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Giganten der Vorzeit

(Originaltitel: Kyoryu: Kaicho no densetsu)
Herstellungsland:Japan (1977)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Horror, Science-Fiction
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,25 (8 Stimmen) Details
inhalt:
Durch Vulkanaktivitäten am Fujijama tauen 1977 Dinosauriereier aus dem ewigen Eis auf.
Eine Frau berichtet von einem versteinerten Riesenei, wodurch Takashi seine Reisepläne aufgibt und sich auf die Suche nach dem Riesenei macht, um die Theorie seines Vaters zu bestätigen, der glaubte, dass es noch Dinosaurier gibt.
Schon bald ereignen sich die ersten Angriffe am Lake Sai am Fuße des Fujijama. Das Militär versucht den Dinosaurier zu erlegen, jedoch erfolglos. Stattdessen werden sie auch noch von einem Flugsaurier angegriffen. Takashi und Akiko finden die mit Menschenresten geschmückte Höhle des Dinosauriers, wo sie eine böse Überraschung erleben...
eine kritik von laughing vampire:

Hilfe, wo soll man hier bloß anfangen. Eines vorweg: Ja, ich liebe diesen Film. Ja, ich gebe ihm tatsächlich 9 von 10 Punkten, und warum, darauf werde ich noch eingehen. Aber ich kann jeden verstehen, der mit diesem Werk überhaupt nichts anfangen kann und dies als absoluten Trash erachtet. Natürlich: Es ist Trash. Aber er ist auch ein bißchen mehr als das: Dieser Film ist ein wirklich abgefahrenes, höchst ungewöhnliches Werk japanischer Filmkunst, bei dem sich ein paar Spinner scheinbar voll austoben konnten und das mich wirklich bestens unterhalten und überrascht hat. Ein Kultfilm, wie er im Buche steht.

Da ich vor Ewigkeiten auch den deutschen Wikipedia-Artikel verfasst habe, verweise ich für eine ausführlichere Zusammenfassung der Handlung darauf. Ganz kurz: Ein junger Geologe, der mit Netzhemd, Sonnenbrille und Schlaghose eigentlich viel zu cool für diese Welt ist, hört von mysteriösen Ereignissen am Sai-See beim Berg Fuji. Dinosaurier sollen gesehen worden sein. Er verschiebt seine Reise nach Mexiko, fährt dorthin und trifft einen Freund seines Vaters. Letzterer hatte vor seinem Ableben nie daran gezweifelt, daß Dinosaurier noch existieren. Einige seltsame Dinge geschehen, der Protagonist Takashi trifft seine Jugendliebe, und ein gefährlicher Plesiosaurier treibt indes sein Unwesen, frisst arme Taucherinnen und schaut Damen beim Duschen zu. Später kommt dann auch noch ein Flugsaurier dazu, und der Vulkan droht auszubrechen. Takashi und seine Geliebte stehen vor ganz schön vielen Problemen.

Kyōryū Kaichō no Densetsu/Giganten der Vorzeit ist ein typisches Erzeugnis der 70er-Jahre. Mode, Musik, Inszenierung trafen damals wohl genau den Nerv der Zeit, was aus heutiger Sicht natürlich eher belustigend ist. Aber die einzigartige Melange macht's hier einfach: Eine kitschige Liebesgeschichte, billige Dinosaurier, James-Bond-Musik und eine Handlung, die derart löchrig und unlogisch ist, daß einem danach der Kopf dröhnt und man ein Trinkspiel daraus machen könnte. Wenn plötzlich eine völlig unbewegliche, riesige Dinosaurier-Attrappe aus dem Wasser gezogen wird, die eine Schönheit im Taucheranzug fressen möchte, und dazu auch noch völlig unpassende Saxophon-Musik eingespielt wird, dann liege zumindest ich vor Lachen am Boden. Was wirklich die Absicht der Macher war, kann man nur erahnen. Aber sie hatten mit diesem Film gewiß höllisch Spaß. Ebenso hat dies der Zuschauer. Und dieser Mut sollte belohnt werden.

Dazu sei noch gesagt: Plot und Effekte, das ist die eine Seite. Aber der Film ist hervorragend gefilmt, und den Schauspielern kann man ebenfalls nichts vorwerfen: Der Hauptdarsteller, Tsunehiko Watase, ist beispielsweise kein No-Name, und jeder spielt seine Rolle hervorragend. Dies natürlich im Rahmen des Films: Ohne Overacting und comichafte Überzeichnung würde das Ganze hier schließlich längst nicht so viel Spaß machen. Die Dinosaurier (die übrigens genau genommen nicht einmal welche sind) kommen erst gegen Ende wirklich ins Spiel, der Rest dreht sich um die menschlichen Akteure. Da sollte man keine falschen Erwartungen haben.

Bei einer Punktebewertung bewerte ich einen Film im Rahmen dessen, was er sein möchte und ob die Möglichkeiten, die die Macher hatten, ausgeschöpft wurden. Wobei mein persönlicher Geschmack natürlich auch eine große Rolle spielt. Billige Effekte können effektiv eingesetzt werden, eine blöde Story kann unterhaltsam herübergebracht werden, und je nach dem, ob ein Film sich krampfhaft ernst nimmt oder über eine gesunde Selbstironie verfügt, ändert sich auch der Gesamteindruck. Hier haben wir es mit einem einmaligen, in LSD getränkten Auswurf der 70er zu tun, der einfach nur wahnsinnig unterhaltsam, albern und bizarr ist und den man gesehen haben muss, um mitreden zu können. Bloß nicht den Fehler machen und hier tatsächlich einen ernstgemeinten Monsterfilm (oder überhaupt einen Monsterfilm) erwarten. Das ist er nicht. Dafür Trash allererster Güteklasse, dessen Soundtrack einem noch lange im Ohr bleibt. 9/10.

Die ungeprüfte DVD von Retrofilm hat alles, was man braucht: Den ungekürzten japanischen Film mit hervorragender Bildqualität (O-Ton mit Untertiteln sowie unvollständige dt. Synchronisation), für Nostalgiker als Extra noch die gekürzte und besonders hinsichtlich des Soundtracks sehr veränderte deutsche Kinofassung sowie zusätzlich, wer's braucht, eine englische Synchronisation und noch ein paar Trailer. Und besonders der deutsche Trailer ist einfach unglaublich lustig.

9/10
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Kommentare

20.07.2014 19:02 Uhr - cecil b
1x
DB-Co-Admin
User-Level von cecil b 18
Erfahrungspunkte von cecil b 6.136
Ein gelungenes Review, welches seine eigenen Maßstäbe nachvollziehbar darlegt !

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