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Terror in der Oper

Originaltitel: Opera

Herstellungsland:Italien (1987)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Horror, Krimi, Thriller
Alternativtitel:Im Zeichen des Raben
Terror at the Opera
Terror en la Opera
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,64 (55 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Nachdem eine Operndiva bei einem Autounfall schwer verletzt wird und das Krankenbett hüten muss schlägt plötzlich für die junge Sopranistin Betty die Stunde: der junge Regisseur Marco gibt ihr die weibliche Hauptrolle in seiner Neuinszenierung von "MacBeth". Nach dem gefeierten Einstand geschehen aber plötzliche unerklärliche Dinge. Scheinwerfer zerbersten auf der Bühne-ein Mord ist geschehen! Hat der Killer ein grausiges Auge auf die schöne neue Operndiva geworfen oder steckt etwas anderes hinter seinen Morden? ()

Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von insanity667:

Nach den großen Erfolgen seiner großartigen Suspense oder auch Horrorthriller wie "Suspiria", "Tenebrae" oder "Phenomena" sollte 1987 im klassischen Giallogewand eines der letzten großen Werke von Maestro Dario Argento über die Leinwände flimmern. Mit "Opera" aka "Terror in der Oper" setzte sich der Regisseur mit tatkräftiger Unterstützung von Michelle Soavi ("Stage Fright", "Della Morte - Del Amore") ein weiteres, kleines Denkmal.

 

Die Geschichte dreht sich um die junge Opernsängerin Betty, welche durch einen (un)glücklichen Zufall an die Rolle der Lady Macbeth im Verdi's "Macbeth" kommt. In der Produktion des jungen Opernregisseurs Marco soll sie die Premiere singe, soweit so gut, doch kommt es dummerweise während der Vorstellung zu einem grausamen Mord, dem Auftakt einer ganzen Serie, welche den Polizisten Alan auf den Plan ruft, der übrigens ein großer Fan von Betty zu sein scheint.

 

So wälzt sich die Story zwischen Raben, Kostümen, der prächtigen Oper und einigen extrem blutigen Morden, bei denen Betty immer als Zeugin in voyeuristisch perverser Manier zusehen muss, so gemächlich dahin! Es wird sich viel Zeit gelassen bei den visuellen Ausflügen durch die Oper, stellenweise ein bisschen zu viel, wobei andere wichtige Storyelemente auf der Strecke bleiben und der Zuschauer ein bisschen überfordert sein könnte. Insgesamt jedoch bekommt der Zuschauer auch hier wieder das geboten, was er aus den Vorgängern des Meisters gewohnt ist! "Opera" bietet Spannung, eine tiefergehende Methaphorik, brisante sowie kontroverse Themen und somit gute, solide Unterhaltung mit ein paar verzeihlichen Logiklöchlern.

Weniger unterhaltsam ist, dass Argento bei der Darstellerwahl diesmal nicht so ein gutes Händchen hatte als sonst. Über die Besetzung der Hauptrollen, allen voran Cristina Marsillach (bekannt aus "Everytime wie say goodbye" mit Tom Hanks) als Betty und Ian Charleson (Greystoke - Die Legende von Tarzan), kann man eigentlich nicht klagen, auch wenn das ein oder andere mal besonders Betty neben der Spur zu laufen scheint. Aber spätestens ab Coralina Cataldi-Tassoni (Dämonen 2, The Mother of Tears) als Giulia geht das Drama los. Die Dame ist echt lästig und überdreht, für mich nicht unbedingt etwas, was der Stimmung des Films gut tut, und auch die gute Daria Nicolodi (Phenomena, Profondo Rosso, Tenebrae) glänzt in ihrer zappelig, hysterischen Rolle nicht besonders. Auch die übrigen Schauspieler steuern hier eine relativ durchwachsene Leistung zum Gesamtwerk bei... Unterm Strich war man da von Argentos Vorgängerwerken besseres gewohnt, mag das von Seiten der Schauspieler selbst ausgegangen sein, oder lag es an Argento, dem Script, dem Catering? Was war da los?

