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Die City Cobra

Originaltitel: Cobra

Herstellungsland:USA (1986)
Standard-Freigabe:FSK keine Jugendfreigabe
Genre:Action, Krimi, Thriller
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,09 (139 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Cobra (Sylvester Stallone), der härteste Cop in Los Angeles, macht Jagd auf den Nachtschlitzer, der bereits mehr als ein Dutzend Menschen brutal ermordet hat. Als ein Model (Brigitte Nielsen) zufällig Zeugin eines der Morde wird und der Polizei mitteilen kann, dass es wohl mehr als nur ein Killer ist, gerät sie selbst ins Visier der Killerbande. ()

eine kritik von kable tillman:

Der coolste Cop aller Zeiten

Das Stallone-Vehikel "Die City Cobra" (im Original "Cobra") aus 1986 gehört definitiv in die Kategorie von Filmen, bei denen der Spalt zwischen Fans und Kritikern kaum größer sein könnte. In Reviews belächelt und verrissen, auf Preisverleihungen lediglich bei den Razzie Awards für 6 goldene Himbeeren nominiert gewesen und als Sinnbild des Klischee-Kinos der 80er Jahre und des "Style-Over-Substance" Prinzips angesehen, entwickelte sich mit der Zeit eine Fangemeinde um diese Perle der Action-Unterhaltung. Bis heute prägt die Figur des Lieutenant Maria (im Original "Marion") Cobretti Film- und Fernsehlandschaft, zuletzt beispielsweise in den "Tatort" Episoden mit dem notorischen Nuschler Til Schweiger als Kommissar Nick 'Cobra' Tschiller. Doch was macht diesen Kultfaktor eigentlich aus und zieht diese Formel auch noch bis heute?

Ein irrer Killer mit dem plakativen Namen "Der Nachtschlitzer" bringt wahllos Menschen in der Stadt der Engel um. Das darf natürlich nicht ungestraft bleiben und deswegen setzt das LAPD ihren besten Mann auf den Fall an: Lieutenant Maria 'Cobra' Cobretti (Sylvester Stallone). Dessen Methoden passen Detective Monte (Andrew Robinson) überhaupt nicht. Das aufstrebende Model Ingrid Knudsen (Brigitte Nielsen) wird zufällig Zeuge bei einem der Morde und entdeckt dabei, dass "Der Nachtschlitzer" kein Einzeltäter ist. Dahinter verbirgt sich eine fanatische Sekte, die ihre neue Weltordnung scheinbar durch den nächtlichen Mord an unschuldigen Unbekannten irgendwann durch Zufall erreichen wollen, oder so ähnlich. Jedenfalls kann Ingrid den irren Killern nur knapp entrinnen und wird zunächst von der 'Cobra' beschützt. Dabei kommen sich die beiden näher ohne zu ahnen, wie dicht die Killer-Sekte ihnen auf den Fersen ist.

Zugegeben, manche Punkte kann sich selbst ein Fan nicht schön reden bei diesem 80's-Klischee-Kult-Kitsch. Die Hauptfigur Cobretti ist mit spiegelnder Pilotenbrille, Streichholz im Mund und durchgehend finsterer Miene ein Stereotyp eines coolen Cops wie er im Buche steht und in jeder Faser seines Daseins auf Coolness getrimmt. Das Love-Interest Ingrid sieht zwar gut aus, ist ansonsten aber nur von geringem Nutzen für die Klärung des Falls. Cobrettis Sidekick Sergeant Gonzales (Reni Santoni) ist sogar vollkommen verzichtbar für die Handlung und die Vorgesetzten Cobrettis, Captain Sears (Art LaFleur) und Detective Monte, scheinen auch in keinster Weise Cobretti bei seiner Arbeit helfen zu können, geschweige denn zu wollen. Alles liegt an Cobretti. Da muss man eben gezwungenermaßen ein Stereotyp sein, wenn man auf sich alleine gestellt gegen einen irren Sekten-Anführer (Brian Thompson) und dessen zumeist gesichtslosen Gefolgsleuten stellen muss. Um es kurz zu fassen: Das Script und seine Figuren sind so weit entwickelt wie eine Amöbe. Dazu passen auch die entsetzlich flachen Dialoge, die vielen kleinen und großen Logiklöcher, Zufälle und Unwahrscheinlichkeiten sowie die einfältige Konstruierung der Twists und Wendepunkte. Es stimmt, die Warner Bros. und Cannon Films Co-Produktion "Die City Cobra" reiht ein Klischee an das nächste und zu allem Überfluss sind Schauspieler wie Brigitte Nielsen oder Brian Thompson erschreckend untalentiert. Doch dennoch komme ich nicht darum zu sagen: Dieser Film ist Kult und hat sein negatives Echo nicht verdient.

