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The Ring Virus

(Originaltitel: Ring)
Herstellungsland:Südkorea (1999)
Standard-Freigabe:FSK 12
Genre:Horror, Fantasy, Thriller, Mystery
Bewertung unserer Besucher:
Note: 5,50 (2 Stimmen) Details
inhalt:
Eine Reihe unerklärlicher Todesfälle unter Teenagern weckt das Interesse der Journalistin Sun-Ju. Gemeinsam mit dem Pathologen Cho versucht sie, diesem offensichtlich tödlichen Geheimnis, dass sich um die verstorbenen Schüler rankt, auf den Grund zu kommen und stößt dabei auf ein mysteriöses Videoband. Die verstörenden Bilder auf dieser Kassette, aber vor allem die von einem unbekannten Anrufer überbrachte Botschaft, dass sie in sieben Tagen sterben wird, lösen in Sun-Ju Todesängste aus. Sie begibt sich auf die Suche nach dem Ursprung dieses Bandes und kommt dabei einem grauenhaften Fluch auf die Spur.
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von laughing vampire:

In einem Interview mit Kōji Suzuki, dem Autor des japanischen Romans Ring, der den Stein anno 1991 ins Rollen brachte, habe ich vor langer Zeit einmal gelesen, daß er eine Geschichte über einen alleinerziehenden Vater schreiben wollte, der sich für das Leben seines Kindes einer übergroßen Gefahr aussetzt. Denn in seinem Roman ist der Protagonist ein Mann, und dies war durchaus bewußt gewählt: Die Rolle des Vaters, das ist Suzukis Lieblingsthema, das sich durch sein gesamtes Werk zieht. Und wenn man bedenkt, wie es sich damit traditionellerweise in Japan verhält -- der Kontakt des Vaters zu seinen Kindern ist auf ein Minimum reduziert, da er sowieso kaum zuhause ist -- kann man dieses Anliegen durchaus nachvollziehen.

Anno 1998 verfilmte schließlich der Regisseur Hideo Nakata den Stoff. Es war nicht der erste Versuch: Bereits 1995 wurde von Ring ein Fernsehfilm gedreht, und eine Dramaserie folgte. Doch Nakata verwandelte den eher pseudowissenschaftlich angehauchten Roman um einen Reporter, der einer mysteriösen Serie von Todesfällen auf die Spur geht und dabei selbst mit übernatürlichen Elementen konfrontiert wird, in einen waschechten Horrorfilm, und was für einen. Sein Ring, der zeitgleich mit einer (sehr schwachen) Verfilmung des Nachfolgeromans Rasen durch einen anderen Regisseur veröffentlicht wurde, wurde zu einem riesigen Erfolg. Aber sehr zum Leidwesen des Autors Suzuki wurde der männliche Protagonist aus dramaturgischen Gründen durch eine Frau ersetzt, und der Fokus liegt dabei viel deutlicher auf den übernatürlichen Elementen, die bei ihm eher eine untergeordnete Rolle spielten.

Auch in Europa und Amerika kam man dadurch auf den Geschmack, und seither ist das Genre der japanischen Horrorfilme nicht mehr wegzudenken. Die Amerikaner konnten es natürlich nicht lassen und versuchten sich ein paar Jahre später selbst an einem starbesetzten Remake, das nicht hätte sein müssen: Obwohl auch dieser Film zu einem großen internationalen Erfolg wurde und eine ganze Tsunamiwelle an unsinnigen Remakes asiatischer Filme aller Art auslöste, die bis heute anhält, basiert die Geistergeschichte um Ring doch stark auf Motiven aus der japanischen Mythologie und verbindet diese mit der (damaligen) Gegenwart, was sich nicht einfach auf ein westliches Land übertragen läßt. Aber gut, in dieser Hinsicht hat jeder die freie Wahl: Den japanischen Film findet man glücklicherweise auch überall, und Kenner wissen ihn zu schätzen. Für mich ist er übrigens der beste Horrorfilm aller Zeiten, und ich werde ihm bei Gelegenheit auch noch einen eigenen Artikel widmen. Den beiden gelungenen Fortsetzungen Ring 2 und Birthday ebenso.

