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Stuck

Herstellungsland:Kanada, USA, Großbritannien, Deutschland (2007)
Genre:Drama, Komödie, Thriller
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,00 (3 Stimmen) Details
inhalt:
Krankenschwester Brandi fährt nach einem Disco-Besuch – aufgeputscht durch Alkohol und Drogen – nach Hause. Auf einer einsamen Landstraße übersieht sie einen Mann, den sie mit voller Wucht erwischt. Schwer verletzt schlägt der Fußgänger in der Windschutzscheibe ihres Wagens ein und bleibt dort regungslos liegen. Geschockt und scheinbar unfähig zu helfen fährt sie mit dem Unfallopfer nach Hause, um sich dort in aller Ruhe zu überlegen, was zu tun ist. Noch ahnt sie nicht, dass der verletzte Mann wieder bei Bewusstsein ist und es für Brandi schon bald ums nackte Überleben gehen wird.
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von das-marten:

Monat für Monat vergewaltigen massenweise Filme meine Augen, aber nur selten ist ein richtig Guter dabei. Stuck ist einer dieser Lichtblicke, der, wenn man den Namen der Hauptdarstellerin liest, mittlerweile als Videothekenware abgestempelt sein dürfte, der aber, aufgrund seiner nahezu fehlerfreien Inszenierung, zu überzeugen weiß. Regisseur Stuart Gordon ist zudem kein unbeschriebenes Blatt im Horror- und Thriller-Genre, da er bereits bei bekannten Vertretern wie Re-Animator oder From Beyond auf dem Regiestuhl saß.

 

Story

Es wird das Leben zweier Personen, wie sie unterschiedlicher kaum sein können, gezeigt. Brandi Boski (Mena Suvari) ist Altenpflegerin und steht kurz vor ihrer Beförderung, zudem ist sie glücklich verliebt und führt ein lockeres Partyleben mit Drogen und Alkohol. Tom Bardo (Stephen Rea) hingegen hat gerade alles verloren, zuerst seinen Job und dann seine Wohnung, daher schläft er mittlerweile auf der Straße.

Als Tom bei seiner Schlafplatzsuche über die Straße läuft, wird er von der mit Drogen voll gepumpten Brandi angefahren, die gerade aus einem Club kommt. Er fliegt dabei durch die Windschutzscheibe. Im Schockzustand fährt Brandi weiter, mit Tom in der Windschutzscheibe. Daheim angekommen, lässt sie ihn im Auto liegen, verspricht aber Hilfe. Brandi hält dieses Versprechen jedoch nicht, stattdessen vertröstet sie ihren ungewollten Beifahrer. Die Lage zwischen den Beiden spitzt sich immer weiter zu, Tom versucht anfangs mit allen Mitteln Hilfe zu holen und Brandi versucht diese Situation so zu bewältigen, dass sie am Besten dabei herauskommt, reißt sich aber selbst immer tiefer mit rein.

 

Kritik

Die Realität ist meist grausamer als die Fiktion, dieser Fall hat sich angeblich im Jahr 2001 so ereignet. Regisseur Stuart Gordon hat ihn als Grundlage für seinen Film genommen.

Stuck bietet eine enorme physische und psychische Härte, dass selbst hartgesottene Thriller-Fans, das ein oder andere mal die Äuglein abwenden könnten. Etwas Torture Porn darf selbstverständlich auch nicht fehlen, auch wenn sich dieser gut dosiert versteckt hält. Selbst für eine humorvolle Passage wurde Platz gelassen; die Szene, in der Brandi ihren Freund mit einer anderen Frau erwischt und diese dann auf gewaltsame Weise aus der Wohnung befördert, auch wenn sich das nicht nahtlos an das düstere Gesamtbild des Filmes anpasst. Für Spannung ist die kompletten 82 Minuten über gesorgt. Grund dafür ist auch die sorgfältige Einführung der beiden Hauptcharaktere, die gegensätzlicher kaum sein können und die auch sofort Aufmerksamkeit erzeugen, in positiver und später auch in negativer Hinsicht.

Mit erhobenem Zeigefinger wird hier ständig auf menschliches Verhalten hingewiesen, wobei insbesondere das Fehlen von Zivilcourage angeprangert wird. Dabei sind die ganzen Hinweise irgendwann so deutlich, dass es selbst der hinterletzte Idiot kapiert. Kurzschlussreaktionen, Kettenreaktionen und anfangs bedeutungslose Absichten, entwickeln sich zu einem chaotischen Gerüst. 

