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Lady Snowblood

(Originaltitel: Shurayuki-hime)
Herstellungsland:Japan (1973)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Drama, Eastern
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,69 (13 Stimmen) Details
inhalt:
Yukis (Meiko Kaji) Leben hat nur ein Ziel: sich blutig an denen zu rächen, die einst die Familie ihrer Mutter zerstörten. Nach 20 Lehrjahren bei einem Krieger ist sie bereit, als Racheengel den einstigen Peinigern gegenüber zu treten. Aus ihr wird "Lady Snowblood" - und die Welt färbt sich rot.
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von laughing vampire:

Um der bisher einzigen Kritik zu diesem Film, die ihm lediglich 6 Punkte gönnt, ein Gegengewicht zu setzen, fühlte ich mich gezwungen, selbst ein kurzes Review zu verfassen. Meiner Meinung nach ist dies nämlich alles andere als ein "Trashfilm", wenn man ihn aus einem anderen Blickwinkel betrachtet.

Shurayuki-hime ist eine Comicverfilmung aus dem Jahr 1973, mit Meiko Kaji in ihrer Paraderolle als eiskalte Rächerin und Auftragsmörderin Yuki. Geboren in einem Gefängnis ist es ihre einzige Bestimmung, die Mörder ihres Vaters und Bruders sowie die Vergewaltiger ihrer Mutter mit allen Mitteln zur Strecke zu bringen, weswegen sie bereits als Kind eine knochenharte, jahrelange Ausbildung zur Kämpferin absolvieren musste. Währenddessen tut sich im Japan der Meiji-Zeit, in der auch die Landesöffnung nach langer Zeit der Abschottung stattfand und Japan eine radikale, äußerst turbulente Phase der Modernisierung durchlebte, vieles. Zudem lernt sie auch noch einen jungen Schriftsteller kennen, der nicht ganz unähnliche Ziele verfolgt -- ist einer der Männer, die Yuki zur Strecke bringen will, doch sein verhasster Vater. Zudem beginnt sie auch, ihre eigene Existenz als gefühlslose Kämpferin mehr und mehr zu hinterfragen.

Da ich den Comic bislang nicht gelesen habe, kann ich nicht sagen, inwiefern sich der Film davon abhebt -- ich gehe jedoch davon aus, dass er dies, wie in den meisten Fällen, deutlich tut. Dies ist aber nicht weiter von Belang. Shurayuki-hime ist ein absolut außergewöhnlicher Film in vielerlei Hinsicht: Ein audiovisuelles Feuerwerk, das vor nichts zurückschreckt und besonders, was die Inszenierung betrifft, in jeder Hinsicht glänzt. Die Unterteilung des Films in mehrere Kapitel, die im Verlauf des Films sogar gebrochen wird, sei hier beispielsweise erwähnt, oder die sehr außergewöhnlichen Rückblenden, die Standbilder aus dem Comic oder Fotografien verwenden. Es ist eine wahre Freude, mit welcher Kreativität die Macher hier teilweise am Werk waren: Man hat das Gefühl, dass sich hier ein gut eingespieltes Team voll austoben konnte. Auch die Musik ist absolut stimmig, während das Titellied gleich von der Hauptdarstellerin selbst, Meiko KAJI ("Sasori", hier in ihrer absoluten Paraderolle), gesungen wird. Eine Szene, die mir ebenfalls gut in Erinnerung geblieben ist, ist der Einmarsch der Polizisten, begleitet von einem schmissigen 70s-Groove, der dann in der nächsten Einstellung gedämpft im Hintergrund weiterläuft und erst wieder laut wird und schlagartig abbricht, als sie die Tür öffnen. So etwas ist einfach cool.

