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Saw

Herstellungsland:USA (2004)
Standard-Freigabe:FSK keine Jugendfreigabe
Genre:Horror, Thriller
Bewertung unserer Besucher:
Note: 9,12 (275 Stimmen) Details
inhalt:
Zwei Männer erwachen in einer kargen Kellerzelle aus ihrer Ohnmacht, mit Ketten an gegenüber liegende Wände gefesselt. In der Mitte liegt eine übel zugerichtete Leiche. Nach und nach werden den beiden Fremden Hinweise zugespielt, die ihnen angeblich den Weg in die Freiheit oder einen elenden Tod weisen sollen. Aus diesem sparsamen Szenario entwickelt James Wan einen panischen Wettlauf mit der Zeit, dessen klaustrophobische Enge durch Rückblenden und einer parallelen Storyline über einen obsessiven Cop auf der Suche nach dem Jigsaw-Killer aufgebrochen wird.
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von fratze:

I wanna play a game!

In diesem Film ertönte der legendäre Satz des ebenso genialen wie wahnsinnigen Puzzle-Mörders (in späteren Teilen der Reihe originärer und sinniger eingedeutscht als "Jigsaw") aka. John Kramer zum ersten Mal. Die von Band abgespielte, elektronisch verzerrte Stimme ging unter die Haut, ebenso wie die gesamte Inszenierung des Gespanns James Wan/Leigh Whannell.

Mit diesem indie-mäßigen Low-Budget-Werk gelang dem o.g. Schreiber-Duo einer der intelligentesten Horrortrips der vergangenen Dekade (wenn nicht gar DER!). Zwei Männer, Dr. Gordon und der Fotograf Adam, erwachen angekettet in einem verdreckten Badezimmer, ohne Erinnerung, wie sie hergekommen sind, zwischen ihnen eine blutüberströmte Leiche liegend. Diese hält in der einen Hand einen Revolver, in der anderen ein Diktiergerät. Als sie ihre Taschen durchsuchen, finden sie je ein Band mit ersten Anweisungen, denen folgend sie in einem Spülkasten zwei Sägen finden. Da sie feststellen, dass diese ungeeignet sind, die Ketten zu durchtrennen, dämmert es Dr. Gordon als erstem: Um sich zu befreien, müssen sie sich den Fuß absägen. Darauf aufbauend nimmt die Story in diversen Rückblenden und Parallelhandlungen ihren makaberen Lauf.

Die Rückblenden verraten, dass die Stimme auf den Bändern dem Puzzle-Killer gehört, welcher durch Platzierung einer Stiftlampe an einem Tatort die Spur der Ermittler auf Dr. Gordon gelenkt hat. Insbesondere der hier vorgestellte Detective Tapp entwickelt eine paranoide Besessenheit auf Dr. Gordon, vollkommen überzeugt, dass dieser der gesuchte Mörder ist. Nachdem sein Partner während der Ermittlungen schon gestorben ist, beobachtet er - inzwischen beurlaubt - auf eigene Faust das Haus des Doktors, wo er den Krankenpfleger Zep am Fenster sieht. Dieser hat seinerseits Dr. Gordons Frau und Tochter in seiner Gewalt und beobachtet Adam und Gordon über einen Monitor.

Durch diese Parallelhandlungen und Rückblenden stoßen hier diverse Erzählstränge aufeinander, die in erster Linie dazu dienen, den Zuschauer zu verwirren und die Erwartungshaltung auf falsche Fährten zu lenken. Immer wenn man meint, man hätte den Film jetzt durchschaut, tut sich eine andere Spur auf, die einen wieder in eine andere Richtung lenkt. Schlussendlich erweisen sich aber alle gelegten Fährten als falsch, und der letzte Twist bzw. die Auflösung am Ende kommt wirklich vollkommen unvorhergesehen.

Bei "Saw" tun sich in der Entstehung einige Parallelen zu einem anderen, bedeutend älteren Streifen auf: Sam Raimis Meisterwerk "Tanz der Teufel". Beide Filme basieren jeweils auf einem zuvor produzierten Kurzfilm, mit dem man auf Sponsorensuche ging; beide Filme erhielten im End ein nur sehr geringes Budget (Anm.: auch wenn das von "TdT" mit 350.000 $ wirklich verschwindend gering war - bei "Saw" hatte man immerhin ca. 1,2 Mio $ zur Verfügung, was heutzutage aber auch unterdurchschnittlich wenig ist); und beide Filme schließlich wurden überraschend erfolgreich. Auch steht "Saw" in Sachen athmosphärischer Dichte  der Inszenierung "TdT" in nichts  nach, wobei auch die Zeigefreudigkeit der Gewaltdarstellungen bei letzterem nur geringfügig höher ist.

