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Fratze
Level 7
XP 694
Eintrag: 01.02.2014

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Wolfenstein

Herstellungsland:USA (2009)
Standard-Freigabe:USK 18

Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,72 (94 Stimmen) Details
inhalt:
Im Reboot zu Wolfenstein übernimmt der Spieler die Rolle von B.J. Blazkowicz, einem U.S. Geheimagenten, der sich dem Widerstand in Isenstadt anschließt um die finsteren Geheimpläne der Nazis zu vereiteln. Dabei setzt er neben konventionellen Waffen, die er auch verbessern kann, auch auf ein magisches Amulette, welches eine enorme Macht inne hat.
eine kritik von fratze:

Man nehme etwas "Jäger des verlorenen Schatzes", etwas "Captain America", einen Schuss aus der Eröffnungssequenz von "Hellboy" und eine Prise "Inglourious Basterds", rühre alles kräftig um und garniere mit etwas retrofuturistischer Glasur - fertig ist das Wolfenstein-Menue.

Nun gut: Der Verweis auf diese Filme ist vorrangig dem Umstand geschuldet, dass auch diese sich in einem erfundenen 3.-Reich-Setting bewegen, dennoch kamen mir persönlich beim Zocken (auch wegen der tw. vergleichbaren okkultistischen Ausrichtung) die Assoziationen zu diesen Filmen.

Der Plot: Der Agent B.J. Blazkowicz begibt sich, nachdem er das Kriegsschiff Tirpitz versenkt hat, an den fiktiven Ort Isenstadt, wo die Nazis unter Führung der Thule-Gesellschaft futuristisch-okkultistische Waffenexperimente durchführen, welche von Blazkowicz sabotiert werden müssen.

Damit ist eigentlich auch schon alles gesagt. Bei "Wolfenstein" handelt es sich um einen recht straighten Egoshooter, der um einige Horror-Elemente angereichert wurde. Man begibt sich auf Missionen, die man von den diversen NPCs aus den Reihen der Widerstandsbewegungen Kreisauer Kreis und Goldener Morgen erhält. Man muss bestimmte Items finden, Maschinen zerstören, Gefangene befreien und so fort, und nebenbei müssen natürlich alle Nazis, die einem begegnen, abgeknallt werden. Die Fronten sind also klar: Alle umlegen, oder die Nazis gewinnen und übernehmen die Weltherrschaft. Kompliziert ist das alles wirklich nicht - Laune macht es trotzdem.

Das Gameplay ist solide, stellenweise aber etwas holperig. Zu oft hängt man an Gegenständen fest, wenn man z.B. wegen Granatenangriff in Deckung gehen muss; anders als bei moderneren Shootern muss man den Zoom, durch Rechtsklick aktiviert, mit erneutem Rechtsklick wieder deaktivieren, anstatt dass man beim Loslassen der rechten Maustaste automatisch in die Normalansicht zurückkehrt; zudem ist die Steuerung teilweise etwas schwergängig. Das ist im Großen und Ganzen aber eher Gewöhnungssache, was den Spielspaß nicht sonderlich trübt.

Die Grafik sieht hingegen einwandfrei aus. Besonders die "Schleier"-Animationen sind überaus gelungen, die Splatter-Effekte sind ebenfalls nicht zu verachten, und insgesamt wirken die (z.T. beeindruckend riesigen) open-world-artigen Level, die Texturen und Objekte sehr ausgefeilt und abgerundet. Besonders viel Detailverliebtheit haben die Entwickler dabei allerdings bei der Darstellung der Uniformen, Rang- und Truppenabzeichen der Gegner sowie der wirklich überall hängenden Banner, Fahnen und Propagandaplakate bewiesen.

Damit nun zu einem leidigen Thema: Das Setting in Nazi-Deutschland und die dazu gehörige Symbolik. Wenn auch schon x-mal durchgekaut, ist die Auseinandersetzung m.E. aber dennoch notwendig, will man dieses Spiel ernsthaft besprechen.

Historische Akkuratesse sucht man hier natürlich vergebens, kritische Betrachtung des historischen Hintergrundes ist nur sporadisch erkennbar, und so stellt sich schon die Frage: "Muss so was wirklich sein?" Die Antwort liegt auf der Hand: Nein, muss es ganz und gar nicht, es ist vollkommen unnötig und in höchstem Maße (mutmaßlich gewollte) Provokation, ein Game so überladen mit NS-Symbolik zu designen.

