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Die Nacht der offenen Särge

Originaltitel: Drácula contra Frankenstein

Herstellungsland:Frankreich, Spanien (1972)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Horror
Alternativtitel:Dracula Against Frankenstein
Dracula Prisoner of Frankenstein
Dracula Vs. Dr. Frankenstein
Dracula prisonnier de Frankenstein
Dracula prisonnier du docteur Frankenstein
Drácula contra el Dr. Frankenstein
Screaming Dead
Vampir Kill
Bewertung unserer Besucher:
Note: 5,00 (3 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Der Wissenschaftler Dr. Exorcio, begleitet von seinem aus Leichenteilen geschaffenen Monster und seinem missgebildeten Diener Morpho, strebt die Weltherrschaft an. Er erweckt den Vampir Graf Sartana mit einem Blutbad wieder zum Leben und bringt ihn unter seine hypnotische Gedankenkontrolle. Dr. Seward, der den Grafen erst kürzlich mit einem Silbernagel gepfählt hat, ist wenig begeistert von Dr. Exorcios Plänen und sucht mithilfe der naturkundigen Amira die Brut des Bösen zu vernichten. Doch auch die Vampire wollen sich von Dr. Exorcios Gedankenherrschaft befreien und rufen in einer Vollmondnacht den Werwolf zu Hilfe. (Colosseo Film)

eine kritik von dissection78:

"Die Nacht der offenen Särge" (Originaltitel: "Drácula contra Frankenstein") ist ein 1972 erschienenes Werk von Jesús Franco Manera, welches anscheinend für ein Minimalst-Budget realisiert wurde und eine "Vollstbedienung" in Sachen Trash ist. Der Film ist ein einziges Stückwerk, ein filmischer Flickenteppich. Hier passt nichts aneinander, aber Hauptsache, Vampire, Werwölfe und Frankensteins Monster werden untergebracht. Alles ist so dermaßen zusammenhanglos und wirr hingeschludert, dass sich selbst ein Straight-Edger während des Genusses fragen dürfte, ob er nicht doch aus Versehen "bewusstseinserweiternde" bzw. bewusstseinverwirrende Substanzen reingepfiffen hat. Schnitt, Musik und Kameraarbeit (mit viiiielen typischen Franco-Zooms) irrlichtern hanebüchen vor sich her (oder eher aneinander vorbei)... wobei der Score von Bruno Nicolai an sich sehr gut ist! Ein Skript hat mit Sicherheit nicht vogelegen (oder "Die Nacht der offenen Särge" hatte eines jener sogenannten "Drehbücher" - alias Bierdeckel - vorliegen, aus denen Franco fünf Filme gleichzeitig gemacht hat), die wenigen Dialoge sind kaum auszuhalten. Der Streifen wurde größtenteils ohne Ton abgedreht und erst in der Post-Production mit einem Voice-over ausgestattet.

Zur Ehrenrettung muss ich allerdings noch sagen, die sprunghafte Erzählweise der meisten Jess-Franco-Werke bzw. vieler spanischer Genrefilme der 70er-Jahre (bis 1975/76) lässt sich, neben dem enormen Zeitdruck der Crews durch einen eng gefassten Drehplan, im Allgemeinen damit begründen, dass sich kleine, unabhängige Produktionen aus Spanien (vorliegendes Werk ist eine Co-Produktion mit Frankreich, finanziert wurde gleichfalls mit Geldern einer Produktionsfirma aus Liechtenstein) immer wieder der direkten staatlichen Kontrolle entzogen. Dies war der katholisch-nationalistischen Franco-Diktatur (nein, nicht Jess, sondern Francisco) ein Dorn im Auge. Das Ministerium, welches den spanischen Film und seine Industrie zu überwachen hatte, kam nun auf die Idee eine Mindestbudgetgrenze einzuführen, die nicht unterschritten werden durfte. Die Produzenten begegneten diesen Finanzierungsproblemen damit, dass sie ihre Filme nicht nur auf den gesamteuropäischen Markt zuschnitten, um auch außerhalb Spaniens die Absatzmärkte zu sichern, sondern gleich mehrere Fassungen erstellten, die jeweils auf die Möglichkeiten und Besonderheiten der jeweiligen Länder abgestimmt waren. Manchmal wurden sogar andere Regisseure von den ausländischen Geldgebern und Verleihern damit beauftragt, Szenen neu zu drehen, welche dann (oft unpassend) in das Endprodukt eingefügt wurden. Auf der anderen Seite kam natürlich auch noch hinzu, dass in dem ein oder anderen Land anstößige Szenen, die Sex und Gewalt zeigten, herausgeschnitten wurden. Bei diesen rein kommerziell ausgerichteten Bedingungen fällt es schwer zu beurteilen, wieviel letztendlich der Regisseur eines Films zu dem endgültigen Ergebnis beigetragen hat. Auch in vorliegendem Fall gibt's anscheinend mehrere Versionen. In einer hüpfen die Girls meist nackicht vor der Kamera herum, in der anderen verhalten sie sich züchtig und tragen Klamotten. Außerdem wird Frankenstein in der einen Fassung Exortio genannt, Dracula heißt Satana(s). Die deutsche Synchronisation verfälscht natürlich auch so einiges.

Was die Darsteller betrifft, so stellen sich mir hier folgende Fragen: War Dennis Price auf Valium? Hatte Howard Vernon vor jedem Take ganz Tony-Montana-like 'ne halbe LKW-Ladung Koks geschnüffelt?
Price, der von den 40ern bis in die 60er in einigen Brit-Klassikern mitwirkte ("A Canterbury Tale", "Adel verpflichtet", "Hotel International"), spielte am Ende seines Lebens aufgrund von Glücksspiel- und Alkoholproblemen hauptsächlich in mehr oder minder gelungenen B-Filmen mit ("Vampyros Lesbos",  "Turm der lebenden Leichen", "Das Blutgericht der gequälten Frauen", "Frankensteins Horror-Klinik"). Hier schlafwandelt er bedenklich durch seine Rolle als Frankenstein. Das Gegenteil ist Franco-Spezi Howard Vernon, der sich grimassierend beinahe einen Schlaganfall erspielt. Diese Widerparts (steifer Price/chargierender Vernon) passen zur Zerrissenheit des ganzen Machwerks.
Hübsch anzuschauen ist natürlich Britt Nichols, die u.a. in Amando Ossorios B-Klassiker "Die Nacht der reitenden Leichen" sowie in einigen Franco-Sachen wie "Jungfrauen-Report", "Eine Jungfrau in den Krallen von Zombies" und "Daughter of Dracula" mitmachte.
Positiv sind ebenfalls einige sehr atmosphärische Passagen, die dann doch so etwas wie eine leicht surreale Gruselstimmung aufkommen lassen.

Auf DVD kam der Film anscheinend nur in den USA von Image Entertainment und Midnight Video heraus. Alle anderen (deutschen) Versionen gibt's bisher nur auf der guten alten Videokassette.

Alternativtitel:
+ "Dracula Against Frankenstein", "Dracula: Prisoner of Frankenstein", "Dracula Vs. Dr. Frankenstein", "Screaming Dead", "Vampir Kill" +

Fazit:
Ein schnell heruntergekurbeltes, schlampig-unsinniges Durcheinander, dass sich "Film" schimpft, mir jedoch mit all seiner Schludrigkeit, unfreiwilligem Klamauk, den apokalyptisch-miesen Dialogen sowie einer manchmal bedrückenden Gruselatmo irgendwie Vergnügen bereitet hat. Ich bin ja nicht mehr normal! 5 Punkte.

5/10
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