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A Tale of Two Sisters

(Originaltitel: Janghwa, Hongryeon)
Herstellungsland:Südkorea (2003)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Horror, Drama, Thriller, Mystery
Alternativtitel:A Tale of Two Sisters - Der Fluch der zwei Schwestern
Zwei Schwestern
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,33 (9 Stimmen) Details
inhalt:
Es ist ein strahlender Sommertag, als die Schwestern Su-mi und Su-yeon in ein abgelegenes Haus am See gebracht werden. Sie waren seit dem Tod ihrer Mutter in einer Heilanstalt und kehren nun zu ihrem Vater zurück. In der Eingangshalle wartet bereits die verhasste Stiefmutter. Su-mi, die Ältere, zeigt sich der Frau gegenüber offen feindselig, während Su-yeon geradezu ängstlich auf Abstand geht. Schon in der ersten Nacht gehen unheimliche Dinge in dem Haus vor sich, denn ein unbekanntes Wesen scheint im Verborgenen zu lauern. Diese Nacht ist aber nur der Anfang eines nicht endenden Albtraums.
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von laughing vampire:

Janghwa, Hongryeon a.k.a. Zwei Schwestern a.k.a. A Tale of Two Sisters ist einer dieser Filme, die man eigentlich unmöglich einem bestimmten Genre zuordnen kann. Während er landläufig als ("typisch asiatischer") Horrorfilm gilt, ist er doch weit mehr als das: Ein Familiendrama, ein Thriller, ein Märchenfilm. Letzteres nicht nur auf Grund der simplen Tatsache, daß dieser Film im Kern eine von unzähligen Verfilmungen eines populären koreanischen Volksmärchens ist, dieses jedoch komplett verfremdet. Auch die Atmosphäre, die traumhafte und traumartige mise-en-scène oder die für einen realistischen Horror- oder Mysteryfilm doch etwas zu steife und unwirkliche Charaktergestaltung erinnern zumindest sehr daran, und all dies sorgt für ein unvergleichliches Filmerlebnis, das garantiert nicht alle gleichermaßen anspricht und manchen vielleicht etwas zu sehr Kopfschmerzen bereitet, das es aber in dieser Form nur einmal gibt. Wobei es gerade aus Korea durchaus einige artverwandte Filme gibt. Spontan nenne ich mal den fantastischen Hänsel & Gretel, der, wie der hier besprochene Film, sehr lose auf dem gleichnamigen Märchen basiert, sich aber letztlich als vielschichtiges psychologisches Drama herausstellt.*

Die Geschichte, wie sie uns am Anfang präsentiert wird, läßt sich relativ leicht zusammenfassen: Die Schwestern Sumi und Suyeon fahren aufs Land, um sich nach einem Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik beim Vater und der Stiefmutter zu erholen. Doch über dem Geschehen liegt eine unheilvolle Atmosphäre, und alle Beteiligten verhalten sich äußerst eigenartig: Die Stiefmutter läßt die Schwestern bei jeder Gelegenheit ihre cholerische Seite spüren, Sumi kann ihren Groll ebenfalls nicht unterdrücken und im Haus tun sich ungewöhnliche Dinge. Letztendlich stellt sich heraus, daß nicht alles ganz so ist, wie es den Anschein hat. Doch jede neue Erkenntnis stellt sich im Nachhinein wieder als trügerisch heraus.

Es ist einer jener Filme, die sich wie eine Zwiebel verhalten, was ihre Vielschichtigkeit betrifft. Und was als einfaches Drama mit Horrorelementen beginnt, stellt sich schnell als etwas unglaublich Komplexes heraus. Konkret geht es, ohne allzu viel verraten zu wollen (leichte Spoiler lassen sich natürlich kaum vermeiden, aber dies wird auch bereits ganz am Anfang ersichtlich), um Sumis psychische Verfassung. Wer allerdings etwas in der Richtung eines Haute Tension ohne Splatter vermutet, liegt damit nur zur Hälfte richtig. Denn im Gegensatz zu Alexandre Aja mit seinem Film schafft es Kim Je-woon, eine durchdachte und komplexe Geschichte zu erzählen und nicht einfach nur mit einem billigen Fight-Club-Twist aufzuwarten. Jener kommt dann übrigens gleich mehrmals, und ist doch nie so eindeutig bzw. läßt viel Raum für weitere Interpretationen, ohne dabei selbstzweckhaft zu wirken. Klar kann man auch einen Haute Tension interpretieren, aber jener Film, obgleich wirklich stark inszeniert und auch von mir sehr gemocht, leidet einfach an einer undurchdachten Handlung, an der wohl während der Produktion noch mehrere kurzfristige Änderungen vorgenommen wurden. Dieser Fehler wurde hier definitiv nicht begangen. Man muß sich zwar etwas anstrengen, um wirklich durchzublicken, aber es ist möglich. Leicht gemacht wird es einem definitiv nicht. Also keine Kost für zwischendurch.

