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Ichi the Killer

Originaltitel: Koroshiya 1

Herstellungsland:Japan (2001)
Standard-Freigabe:FSK keine Jugendfreigabe
Genre:Splatter, Trash
Alternativtitel:Koroshiya ichi
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,84 (155 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Der Yakusa Boss Anjo ist zusammen mit einer Prostituierten und 100 Millionen Yen verschwunden. Kakihara macht sich zusammen mit dem Rest von Anjo's Truppe auf die Suche nach dem Chef. Ein säuberlich aufgeschlitzter Safe am Tatort führt sie auf die Spur von dem mysteriösen "Ichi". In einem Superheldenkostüm und mit Klingen versehenen Schuhen richtet Ichi unter den Triaden regelrechte Blutbäder an, die wiederum mit wachsender Begeisterung von Kakihara wahrgenommen werden. Der ist nämlich regelrecht fasziniert vom grenzenlosen Treiben des geheimnisvollen Killers. Bald kreuzen sich die Wege der beiden, doch es soll nicht alles so kommen, wie Kakihara sich das erhofft... (I-On New Media)

eine kritik von cecil b:
Takashi Miike ist schon speziell. Ichi auch !!!!!
Für diesen Film erhielt Miike mehrere Auszeichnungen, genauso wie Misako Sakas beeidruckenden Effekte, die in anderer Form auch in Miikes Zebraman und The Happiness of the Katakuris ihren Platz hatten. Ebenso ausgezeichnet wurde der schon oft gefeierte Regisseur und Drehbuchautor Shin'ya Tsukamoto (Tetsuo), der eine unbeschreiblich überraschende Nebenrolle spielt.

Zwei Yakuza Gangs haben Streit miteinander. Die eine hat einen neutralen, unscheinbaren Informanten, der ihnen davon berichtet dass die andere Gruppe sich unerlaubt in Geschäfte eingebracht hat die nicht ihre sind. Der Oberkiller der Gang mit dem Informanten foltert sich bestialisch durch die Mitglieder der verfeindeten Gang, um Informationen zu bekommen. Da ist aber ein Killer der die Mitglieder des Folterknechts in Stücke zerreißt. Er ist unaufhaltsam und hat einen äußerst ungewöhnlichen Kampfstil mit dem er wahre Schlachtplatten hinterlässt. Er ist ein Phantom, das zur lebenden Killerlegende wird. Der Folterknecht ist fasziniert und setzt alles darauf, ihm zu begegnen.

Was ist denn hier los? Hektische und verzerrte Bilder, untermalt mit teilweise hysterischer Drum und Bass-inspirierter Musik (u. a. Seiichi Yamamoto: Mind Game) schicken den Zuschauer von einer Farce zur nächsten. Miike haut dem Zuschauer Geschmacklosigkeiten vor dem Latz, dass man das Stirnrunzeln nicht mehr los wird. Vergewaltigungen werden vollkommen überzogen dargestellt, Folterszenen sind unverständlich übertrieben, es wird auch nicht vor übelsten Hautverbrennungen und wörtlicher Entzweiung halt gemacht, und das Ganze wird stilistisch ungewöhnlich kunstvoll dargestellt. Und dann gibt es da komödiantische Szenen die von Helge Schneider sein könnten, ohne dass sie dem Film die Brisanz rauben.
Die dargestellte Gewalt ist verstörend, lustig überzogen, ästhetisch und parodistisch. Gewalt ist bescheuert, und es kann sehr gesund sein in der Kunst über sie zu Lachen, sie zu verabscheuen und schlichtweg zu merken wie wenig nachvollziehbar sie ist. Sie ist eine Achterbahn, die Menschen tatsächlich genauso zu Traumas wie zu Hochgefühlen führen kann. Diese verstörende, nicht greifbare Tatsache wird in Ichi im Grunde komödiantisch vor den Latz gekloppt. Ob Miike diesen Hintergedanken hatte, weiß ich aber nicht. Dass sich bei dem Gemetzel klassische Effekte mit CGI-Effekte mischen, stört überraschend wenig, irgendwie passt dieser großenteils gut getrickste Stil gut zur surrealen Vorlage, die ich aber nicht gesehen habe.

