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MrCreazil
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Eintrag: 14.04.2014

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Scalps - Der Fluch des blutigen Schatzes

Zwei glorreiche Halunken

(Il buono, il brutto, il cattivo)
Herstellungsland:Deutschland, Italien, Spanien (1966)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Abenteuer, Western
Alternativtitel:Le Bon, la brute et le truand
The Good, the Bad and the Ugly - Zwei glorreiche Halunken
The Good, the Bad and the Ugly

Bewertung unserer Besucher:
Note: 9,64 (68 Stimmen) Details
inhalt:
Ein mysteriöser Fremder namens Joe, der mexikanische Revolverschütze Tuco und Setenza, ein sadistischer Krimineller, sind auf der Jagd nach einer Geldkassette. Inhalt: 200.000 Dollar. Die drei Desperados haben untereinander nichts gemeinsam - werden aber zu Komplizen, wenn es die Situation erfordert. Doch jeder verfolgt nur ein Ziel: Die Geldkassette. Und keiner von ihnen ist bereit zu teilen...
eine kritik von mrcreazil:

Gerade in meinen Kindheitstagen konnte man mich keinen großen Western-Fan nennen. Wir pflegten unseren panfamiliären „Winnetou“-Kult, einzelne herausragende Genre-Werke wie „Rio Bravo“ oder „The Wild Bunch“ waren mir ein Begriff, im Großen Ganzen zählten Western oder viel mehr Edel-Western dem John Wayne-Paradigma folgend jedoch nicht zu meinen Favoriten. Das sollte sich ändern, als mein geliebter Großvater väterlicherseits mir einen seiner Lieblingswestern vorführte und damit in mir das Interesse zumindest für das Subgenre des Italo-Westerns weckte. Vielleicht lag es an seiner Begeisterung, seinem Feuer, das ich aufnahm, vielleicht war es die Art, wie er Lieblingsszenen kommentierte und mir somit viel von der Spannung und dem Stil greifbarer erscheinen ließ, ich weiß es nicht. Summa summarum: die Saat war ausgesät. Es folgten weitere Genreproduktionen, die mich mit Faszination erfüllten, vielleicht nur für eine Weile, zumindest aber lange genug, um mich zu begeistern und mit einigen Höhepunkten des Genres vertraut zu machen.

Der Film, den mir mein Opa damals zeigte, hieß „Spiel mir das Lied vom Tod“, Sergio Leones unvergleichlicher Western-Abgesang, und wer mit einem solchen Qualitätshöhepunkt seinen Einstieg in das Genre fand, der konnte sich nicht behelfen, vom dichten Inszenierungsstil der italienischen Regie-Legende gefangen zu werden. Den weiteren Weg in dieses Genre beschritt ich über die Filme dieses Mannes, blieb von den meisten Exploitation-Ablegern unbehelligt. Mir gefiel der rauere Ton, die Tendenz zum Schmutz und Dreck, das Konzept des Anti-Helden, wie man es kaum effektiver hätte skizzieren und etablieren können, und die stilisierte Gewalt, wie sie Leone zelebrierte. Natürlich romantisierte er den Western nur auf seine eigene Art und Weise, patriarchalische Strukturen schimmerten stets unter der Oberfläche durch, ebenso wie ein zynischer Unterton seinen Filmen bisweilen zu Eigen war. Nichtsdestotrotz ließ er eine gewisse Form des Respekts unter den staubigen Bildern anklingen, demgegenüber war seine Präsentation brüsk und wirkte zumindest ehrlicher als das Hochglanzheldentum der amerikanischen Pendants. Unnahbaren Heldengestalten zog er oberflächlich liederliche Gestalten mit gutem Kern vor, die gerade wegen ihrer Schwächen und dunklen Seiten greifbarer und weniger hypokritisch erschienen. Der Aspekt des Anti-Helden kulminiert für mich dabei nach wie vor in einem von Leones größten Meisterwerken: „The Good, the Bad and the Ugly“ aka „Zwei glorreiche Halunken.