Ob der Film tatsächlich als Horrorfilm funktioniert, ist schwer zu sagen. Denn eigentlich bietet er diesbezüglich alles: Die üblichen Schockmomente, eine durchgängig unheimliche Atmosphäre, einen schauderhaft-schönen Soundtrack, einige wenige Gewaltspitzen und nicht zuletzt auch eindeutig übernatürliche Elemente. Dennoch habe ich ihn eher als Drama wahrgenommen: Der Fokus liegt trotz allem eindeutig auf den Protagonisten und ihrer Persönlichkeit, und es gibt außergewöhnlich viele ruhige Momente, die im Gesamtbild dominieren. Teils werden die Erwartungen, die man hat, zwar erfüllt, etwa bei einer sehr typischen (und wirksamen) Geisterhand-Szene, aber oft trickst einen der Film aus und zeigt nicht das, was man erwartet hätte. Vor allem das Ende, das eben nicht mit einem billigen "Da ist noch etwas"-Moment aufwartet, sondern die Geschichte würdig abschließt, sei an dieser Stelle erwähnt. Der Film läßt einen mit einem ganz anderen Gefühl zurück als beispielsweise ein Ring oder Pulse: Man traut sich dann doch wieder allein auf die Toilette, aber die Melancholie bleibt haften.

Was diesen Film auszeichnet, ist seine absolut perfekte Kinematographie. Kurz: Jedes Bild stimmt. Jede Einstellung dieses Films könnte man als Poster ausdrucken und an die Wand hängen. Die Liebe zum Detail ist atemberaubend, die Kulissen mit ihrem typisch koreanischen Kitsch (Blumenmuster und Ornamente) unterstreichen die leicht unheimliche, aber auch tragische und etwas nostalgische Atmosphäre. Dies ist etwas, was Kim und sein Team wirklich hervorragend beherrschen und auch bei ihren weiteren Filmen, so unterschiedlich sie sein mögen -- wer käme, ohne es zu wissen, auf die Idee, daß hier der selbe Regisseur am Werk war wie beim brillanten, aber bluttriefenden I Saw the Devil? -- stets unter Beweis stellten.

Schlußendlich finde ich ganz einfach nichts, was es hier zu bemängeln gäbe. Mir hat der Film wirklich sehr gut gefallen, und auch meine Erwartungen waren zuerst ganz anders. Nichts für jeden Geschmack natürlich: Eine eindeutige Zielgruppe scheint es nicht zu geben, da der Film, wie gesagt, von fast allem etwas ist, aber von nichts ausreichend, um eindeutig klassifiziert zu werden. Wer einen reinen Horror- oder Gruselfilm möchte, ist hier falsch. Womöglich zumindest. Mit meiner Höchstpunktzahl bin ich sowieso großzügig, und auch dieser Film hat sie sich zweifellos verdient.

Der Film ist in Deutschland auf Bluray erschienen und liefert ihn in angemessener Qualität.

(*Von der deutschen DVD von Hänsel & Gretel sei von meiner Seite aus übrigens abgeraten, da sie offenbar nicht über den Originalton verfügt. Man bekommt den kompletten Film beispielsweise über Frankreich oder direkt als Import aus Korea, dort auch mit englischen Untertiteln. Den Film selbst werde ich bei Gelegenheit ebenfalls noch besprechen. Hier sei aber schon einmal gesagt: Wem die Zwei Schwestern gefallen haben, der darf auch dort bedenkenlos zugreifen.)

10/10
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Kommentare

02.08.2014 02:16 Uhr - Crítter
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Schicke Review

"A Tale of Two Sisters" fand ich sehr verwirrend. Ich bin relativ komplexe Story gewohnt, aber dieser Streifen hat bei mir mehr Fragen aufgeworfen, als sonst was. Nach dem Film habe ich mir erst mal den kompletten Plot in der Kurzfassung durchgelesen, und diverse Foren im I Net gecheckt, wie andere den Film verstanden/erlebt haben.

Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob ich den Film richtig verstehe.


Der funktioniert auch als Horrorfilm...

02.08.2014 15:31 Uhr - Laughing Vampire
DB-Helfer
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Erfahrungspunkte von Laughing Vampire 339
Das war bei mir beim ersten Mal auch so. Seither habe ich ihn ungefähr dreimal angeschaut und bei jedem Durchgang etwas mehr verstanden, aber ja: Sich im Nachhinein erst einmal die Handlung durchzulesen ist hilfreich. Vor allem, da der Film, wie bereits erwähnt, auch keine eindeutigen Erklärungen liefert. Schließlich ist Sumi ja offensichtlich nicht die Einzige, die ihre tote Schwester wahrnehmen kann. Für mich hat dieses Rätseln aber durchaus etwas Reizvolles, solange man am Ende auch Antworten bekommt. Das ist hier durchaus der Fall.

04.08.2014 18:04 Uhr - Crítter
1x
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Sehe ich auch so und werde mir den definitiv irgendwann nochmal ansehen.

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