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Immer Ärger mit 40

(Originaltitel: This Is 40)
Herstellungsland:USA (2012)
Standard-Freigabe:FSK 12
Genre:Drama, Komödie, Liebe/Romantik
Alternativtitel:This Is Forty
Bewertung unserer Besucher:
Note: 5,17 (6 Stimmen) Details
inhalt:
Das Ehepaar Debbie (Leslie Mann) und Pete (Paul Rudd) stehen nicht nur kurz vor dem 40. Geburtstag, sondern müssen sich auch noch mit Familie, Job-Problemen, dem Älterwerden, exzessivem Sport, geschönten Geburtsdaten und körperlichen Auseinandersetzungen mit zickigen Müttern auf dem Schulhof herumschlagen …
eine kritik von dr.walterjenning:

Handlung:

Pete (Paul Rudd) und Debbie (Leslie Mann) sind eigentlich ein glückliches Ehepaar und Eltern zweier Töchter. Eigentlich. Stünde da nicht ihr vierzigster Geburtstag mit allerlei Problemen im Gepäck vor der Tür...

Review:

Eines vorweg: Sollte man hoffen, ein artverwandtes Spin-Off von Judd Apatows 'Beim ersten Mal' zu bekommen, wie es auch das Marketing inklusive Trailer proklamiert, wird man bitter enttäuscht werden. 'Immer Ärger mit 40' ist mitnichten Komödie. Lediglich ein bis zwei Szenen lösen Lacher aus, die restlichen Scherze wirken zu aufgesetzt, zu gewollt, zu abgedroschen oder schlicht und ergreifend zu platt. Eine Streiterei nach der anderen, dicht gefolgt von der obligatorischen Versöhnung und dies in Endlosschleife wirkt auf Dauer ermüdend.

Apatow vermag es nicht, wie schon zuvor mit dem ähnlich gestrickten 'Wie das Leben so spielt (Funny People)', den Spagat zwischen Drama und Komödie zu meistern, was jedoch weniger an seinem Schauspielensemble liegt - das wie gewohnt aus den üblichen Verdächtigen besteht, die allesamt solide bis sehr gute Leistungen abliefern - sondern vielmehr an der Art der Inszenierung. Es liegt an dem unausgegorenen, nicht oder schlecht durchdachten Drehbuch und der Glaubwürdigkeit der Aktionen und Reaktionen seiner Protagonisten. Dem Publikum werden Komplexitäten vermittelt, die nicht nachvollziehbar sind. Bestes Beispiel hierfür sind Geldprobleme, die Pete und seine Familie betreffen. Trotz einer anscheinend existenzbedrohenden finanziellen Situation kann man sich problemlos einen Personal Trainer, Ferien im 4 Sterne Hotel und diversen anderen Luxus leisten. Diese Schludrigkeiten im Drehbuch werden ignoriert und hätten spätestens bei der Umsetzung auffallen müssen.

Anstatt auf solche gravierenden Details zu achten, schließlich will man den Zuschauer offenbar zum Mitfühlen bewegen, wird fast die gesamte Laufzeit des Films einem einzigen Problem gewidmet, dem alles andere untergeordnet wird und das im Grunde keines ist: Dem Alterungsprozess und dessen physischen und psychischen Begleiterscheinungen. 'This is 40', so der Originaltitel, ist Programm, leider im schlechtesten Sinne.

Über zwei Stunden Laufzeit, die nicht das geringste aussagen außer "40 werden ist schlecht, oder vielleicht auch nicht". Bitte nicht falsch verstehen, das Thema "Alter" kann auch mitreißend, glaubwürdig und interessant behandelt werden, siehe z.B. 'About Schmidt' oder mit Abstrichen auch 'Harold & Maude' sowie 'Die Reifeprüfung', wobei diese Juwelen es meisterlich verstehen, das Klischeeriff weitestgehend zu umschiffen während sie Humor und Tragik gekonnt kombinieren - im Gegensatz zu 'Immer Ärger mit 40', der es versenkt. Die Frage ist, warum? Der Film scheitert an Apatow, aber woran scheitert der einstige Garant für treffsichere Pointen und wirklichkeitsnahe Porträtierung von Beziehungen? Vielleicht ist es das bekannte Sättigungsproblem von monetär wohlgenährten, ehemals hungrigen Künstlern, sprich Unlust, oder hat der Mann irgendwann zwischen all' den Hollywoodpartys und sirenenhaften Lobeshymnen der Fans bzw. Kritiker den Bezug zur Wirklichkeit bzw. das Gespür für seine Paradedisziplin verloren?

Seine Darstellerriege kompensiert die deutlichen Schwächen des Films minimal, doch übernimmt sich, der Vorlage geschuldet, beim Versuch sie zu egalisieren. Es gefällt, Paul Rudd als latent-spießigen Ehemann, Leslie Mann als verzweifeltes Abziehbild einer 'American Mom', Melissa McCarthy als rabiate Wuchtbrumme, Albert Brooks als schmarotzenden Vater und sowie John Lithgow als deplatzierten Schwiegervater zu sehen. Tatsächlich verdeutlicht speziell eine Szene mit Lithgow, was an Potential drin gewesen wäre. Natürlich schaffen auch seine Szenen es nicht, die exorbitanten Schwächen des Drehbuchs und der Regie wettzumachen.

Prinzipiell bleibt das Schauspiel nach dem Kinobesuch als einziger positiver Aspekt kurzzeitig im Gedächtnis haften. Der Rest ist in seinen besten Momenten oberflächlich und unglaubwürdig. Etwas mehr als dürftige Unterhaltung und etwas weniger Verschwendung eines großartigen Casts  sollte man von einer Komödie aus dem Hause Apatow schon erwarten dürfen.

Fazit:

Zu humorlos für eine Komödie, zu emotionsfern für ein Drama. 'Immer Ärger mit 40' weiß nicht, wohin die Reise gehen soll und reißt seine glänzend aufspielenden Darsteller mit ins Ungewisse. Wenn 'Jungfrau (40), männlich, sucht...', 'Beim ersten Mal' und 'Immer Ärger mit 40' Geschwister wären, wäre letztere jetzt das schwarze Schaf der Familie.

3/10

3/10
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