Zur Zeit des amerikanischen Bürgerkriegs treffen drei rastlose Charaktere aufeinander: der gewissenlose, wie grausame Kopfgeldjäger Sentenza, der gerissen Ganove Tuco und ein einsamer Revolverheld ohne Namen, der durch sein Können am Colt und seine Gerissenheit gleichermaßen seinen Gegnern das Fürchten lehrt. Alle drei suchen nach einem versteckten Goldschatz und jeder will den Gewinn für sich alleine. Zweckallianzen werden geschlossen, es wird betrogen und gemordet, quer durch das vom Krieg gezeichnete Land.

Vergesst zuallererst den Goldschatz, hierbei handelt es sich um einen MacGuffin in Reinform. Das Kernstück des Films sind seine drei Hauptakteure, das eponyme Triumvirat „der Gute“ (il buono), „der Böse“ (il cattivo) und „der Hässliche“ (il brutto). Allen dreien ist ein ähnlicher Charakter zuteil, sie sind gierig, auf ihren eigenen Vorteil bedacht und scheinbar gewissenlos. Doch sind es Tuco, der Hässliche, und „der Blonde“, sprich der Gute, die sich letztlich durch einen letzten Funken Ethik von Sentenza, dem Bösen, abheben. Der besondere Coup gelang Sergio Leone mit seinen Darstellern: nach „Für ein paar Dollar mehr“ vereint er abermals Clint Eastwoods, in der erprobten Darstellung des grimmigen, einsamen, tabakkauenden Revolverhelden im Poncho, und Lee Van Cleef vor der Kamera, allerdings in variierten Loyalitätsverhältnissen. Es ist jedoch Eli Wallach als Tuco, der dem Film unverkennbar seinen Stempel aufdrückt und seinen beiden Co-Stars konsequent die Show stiehlt.

Und um das klarzustellen: sowohl Eastwood, als auch Van Cleef waren vermutlich nie besser in ihren respektiven Rollen, Eastwood die kryptische Coolness in Reinform, Van Cleef sein bösartiger Counterpart. Mit ihrem Charisma erfüllen beide ihre Rollen mit Kraft und Prägnanz, sodass es eines cleveren Kniffs bedurfte, den dritten im Bunde nicht im Schatten dieser beiden Giganten stehen und zum fünften Rad am Wagen werden zu lassen. Also ergänzte Leone das Trio um Tuco. Simpel Tuco. Man muss einfach Zeuge von Eli Wallachs Leistung als Tuco sein, denn wahrscheinlich gab es nie einen liebenswerteren Schurken in der Geschichte des Films als ihn. Tuco ist liebenswert widerlich, liebenswert asozial und liebenswert hinterhältig, ein cleveres Kerlchen, bauernschlau, zwar nicht unbedingt der hellste, aber listig genug, um intelligenteren Menschen ein Schnippchen zu schlagen, eine Eigenschaft, die er gekonnt einsetzt und mit der er sich zu gerne mit selbstgefälligen Lachen triumphierend über seinen unterlegenden Feind erhebt und amüsiert. Dahingegen ist er weder herz-, noch gewissenlos. Zwar schickt er seine Handlanger in den sicheren Tod, allein um den Überraschungseffekt aus seiner Seite zu haben, andererseits lässt ihn das sinnlose Sterben der Soldaten, denen er und „der Blonde“ unterwegs begegnen, alles andere als kalt. Im Gegensatz zu den anderen Charakteren bleibt seine Vergangenheit zudem nicht ein einziges Rätsel, im Gespräch mit seinem Bruder offenbart sich sein im Grunde tragisches Schicksal, dass Tuco von Natur aus kein böser Mensch ist, Umstände aber nun mal ihren Tribut fordern. Diesen Konnex aus Boshaftigkeit und simultaner Affinität zum Halunken in einer Darstellung unterzubringen obliegt einem geeigneten Darsteller und Leones Wahl hätte dies betreffend nicht besser ausfallen können: erst durch Eli Wallachs Schauspiel kommt der Charakter des Tuco zur vollen Geltung. Seine genüssliche Darbietung Tucos liederlicher Seiten, sein schäbiges Grinsen, seine beinahe kindliche Freude, wenn ein Plan funktioniert, enthalten die Essenz des Charakters in einem Gesichtsausdruck, ebenso wie die Ratlosigkeit, wenn er mit einer Situation überfordert scheint. Wallach dominiert seine Szenen und die Aussage, die zu Beginns dieses Absatzes steht, dass es einer besonderen Leistung bedarf, um gegen die Genre-Legenden Eastwood und Van Cleef zu bestehen, kehrt sich plötzlich angesichts Wallachs Leistung ins Gegenteil: es bedarf viel mehr dieser beiden Legenden, damit ihre Charaktere gegen Eli Wallachs Tuco bestehen können.