Heute ist "Die City Cobra" ein überraschend ungeschliffenes Zeitdokument der Kunst, Kultur und Ästhetik dieser Zeit, ob es nun um Mode, Musik oder Film geht. Besonders prägnant ist dabei die Szene, in welcher gänzlich ohne Dialoge Cobretti zusammen mit seinem Partner Gonzales durch sein Los Angeles in der Nacht fährt und in den Mordfällen ermittelt, während in raschen, abgehackten und abwechselnden Szenenverläufen immer wieder auf Ingrid beim Modeshooting geschnitten wird. Unterlegt wird die Szene mit einem typischen 80's Synthie-Pop-Rock-Song, genauer betitelt "Angel of the City" von Robert Tepper. Jener hat auch schon den Song "No Easy Way Out" zum Film "Rocky IV" beigesteuert, ebenfalls ein 80er Jahre Kult-Streifen mit Sylvester Stallone in der Hauptrolle. Das ist cool, das ist Kult und das ist auch zeitgenössische Kunst.

Regisseur George P. Cosmatos, der auch ein Jahr zuvor bereits Regie in Stallones "Rambo II - Der Auftrag" führte und Drehbuchautor Sylvester Stallone adaptieren ausgesprochen frei den Roman "Fair Game" von Paula Gosling. Dabei entwickelt sich "Die City Cobra" auch zu einem Hybriden aus Slasher-, Thriller- und Actionfilm, den typischen Filmgenres der 80er Jahre. Während die erste Hälfte sich vorwiegend um die Morde der Sekte dreht, sowie um die Einführung der Figur des Lieutenant Cobretti, fällt die zweite Hälfte mit einer spektakulären und packenden Verfolgungsjagd sowie dem Showdown wesentlich temporeicher aus und setzt mehr auf Schauwerte als auf den Spannungsbogen. Beide Teile gehen fließend ineinander über und lassen dennoch feste Genre-Grenzen aufbrechen. Ein interessantes Konzept.

Interessant ist auch der historische Werdegang des Films in Deutschland. In den Kinos lief "Die City Cobra" zunächst nur geschnitten, auf VHS das gleiche Spiel. Warner Bros. wollte Anfang der 2000er den Film zunächst ungeschnitten mit einer SPIO/JK-Freigabe veröffentlichen, doch die SPIO-Gesellschaft weigerte sich aufgrund des Finales dem Film eine Freigabe zu erteilen. Also zog man den Plan zurück, jedoch wurden bereits einige Exemplare gepresst und verkauft (u.a. auch welche mit falschem FSK-18 Siegel), auf welcher sich die schweizer DVD befand. Eine offizielle und ungekürzte DVD-Veröffentlichung in Deutschland gibt es bis heute nicht. Mittlerweile ist "Die City Cobra" seit April 2012 vom Index und der Film bekam in seiner ungeschnittenen Form keine Jugendfreigabe. Bis jetzt wurde diese unzensierte Fassung jedoch nur auf Blu-ray veröffentlicht.

Final lässt sich sagen, dass "Die City Cobra" zwar im wahrsten Sinne des Wortes ein Stallone-Vehikel ist (der anthrazitfarbene Ford Mercury Custom stammte tatsächlich aus Sly's Privatbesitz), aber eines der unterhaltsamsten Sorte. Ein Kult-Klassiker der 80er Jahre, ein kleines Stück Filmgeschichte und großartiger Actionfilm. Wenn mich in 20 Jahren jemand fragen sollte, wie die 80er Jahre waren, dann zeige ich ihm "Die City Cobra" und lasse das unkommentiert wirken. Oberflächlich, grell, überzeichnet? Vielleicht das, aber definitiv auch actionreich und prägnant. Aufgrund der oben erwähnten Kritikpunkte bleibt der "Cobra" die Höchstwertung verwehrt, aber sehr gute 9 von 10 Punkten gibt es dennoch von meiner Seite. Kultfilm, welchen man definitiv einmal in seinem Leben gesehen haben sollte. 

9/10
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Kommentare

12.04.2014 13:10 Uhr - Jack Bauer
1x
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Wie immer sehr gut geschrieben, allerdings muss ich gestehen, dass COBRA einer der wenigen Stallone-Filme ist, mit denen ich bis heute nicht warm werde. Der von Dir direkt vorher besprochene MARKED FOR DEATH ist doch um Klassen besser. ;-)

22.04.2014 23:14 Uhr - Dr.WalterJenning
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Kann mich bezüglich der Qualität des Films Bauer anschließen. Einer der wenigen-, wenn nicht sogar der einzige Stallone-Actioner, der bei mir einfach nicht zünden will.

Stallone nimmt sich hier viel zu ernst, weshalb auch die One-Liner inklusive Action nicht wirklich funktionieren wollen, was wohl daran liegt, dass er seiner damaligen Flamme Brigitte zu sehr imponieren wollte, wie er später auch reumütig gestand...

Allerdings können auch schlechte Filme mit tollen Reviews glänzen und das ist hier auch der Fall! :-)

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