Aber halt, da war noch etwas. Ja, genau: Noch bevor Hollywood den Stoff in die Finger bekam, drehten die Koreaner nur ein Jahr später ein eigenes Remake von Nakatas Film. Während heute auch die Horrorfilme aus Korea durch internationale Erfolge wie Janghwa, Hongryeon / A Tale of Two Sisters weltweite Anerkennung gefunden haben, verhielt sich dies anno 1999 noch anders. Das koreanische Kino ist schließlich sehr jung, und wer sich etwas mit der Geschichte des Landes auskennt, weiß, warum: Die politische Lage im Süden war nie besonders stabil, und die Regierung wechselte damals sehr häufig, was auch einige Diktatoren hervorbrachte, die es nicht nur im Norden gab: Allgegenwärtige Zensur und die wirtschaftliche Lage verhinderten das Aufkommen einer ausgeprägten Filmkultur, und erst ab Ende der 1980er änderte sich dies deutlich, als auch das Land selbst einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung erlebte. Seit den frühen 2000ern sind Namen wie Park Chan-wook und Kim Ki-duk allen Cineasten ein Begriff -- aber 1999 war es noch nicht so weit, und somit fand auch dieses Remake international kaum Beachtung.

Man darf sich natürlich die Frage stellen, wieso es überhaupt ein solches Remake brauchte, wo doch Japan als geographischer und kultureller Nachbar den Koreanern nie besonders fremd gewesen sein dürfte. Und was aus heutiger Sicht tatsächlich verwunderlich erscheinen mag, war vor 15 Jahren durch die einfache Tatsache begründet, daß japanische Medien landesweit verboten waren: Erst seit 2004 dürfen japanische Filme überhaupt in südkoreanischen Kinos gespielt werden, und selbst heute noch gibt es starke Restriktionen. Japanische Musik in Radio und Fernsehen sind beispielsweise nach wie vor untersagt, und auch die in ganz Asien sehr populären Dramas werden nicht ausgestrahlt, obwohl es durchaus einen Markt gäbe. Der Keil sitzt immer noch tief, und durch die gegenwärtigen negativen Entwicklungen in Ostasien ist wohl auch keine baldige Änderung dieser Umstände zu erwarten. Daß diese Feindschaft, die längst nicht mehr sein müßte und auch in der Realität kaum noch eine Rolle spielt, immer noch von beiden Seiten so angeheizt wird, ist wirklich sehr traurig. Aber dies mag immerhin die Existenz dieses Films erklären, auf den ich nun näher eingehen möchte.

Die koreanische Version von Ring, The Ring Virus genannt, handelt von einer Reporterin (ja, auch hier haben wir es mit einer Frau zu tun) namens Sun-joo, die mit einer Serie seltsamer Todesfälle unter Jugendlichen konfrontiert wird. Da auch ihre Nichte davon betroffen war und sowohl sie als auch ihre Freunde zum exakt selben Zeitpunkt ohne äußere Einwirkung ums Leben kamen, beschließt sie, der Sache genauer nachzugehen. Sie findet heraus, daß sich die Clique in einer Jugendherberge eine Woche zuvor ein seltsames Videoband angeschaut hat, das auch ihr alsbald in die Finger gerät: Eine bizarre Abfolge schwammiger Bilder, gefolgt von einer Botschaft, die besagt, daß jeder, der das Video gesehen hat, innerhalb einer Woche sterben wird. Doch der Hinweis darauf, wie dieser Fluch zu brechen ist, wurde überspielt, und somit muß sie der Sache selbst auf den Grund gehen. Dabei zur Seite steht ihr Choi, ein zynischer Doktor mit soziopathischen Zügen, der sich das Video ebenfalls anschaut, aber die ganze Angelegenheit zunächst für einen blöden Scherz hält. Erst, als sich die Hinweise verdichten, daß sie es hier tatsächlich mit einem übernatürlichen Phänomen zu tun haben, beginnt auch er, sich intensiv damit auseinander zu setzen. Die Spur führt zu einer jungen Frau namens Eun-suh, die seit vielen Jahren verschwunden ist und der übersinnliche Fähigkeiten nachgesagt wurden. Doch die äußerst attraktive Eun-suh hatte noch ein weiteres Geheimnis, von dem niemand wissen durfte.