Zumal beide Charaktere einmal mehr bloß durch das Charisma ihrer Darsteller leben. Die Coolness des „Blonden“ ist die Coolness Clint Eastwoods und das unheilvolle Lachen Sentenzas ist das satanische Gelächter Lee Van Cleefs. Die strahlkräftigen Persönlichkeiten der Darsteller sind Nötig, um ihre enigmatischen Charaktere auszufüllen, denn deren Geschichten sind mager, ein anderer an Van Cleefs Stelle wäre ein blasser Bösewicht gewesen (gleichwohl enthält das Drehbuch genügend diabolische Szenen, die Sentenza Abscheulichkeit hinreichend zum Ausdruck bringen), kein anderer hätte die Art spröder Coolness in die Rolle bringen können, über die Eastwood verfügt. Somit ergibt sich der primäre Reiz des Films aus der Dynamik unter diesen drei Darstellern. Während Van Cleef in erster Linie den gefährlich intelligenten und grausamen Antagonisten, dem zu Vertrauen einem raschen Todesurteil gleichkommt, geben muss, gehört das Gros des Films dem protagonistischen Duo Eastwood/Wallach. Durch wechselnde Zweckallianzen sind die beiden immer wieder voneinander abhängig, zu Beginn sind es kleinere Gaunereien, bei denen der Blonde Tuco gegen Auszahlung des Kopfgelds der Justiz ausliefert, gefolgt von der Rettung vor dem Galgen, nur um das Procedere in einer anderen Stadt erneut durchzuexerzieren, bis einer von beiden den anderen zurücklässt, sich die Figurenkonstellation grundlegend ändert, was schließlich in der unvermeidlichen gemeinsamen Jagd nach dem Schatz und temporären Verbrüderung mündet. In spitzzüngigen Wortduellen, die vor hinterhältigen Witze- und Sticheleien nur so sprühen, beharken sich Eastwood und Wallach in Sympathie und Antipathie, funktionieren insgesamt als Duo ganz vorzüglich. Sentenza begegnet das Duo zu Beginn höchstens zufällig und flüchtig in subtilen Begegnungen, ohne dass sich beide Parteien gegenseitig richtig wahrnehmen würden. Doch mit zunehmender Laufzeit führen ihre Pfade immer näher zueinander, bis es zur Konfrontation kommt.

Interessant ist auch das Setting der Geschichte, denn abseits der üblichen Siedlerstädtchen und weitläufigen, desolaten Wüstenarealen begegnen die Protagonisten allerorts den Spuren des Bürgerkrieges zwischen den Armeen der Nordstaaten und der Konföderierten, an dessen Kampf und Ideologie sie selber hingegen kein Interesse hegen. Das führt des Öfteren zu unliebsamen Überkreuzungen der Wege der Schatzsuche mit denen des Krieges, deren Höhepunkt eine heftig umkämpfte Brücke ist, über die ist zu gelangen heißt, woran indes mit all den anwesenden Soldaten nicht zu denken ist. Leone versäumt es nicht, die Grausamkeiten und Sinnlosigkeit  des Bürgerkriegs zur Schau zu stellen, vermeidet gleichzeitig eine dominierende, ostentative Antikriegsmanier, die dem Tenor des Films geschadet hätte. Gleichzeitig ist der Krieg nicht bloße Nebenhandlung, sondern beeinflusst die Reise der Protagonisten signifikant, ist elementarer Bestandteil der Handlung, ein Hindernis, dass es zu überwinden, als auch zu nutzen gilt. Das geht so weit, dass die Schatzsuche ohne den Bürgerkrieg vermutlich gar nicht erst zu Stande gekommen wäre.

