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Nymphomaniac Vol. II

(Originaltitel: Nymphomaniac: Volume II)
Herstellungsland:Dänemark, Deutschland, Belgien, Frankreich (2013)
Standard-Freigabe:FSK keine Jugendfreigabe
Genre:Drama, Erotik/Sex, Liebe/Romantik,
Mystery
Alternativtitel:A nimfomániás 2. rész
Nymph()maniac 2
Nymphomaniac 2
Nymphomaniac II
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,64 (11 Stimmen) Details
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von laughing vampire:

Begeistert vom ersten Film, den ich auch im Kino erleben durfte, wollte ich mir natürlich auch den zweiten Teil von Lars von Triers Nymphomaniac keineswegs entgehen lassen. Es ergab sich jedoch so, daß ich um die Zeit, als der Film anlief, nicht in Europa war und anschließend auf eine Heimkino-Veröffentlichung warten mußte. Als ich mir etwas später die französische Bluray-Ausgabe besorgt hatte, holte ich das Versäumte schnellstmöglich nach, machte es mir gemütlich und schaute mir beide Teile nacheinander an. Meine Eindrücke zum ersten Teil habe ich bereits in einem gesonderten Artikel festgehalten, und vieles darin bezieht sich auf den gesamten Film, sodaß diese Kritik nun etwas kürzer ausfallen wird.

Während der erste Teil vor allem Joes (Charlotte Gainsbourg) Kindheit und Jugend behandelte und auch ihr (ziemlich radikales) sexuelles Erwachen thematisierte, erfährt man in Teil zwei, wie es denn nun dazu kam, daß sie, übersät mit blauen Flecken und völlig am Ende, auf der Straße zu cooler Rammstein-Musik von Seligman (Stellan Skarsgård) aufgegabelt werden konnte: Joes Lebensgeschichte, im Rückblick erzählt, nahm einige dramatische Wendungen, und es dauerte nicht lange, bis sie, von einer schweren Lebenskrise geprägt, auf die schiefe Bahn geriet. Doch was hat es mit dem älteren Herrn, dem sie sich so bereitwillig anvertraut, eigentlich auf sich?

Während Lars von Trier in der ersten Hälfte -- nennen wir es mal so -- eine unglaubliche Leichtigkeit an den Tag legte und das Thema der aufkommenden Sexualität so verspielt und voller Witz präsentierte, möchte er hier nichts mehr davon wissen und tut das, was er so gut kann: Deprimieren. Ich werte dies keineswegs negativ: Gerade im Vorgängerwerk Melancholia verbindet er die Depressionen seiner Protagonisten mit einem äußerst bizarren, aber faszinierenden Weltuntergangsszenario. Unterhaltsam ist das zu keinem Zeitpunkt, aber irgendwie doch bereichernd und stets künstlerisch hochwertig inszeniert. Nur ging die Rechnung bei Nymphomaniac meiner Ansicht nach nicht mehr ganz so gut auf, und das irrationale, manische Verhalten seiner Joe vermag es auch mal, den Zuschauer einfach nur zu langweilen. Die Kapitel über Joes Lebensabschnitte sind hier länger (oder wirken zumindest so) und werden immer seltener von Anekdoten des Zuhörers Seligman unterbrochen, was für mich gerade den Reiz des ersten Teils ausgemacht hatte.

Joes dunkle Seite, die sie zuerst vor allem sexuell bei knallharten Sadomaso-Exzessen in einem bizarren Folterkeller auszuleben versuchte, greift irgendwann in ihre Lebensrealität über und verschlingt sie. Das ist, entschuldigt mich, ja schön und gut und gäbe eigentlich genug Potential für eine interessante Weiterentwicklung ihrer Geschichte, aber irgendwann wird es zu vorhersehbar und Lars von Trier verfällt angestaubten Klischees. Auch inszenatorisch kann sich der Film nicht mehr wirklich abheben: Zwar wird weiterhin mit verschiedensten Filmtechniken und Kameras herumgespielt, aber auch hier fällt Teil zwei deutlich ab. Vorherrschend ist hier ein körniger Billig-Look mit starken Kontrasten, was wohl bewußt an entsprechendes Kino erinnern soll, aber ästhetisch nicht so viel hergibt und zu lange beibehalten wird.

Schlecht ist das alles noch lange nicht, aber es wirkt einfach zu arg gedehnt, und gewisse Wendungen konnte ich dem Film auch nicht ganz abkaufen, so gut gemeint sie auch gewesen sein mochten. Und Charlotte Gainsbourg macht über weite Strecken ebenfalls einen ziemlich gelangweilten und abwesenden Eindruck, obwohl dies durchaus zu ihrer Rolle paßt. Aber es wäre auch anders gegangen. Wie ich bereits im ersten Review schrieb, halte ich sie nicht für die Idealbesetzung (das ist mein persönlicher Eindruck, obwohl ich keineswegs etwas gegen sie habe), während mir die noch unverbrauchte Stacy Martin, die damit ihr Filmdebüt ablieferte, umso besser gefiel und wirklich Lust auf mehr machte. Das jetzt bitte nicht doppeldeutig interpretieren, obwohl... ach, paßt schon. Ist schließlich meine Altersgruppe.

Und das Ende? Total bescheuert und viel zu vorhersehbar, aber ich habe trotzdem gut gelacht. Ein Witz und eine bewußte Demontage, die ich Lars von Trier auch nicht übel nehmen kann, da ich es wohl genauso gemacht hätte. Gerade, weil es so vorhersehbar war und daher alles möglich gewesen wäre. Noch ein letzter Schlag ins Gesicht, immerhin ohne Münz-Handschuh. Und der tolle Credits-Song, gesungen von Gainsbourg, hat mich ebenfalls wieder etwas versöhnt. Gespannt bin ich allerdings, ob eine kommende (Sehr-)Langfassung meinen Gesamteindruck ändern wird. Bis dahin belasse ich es dabei und vergebe sieben Punkte, in Anbetracht des leider etwas verschenkten Potentials nach dem grandiosen ersten Teil. Wer rechnen kann, darf für meine Bewertung von Nymphomaniac als Ganzes dann den Mittelwert der beiden Zahlen nehmen.

7/10
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