Entsprechend muss dann aber auch die Gegenfrage erlaubt sein: "Ist das wirklich Verherrlichung des Nationalsozialismus?" Sicher scheiden sich daran die Geister, aber ich bin der Meinung: Nein! Denn die Nazis sind hier die Bösen, sie sind die Feinde, die getötet und deren Pläne durchkreuzt werden müssen. Somit handle es sich um ein antifaschistisches Spiel, lautete hier wie auch schon bei "Wolfenstein 3D" die Argumentation, die Hersteller und Vertrieb in Deutschland vor einer Verurteilung wegen Verbreitung verfassungsfeindlicher Propaganda rettete. Nichtsdestoweniger wurde die unzensierte Version vorrangig wegen der massiven, weithin unreflektierten Verwendung nationalsozialistischer Symbolik in Deutschland indiziert, beschlagnahmt und eingezogen.

Da derzeit der neueste Titel der Reihe, "The New Order", seinem Release entgegen blickt, kocht diese Diskussion in der Gamer-Community gerade erneut hoch. In der Computer-Bild-Spiele wurde ein Artikel, in dem das Game besprochen wurde, beendet mit dem Fazit: "Hakenkreuze gehören nicht in Unterhaltungsspiele". Punkt. Aus. Gut. Natürlich kann sich ein Schreiber bei einem so großen Magazin nicht erlauben, diesen Sachverhalt etwa aus mehreren Blickwinkeln kritisch zu beleuchten oder gar gutzuheißen (Anm.: was ich auch gar nicht wünschenswert fände), aber dieses Fazit in dieser undifferenzierten Art und Weise unter so einen Artikel zu setzen und alles andere, was das Game ausmacht (Storyline, Gameplay, Grafik etc.), auszublenden, halte ich für etwas eindimensional. Besonders wenn man bedenkt, dass "New Order" sich vom Setting her offenbar an Werke ähnlicher Couleur wie "Vaterland" oder "Das Philadelphia-Experiment" anlehnt, grenzt es schon an Ignoranz, gerade dieses Spiel auf die Verwendung von Hakenkreuzen zu reduzieren.

Aber zurück zum Vorgänger: Dieser macht es, genau wie seine Vorgänger, dem Betrachter schon ziemlich leicht, als Verherrlichung missverstanden zu werden; das Argument, es sei ein antifaschistisches Spiel, wirkt dabei ziemlich platonisch, und jemanden vom Gegenteil zu überzeugen ist nicht eben einfach. Daher sei hier ein anderes Beispiel genannt, das dieses Argument vielleicht besser verdeutlicht: Der eingangs erwähnte Film "Jäger des verlorenen Schatzes", erster Teil der "Indiana-Jones"-Reihe. In diesem typischen Spielberg-Streifen sucht man - genau wie bei "Wolfenstein" - historische Akkuratesse oder kritische Auseinandersetzung vergeblich, während er vor Nazisymbolik nur so strotzt. Die einzige Kritik am Nazi-Regime während des gesamten Films wird laut, als Harrison "Indie" Ford einmal kurz anmerkt: "Nazis! Ich hasse diese Typen!" Damit ist der Standpunkt des Helden klar, die Nazis sind die Bösen und müssen getötet werden! ... Augenblick mal, das kommt einem doch irgendwo her bekannt vor? Dennoch: Keine Indizierung, keine Beschlagnahme - im Gegenteil, der Film ist ein Klassiker des Abenteuer-Popcorn-Kinos, freigegeben ab 16 bzw. in einer Fernsehfassung, die aber nur um Gewalt und nicht um Symbolik gemindert wurde, ab 12 Jahren (Anm.: Das Game zum Film musste übrigens - natürlich - in Deutschland um die NS-Symbolik erleichtert werden).

Nun seien Film und Game natürlich zwei vollkommen unterschiedliche Medien, und Games würden nie die erzählerische Tiefe erreichen wie Filme, höre ich die Gegner dieser Argumentation sagen. Doch muss dabei zweierlei in Betracht gezogen werden:

  1. Auch manche Filme erreichen keine besonders nennenswerte erzählerische Tiefe, und gerade das obige Indiana-Jones-Beispiel zeichnet sich durch besonders unreflektierten Einsatz von Hakenkreuzen aus, während es sich durch Slapstick-Einlagen damit begnügt, die Thematik ins Lächerliche zu ziehen und auf einem leichten Unterhaltungslevel herumzudümpeln.
  2. Das Game "Wolfenstein" ist von 2009. Die Zeit, als PC- und Konsolenspiele noch in den Kinderschuhen steckten, liegt mittlerweile weit zurück und das Argument der mangelnden erzählerischen Tiefe trifft heute schlicht nicht mehr zu. Die meisten Games von heute wirken tatsächlich mehr wie interaktive Filme denn wie einfache "Ballerspiele". In diesem Falle wage ich sogar so weit zu gehen und zu behaupten, dass die Erzählstruktur von "Wolfenstein" differenzierter ist als die von "Jäger des verlorenen Schatzes".