Ichi ist eine Manga Verfilmung, die genauso surreal wie ein Manga ist. Miikes Inszenierung ist aus jeder Sicht genial. Der Film sieht aus wie ein Kunterbuntes Bon Bon indem eine Rasierklinge steckt. Die hektischen und dann wieder dreist expliziten Schnitte von Miikes Stammcutter Yasushi Shimamura lassen die Szenen leben, die ungewöhnlich Perspektiven (Kamera: Hideo Yamamoto: Audition, Hana-Bi)lassen die realitätsnahen Szenen verrückt aussehen, und die extemen Szenen zum Teil brachial explizit. Die Provokation ist teilweise einfach etwas zu grobschlächtig und angestrengt überzogen, aber es ist ja eine Manga Verfilmung. Auch die Figuren sind unwirklich, ohne dabei an Brisanz zu verlieren.

Wie meistens, können die japanischen Schauspieler alle überzeugen. Ichi ist ein kindlicher, bemitleidenswerter, vermutlich geistig leicht behinderter Killer, der weit entfernt ist, vom coolen Killer, der implizit der Held ist. Der vielfach ausgezeichnete Nao Ohmori (Vibrator)spielt diese ungewöhnliche Figur schlichtweg beeindruckend. Dass Superstar Tadanobu Asano, der einen ganzen Schrank voll Auszeichnungen hat, auch als Ichis Gegenspieler, seinem High Noon-Endgegner Kakihara, überzeugt, steht ausser Frage. Dieser Killer, der in einer anderen Welt zu leben scheint, ähnlch wie Ichi, aber viel dominanter. Wie diese beiden in Szene gesetzt werden, das ist schlichtweg unvergleichlich. Ihre Bewegungen, das Make-up, das Kostüm, einzigartig.

Ichi the Killer ist spannend und immer wieder überraschend. Dennoch ist er so übertrieben, dass er auch wieder bescheuert ist. Oder? Der Film möchte überfordern, und er lässt sich dreist nicht kategorisieren. Eine seltsame Splatter-Komödie wie nur Miike sie drehen kann. Wenn ich Splatterkomödie sage, meine ich nicht so etwas wie Braindead. Der ist viel blutiger, aber Micky Maus gegen Ichi. Ichi ist Geschmackssache, ist aber definitiv ein inszenatorisches Meisterwerk voller Überraschungen.

Ein gewöhnungsbedürftiges Kunstwerk : 8 Punkte. Demented Foreeeeever!

P.s: Ich habe eine Limited Edition in bei der eine gepiercte Gummizunge als Gimmick ist(!) und Interviews mit Schauspielrinnen aus dem Film sind, die ihn köstlich lustig finden!
8/10
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Kommentare

17.05.2017 00:51 Uhr - Horace Pinker
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Schönes Review zu einem (wenn nicht sogar dem) besten Film von Miike, der von mir noch 1-2 Punkte mehr bekommen würde. Mir hat die Mischung aus schwarzem Humor, überzogener Gewaltdarstellung, schrägen Charakteren und hochwertiger Optik einfach wunderbar gefallen (auch wenn der Film sicher nichts für jedermann ist). Die deutsche Fassung dürfte hingegen dank der massiven Kürzungen absolut unbrauchbar sein. Zur Kritik: Du hast es geschafft Inhalt und Machart des Films toll zusammenzufassen, allerdings verdient Tadanobu Asano (Zatoichi, Thor) der mit Kakihara einen der imho abgefahrensten und durchgedrehtesten Killer der Filmgeschichte genial darstellt, definitiv eine Erwähnung, zudem hat auch Tetsuo Regisseur Shin'ya Tsukamoto einen recht erinnerungswürdigen Auftritt als Yakuza Jijii (der Unglückliche der an Fleischerhaken aufgehängt und mit kochendem Öl übergossen wird), zudem könnte auch noch ein wenig über die verwendete Mischung aus praktischen und CGI-Effekten, das antiklimatische Ende oder die ungewöhnliche Darstellung von Ichi selbst geschrieben werden (eventuell kannst du die Kritik bei Gelegenheit ja noch etwas überarbeiten).
P.S. Kennst du schon die u.a. in der britischen Version enthaltene Anime Umsetzung? Diese erzählt die Vorgeschichte Ichis und ist imho auch recht gut gemacht, wenngleich weit düsterer und humorloser als der Realfilm.