Sei es drum, denn "Opera" hat glücklicherweise andere, hervorragende Qualitäten, welche ihn durchaus sehenswert machen, sehenswerter als so manch anderen Heuler aus der Zeit! Dafür sorgt maßgeblich dieses mal hinter der Kamera Ronnie Taylor welcher großartiges zustande bringt. Seien es die unglaublichen Kamerafahrten durch die Oper, Slow Motion Makroshots oder intensive Weitwinkelspielereien. Alles weiß zu überzeugen und unter dem inszenatorischen Können von Argento und Soavi durchaus eine geniale, barrocke und von Zerfall durchzogene Atmosphäre zu kreieren! Die Kamera ist hier mal wieder Hauptdarsteller und die Kunst in Form von prächtigen Sets, Fresken, Gemälden, Skulpturen, Kleidern und einer rundum genialen Ausstattung mal wieder liebster Nebencharakter. So ist "Opera" einer der optisch anspruchsvollsten Spätgiallos seiner Zeit und das gefällt einfach, auch wenn sich hier bereits die Auswirkungen des Niedergangs der italienischen Filmindustrie breit machten. (

Optisch also ein voller Erfolg und gemäß dem Namen "Opera" natürlich auch akkustisch. Wahnsinn wieviele Künstler hier verewigt wurden und die Szenerie musikalisch perfekt unterstreichen. Angefangen beim elektronischen Score von Claudio Simonetti (Goblin) über Heavy Metal von Norden Light und Steel Grave hin zu Verdi und Puccini... Sehr gut! Akkustisch einer der absoluten Höhepunkte in Argentos Schaffen!

Die Gewaltdarstellung geht im Härtegrad mit guten Effekten, handgemacht und wirklich knallhart diesmal deutlich wieder in Richtung "Tenebrae" und machte es dem Film in Deutschland nicht leicht! Mit 16 Minuten fehlenden Material (Story sowie auch Gewalt) wurde die übel verstümmelte Videofassung zu allem Überfluss indiziert, wie auch die DVD von X-Rated! Der Film gilt im Allgemeinen als sehr rar und wartet immernoch auf eine angemessene, deutschsprachige Non-Bootleg Veröffentlichung nachdem mittlerweile alle bisherigen VÖs limitiert waren und schon lange vergriffen sind.

 

Fazit: 

Der letzte große Paukenschlag Argentos (im wahrsten Sinne des Wortes) vor dem Untergang des europäischen Schlitzerkinos, führt den Meister in die Oper! Und was er dort zwischen Giallowahnsinn und Heavy-Metal als Kontrast zum eher "klassischen" Umfeld wiedereinmal vollbracht hat, ist ebenso genial wie all seine Filme seit der "Tier-Trilogie" Anfang der 70er. "Opera", als reiner Giallo angelegt, besticht auch 1987 durch alles, was einen klassischen Argento auszeichnet! Kamera, Ausstattung und Musik in perfekter Symbiose, auch wenn es bereits ein bisschen nachlässt bei den Darstellern und der Geschichte, das Feeling und die cineastische Wucht der großartigen Aufmachung dieses Brockens begeistern mich persönlich bei jeder neuen Sichtung! 

8,5/10 Punkte! Obwohl ich lieber (subjektive) 10/10 geben würde, aber "Opera" hat hier leider schon mit der ein oder anderen Schwäche zu kämpfen... 

  

8/10
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Kommentare

19.02.2018 11:11 Uhr - Horace Pinker
User-Level von Horace Pinker 22
Erfahrungspunkte von Horace Pinker 10.436
Wunderbare Argento Rezension, die durch ihre amsprechende Formulierweise, den hohen Informationsgehalt und die allgemeine Sachkundigkeit zu begeistern weiß! Für mich ist Opera der letzte Argento der von mir die volle Punktzahl erhalten würde (auch wenn mir viele seiner 90iger und sogar einige seiner 2000er Werke auch noch gefallen haben), wie du schon sagst stimmt hier optisch, musikalisch und effektmäßig alles, da verzeihe ich gern die ein oder andere schauspielerische Unzulänglichkeit ;) Nicolodis nicht so tolle Leistung könnte übrigens an ihren privaten Problemen gelegen haben, immerhin ließ sie sich kurz nach Drehschluß von Argento scheiden und arbeitete, mal von dem Kurzauftritt in Mother of Tears abgesehen, nie wieder mit ihm zusammen.
PS Der Absatz über die Indizierung könnte nach der überraschenden Listenstreichung und Neuprüfung vlt. mal upgedatet werden.

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