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Doomsday - Tag der Rache

Originaltitel: Doomsday

Herstellungsland:Großbritannien (2008)
Standard-Freigabe:SPIO/JK geprüft: strafrechtlich unbedenklich
Genre:Action, Horror, Science-Fiction,
Thriller
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,52 (162 Stimmen) Details
inhalt:
Nach dem Ausbruch eines aggressiven Killer-Virus wird Major Eden Sinclair (Rhona Mitra: „Underworld 3") von London in das abgeriegelte Schottland geschickt. Schottland ist seit 30 Jahren durch meterhohe Betonmauern mit Selbstschussanlagen von der Außenwelt abgeriegelt - der damals letzten Möglichkeit, das Killer-Virus zu besiegen. Doch nun ist das Reaper-Virus wieder aufgetaucht - und das Gegenmittel und die damit letzte Chance für den Erhalt der Zivilisation befindet sich in dem Niemandsland. Ein Spezialteam wird entsandt und gerät schnell in eine erbitterte Schlacht gegen eine kannibalistische Anarcho-Bande unter der Führung des durchgeknallten Punks Sol. Nur mit Mühe kann Eden mit ihrem Team entkommen und landet im Herrschaftsbereich des Wissenschaftlers Kane, der sie zum Gladiatoren-Kampf antreten lässt. Der Kampf um das Überleben der Zivilisation hat begonnen...
eine kritik von tom cody:

 

„Doomsday

 

Der Film, dem ich mich heute widme, fällt erst einmal (eigentlich negativ) dadurch auf, dass er im Grunde keine einzige eigene oder originelle Idee hat, sondern seine Story aus diversen anderen Vorbildern zusammenschustert, -klaut, und -zitiert. Je nach Wertung könnte man aber auch sagen, der Film ist eine Fundgrube an filmischen Querverweisen. Wie auch immer. Wenn aber das Endergebnis solch einen Heidenspaß macht und so dermaßen rasant, actionreich und knallhart rüberkommt wie Neil Marshall’s Endzeit-Film "DOOMSDAY" dann kann man ruhig mal „ein Auge zudrücken“ (pun intended).

 

Der Film beginnt damit, dass in Schottland ein mörderisches Virus ausbricht, das sogenannte „Reaper“-Virus, welches rasend schnell um sich greift und die Leute wie die Fliegen sterben lässt. Bei einer letzten Evakuierung verliert die kleine Eden Sinclair durch einen Querschläger ihr linkes Auge. Dennoch schafft es ihre Mutter, sie in einem der letzten Hubschrauber unterzubringen, die die Todeszone verlassen. Dabei werden die beiden jedoch voneinander getrennt. Die britische Regierung sieht keinen anderen Weg mehr das Virus zu stoppen als ganz Schottland unter Quarantäne zu stellen und komplett vom Rest Großbritanniens abzuriegeln. An der Verlaufslinie des ehemaligen Hadrians-Walls (welchen die Römer einst als Schutz vor den Pikten errichteten) wird eine unüberwindbare Mauer mit Todeszone errichtet. Niemand darf Schottland verlassen Es herrscht Flugverbot und auch die Küsten werden komplett abgeriegelt. Das Land versinkt im Chaos. Diejenigen, welche nicht sofort von der Seuche getötet werden, bringen sich gegenseitig um, fallen andern Krankheiten zum Opfer oder verhungern. Selbst kannibalistische Auswüchse  können beobachtet werden (wie uns die Erzählerstimme Malcolm McDowells aus dem „Off“ berichtet). Irgendwann verlöschen auch die letzten Totenfeuer.