17.05.2017 10:54 Uhr - cecil b
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THANX!

Ja, den liebe ich auch! Kriegt noch nen Punkt.

Ob ich alles, was ich vor 5 Jahren geschrieben habe, editiere, weiß ich nicht. Aber bei dem geht das dank deiner Infos und meiner Erinnerung schon jetzt, denk ich.

Ich kenne keine anderen Varianten dieses Themas, aber das werde ich vielleicht mal ändern. :)

Morgen veröffentliche ich übrigens meine Besprechung von Miikes THE BIRDPEOPLE OF CHINA. :)


17.05.2017 17:00 Uhr - TheRealAsh
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Jetzt musste ich auch mal vorbeischauen, wenn ihr da schon so rumthematisiert.
Wenn das das neue Review ist, finde ich es auch sehr gelungen, Cecil!

Und ja, du hast völlig Recht, Miike ist megaspeziell. Ich kenne wirklich viel zu wenig von ihm und das was ich kenne ist so weit auseinander und doch wieder auch von einem gewissen Stilwillen geleitet, dass es mir schon sehr gut gefällt.

Ichi hab ich seinerzeit natürlich wegen der Brutalität unbedingt sehen müssen, fand den aber dahingehend etwas enttäuschend. Was nicht enttäuschend war, ist aber der Film an sich, dem ich auch noch ein Pünktchen mehr geben würde.

Miike braucht meines Erachtens einfach auch Zeit, um sich zu entfalten, den kann man nicht nur einmal schauen. Ich muss mal wieder Izo angucken, der ist auch eine wunderbare Qual;-)

17.05.2017 19:03 Uhr - cecil b
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Danke für deinen Kommentar, und die Tatsache, dass du ins Antiquariat von Schnittberichte gehst. :)

Ichi fnde ich sehr heftig, aber da der Film so überzogen ist, finde ich den auch nicht sooo erschreckend.

13.10.2021 19:50 Uhr - Schwachkopf79
Sehr gute Review! Manchmal lohnt sich das stöbern ganz hinten im Regal der Reviews hier. :D

13.10.2021 23:58 Uhr - cecil b
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Danke!!! :)

Das freut mich aber, dass manche Teile meiner Kinderschuhe noch begeistern können!

Da sollte ich die Tage mal ein bisschen editieren, aber ansonsten: Okay. ;)

Kurosawa, Miike, deine Bandbreite an Geschmack spricht für dich, finde ich. :)

14.10.2021 11:01 Uhr - Schwachkopf79
Da kommt bei mir noch Kitano dazu. :D

Aber zugegebenermaßen interessierte mich in den letzten Jahren das koreanische Kino mehr.

14.10.2021 11:35 Uhr - cecil b
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Kitano: Ich empfehle sein Buch: WARUM ICH FRAUEN TROTZDEM GERN HABE, und ich habe ein paar seiner Filme besprochen. DAS MEER WAR RUHIG ist auch dabei, denn das ist einer meiner Lieblingsfilme. :)

Ich veröffentliche heute eine Review zu einem südkoreanischen Film.

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