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Pieta

Herstellungsland:Südkorea (2012)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Drama
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,20 (5 Stimmen) Details
inhalt:
LEE Kang-do ist Schuldeneintreiber, der säumigen Schuldner zu Krüppeln macht, um die Unfallversicherungssumme zu kassieren. Eines Tages begegnet er einer Frau, die behauptet, seine Mutter zu sein. Anfangs weist der junge Mann die geheimnisvolle Fremde schroff ab. Als er sie vergewaltigen will, wehrt sie sich weinend. Nach der Inzest-Attacke beginnt Kang-do ihr zu glauben, sie zieht bei ihm ein und bemuttert ihn.

Die Fürsorge löst eine Art Läuterungsprozess aus, er gibt seine brutale Tätigkeit auf. Als die Frau plötzlich verschwindet, macht Kang-do bei seinem verzweifelten Rettungsversuch eine schockierende Entdeckung ...
eine kritik von laughing vampire:

In Kim Ki-duks Film von 2012 sieht man sehr viel rostiges Metall. Und das ist äußerst passend, denn der Film selbst kommt ebenfalls daher wie ein von einer dicken Eisschicht überzogenes Stück Metall irgendwo im bitterkalten koreanischen Winter, von dem dicke Späne abstehen, an denen man sich leicht schneiden kann, wenn man unvorsichtig ist. Diese Beschreibung klingt natürlich abschreckend, aber wer bereits ein wenig mit den Filmen dieses radikalen Regisseurs vertraut ist, weiß, wovon ich spreche. Kim produziert in erster Linie äußerst tiefgründiges, aber umso schwerer zugängliches Feel-Bad-Kino, das einen ganz speziellen Nachgeschmack hinterläßt. Aber wenn man eine gewisse Affinität für fernöstliche Filme jenseits des Mainstreams hat, läßt man sich dennoch gerne davon verführen und bereut es selten.

Pietà ist die Geschichte eines eiskalten Kredithais mit dem Namen Kang-do, der in einem heruntergekommenen Viertel für eine kriminelle Organisation tätig ist und die Schulden stets derart in die Höhe treibt, daß seinen Opfern nichts anderes übrig bleibt, als sich von ihm zum Krüppel machen zu lassen, damit er anschließend die Versicherungsgelder abkassieren kann. So lebt er vor sich hin, völlig ohne Gefühle für oder Zugang zu seinen Mitmenschen, ohne Familie oder Freunde in einer jämmerlichen Bruchbude, in der er nicht einmal die Überreste der Tiere beseitigt, die er als Nahrung zubereitet. Eines Tages steht jedoch eine mysteriöse Frau vor seiner Tür, die nicht mehr von seiner Seite weichen will und sich als seine lange Zeit verschollene Mutter zu erkennen gibt. Kang-do reagiert zuerst äußerst abwesend, aber die Hartnäckigkeit der Frau führt dazu, daß er nach und nach Gefühle entwickelt und sein eigenes Tun zu hinterfragen beginnt.

Mehr sei an der Stelle nicht verraten: Natürlich nimmt die Handlung noch einen anderen Verlauf, der nicht ohne ist und von Kim, wie gewohnt, gut inszeniert wurde. Aber der Film ist tatsächlich äußerst deprimierend, eiskalt und abgründig. Sympathieträger gibt es hier keine, selbst die zahlreichen Opfer, die man im Film zu sehen bekommt, sind oft nicht minder hassenswert. Humor gibt es nicht einmal in Ansätzen: Man wird hier mit den tiefsten Abgründen der menschlichen Seele konfrontiert, unwirklich und grausam, aber doch keineswegs übertrieben und nahe an einer Realität, die es irgendwo zwischen den Betonblöcken und Neon-Kirchen in Seoul geben muss.

Kim spielt wie üblich mit religiöser Symbolik: Der Titel spielt auf die bekannte christliche Darstellung Mariä mit dem Leichnam Jesu in den Händen an, und dies erweist sich im Verlauf des Films als äußerst zynisch. Von seiner Apartmentwohnung sieht Kang-do eine der zahlreichen kirchlichen Slogans an einem gegenüberliegenden Gebäude, welcher das Seelenheil verspricht. Ich kenne mich mit Religion leider zu wenig aus, um wirklich darauf eingehen zu können, aber Kim ist schließlich für symbolisch aufgeladene Darstellungen bekannt wie kein Zweiter. Dies stets im Kontrast mit der tristen, dreckigen Realität und der rohen Gewalt, die seine Protagonisten entweder erleiden oder ausüben.

Anscheinend wollte er mit Pietà eine Art filmischen Neubeginn machen, nachdem er sich in einer Schaffenskrise befand. Jedoch fügt sich der im Übrigen sehr billig produzierte Film nahtlos in sein Gesamtwerk ein. Mich hat Pietà fasziniert und zum Nachdenken bewegt. Es ist kein Film, den man sich häufiger ansehen möchte, aber der in einer guten Sammlung auch nicht fehlen sollte. Zwar kommt er nicht an ein Meisterwerk wie Seom (Die Insel) von 2000 heran, aber Kim hat hiermit bestimmt erreicht, was er erreichen wollte. Für diejenigen, die mit solcher Kunst zurecht kommen, spreche ich eine klare Empfehlung aus. Alle anderen können sich ja stattdessen einen Film von Adam Sandler ausleihen.

Die deutsche Bluray von MFA+ ist makellos. Das Bild ist nicht berauschend, aber dies dürfte am Film selbst liegen, der offenbar bewusst mit billigen Kameras gedreht wurde.

9/10
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Kommentare

22.07.2014 15:37 Uhr - Egill-Skallagrímsson
3x
DB-Helfer
User-Level von Egill-Skallagrímsson 4
Erfahrungspunkte von Egill-Skallagrímsson 227
Toller Film vom Kim, wie nahezu alle Werke von ihm, die ich kenne!

26.07.2014 09:44 Uhr - cecil b
3x
DB-Co-Admin
User-Level von cecil b 18
Erfahrungspunkte von cecil b 6.136
Und ein tolles Review dazu !

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