Schon zu Beginn, als Tom mit seinem ganzen Hab und Gut (ein paar Klamotten und ein Foto) beim Arbeitsvermittler ist und von diesem dann schnell abgewimmelt wird, spiegeln die Ausweglosigkeit von Tom wieder sowie die formelle, kühle und strenge Bürokratie, die das Menschsein verbietet. Weitere solcher Szenen gibt es auch anschließend zu sehen, so beispielsweise Brandi, die aus Angst vor späteren Folgen mit Tom in der Windschutzscheibe davon fährt und letztendlich immer die falsche Entscheidung trifft, was ihr selbst aber zu keinem Zeitpunkt klar ist. Zusätzlich werden noch andere Personen miteinbezogen, so beispielsweise Brandis Freund, ein Nachbarsjunge oder ein Nachbar, der seinen Hund immer Gassi führt. Auch deren Verhalten passt sich dem von Brandis an, dominierend von anfänglicher Angst, aus der sich Unfähigkeit und Ignoranz entwickeln. Ihre Mischung aus Egoismus und Dämlichkeit macht schließlich alles Zunichte, was sie sich aufgebaut hat. Stuart Gordon erzählt uns in seinem Werk, dass sich ein Mensch nur solange hilfsbereit verhält, wie auch seine eigene Zukunft und sein Selbstwertgefühl davon profitieren.

Im Filmverlauf verändern sich die Situationen der Beteiligten dann plötzlich, was insbesondere bei Brandi auffällt. War sie anfangs noch das junge Mädchen, das die Karriereleiter hinaufsteigt, so verändert der Unfall auch bei ihr so einiges. Auf Arbeit ist sie unpässlich, wird daher des Öfteren von ihrer Chefin ermahnt, schließlich erwischt sie ihren Freund noch mit einer anderen im Bett. Auch ihre Fassade beginnt zu bröckeln, was sie aber mit allen Mitteln zu verhindern versucht und die Schuld dafür schnell in Tom findet. Tom ist hingegen der Mensch, der nur um Hilfe bettelt, diese aber nicht bekommt, außer von Personen, die sich in einer ähnlichen Situation wie er befinden (der Penner zu Beginn). Auch er wird immer mehr ins Aus gedrückt, da er keine Hilfe von außen bekommt, daher nur sich selbst vertrauen kann.

Mena Suvari überzeugt in zwei Rollen: als die Karriereleiter aufsteigende Altenpflegerin und als Killerin, die sich erst durch eine Verkettung unglücklicher Umstände zu dieser verwandelt. Die Frau kann schauspielern, auch wenn es auf die Rolle ankommt, die sie verkörpert, hier klappt es jedenfalls sehr gut. Zudem ist sie in einer freizügigen Bettszene zu sehen. Trotzdem ist es bei Mena Suvari so, dass sie nicht mehr die Rollen in den ganz großen Hollywood-Blockbustern bekommt. Stephen Rea sammelt bereits in den Anfangsminuten die nötigen Sympathiepunkte beim Zuschauer, da er der Mann ist, dem alles genommen wurde und der jetzt Höllenqualen erleiden muss. Auch er verkörpert seine Rolle glaubhaft. Der Rest der Cast bleibt deutlich im Hintergrund, fällt aber auch nicht negativ auf. Auch die Dialoge überzeugen und verfehlen definitiv nicht ihre Wirkung. 

Aufgrund der Atmosphäre, über die der Film verfügt, wirken die ganzen Gewaltszenen noch härter. Hier wird keinesfalls zimperlich mit Toms lädiertem Körper umgegangen. Da werden offene Knochenbrüche gezeigt, ein Flohteppich, der an diesen Knochen rumnagt, oder ein Schreibutensil, das durch ein Auge gerammt wird. Genau diese harten Szenen erhöhen den Druck, der ohnehin schon auf dem Zuschauer lastet, auch wenn man nichts neues oder einfallsreiches vorgesetzt bekommt, was so ein Film aber auch nicht nötig hat. 

Im Gegensatz zu anderen Vertretern dieses Genres, wie beispielsweise Funny Games oder Eden Lake, wird der Zuschauer am Ende von seinen Höllenqualen erlöst. Das soll auch gleichzeitig ein Rüffel sein, an die ganzen Vertreter aus dem Horrorbereich, die scheinbar gar nicht mehr wissen, wie man einen Film beenden kann, ohne dabei gleich mit der Presslufthammermethode vorgehen zu müssen. Stuck schafft es, den Zuschauer trotzdem noch mit einem nachdenklichen Fazit zurückzulassen, genau darin liegt die Kunst. Für Diskussionsbedarf ist definitiv gesorgt.

 

Fazit

Pro Jahr gibt es maximal einen Film, der mich wirklich umhaut, 2009 war es Stuck! Es stimmt einfach alles, man fiebert mit den Protagonisten mit, der Film ist ununterbrochen spannend und auch Kamera, Schnitte und der technische krimskrams stimmen perfekt überein. Obwohl der Regisseur versucht, in jeder noch so kleinen Szene die Grundaussage seines Filmes dem Zuschauer zu verdeutlichen, so kann man diesem Werk wirklich nichts Schlechtes abgewinnen. 

9/10
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Kommentare

21.09.2014 14:18 Uhr - Entertainmentz
1x
DB-Helfer
User-Level von Entertainmentz 8
Erfahrungspunkte von Entertainmentz 930
Keine schlechte Review. Daumen hoch.

21.09.2014 14:27 Uhr - Gorno
1x
DB-Helfer
User-Level von Gorno 13
Erfahrungspunkte von Gorno 2.685
Damals als er frisch auf DVD rauskam hab ich den als Blindkauf mitgenommen. Wurde ebenfalls sehr sehr positiv überrascht. Wirklich genialer Film. Achja.. super Review ;)

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