Was lässt sich über Sergios Leones Regie-Stil sagen, was nicht bereits gesagt worden ist? Typische Charakteristiken, wie panoramaartige Landschaftsaufnahmen, in denen sich die Menschen verlieren, konterkariert durch Landschaften von Gesichtern, finden sich ebenso ein, wie der ausgedehnte Spannungsaufbau vor den Schießereien. Das Ensemble ist wie üblich von Männern dominiert, Frauen spielen praktisch gar keine Rolle, die Angelegenheit ist wie bei Leone üblich Männersache. Das ist ein Angriffspunkt für die Kritik an einem patriarchalischen Weltbild in Leones Werken, verhindert gleichwohl zumindest ein in diesem Falle störendes weibliches Element. Ein ganz klein wenig Sentimentalität schleicht sich in Szenen mit sterbenden Soldaten ein, ansonsten dominieren geschickt inszenierte, einprägsame und ikonische Szenen die Filmhandlung, wie eine qualvolle Reise durch eine Wüste, eine Folterszene, bei denen der Lärm der eigentlichen Tat und die Schmerzensschreie des Opfers durch einen Chor kriegsgefangener Soldaten übertönt wird, oder die bereits erwähnte Brückenszene auf der ernsten Seite einerseits, der Revolvereinkauf Tucos oder ein fatales Bad in einer wegen Artilleriefeuer evakuierten Stadt auf der gewitzteren Seite andererseits. Glanzvoller Höhepunkt und mit Sicherheit eine der, wenn nicht gar die legendärste Szene des Films, abgesehen von dem finalen Duell, stellt die Szene dar, in der Tuco, nach nicht enden wollender Odyssee voller Strapazen, dem Gold so nahe über den heiß herbeigesehnten Friedhof auf der Suche nach dem richtigen Grab rennt, eine Szene, in der im Grunde nicht viel passiert, die indes die großartig aufgebaute Erwartungshaltung des Publikums wiederspiegelt und zu einem perfekten filmischen Schlussstein auf der Reise führt. Was diese Szene derart groß macht ist, abseits von Leones Inszenierung, zweifelsohne Ennio Morricones großartiger Score, speziell in diese Szene sein Stück „Ecstacy of Gold“, das eben diese Ekstase, die Tuco in jenem Moment erfährt, in musikalischer Reinform ausdrückt und gleichzeitig das Gefühl auf den Zuschauer überträgt. Generell ist Morricones Score, insbesondere die kultige Titelmelodie, habituell die ideale Ergänzung von Leones Regiestil, das eine entfaltet sich höchstens vermindert ohne das andere und nie wurde diese unbedingte Symbiose deutlicher als in dieser Szene.

„The Good, the Bad and the Ugly“ ist ein Meilenstein in Sergio Leones Schaffen, eine reichhaltige Odyssee mit einem grandiosen Darsteller-Trio und einzigartig inszeniert. Selten war eine ausgedehnte Schatzsuche derart unterhaltsam und selten hat es ein Regisseur vermocht, seinem Build-Up ein solches Finale gegenüberzustellen. Neben all dem Witz, der fantastischen Kameraarbeit, ist es zuvorderst den Darstellern geschuldet, dass „The Good, the Bad and the Ugly“ ein solches Meisterwerk geworden ist und unter ihnen muss man einfach Eli Wallach immer wieder hervorheben. Alles in diesem Film rotiert um die Charaktere und Leone weiß das in Szene zu setzen. Was Leone nicht in Bildern auszudrücken vermag, ergänzt Ennio Morricone mit seinem Jahrhundertsoundtrack, eine Symbiose, durch die viele Szenen zu einem unvergleichbaren Erlebnis werden. Mit „Für eine handvoll Dollar“ hat Leone eine Genre neu definiert, in „Für ein paar Dollar mehr“ übte er noch mit den Stilmitteln seines Genres, in „The Good, the Bad and the Ugly“ hat er sie perfektioniert.

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