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Die rote Dame

Originaltitel: La Dama rossa uccide sette volte

Herstellungsland:Deutschland, Italien (1972)
Genre:Horror, Thriller
Alternativtitel:Red Queen Kills 7 Times, The
Blood Feast
Corpse Which Didn't Want to Die, The
Feast of Flesh
Horror House
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,40 (5 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Eine alte Legende erzählt von einer schwarzen Königin, die die rote Königin, ihre Schwester, im Streit töten wird. Doch letztere wird nicht in ihrem Grab ruhen, sondern zurückkehren und sieben Menschen umbringen. Ihr letztes Opfer wird die verhasste Schwester sein...
Die beiden Schwestern Kitty und Evelyn sind seit jüngster Kindheit zerstritten. Bei einem Handgemenge passiert ein Unfall und Evelyn stirbt. Um den Totschlag zu vertuschen, wird die Leiche im Kellergewölbe versteckt und angegeben, dass Evelyn spurlos in den USA verschwunden sei. Als in Kittys Umgebung plötzlich Morde passieren, steht die Polizei vor einem Rätsel. Alle Indizien deuten auf Kittys Liebhaber, ihren Boss Martin Hoffmann. Die Zeugen sprechen jedoch von einer Frau im roten Umhang, die Evelyn zum verwechseln ähnlich sieht... (Eyecatcher Movies DVD-Cover)

eine kritik von mynan:

Eine alte Legende handelt von zwei zerstrittenen und verfeindeten Schwestern, nämlich einer schwarzen und einer roten Königin. Die schwarze Königin tötete die rote Königin im Streit. Doch die rote Königin kehrte zurück und tötete sieben Menschen, als letzte davon die schwarze Königin.


Diese Legende wird den beiden Schwestern Kitty und Evelyn von ihrem Großvater erzählt. Kitty und Evelyn hassen einander inständig, und bei einem Jahre später stattfindenden Handgemenge zwischen beiden kommt Evelyn zu Tode. Ein Unfall zwar, jedoch vertuscht die Familie den Vorfall und versteckt die Leiche im Kellergewölbe des Schlosses, dem Wohnsitz der Familie. Bald jedoch geschehen die ersten Morde, verübt von einer Frau im roten Umhang und einem wahrlich irren Lachen...


Emilio Maraglia ("Die Nacht, in der Evelyn (!) aus dem Grab kam", der Vorgänger zu diesem Werk) inszenierte "The red queen kills seven times" im Jahr 1972 als seinen letzten Film in einer nicht sehr umfangreichen Filmographie, die in den 60´er Jahren ihren Anfang fand. Das kleine, aber nichtsdestotrotz feine Werk vereint viele der klassischen Zutaten des Giallo der damaligen Zeit: stylish und atmosphärisch in Szene gesetzte und teils auch recht blutige Morde, schwelgerische, teils schrille Dekors und auffällige Farbdramaturgie, wunderschöne Frauen  und immer wieder wechselnde Verdächtige und falsche Spuren und Fährten, was zum fleißigen Miträtseln einlädt, jedoch so manches Mal auch Handlungsfäden, die im Nichts zerfasern und eine nicht immer ganz schlüssige Geschichte, des weiteren oftmals etwas an den Haaren herbeigezogene, banale/seltsame/konstruiert wirkende Mordmotive. Aber daran sollte man sich als dieser Gattung Film zugeneigter Betrachter nicht unbedingt stören. Gewürzt ist das ganze im vorliegenden Fall noch mit einer ordentlichen Portion Gruselkrimi.

"The red queen kills seven times" offenbart die Lösung klassischerweise erst ganz am Ende. Zwar hat man eigentlich nie die Möglichkeit, vollständig selbst darauf zu kommen, das tat meinem Sehvergnügen aber keinen größeren Abbruch. Der Film ist zudem recht temporeich und spannend inszeniert; Längen gab es für mein Empfinden eigentlich keine.

Was den Film für den deutschen Zuschauer noch zusätzlich interessant machen dürfte, ist die Tatsache, dass er in Deutschland gedreht wurde, wohl in der Gegend um Würzburg, auch wenn die Autos der Protagonisten andere Kennzeichen tragen. Das Familienschloss stellt eine pittoreske und ungemein beeindruckende Kulisse dar. "The red queen kills seven times" hat zudem einen tollen, passenden Soundtrack und hier vor allem eine Titelmelodie, die sich ruckzuck in meine Gehörgänge eingeschlichen hat und diese für längere Zeit partout nicht mehr verlassen wollte.

