicht gesehen, und er kann sich geben als er ob sonst wer wäre. Und Menschen lassen sich filmen um die User zu bedienen und kassieren dafür Geld. Auch im Film wird darauf eingegangen wie Menschen durch Society ein leben spielen können, welches sie nicht in der Realität haben, und natürlich wie andere diese Illusion bedienen.
Der Gedanke die Virtuell Reality mit der Realität zu vermischen wurde vor allem von Croneberg schon in VIDEODROME und EXISTENZ gelungen thematisiert, und der Mensch als TV-Gladiator erinnert deutlich an Running Man.

Auch wenn der nicht ganz neue Grundgedanke kritisch und aktuell wie nie zuvor ist, fehlt es GAMER aber leider ein wenig an der nötigen Substanz als dass man die Kritik wirklich ernst nehmen kann.
Zugegeben, GAMER schafft es eine sehr bedrückende Zukunftsvision zu gestalten. Die unangenehm hektische Inszenierung lässt einen übel aufstoßen und die Überreizung der Medienwelt (von der schon heute viele sprechen) bekommt ihr effektives Bild. Zudem sind die Dialoge knallhart und der Umgang mit den Menschen ist ein Schlag in den Magen. Dabei ist es weniger das Geballer was erschrickt, sondern vielmehr die Tatsache wie viele Menschen Sklaven der Medienwelt -die den Kapitalismus neu definiert und somit auch die Bürokratie beeinflusst- sind.
Wenn z. B Tillmanns Frau beantragen muss das Sorge-Recht für ihre Tochter zu bekommen, oder der 17-Jährige Simon -der der Virtuell Reality-Crack ist der Tillmann spielt- gelangweilt die  Angebote seines Virtuell Reality Raums sortiert und die menschlichen Formate mit den Worten "Schwul. Behindert, Schwul, Schwul" in den Müll verschiebt. Der Zynismus wird simpel aber effektiv dargestellt.
Nachdem dann die erste Hälfte mit Geballer und Zynismus gekonnt erschreckt, versagt der Film darin dass er versucht Charakteren mit Hintergründen und einen weiteren Story-Verlauf zu entwickeln der sich nicht nur auf der Grundidee ausruht. Es wird aufgeklärt warum Tillman im Todestrakt ist, humanistische Rebellen versuchen Tillmann zu kontaktieren und ein bisschen Familiendrama wird auch noch versucht. Der Hintergrund zu Tillmann ist nicht besonders einfallsreich, dass der tötende Medienstar der Nation von einer humanistischen Organisation zum kämpfenden Helden gemacht werden soll ist so lala, und das Drama um die Familie ist so plastisch dass es wütend macht. Das Mädchen ist glaube ich eine sprechende Gummipuppe, Tillmanns  Frau ist auch durchgängig resigniert und stoisch wenn sie ihren Körper nicht in dem Spiel Society hingeben muss, und die Liebe von Tillmann zu seiner Familie besteht aus Schlagerwürdigen Phrasen: "Ohne euch würde ich dass nicht alles schaffen". Und die Kritik hinkt, wenn Tillmann auch in der Realität zu einem Supermann wird der zehn Leute (Schläger die sich kaum bewegen können) zu Brei zermanscht. Das soll wohl ein Versuch von Sarkasmus im Comic-Stil sein, den es einfach darum geht heftig zu sein.

Der Versuch Kritik und Drama mit der Action zu vermischen versagt. Das Potenzial für eine Kritik hätte deutlich mehr genutzt werden müssen, indem man z. B die ausgeübten Fantasien der Spieler (der Gamer) und damit die menschlichen Spielfiguren tiefer und nicht so oberflächlich thematisiert. Aber Gamer ist ein Actionfilm für Actionfans. Also handelt es sich um einen Film der Action bietet, wie es der Genre-Name schon sagt. Und Actionfans bekommen das vor die Augen was sie in der Regel sehen wollen: unrasierte Muskelprotze die sich gegenseitig den Körper zu Brei prügeln und schießen. Die Story funktioniert als ein solides Actionfilm-Grundgerüst. Und welcher der Stallone, Stratham und Co. -Fans interessiert sich bei einem Actionfilm denn für ein durchgängig gutes Drehbuch und für eine Charakteren-Zeichnung die es ermöglicht Identifikationsfiguren zu haben? Wie man in einem Slasher-Film von einem maskierten Mörder immer erwarten kann dass er Teenager ermordet, so erwartet man von einem Actionfilm Blut, Schweiß aber keine Tränen. Davon bietet Gamer genug und so sollte der Actionfan durchaus einen Blick wagen.
Als reiner Unterhaltungsfilm höchstens Mittelmaß, als Action-Film ein unterhaltsamer Kracher der düsteren Sorte.
6/10
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