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Das Syndikat des Grauens

Originaltitel: Luca il contrabbandiere

Herstellungsland:Italien (1980)
Standard-Freigabe:FSK 18
Genre:Action, Splatter, Thriller
Alternativtitel:Contraband
Kokain - Der Weg zum Jenseits
Lucas El Contrabandista
Naples Connection, The
Smuggler, The
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,37 (41 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Luca Ajello (Fabio Testi) ist mit seiner Frau nach Neapel gezogen, nachdem er seinen Job in Mailand verloren hat. Dort arbeitet er zusammen mit seinem Bruder Michele (Enrico Maisto) als Zigarettenschmuggler. Doch eines Tages wird Michele erschossen und Luca macht sich daran, den Mörder im Sumpf der neapolitanischen Mafia zu finden. Dabei stößt er auf einen neuen Gegner, außerhalb der Camorra. ()

eine kritik von kable tillman:

Grauenvolles Neapel

Lucio Fulci, der Godfather of Gore für viele Fans des italienischen Horror-Kinos, hat nach seinem Zombie-Klassiker "Woodoo - Die Schreckensinsel der Zombies" mit "Das Syndikat des Grauens" (im Original "Luca il contrabbandiere") einen der letzten Reißer des Poliziottesco-Genre inszeniert mit Poliziotteschi-Kult-Akteur Fabio Testi in der Hauptrolle. Doch kann er auch abseits des Horror-Genres überzeugende Filme liefern oder ist "Das Syndikat des Grauens" vor allem grauenerregend langweilig?

Der Schmuggler Luca Ajello (Fabio Testi) verdient seine Brötchen in Neapel, hat Frau und Familie und lebt zwar ein kriminelles, aber gutes Leben. Das ändert sich jäh, als sein Bruder Michele auf offener Straße erschossen wird. Luca sinnt nun nach Vendetta, doch kann ihm der schmierige Club-Besitzer Perlante (Saverio Marconi) dabei helfen?

Unter Genre-Fans geniesst "Das Syndikat des Grauens" insbesondere aufgrund seiner harten Gewalteskapaden Kultstatus. Diese sind typisch für Lucio Fulci, doch in ihrer Darstellung teilweise übertrieben explizit für den im Grunde todernsten Mafia-Thriller. Die dreckige Atmosphäre, die zum Teil auch heftig beschrieenen, sexuellen Gewaltakte und die knallharten Splatter-Spitzen schieben den Film mit aller Macht in die Exploitationsschiene und ins Bahnhofskino und stellen somit ein zweischneidiges Schwert dar. Einerseits kompensieren diese drastischen Härten die mitunter auftretenden Längen und Spannungslöcher der holprigen Erzählweise, andererseits lassen sie den Film zweckmäßiger und stumpfer auf seine Schauwerte reduziert wirken. Zwangsläufig hat er dies nicht nötig, denn Fulci inszeniert auch intensive Bilder ohne sich exzessiver Gewaltausbrüche zu bedienen, wie beispielsweise bei der Stroboskoplicht-Szene in Perlantes Diskothek (unterlegt mit Jürgen Korduletsch "Disco Circus - Over & Over"). Einen Teil daran trägt ebenfalls der verflucht funkige Score. Groovy.

Der schnittige Plot leidet zwar unter seiner ungelenken Erzählweise und seinen erschreckend eindimensionalen (und zum Teil überflüssigen) Figuren, ist trotz allem jedoch aufwendig in Szene gesetzt und bietet neben einer Motorboot-Verfolgungsjagd auch packende, extrem blutige Shootouts und Explosionen. Die Stimmung Neapels inmitten eines Mafia-Krieges wurde in Fulci's  Poliziottesco sehr gut eingefangen. Die bereits erwähnten deftigen Gore-Szenen sind handgemacht und von tricktechnisch hoher Qualität. Die Schauspielriege ist bemüht, aber unterm Strich nur mittelmäßig, was zum Teil auch an den auf dem Reißbrett verfassten Rollen liegt. In kleineren Nebenrollen sieht man u.a. Venantino Venantini und Fabrizio Jovine, die auch in Lucio Fulci's "Ein Zombie hing am Glockenseil" mitgespielt haben, die aus vielen Jess Franco Produktionen bekannte Ajita Wilson  und sogar die Regie-Ikone himself, welche sich einen Cameo-Auftritt als ballernder Camorristo im Schlussakt leistet. Der aus "French Connection" bekannte Marcel Bozzuffi spielt den mysteriösen 'Marseiller', dessen Hintergrund leider genauso wenig beleuchtet wird wie seine Motivation. Hauptdarsteller und Poliziotteschi-Stammgast Fabio Testi wurde wohl ausschließlich aufgrund seines Namens gecastet, denn während des gesamten Filmes lässt er keine Entgleisung seiner stahlharten, zur Gips-Maske erstarrten Rächer-Miene zu, selbst wenn es noch gar keinen Grund zur Rache gibt. Seine einsilbigen Dialoge tragen ihr Nötigstes zu diesem Umstand bei. Immerhin agiert Saverio Marconi als Luigi Perlante herrlich schmierig und wird dem Zuschauer zu keiner Minute sympathisch.

Eine mittelmäßige Schauspielriege, die extremen Gewaltexzesse und das hemds­är­me­lige Drehbuch lassen "Das Syndikat des Grauens" kaum aus den Mauern des Euro-Trash-Kinos brechen, dabei bietet die Handlung genug Potenzial für mehr als das. Auf der anderen Seite gelingt es Lucio Fulci eine ganze Gallone Charme aus dem Script zu kitzeln und durch seine inszenatorischen Einfälle ist "Das Syndikat des Grauens" auch klar über dem Genre-Durchschnitt. Sieht man von Anschlussfehlern, Logiklücken und dem schwachen Tonschnitt ab, ist auch der vergleichsweise hohe Aufwand für eine Produktion dieser Budget-Klasse lobenswert. Die Camorra hat von mir verlangt Fulci's "Das Syndikat des Grauens" mit 10 von 10 Punkten zu bewerten, aber da ich mit nicht bestechen oder einschüchtern lasse gibt es nur 7 von 10 Punkten. Empfehlenswert ist der Film für Fans des Poliziottesco und selbstverständlich für jeden Fulci Jünger dennoch. In Deutschland ist "Das Syndikat des Grauens" bisher nur ungeprüft ungeschnitten erschienen und obendrein noch nach §131 StGB beschlagnahmt. Lucio Fulci's "Das Syndikat des Grauens" ist ein harter und erbarmungsloser Gangster-Thriller, der wirklich nur für Erwachsene geeignet ist. 

7/10
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Kommentare

20.04.2014 22:13 Uhr - BoondockSaint123
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Wiedermal eine geniale Review deiner Seits. Bisher kenne ich diesen Film noch nicht, doch das werde ich auf jeden Fall noch nachholen ;-) Super gemacht, ganz großes Lob meiner Seits :-)

08.07.2015 20:52 Uhr - NoCutsPlease
1x
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Erfahrungspunkte von NoCutsPlease 12.137
Eine sehr treffende Kritik, Kable!
Zweifellos ist dieser Film weit von der erzählerischen Klasse der wahren Genre-Klassiker entfernt, aber als exploitativer Reißer im Fulci-typischen Gore-Gewand weiß er durchweg zu unterhalten.

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