Der Unterschied zwischen beiden ist: Setzte "TdT" ausschließlich auf Athmosphäre und blutige Effekte, fügte "Saw" dem ganzen auch noch eine intelligente Story hinzu. Unter allen Film-Killern ist Jigsaw nahezu einzigartig: Er ist Ingeneur, hochintelligent, verfügt über ausgeprägte Kenntnisse menschlichen Verhaltens, und streng genommen tötet er seine Opfer auch nicht, sondern unterzieht sie, mehr oder weniger pädagogisch wertvoll, psychischen Tests auf ihren Überlebenswillen. Diese führt er durch mittels seiner Fallen und selbst entworfenen Gerätschaften, welche den Psychotests schließlich eine überaus physische Komponente verleihen. Das Prinzip ist stehts dasselbe: Die Probanden müssen Schmerzen erdulden bzw. anderen Menschen Schmerzen zufügen oder sie sogar töten, um zu überleben - andernfalls winkt ihnen selbst der Tod.

Kein Freddy Krüger, kein Michael Myers, kein Jason und kein Leatherface reichen somit annähernd an Jigsaw und seine perfiden Spielchen heran. Was den IQ anbelangt, wäre er noch am ehesten vergleichbar mit Hannibal Lecter ("Das Schweigen der Lämmer") oder John Doe ("Sieben") , doch unterscheiden sich seine Beweggründe vollkommen von denen der beiden genannten. Denn zu alledem ist Jigsaw auch noch unheilbar krebskrank, während er mit ansehen muss, wie gesunde Menschen ihr Leben vergeuden. Seine Tests dienen seiner Ansicht nach dazu, dass die Probanden lernen sollen, ihr Leben wieder zu verdienen und wieder wertzuschätzen. Das funktioniert allerdings mal mehr, mal weniger erfolgreich.

Hier kommt eine viel kritisierte Ungereimtheit mit ins Spiel: Einige von Jigsaws Tests sind so angelegt, dass sie nahezu unmöglich zu bestehen sind, andere fordern den Tod dritter Personen. So muss Amanda etwa ihren Zellengenossen umbringen, um an den Schlüssel für die Bärenfalle zu gelangen, und auch Dr. Gordon muss entweder Adam töten, oder Adam Dr. Gordon, aber wie auch immer, einer von beiden kommt nicht lebend raus, was aber dem Sinn des Überlebens aller Mitspieler widerspricht. "Saw" stellt somit Spielregeln auf, die der Film selbst nicht befolgt bzw. sie bricht.

Dennoch: Der Film ist bis auf wenige Stellen in sich weitgehend stimmig inszeniert. Hinzu kommen die Schauspieler, die ihre Sache allesamt gut machen. Für meinen Geschmack sticht besonders aber Cary Elwes als Dr. Gordon heraus, da er mir in erster Linie als Mel Brooks' parodistischer "Robin Hood" präsent und auch sonst zuvor eher in leichteren Unterhaltungsfilmen anzutreffen war. Dieser Film zeigt eine ganz andere Facette seines Repertoires, was mich wirklich in Erstaunen versetzte.

 

Fazit:

"Saw" ist schlicht ein Meilenstein des modernen Horrorkinos, da gibt es nichts dran zu rütteln. Ein bisschen schade ist, dass dieser intelligente, originelle und vielschichtige Film (zusammen mit "Hostel") eine Welle zwar blutiger, aber auch billiger, platter und uninspirierter Plagiate ins Rollen brachte, die heute unter dem Label "Torture Porn" zusammengefasst werden. Häufig wird "Saw" selbst deshalb auch als Torture Porn bezeichnet - wie ich finde, jedoch zu Unrecht: Dieser Film hat mit seinen (Anm.: Bitte entschuldigt das Wort!) selbstzweckhaften Pseudo-Klonen im Grunde nichts gemein, dazu ist er zu durchdacht, zu athmosphärisch, zu tiefgründig und einfach viel zu gut gemacht.

9/10
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Kommentare

30.07.2014 00:35 Uhr - Entertainmentz
1x
DB-Helfer
User-Level von Entertainmentz 8
Erfahrungspunkte von Entertainmentz 930
Was für eine Review. Gebe deiner Review absolut wohlverdiente 10/10

30.07.2014 13:28 Uhr - Fratze
1x
DB-Helfer
User-Level von Fratze 8
Erfahrungspunkte von Fratze 802
"DAS Review", nicht "DIE Review"!!!!

... ansonsten aber danke ; )

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