Zwanzig Jahre später. Eden Sinclair ist inzwischen eine knallharte Elite-Polizistin, welche immer noch vom ungewisse Schicksal ihrer Mutter beschäftigt wird. Als das mörderische Reaper-Virus im übervölkerten London erneut ausbricht, stellt die britische Regierung fest, dass es in einigen Gegenden Schottlands wohl doch noch Leben gibt. Wenn also Personen überlebt haben, so die Schlussfolgerung, dann haben sie wahrscheinlich ein Gegenmittel entwickelt. Schließlich war auch einer der führenden Virologen, Dr. Kane (Malcolm McDowell), zu jener Zeit in Schottland. Ein kleines Spezialteam aus Soldaten und Wissenschaftlern soll nach Schottland fahren und entweder versuchen, das Gegenmittel zu finden oder Kontakt zum möglicherweise noch lebenden Dr. Kane herzustellen. Es wird eine Reise in die Hölle. In Glasgow hat sich eine brutale, archaische Gesellschaft entwickelt, die punk-artigen Marauder, die jeden Töten, der nicht zu ihnen gehört und auch kannibalistischen Snacks gegenüber nicht abgeneigt sind. Anführer ist der skrupellose und wahnsinnige „Sol“. Stets begleitet von seiner Geliebten und „rechten Hand“ „Viper“ (Lee Ann-Liebenberg) Die Marauder führen dazu, dass Eden’s Truppe bereits relativ früh schmerzhaft ausgedünnt wird. Als nächstes stellt man fest, dass Kane tatsächlich noch lebt. Mit Hilfe seiner Tochter (Myanna Buring) geht die Reise weiter in den hohen Norden. Hier treffen sie auf eine Gesellschaft, die sich unter Kanes Führung zu einer mittelalterlichen Lebensweise zurückentwickelt hat Jegliche Technik ist verdächtig und auch hier herrscht das brutale Recht des Stärkeren. Das muss auch Eden durch einen tödlichen Kampf in der Arena gegen Kane’s obersten Scharfrichter „Telamon“ erfahren. Doch während in London bereits Chaos und Anarchie ausbrechen, bleiben die wichtigsten Fragen: Gibt es ein Gegenmittel? Und wie entgeht man Kane’s eisernem Griff und entkommt zurück in die Zivilisation? Und was ist mit den Marauders, die angeführt von einem vor Wut rasenden Sol (Eden hatte Viper getötet) auf Blutrache aus sind?

Regisseur Neil Marshall machte erstmals 2002 mit seinem äußerst gelungenen, Low-Budget-Horrorfilm „Dog Soldiers“ auf sich aufmerksam, der die eigentlich simple Prämisse „Soldaten im Hochmoor treffen auf einen Werwolf-Clan“ behandelte. Mit wenig Geld schuf er einen überzeugenden Horror-Action Hybriden. 3 Jahre später übertraf er sich dann sogar noch mit dem unglaublich spannenden, klaustrophobischen und brutalen „The Descent“, einem der besten Horrorfilme der letzten 20 Jahre. Als er danach ankündigte einen apokalyptischen Endzeitfilm drehen zu wollen, düster, blutig, actionreich und in Schottland spielend, waren die Erwartungen dementsprechend hoch. Und was soll man sagen? Neil Marshall lieferte auf ganzer Linie. „DOOMSDAY“ ist rasant, mit großartiger Action vollgestopft und teilweise sehr brutal und blutig. Pures Actionkino in Perfektion. Die Flucht vor den Maraudern in Glasgow ist ebenso gekonnt in Szene gesetzt wie Eden Sinclair’s großer Kampf in der Burgarena in Edinburgh. Und die finale Verfolgungsjagd (welche allerdings in Südafrika gedreht wurde)  ist eine der besten und rasantesten seit Mad Max als „Road Warrior“ über die Highways Australiens bretterte. Untermalt wird die Szene passenderweise von „Frankie Goes To Hollwood’s“ Song „Two Tribes“. Teilweise ist die Action dann auch so blutig, dass die deutsche Zensur erhebliche Probleme mit dem Film hatte (und jetzt soll mir bitte keiner mit dem Spruch kommen „In Deutschland gibt es ja keine „Zensur“). Während  in der Kinofassung „lediglich“ ca. 1 Minute einer (einigermaßen drastischen) Kannibalismus-Szene fehlte, wurde bei der DVD/Bluray-Veröffentlichung erneut zugeschlagen. Bis auf die finale Verfolgungsjagd blieb (in der FSK-18 Fassung!) keine Actionszene unangetastet. Dieser Torso eines Films ist natürlich absolut unansehnlich und tunlichst zu vermeiden. Genauso wenig empfiehlt es sich, allzu sehr über die durchaus vorhandenen Logiklöcher nachzudenken. Die Devise heißt: Hirn abschalten und sich die brachiale Action um  Augen und Ohren prügeln  lassen