Fazit:

"Hakenkreuze gehören nicht in Unterhaltungsspiele" - das kann man so sehen. Ich halte es da aber eher mit Lt. Aldo Raine aus dem ebenfalls schon erwähnten "Inglourious Basterds": "Wir haben unsere Nazis lieber in voller Montur, dann kann man sie nämlich zack sofort erkennen." Ja, ich fand es sehr erfrischend und belustigend, virtuelle Nazis zu erschießen, weil man das mit den echten ja nicht so einfach machen kann (Anm.: War das jetzt zu böse? ... naja, darüber zu urteilen überlasse ich dem Leser ;D). Ansonsten ist "Wolfenstein" wirklich ein sehr geradliniger und kurzweiliger Shooter, der einige interressante Ideen aufbietet  und auch ein paar interessante Waffen mit sich bringt. Für ein paar entspannte Abende im Kugelhagel genau das Richtige.

7/10
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Kommentare

30.08.2017 17:50 Uhr - Horace Pinker
1x
User-Level von Horace Pinker 19
Erfahrungspunkte von Horace Pinker 7.608
Wie von dir gewohnt tolle Spielerezension, die neben der ordentlichen Zusammenfassung von Gameplay, Graphik und Story vor allem durch das Eingehen auf die Darstellung des Faschismus im Kontext von Videospielen überzeugt. Letzteres hast du sehr gut mit nachvollziehbaren Argumenten und interessanten Vergleichen bewerkstelligt. Ich würde dir übrigens zustimmen und finde es ebenfalls nicht nachvollziehbar, dass es kein Problem ist noch im übelsten Trashfilm Hakenkreuze en masse zu zeigen, dies aber plötzlich bei Spielen nicht in Ordnung sein soll. Weit problematischer finde ich jedoch die Bearbeitung/Zensur von in realistischeren Spielen wie Call of Duty gezeigten Videos und historischen Dokumenten (wenn da Ganze Passagen gestrichen werden, oder aus Rommel der Wüstenfuchs wird empfinde ich dies schon fast als Geschichtsverleugnung). Von Wolfenstein habe ich übrigens die uncut X-Box 360 US-Version, bin aber wegen akutem Zeitmangel noch nicht besonders weit gekommen (fand es aber bisher recht unterhaltsam). Die Vorgänger und Nachfolger habe ich bisher auch noch nicht gespielt, werde dies aber bei Gelegenheit vlt. mal nachholen.
P.S. Die Probleme mit der Steuerung gibt es bei mir übrigens nicht, so kann man z.B. ganz normal mit LT zielen und wenn man loslässt kehrt man in den normalen Sichtmodus zurück.

31.08.2017 22:19 Uhr - Fratze
1x
DB-Helfer
User-Level von Fratze 7
Erfahrungspunkte von Fratze 694
Witzig, hab das grad neulich mal wieder ausgebuddelt. Ich hab hier eine recht internationale Version: BBFC-18-Flatschen, deutsche Menü-Texte/Untertitel und - halt dich fest - spanische Sprache. Ich kann gar kein Spanisch o.O War ein Restposten bei irgendeinem Online-Händler, der meinte auf Anfrage, das hätte auch so in der Verkaufsanzeige gestanden (hab ich nirgends gesehen), und die engl. Version gäbe es wohl gar nicht mehr (warum auch immer das Teil dann eine BBFC-Freigabe hat). Sprache könnte man aber ganz easy patchen - den Patch hab ich bis heute nicht gefunden 8P

Egal, das Spiel ist trotzdem recht unterhaltsam, da stimme ich uneingeschränkt zu. Nicht perfekt, aber auf jeden Fall spaßig, auch wenn die Szeuerung der XBox-Version dann wohl ausgereifter ist als für PC.

Zu Call of Duty kann ich nicht viel sagen, nie gespielt... aber grundlegend stimmt das natürlich, dass diese Tipp-Ex-Strategie mit den Symbolen und Namen einfach albern ist. Es gibt übrigens Bestrebungen, das Symbolverbot für Games zu kippen, was auch mit durch die neuen Titel der Reihe, "New Order" und "Old Blood", ins Rollen kam, weil da nämlich die Diskussion darum wieder losging. Die beiden kann ich dir übrigens auch empfehlen, und der nächste Teil, "New Colossus", ist auch schon vorbestellt ^^

Und selbstverständlich mal wieder meinen untertänigsten Dank 8 )

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