Der Film ist zudem wahnsinnig blutig und orientiert sich in dieser Hinsicht wohl sehr am Comic. Es spritzt und splattert überall, Körperteile fliegen durch die Luft, und reihenweise Statisten werden in Rekordzeit niedergemetzelt. Ernstnehmen kann und soll man dies natürlich nicht, es ist pure Ästhetik und passt wunderbar zum Rest des Films. Ausnahmsweise haben dies sogar unsere Zensurbehörden erkannt, die hier eine 16er-Freigabe vergaben, wo sonst bereits weitaus weniger für eine Verweigerung gesorgt hat. Immerhin. Den Effekten sieht man das geringe Budget auch an allen Enden an: Messer, die eingefahren wieder aus Körpern "herausgezogen" werden, blutspritzende Wunden an den falschen Stellen, billige Attrappen für Körperteile... Die Liste ist lang, aber so etwas bewerte ich nicht. Erstens passt es zur Kitsch-Ästhetik des Films, zweitens wurden die Möglichkeiten, die man hier hatte, voll ausgeschöpft. Das ist kein "Trash". Ein bisschen Exploitation allenfalls, aber dies gälte wohl ebenso für die Vorlage und ist eine bewusste künstlerische Entscheidung.

Was ich aber besonders hervorheben möchte, sind die fabelhaften Kulissen, Drehorte und Kostüme. Da gibt es nichts auszusetzen: Es sieht wirklich alles hervorragend aus, sei es ein armes Dorf, eine Stadt, ein Herrenhaus. Gute Arbeit, die auch in der nicht minder großartigen Fortsetzung weitergeführt wurde.

Für mich stimmt hier alles, und der Film gehört neben Terayamas "Den'en ni shisu/Sterben auf dem Land" zu meinen japanischen Lieblingsfilmen der 1970er-Jahre. Wer zu sehr an filmischen Konventionen aus Amerika hängt und sich nicht auf so eine japanische Geschmacksexplosion einlassen kann, ist hier natürlich falsch. Alle anderen werden mindestens bestens unterhalten. Da kann ich auch nur die maximale Punktzahl geben, obwohl ich solche Punktebewertungen eigentlich ablehne.

10/10
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Kommentare

17.07.2014 15:15 Uhr - cecil b
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Erfahrungspunkte von cecil b 6.136
Sehr erfreulich, dich nun zu den Autoren zählen zu können !

Aber wenn du die Meinung meines Reviews "nicht tragbar" nennst, weil ich diesen Film unter anderem Trash nenne, möchte ich mein 2-Jahre altes Review doch schon ganz gerne zitieren:
"Der Imperialismus wird kaltschnäuzig kritisiert, die Ausbeutung der einfachen Bürger Aufrund des Kapitalismus wird thematisiert, und mittendrin ist die blutige Rache in Form einer schönen Frau, deren Leben von Hass und Verzweiflung bestimmt ist."

Ich habe nicht das Gefühl, dass ich diesen Film auf Trash reduziert habe, und ich zähle mich bestimmt nicht zu den von dir genannten Hollywood- Fans. Japanische Filme können toll sein, daher habe ich viele rezensiert, wie Graveryard of Honor (Original und Remake), IZO und AUDITION. Mein letztes Hollywood-Review habe ich zu Zoo geschrieben :)

Viel Spaß weiterhin !

20.07.2014 15:58 Uhr - Laughing Vampire
DB-Helfer
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Erfahrungspunkte von Laughing Vampire 339
Es ist offenbar direkter angekommen, als es von mir gedacht war, deswegen ist die Einleitung nun geändert. Natürlich möchte ich jedem seine Meinung lassen und wollte, wie nun auch schwarz auf weiß steht, lediglich ein "Gegengewicht" setzen. :)

20.07.2014 16:35 Uhr - cecil b
1x
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Mir bricht da kein Zacken in der Krone ab. Seine Meinung kann man aber auch dadurch äußern, dass man sie einfach niederschreibt. Dafür muss man nicht die Meinung eines anderen Autoren kritisieren. Ich denke dass haben wir geklärt, da du ja schreibst dass du jedem seine Meinung lassen möchtest.

Ich freue mich auf weitere Reviews von dir, die bei deinem Repertoir für viel frischen Wind sorgen werden !

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