Auch die Besetzung ist durchaus als „gelungen“ zu bezeichnen. Abgesehen von ihrem durchaus schmeichelhaften Äußeren zeigt (die u.a. auch als ehemalige Lara Croft-Verkörperung bekannte) Rhona Mitra genug Härte und „toughness“, um als knallharte Einzelkämpferin zu überzeugen. Weitere ihrer Filme waren "Highwaymen", "Skinwalkers", "Underworld 3" oder "Shooter". Die Tatsache, dass im Film ein "Dr. Kane" von einem, wie immer passend besetzten Malcolm McDowell, gespielt wird, ist ein erster, dezenter Hinweis, dass man Dr. Kane vielleicht nicht unbedingt trauen sollte. Bob Hoskins als Eden’s Vorgesetzter hat vielleicht etwas zu wenig Screentime, um vollends zu überzeugen, hinterlässt in seinen wenigen Auftritten aber dennoch einen positiven Eindruck. Überraschend gut als Fiesling hat mir David O’Hara als skrupelloser Sicherheitschef „Canaris“ gefallen. Der Kerl braucht (im Original) nur einen Satz mit seiner genialen Stimme zu sagen, und man bekommt prompt eine Gänsehaut. Und auch Craig Conway (u.a. „Dog Soldiers“) und die südafrikanische Lee Ann-Liebenberg (Schauspielerin, Model & Stuntfrau) als wirklich bösartiges Paar Sol & Viper liefern eine hervorragende Show ab. Aus „The Descent“ brachte Marshall in diesem Film die Darstellerinnen Myanna Buring und Nora-Jane Noone unter. In einer weiteren Rolle kann man schließlich Alexander Siddig in der Rolle des Premierministers entdecken, den der eine oder andere vielleicht noch als „Dr. Julian Bashir“ aus der Serie „Deep Space Nine“ kennt. Witzig an dieser Besetzung jedoch ist, das Siddig der Neffe von Malcolm McDowell ist.

Ich erwähnte ja bereits (und kritisierte ein wenig), dass „DOOMSDAY“ sich ungehemmt bei diversen anderen Streifen bedient. Im Folgenden dürfte es interessant sein, zum besseren Verständnis einmal die Haupt-„Inspirationsquellen“ von „DOOMSDAY“ ein klein wenig aufzudröseln (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

 

  • "John Carpenter’s Escape from New York“ („Die Klapperschlange“ 1981): Die Grundidee der abtrennenden, gewaltigen Mauer, die ein bestimmtes Gebiet gnadenlos abriegelt . Fluchtversuche sind gleichbedeutend mit Selbstmord. Die einäugige Protagonistin ist (auch charakterlich) ein Spiegelbild „Snake Plisskens“. Für den zu erledigenden Auftrag gibt es jeweils nur äußerst knapp bemessenen Zeitrahmen. Sowohl Plissken als auch Sinclair müssen sich in einem Gladiatoren-ähnlichen Zweikampf bewähren. Zu guter Letzt trägt eine der Personen in „DOOMSDAY“ sicherlich nicht zufällig den Namen „Carpenter“.

  • “Mad Max” (1979) / „The Road Warrior“ („Mad Max 2” 1982) / “Mad Max Beyond Thunderdome“ (1985): Die finale, aufwendige Verfolgungsjagd mit hochgezüchteten und äußerlich abgeänderten „Autos“ ist natürlich ein eindeutiges Zitat aus “The Road Warrior“, bzw. „Mad Max Beyond Thunderdome“. Auch das Fantasy/Punk-Outfit der Marauder ist an die beiden späteren „Mad Max“-Filme angelehnt.

  • "The Omega Man”(1971)/ “The Ultimate Warrior” (“Krieger der Apokalypse” 1975)/ “Ravagers” (“Zum Überleben verdammt” 1975)/ I am Legend (2007) / „A Boy and his Dog“(„Der Junge mit dem Hund“ 1975): Verschiedene, nicht immer komplett zutreffende Markenzeichen sind: Einzelkämpfer in einer apokalyptischen Endzeitwelt. (Fast) menschenleere Städte sind teilweise von Pflanzen überwuchert und gelegentlich von bestimmten Tierarten „in Beschlag genommen“. Überlebende degenerieren zu brutalen Stämmen, bei denen nur das Recht des Stärkeren zählt. Kannibalismus ist teilweise eine durchaus gängige Praxis

  • “28 Days Later” (2002)/ Contagion (2009) und –zig andere Filme über Pandemien.