Die Eyecatcher-DVD hat ein ordentliches Bild und immerhin den kompletten Soundtrack mit an Bord. Die in der deutschen Videofassung fehlenden Passagen sind hier mit deutschen Untertiteln versehen.

Großer Wermutstropfen ist die lieblos dahingeschluderte deutsche Synchronisation, die nicht nur teils verwaschen und akustisch schwer verständlich ist, sondern einiges verfälscht wiedergibt oder gleich komplett unterschlägt. Ein echtes Ärgernis also. Hier ist die ebenfalls vorhandene englische Tonspur ganz klar zu bevorzugen, auch wenn hier keine Möglichkeit besteht, deutsche Untertitel zuzuschalten. Die heftig gekürzte deutsche Videofassung, die sich ebenfalls auf der Eyecatcher-DVD befindet, sollte man am besten ganz meiden. Diese eignet sich bestenfalls zum Kopfschütteln und als Mahnmal, wie lieblos hierzulande mit diesem Film umgegangen wurde. Hier wurde u.a. ein Großteil des Vorspanns, der sich mit der für den Film wichtigen o.g. Legende befasst, rigoros getilgt, was für mich völlig unverständlich ist.

Die Darstellerriege weiß zu überzeugen. Zu nennen sind hier stellvertretend Barbara Bouchet (Der Clan der Killer, Milano Kaliber 9), Marina Malfatti (Das Rätsel des silbernen Halbmondes), Ugo Pagliai (Der Mann ohne Gesicht), sowie eine an akutem Bekleidungsengpass leidende Sybil Danning. Stellenweise leichtes Overacting fällt hier nicht übertrieben negativ auf. Es gibt auch ein Wiedersehen mit dem vielbeschäftigten Rudolf Schündler, dessen beeindruckende Filmographie von diversen "Pauker" und "Heintje"-Filmen bis hin zu Rollen in "Der Exorzist" und "Suspiria" reicht.

"The red queen kills seven times" hat meiner Meinung nach zwar nicht die Rafinesse, die Stilistik und Ästhetik von z.B. "Der Killer von Wien", und auch sicherlich nicht die Klasse und den Stil der alten Werken Argentos (z.B. fehlen hier die für Argento typischen entfesselten Kamerafahrten), ist aber trotzdem absolut sehenswert. Freunde des klassischen Giallo oder von Gruselkrimis und Anhänger von "style over substance" können unbesorgt einen Blick riskieren und diese Zeitreise in die 70´er Jahre wagen, wobei ich hier natürlich etwas befangen bin, da ich diese Art von (insbesondere italienischen) Filmen dieser Zeit einfach gerne mag. Manch einer wird "The red queen kills seven times" sicherlich als triviale Kost empfinden, ich hingegen mag diesen Film so, wie er ist.

Total subjektive und mit Nostalgie- und Retro-Bonus versehene 7,5 - auf 8 aufgerundete - Punkte meinerseits.

 

 

 

8/10
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Kommentare

18.09.2014 00:27 Uhr - Dissection78
1x
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Sehr interessant. Den Titel kenne ich zwar, den dazugehörigen Film habe ich bisher aber leider noch nicht gesehen. Hatte den gar nicht mehr auf dem Schirm. Da ich mich zu den Giallo-Freunden zähle, muss ich mal danach Ausschau halten. Da hast Du direkt Neugierde geweckt. Danke :)

18.09.2014 19:25 Uhr - Mynan
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Gern geschehen :-) Ich hoffe, der Film gefällt Dir. Ich hatte vor längerer Zeit eine sehr positive Kritik auf filmtipps.at (eine tolle Seite, finde ich, die mir schon einige Anregungen beschert hat, gerade bzgl. Giallos) über den Film gelesen. Seitdem habe ich den Titel im Hinterkopf behalten und ihn vor kurzem auf einer Filmbörse dann zufällig gefunden. Interessanterweise wird genau das Review aus filmtipps.at auf der Rückseite meiner Eyecatcher-DVD zitiert: "The red queen kills seven times ist eine absulute Perle des Genres" :-)

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