Die Handlung folgt zum Großteil der japanischen Verfilmung, fügt aber noch einige Elemente aus dem Roman hinzu, die Nakata ausließ, sowie eigene Erfindungen, die sich aber in Grenzen halten. Allzu genau möchte ich an dieser Stelle nicht darauf eingehen, aber als Stichwort sei das Thema der Sexualität erwähnt, das Suzukis Roman sehr zentral ist, in Nakatas Verfilmung jedoch überhaupt keine Rolle spielt. Es ist trotz allem eindeutig ein Remake seines Films und keine eigenständige Verfilmung des Romans: Teilweise wurden ganze Szenen beinahe eins zu eins übernommen, und auch das berühmte Fernseher-Finale gab es so nicht im Buch. Dennoch gelang es dem Regisseur Kim Dong-bin, dem Film eine individuelle Note zu verleihen, die ihn durchaus sehenswert macht.

The Ring Virus verfügt nicht über diese wahnsinnig dichte, bedrohliche Atmosphäre, die den japanischen Film so besonders auszeichnet. Die koreanische Version kommt etwas lockerer daher und spornt den Zuschauer eher zum Miträtseln an denn zum Verkriechen unter die Bettdecke: Wirklich unheimlich ist der Film eigentlich zu keinem Zeitpunkt, und als reiner Horrorfilm taugt er in der Tat kaum etwas, was wohl seinen schlechten Ruf erklärt. Aber er unterhält nichtsdestotrotz bestens, beeindruckt durch einige überraschend gelungene Aufnahmen und verfügt über einen tollen, atmosphärischen Soundtrack. Auch die Darsteller, übrigens alles namhafte und beliebte Schauspieler in Korea, harmonieren gut miteinander. Besonders gefallen haben mir beispielsweise die Rückblenden: Die junge Eun-suh in einem schmierigen Nachtclub etwa. Sie ist zu keinem Zeitpunkt auch nur annähernd so bedrohlich wie eine Sadako Yamamura, aber gerade ihre Attraktivität spielt hier eine Schlüsselrolle und wird schließlich zu ihrem Verhängnis. Dargestellt wird sie übrigens von der jungen Bae Doona, die dem westlichen Zuschauer aus Cloud Atlas bekannt sein dürfte. Auch Jeong Jin-yeong als unerträgliches Ekel von Doktor weiß zu unterhalten, und seine Entwicklung im Verlauf des Films ist für den Zuschauer nachvollziehbar. Die damals noch wunderschöne Shin Eun-kyung (die sich bedauerlicherweise im koreanischen Schönheits-OP-Rausch den Kiefer verkürzen ließ) spielt die Rolle der Reporterin Sun-ju stets ein bißchen unterkühlt, aber es paßt zu diesem Film, der ebenfalls so wirkt: Kühl, aber schön, und irgendwie auch gut.

Im Gegensatz zum amerikanischen Film geht hier die Rechnung durch die verwandte Mythologie Japans und Koreas auch auf: Das Konzept des weiblichen Rachegeistes gibt es, mit leichten Variationen, in beiden Ländern, und gerade Korea als Schauplatz dieser Geschichte paßt für mich sehr gut. Viel kreative Eigenleistung wurde nicht betrieben, aber trotzdem ist The Ring Virus für mich ein gelungenes Remake und ein sehenswerter, interessanter Film. Bei der Punktevergabe bin ich in diesem Fall großzügig, um den Film etwas aufzuwerten, obwohl ich sonst eher zu 7 tendieren würde. Denn dramaturgisch happert es doch noch an einigen Stellen, und manchmal wirkt der Film etwas arg ziellos.

Zwar gibt es eine deutsche DVD, aber von der ist wohl abzuraten, wenn man den Infos der OFDB traut: Geschnitten und in schlechter Qualität. Ich selbst habe die koreanische DVD für etwa einen Euro aus dem Urlaub mitgenommen, die zwar über ein etwas grobes, körniges Bild verfügt, aber sonst wirklich in Ordnung geht und über englische Untertitel verfügt. Jene sind, wie so oft bei asiatischen Veröffentlichungen, teilweise ziemlich absurd übersetzt, aber trotzdem gut verständlich.

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