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gran_peter
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XP 21
Eintrag: 13.01.2014

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Amer - Die dunkle Seite der Träume

(Originaltitel: Amer)
Herstellungsland:Belgien, Frankreich (2009)
Genre:Horror, Drama
Alternativtitel:Amer - Ein Albtraum aus Angst und Begierde

Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,56 (9 Stimmen) Details
inhalt:
Ana ist noch ein kleines Mädchen, als sie im verwunschenen Anwesen ihrer Eltern dem Leichnam ihres Großvaters begegnet. Zwischen Angst und Neugier ist sie dem schweigenden Haus ausgesetzt, in dem eine düstere Gestalt umherwandert. Als Teenager im Sommerurlaub erlebt sie erotisches Begehren und Begehrt-Werden, für das sie von ihrer Mutter hart bestraft wird. Als junge Frau schließlich kehrt sie in das Haus ihrer Eltern zurück. Hier verlassen die Dämonen ihrer Vergangenheit das Reich der Fantasie und werden zu einer realen Bedrohung.
eine kritik von gran_peter:

Das Spielfilmregiedebüt „Amer“ (2009)von Hélène Cattet und Bruno Forzani, die seit 2000 insgesamt fünf Kurzfilme zusammen gedreht haben,ist ein belgisch-französischer Thriller im Stile alter italienischer Gialli. Der Film wurde sowohl in Belgien als auch an der Côte d'Azur innerhalb von nur 39 Tagen und einem geringen Budget gefilmt. Nicht nur bildlich ist er eine Hommage an die großen Vertreter des Giallo-Genres wie Dario Argento oder auch Mario Bava, sondern auch musikalisch finden sich Namen, die eng mit dem Subgenre des italienischen Thrillers verwurzelt sind. Originalstücke von Ennio Morricone, Bruno Nicolai und vor allem Stelvio Cipriani verleihen dem Film einen Soundtrack, der wehmütig an die goldene Zeit des Giallo erinnern lässt.

Kritik:

Bei „Amer“ handelt es sich letztendlich nicht um einen klassischen Giallo, bei dem die Aufdeckung einer Mordserie im Vordergrund steht. Als Neo-Giallo reduziert er dieses Genre auf seine wesentlichen Motive – Angst, Sexualität und Gewalt –, bleibt dabei aber dem Giallo inszenatorisch treu und erweist sich visuell als überaus reizvoll. Das Regie-Duo verzichtet bewusst auf klassisches Storytelling – Dialoge finden sich nur sehr sporadisch – und verlässt sich so vollkommen auf eine visuelle Erzählweise, bei der die sinnliche Wahrnehmung getragen von einer dynamischen Bildmontage und einer intensivierten Geräuschkulisse im Vordergrund steht. Dabei betonen zu Beginn besonders viele Einstellungen und Close-Ups auf die Augen der Schauspieler die Bedeutung des visuellen Stellenwerts dieses Werks.

Der Film erzählt subjektiv die Eindrücke von Ana in drei Akten bzw. drei Episoden aus wichtigen Phasen ihres Lebens. Der erste Akt schildert Erlebnisse ihrer frühsten Kindheit – in der der Giallo häufig den Ursprung für die psychosexuelle Abnormität des Mörder sieht –, sie wird durch ihren verstorbenen Großvater erstmals mit dem Tod und den damit verbundenen Ängsten konfrontiert. Ihre trauernde Großmutter oder Altenpflegerin des Großvaters wird dabei durch ihre Verschleierung zu einer ängstlichen Bedrohung. Doch diese Erfahrung muss sie selbst verarbeiten, da ihre Eltern ihr keine Beachtung schenken. Die Episode endet dabei mit der Beobachtung des elterlichen Beischlafs und einem ersten Traumata. Besonders die Farbkomposition, die Kameraführung mit ihren vielen Close-Ups – welche eine klaustrophobische Stimmung erzeugen – und die Bildmontage lassen stark an die ersten beiden Teile der „Mütter“-Trilogie von Dario Argento erinnern und machen diesen ersten Akt zu einer atmosphärisch dichten, alptraumhaften Horrorsequenz.
 
Der zweite Akt zeigt das nächste Stadium des Heranwachsens von Ana, das ihrer Jugend. Die düstere, beklemmende Atmosphäre der bedrohlichen Festung des Elternhauses in der Kindheit weicht dabei der schönen Szenerie der Côte d'Azur. Die Wahrnehmung der eigenen Sexualität, Begierde und die Andeutung der Entwicklung eines gestörten Verhältnisses dazu stehen nun im Vordergrund und erinnern erneut an ein wichtiges Motiv der Gialli, dem Ergötzen an der Schönheit und Attraktivität des menschlichen Körpers und entlarvt so nicht nur den Mann als Voyeur. Doch der Anbiederung von Ana an das männliche Geschlecht wird ein Riegel vorgeschoben, da die Sexualität der Mutter vorbehalten ist.
 
Im letzten Akt, in dem Ana bereits zu einer Erwachsenen gereift ist, lässt sich schon früh ihr konträrer Bezug zu ihrer Sexualität erkennen. Einerseits angewidert von der Anbandelung des männlichen Geschlechts in Gestalt eines Taxifahrers, der sie nur zu ihrem Elternhaus fahren soll, entwickelt sie andererseits erotische Phantasien mit selbigem. Die Geschichte nimmt nun den Verlauf eines üblichen Giallo. Schwarze Handschuhe, eine Rasierklinge und ein maskierter Peiniger sorgen im Finale für Spannung und Dramaturgie. Parallelen zu Werken von Mario Bava und Sergio Martino sind zu erkennen und enden in einem visuell beeindruckenden Finale. 
 
„Amer“ ist visuell sehr beeindruckend, gleicht phasenweise einem Rausch, bei dem die Sinne bis ins Unermessliche gereizt zu werden scheinen. Traum und Wirklichkeit verschwimmen dabei meistens bzw. lassen sich nur schwer voneinander trennen und so lässt der Film über große Strecken aufgrund fehlender narrativer Begründungen viele Interpretationsmöglichkeiten. Der Film weist kein logisches Handlungskonstrukt auf, vielmehr sind es Andeutungen und Ahnungen, aber vor allem sind es Eindrücke die vermittelt werden, phantastische Bilder, die den Zuschauer nicht durch Erklärungen entmündigen und ihn poetisch in die Abgründe eines leider vergessenen Genres führt. 
 
Resumeé:

„Amer“ ist ein visuelles Meisterwerk, verstörend, erschreckend, spannend und rätselhaft erzählt, ergründet es als eine auf das Wesentliche reduzierte Hommage an den Giallo die selbstzerstörerische und masochistische Natur der Begierde. Wunderschöne Bilder und ein epischer Soundtrack mit den Klängen vergangener Tage machen „Amer“ zu einem sinnlichen Erlebnis, das viele Interpretationsmöglichkeiten bietet und noch lange nachwirkt. 09/10

 

9/10
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