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Dellamorte Dellamore

Herstellungsland:Italien, Frankreich, Deutschland (1994)
Standard-Freigabe:FSK 18
Genre:Horror, Erotik/Sex, Komödie,
Liebe/Romantik
Alternativtitel:Cemetery Man
Zombie Graveyard
Of Death and Love
Of Death, of Love
Demons '95
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,42 (62 Stimmen) Details
inhalt:
Francesco Dellamorte ist ein junger Friedhofswärter, der zusammen mit seinem Assistenten Gnaghi für Ruhe und Ordnung auf dem Friedhof sorgt. Die Ruhe hat der Friedhof auch bitter nötig, denn es geschehen dort unheimliche Dinge: innerhalb von sieben Tagen nach der Beerdigung steigen die Toten als menschenfressende Zombies aus ihren kalten und dunklen Gräbern. Eigentlich nimmt Francesco die Sache sehr gelassen hin, da er und der etwas schwachsinnige Gnaghi im Laufe der Zeit bei der Jagd auf die berechenbaren Untoten schon eine gewisse Routine entwickelt haben. Doch als dann eines Tages seine einzige große Liebe als gieriger Zombie zurückkehrt und er gezwungen ist, sie zu erschießen, verliert Francesco völlig die Orientierung.
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von dissection78:

Der ehemalige Argento-Protegé Michele Soavi hatte sich seit seinem Regiedebüt "Aquarius - Theater des Todes" im Jahr 1987 sowie den Okkult-Horrorwerken "The Church" (1989) und "The Sect" (1991), in atmosphärisch-stimmungsvolle Horrorhöhen geschwungen, in denen sich Mitte der 90er nur sehr wenige Regisseure befanden. Schade, dass er nach dem vorliegenden Werk und nach dem Zusammenbruch der italienischen Filmindustrie seit der damaligen Zeit nur noch fürs Fernsehen arbeitete.

Sein genialer Alptraum "Dellamorte Dellamore" wurde für etwa 4 Millionen Dollar in der Umgebung von Rom sowie in Umbrien gedreht. Die italienisch-französisch-deutsche Co-Produktion ist eine so lyrische wie morbide Tragikkomödie, ein faszinierender, aber oft auch irritierender Abgesang auf die Welt des apokalyptischen Zombiefilms von George A. Romero oder Lucio Fulci, in dem Gut und Böse noch exakt definiert waren. Bei Soavi taugen die Untoten nur noch für persiflierende Einlagen, denn ihr Schrecken hat sich in den Jahrzehnten der Gewaltexzesse abgenutzt. Trotzdem steht nicht der Splatter-Klamauk eines "Braindead" im Vordergrund, denn der Kampf mit den Zombies wird ganz beiläufig im Hintergrund ausgefochten, sondern der Umgang mit dem Tod an sich. Dazu entwirft Soavi eine verstörende schwarze Vision, in der es vor originellen und brillanten Einfällen nur so wimmelt wie in einer Leiche vor Würmern.
Kleine Flämmchen umgeben Liebende beim mitternächtlichen Schäferstündchen zwischen den Gräbern auf dem Friedhof; der abgeschlagene Kopf einer Toten folgt dem geistig zurückgebliebenen Friedhofshelfer ins versiffte, aber traute Heim; der Tod befiehlt Dellamorte als furchteinflößende Skelettgestalt, gefälligst Lebende in sein Totenreich zu befördern; die Kamera umkreist unaufhörlich den gedemütigten Dellamorte, als er von seiner zweiten Geliebten den Laufpass bekommt; wenn er sich eine Zigarette anzündet, flammt das Feuer über die Windschutzscheibe, bis man merkt, dass sich darin das lodernde Haus spiegelt, in dem er einen Brand legte.

Beim ersten Betrachten erinnert "Dellamorte Dellamore" etwas an "Friedhof der Kuscheltiere", aber im Gegensatz zum eher konventionellen Stephen-King-Horror lädt Soavi den Zuschauer zu einer bizarren Reise in die dunklen Seiten der menschlichen Seele ein und findet dort Bilder grandioser Schönheit, obwohl an diesem Platz das Entsetzen herrscht. Hier verbinden sich sowohl Splatter-Elemente als auch Gothic-Horror zur einer reinen, visuellen Poesie.

Der Brite Rupert Everett ("Der Sternwanderer", "Die Girls von St. Trinian") ist als kauziger, sensibler Francesco Dellamorte, der sich in einer abgeschotteten Wahnwelt wiederfindet, großartig. Ihm steht die gebürtige Finnin Anna Falchi ("Der Ring des Drachen", "Piraten der Karibik") in gleich drei Rollen zur Seite. Und der französische Rockmusiker François Hadji-Lazaro ("Die Stadt der verlorenen Kinder", "Der Pakt der Wölfe") ist als Gnaghi, Helfer des Friedhofswärters, ebenfalls überzeugend.

"Dellamorte Dellamore" gibt es in etlichen ungekürzten DVD-Varianten von Laser Paradise, '84 Entertainment, CMV Laservision und Tombstone (FSK 18). Die KSM- und Screen-Power-DVDs enthalten die um gut 6 Minuten geschnittene FSK-16-Version. Blu-Rays (uncut) wurden von Starlight und '84 Entertainment veröffentlicht. Und auch im Free-TV lief der Film in seiner Uncut-Fassung auf Arte.

Alternativtitel:
+ "Cemetery Man", "The Cemetery Man", "Zombie Graveyard", "Of Death and Love", "Of Death, Of Love", "Demons '95" +

Fazit:
"Dellamorte Dellamore" ist ein poetisches Horrormärchen, das surreale Elemente mit Gothic-Grusel und Splatter verbindet, und in dem sich ruhige mit grellen Momenten abwechseln. Wer eine Schlachtorgie erwartet oder gar nach "Logik" sucht, ist hier definitiv Fehl am Platze. Großartige Sache.

9/10
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Kommentare

21.02.2014 10:40 Uhr - deNiro
1x
DB-Helfer
User-Level von deNiro 5
Erfahrungspunkte von deNiro 337
tolles Review zu einem tollen Film!

18.01.2017 17:09 Uhr - naSum
User-Level von naSum 12
Erfahrungspunkte von naSum 2.099
Wow, die Poesie des Films spiegelt sich in deinen Worten. Toll geschrieben!

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