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Lars und die Frauen

Originaltitel: Lars and the Real Girl

Herstellungsland:USA, Kanada (2007)
Standard-Freigabe:FSK o.A.
Genre:Drama, Komödie
Bewertung unserer Besucher:
Note: 9,00 (1 Stimme) Details

Inhaltsangabe:

Sonderling Lars (Ryan Gosling) ist so scheu, dass selbst sein Bruder Gus (Paul Schneider) und seine Schwägerin Karin (Emily Mortimer) kaum Kontakt zu ihm haben. Bis er ihnen überraschend seine Verlobte Bianca vorstellt - für ihn ist sie eine bildschöne Brasilianerin, für seinen Bruder Gus und seine Schwägerin Karin - eindeutig eine lebensgroße Puppe aus Silikon! Irritiert holen sie sich Rat bei der Ärztin Dr. Dagmar (Patricia Clarkson) ein, die eine überraschende Diagnose stellt: Lars kann nur geholfen werden, wenn sie und die ganze Gemeinde Lars´ Freundin behandeln, als sei Bianca tatsächlich lebendig. Ein scheinbar einfacher Plan mit kuriosen Folgen. (20th Century Fox Internetseite)

eine kritik von mynan:

"Lars und die Frauen" ist ein kleiner, aber feiner Film aus dem Jahr 2007 und zeigt Ryan Gosling in Bestform. Er spielt hier den Außenseiter Lars, der einsam in einer Garage lebt, in unmittelbarer Nachbarschaft zu seinem Bruder und dessen Frau. Es scheint, dass Lars den Tod der Eltern nie verwunden hat; er ist verschlossen und hat kaum noch soziale Kontakte, entsprechend große Sorgen macht sich sein Bruder um ihn. Umso größer ist die Freude, als Lars mitteilt, dass er eine wunderbare Frau kennengelernt hat. Die Freude wandelt sich jedoch rasch in Entsetzen und Ratlosigkeit, als sich herausstellt, dass es sich hierbei um eine Sexpuppe handelt und dass Lars nicht gewillt ist, seine neue Lebenspartnerin so einfach wieder aufzugeben.

Was danach jedoch passiert, macht "Lars und die Frauen" zu etwas besonderem: Die ganze (Klein)Stadt versucht, "Bianca" als reale Frau an Lars´ Seite zu akzeptieren und die beiden in das Gemeinschaftsleben einzubinden, was zu äußerst skurrilen Situationen führt.

"Lars und die Frauen" würde ich schlicht und einfach als "Dramödie" bezeichnen, aber was für eine! Die Inhaltsangabe hat sicher so manchen mit völlig falschen Erwartungen an den Film herangehen lassen; ich muss zugeben, dass auch mich der Film damals überrascht hat, aber das sehr positiv. "Lars und die Frauen" ist äußerst skurril, dabei aber immer einfühlsam und warmherzig. Der Film besticht durch einen ausgesprochen feinen und zurückhaltenden Humor, der eher auf leisen Sohlen angeschlichen kommt, hat jedoch auch viele nachdenkliche und anrührende Momente, ohne aber hierbei jemals in Kitsch zu versinken. "Lars und die Frauen" verstehe ich als äußerst ehrenwertes Plädoyer für Mitmenschlichkeit und gesellschaftliche Toleranz gegenüber Außenseitern.

Regisseur Craig Gillespie vollbringt hierbei das Kunststück, eine eigentlich aberwitzige Geschichte glaubhaft und mit einer bemerkenswerten Normalität, Ruhe und Ernsthaftigkeit zu erzählen. Dass das ganze nicht unbedingt realistisch ist, ist hierbei nebensächlich, gibt dem Film jedoch einen nahezu märchenhaften Charakter. "Lars und die Frauen" widersteht jederzeit der Versuchung, in schlüpfrige oder seichte Gefilde abzugleiten, was bei der Ausgangssituation sicherlich leicht möglich gewesen wäre. Der Film kommt ohne einen einzigen "Kalauer" aus, der Humor ist niemals unter der Gürtellinie. Lars wird niemals bloßgestellt, vorgeführt oder ernsthaft gehänselt. Das rechne ich Regisseur Craig Gillespie hoch an, und das macht "Lars und die Frauen" für mich zu einem ungemein sympathischen Film. Auch das dezent angedeutete Happy-End passt hervorragend, und man möchte danach eigentlich schon gerne wissen, wie es mit Lars weitergeht und ob er die Kurve noch endgültig kriegt.

Das ganze Ensemble spielt großartig, stellvertretend seien hier Emily Mortimer, Paul Schneider und Patricia Clarkson genannt. Ryan Gosling spielt jedoch alle an die Wand und trägt den Film nahezu im Alleingang. Er spielt Lars unglaublich sympathisch und verletzlich und beweist damit erneut, dass er zu den besten und wandlungsfähigsten Schauspielern unserer Zeit gehört. Wenn ich z.B. seine Rolle in "Das perfekte Verbrechen", der im gleichen Jahr entstanden ist, mit der in "Lars und die Frauen" vergleiche, kann ich kaum glauben, hier denselben Schauspieler vor mir zu sehen.

Alles in allem ist "Lars und die Frauen" ein ungewöhnlicher und sehr empfehlenswerter (Wohlfühl-)Film mit ganz wenigen, kleineren Längen, den man vielleicht gerade in denjenigen Momenten am meisten zu schätzen weiß, in denen man selbst mit wachsender Intoleranz und Ellenbogenmentalität in unserer Gesellschaft hadert.

9/10
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