  • “The Warriors” (1979): Laut Regisseur Marshall gefielen ihm die harten und von Gewalt durchzogenen Filme Hill‘s, insbesondere die Gang-Kriegsführung in “The Warriors”. Die Szene als Eden und ihre Leute in Glasgow vor den nachsetzenden Maraudern flüchten und unbedingt einen abfahrbereiten Zug erreichen müssen, erinnert an ähnliche Szenen aus Hill‘s „The Warriors“ und. „Streets of Fire“ (1984). Kurz vor der Kannibalismus-Szene kann man in der Meute der Marauder einen Teilnehmer im genauen Outfit der „Baseball Furies“ aus „The Warriors“ entdecken!

  • Musik-Video “Wild Boys” von Duran Duran (1984): Laut Neil Marshall sind auch die Atmosphäre und die Outfits im Video in das Design der „Marauder“ mit eingeflossen

  • “Gladiator”(2006). Der Zweikampf Eden gegen Telamon. Hier, wie in „Gladiator“ und „Die Klapperschlange“, werden die Charaktere durch Zweikämpfe auf die Probe gestellt

 

Wie man sieht, sind es zahlreiche Filme, bei denen man bestimmte Vorbilder entdecken kann. Ich bin sicher, bei genauerer Betrachtung lassen sich noch weitere Beispiele finden, aber das würde jetzt eventuell zu sehr ins Detail führen.

Ein Wort noch kurz zur Musik. Teilweise ist die Musik sehr an Carpenters effektive Minimalkompositionen angelehnt (insbesondere natürlich auch „“Escape from New York“), teilweise symphonisch mit dem dazugehörigen Orchestersound. Auch einige typische 80er-Songs werden sehr effektiv untergebracht (Frankie Goes To Hollywood, Fine Young Cannibals, Siouxie and the Banshees)

Was bleibt also unterm Strich? Ein richtig knalliger SciFi-Action-Horror-Streifen dem man jedem Genre-Freund in seiner ungekürzten Fassung nur wärmstens empfehlen kann und bei dem man von Anfang bis Ende bombig unterhalten wird. „DOOMSDAY“ ist ein echter Kracher, vollgepackt mit teils recht blutiger Action, knüppelharten Fights und rasanten Jagden zu Fuß und per Auto. Das perfekte Beispiel für einen Film, der einfach Laune macht, und den man sich nicht dadurch verderben sollte, dass man zu sehr auf eventuelle Logiklöcher achtet.

Aus Fairness gegenüber den großen Meisterwerken der Filmgeschichte von Leuten wie Ford, Hawks, Peckinpah, Leone etc. und wegen eines leichten Punktabzugs aufgrund mangelnder Originalität erhält „Doomsday“ nur FAST die Höchstwertung mit 9 von 10 Punkten!

 

"If you're hungry,,,why don't ya try a piece of yer friend?!"

 

9/10
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Kommentare

14.08.2014 00:18 Uhr - Entertainmentz
DB-Helfer
User-Level von Entertainmentz 8
Erfahrungspunkte von Entertainmentz 930
Ich bin Sprachlos. Eine wundervoll geschriebene Review, du Lust vermacht, den Film zu sehen. Einfach nur Wow

14.08.2014 14:14 Uhr - Kable Tillman
4x
DB-Helfer
User-Level von Kable Tillman 12
Erfahrungspunkte von Kable Tillman 2.206
Wow, das ist fast schon zu umfangreich für ein Review. Das ist ein richtiges Essay zu "Doomsday". Aber ein wirklich sehr sehr gutes, wovon sich viele Autoren (nicht nur von dieser Seite!) eine Scheibe abschneiden können. Sprachlich hervorragend formuliert, treffend, clever, informativ und äußerst lesenswert. Kann man nur weiterempfehlen und sich ausgedruckt übers Bett hängen. Top!

14.08.2014 21:27 Uhr - sonyericssohn
Moderator
User-Level von sonyericssohn 20
Erfahrungspunkte von sonyericssohn 8.936
Tja ich halt jetzt meinen Rand. Wurde schon alles gesagt. *klick*

16.08.2014 01:58 Uhr - Tom Cody
DB-Helfer
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Erfahrungspunkte von Tom Cody 9.158
Danke sehr,da werd' ich ja schon fast rot.
Ich hoffe nur, dass wir bald auch im Kino mal wieder was von Neil Marshall erleben dürfen...

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