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Top Secret

Originaltitel: Top Secret!

Herstellungsland:Großbritannien, USA (1984)
Standard-Freigabe:FSK 12
Genre:Komödie, Parodie
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,00 (9 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Nick Rivers (Val Kilmer), ein Rockstar mit 50er-Jahre-Hüftschwung, ist verknallt in Hillary Flammond (lucy Gutteridge), die Tochter eines deutschen Wissenschaftlers, der leider vom bösen Feind gezwungen wird, die ultimative Superwaffe zu entwickeln. Nick und Hillary müssen sich ganz schön beeilen, um diesen teuflischen Plan zu vereiteln - aber keine Angst, es bleibt noch Zeit für ein paar musikalische Einlagen, jede Menge Slapstick und ein bisschen Romantik. (Paramount Home Entertainment)

Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von roderich:

Top Secret ist eine geniale Filmparodie von 1984 , die für deutsche Zuschauer mit Englisch-Kenntnissen gleich DOPPELT lustig sein kann! Quasi zwei Filmkomödien zum Preis von einer!

 

Erschaffen wurde dieses leider weitgehend unbekannte Meisterwerk von dem Regisseur-Trio Jim Abrahams und Jerry & David Zucker, die zuvor schon für den genauso lustigen ‚Airplane!‘ ("Die tollkühne Reise in einem verrückten Flugzeug") verantwortlich zeichneten. Für TOP SECRET hatten sie allerdings ein vielfach größeres Budget und entschlossen sich, die Filmparodie aller Filmparodien abzuliefern, was ihnen auch geglückt ist. Leider wollte das damals trotzdem niemand sehen, was ich nie verstanden habe, denn der Film ist einfach zum Totlachen und man kann ihn immer und immer wieder schauen ohne dass er langweilig würde.

 

Parodiert werden primär Kriegsfilme und Elvis-Filme, eingestreut sind aber auch Parodien auf die Blaue Lagune und Surffilme. Wir folgen dem Helden Elvis, äh "Nick Rivers", gespielt und (toll) gesungen vom ultratalentierten aber menschlich wohl eher unsteten Val Kilmer, der auf ein Kulturfestival nach Ostberlin in der damaligen DDR eingeladen wird, um dort aufzutreten. Dieses Kulturfestival ist allerdings ein Ablenkungsmanöver der bösen DDR-Machthaber, die - geführt von einem General Streck - insgeheim planen, die NATO-U-Bootflotte im Mittelmeer mit einer Magnet-Atommine auszuschalten. Hierfür haben Sie den amerikanischen Professor Flamont entführt und eingesperrt, damit der diese Atommine für sie baut. Doch zufällig trifft Nick Rivers auf Waldtraut, die Tochter Prof. Flamonts und Mitglied der Widerstandsbewegung und gemeinsam gelingt es Ihnen, den Professor zu retten und den Plan zu vereiteln. Dabei erhält Nick immer wieder Gelegenheit, den verknöcherten DDR-Bürgern die Wunder des Rockn'Roll vorzuführen...

 

So weit, so bekloppt.

 

Die Gagdichte ist mindestens auf Augenhöhe mit der von ‚Airplane!’. Wir haben unglaublich aufwändig gestaltete Szenarien (ganze lange Sequenzen wurden rückwärts gedreht, für einen Hintergrundgag wurde eine 5 Meter große Taubenstatue im Park erschaffen, auf der fliegende „Feldherren“ landen um sie vollzupinkeln - also die Umkehrung einer von Tauben vollgekoteten Feldherrenstatue), jede Menge Gags, die Sehgewohnheiten parodieren wie die Großaufnahme einer Uhr (“Die Zeit läuft ab“), die dann beim Rückzoom riesengroß bleibt oder ein perspektivisch grosses Telefon im Vordergrund, das sich, als jemand abnimmt, als völlig überdimensioniert herausstellt usw. Omar Sharif, der 1984 offenbar völlig pleite war und hier diverse Gastauftritte als exotischer Geheimagent hat, wird den ganzen Film über auf das Übelste gequält und lächerlich gemacht und bei einer grossen Kampfsequenz wird so ziemlich jedes Klischee durch den Kakao gezogen, das denkbar ist. Alles super flott geschnitten und gekonnt gespielt. Wir treffen neben Omar Sharif auch Michael Gough (Batmans Butler in den alten Batman-Filmen) oder den inzwischen bekannten Jim Carter, der gerade 2014 für Downton Abbey eine Emmy-Nominierung erhalten hat.

 

Besonders albern ist der Film weil die Macher offenbar unterstellen, dass ihr amerikanisches Publikum eh nicht den Unterschied zwischen DDR und Nazideutschland kennt und die Bösewichter daher als wilde Mischung aus beidem dargestellt werden können. Entsprechend ist das gesprochene „Deutsch“ eine - auch für etwas gebildetere Amerikaner erkennbar - völlige Quatschsprache, die Uniformen könnten direkt aus dem Dritten Reich stammen, Brieftauben haben eiserne Kreuze auf den Flügeln und tragen Pilotenhelme wie in einer ME 109 usw, man besucht das „Café Gey Schlüffen“ usw.

 

Und hier kommen wir zu dem Mehrwert für deutsche Zuschauer: Wie soll man so etwas wie Quatschklischee-Deutsch auf deutsch synchronisieren? Die Antwort gaben Erich Honecker und Walter Ulbricht: Sächsich! Also ultrablödes Supersächsich, newahr? Und wer als deutscher Zuschauer nicht gröhlend auf dem Boden liegt, wenn ein schwarzer (!) Klischeeschaffner im Zug nach Ostberlin die Passagiere auffordert „Haldensemohldiebapierebereit“ der ist vermutlich schon tot…

 

Ein paar Gags traute man sich damals nicht zu übersetzen. So wird aus der angeblichen DDR-Nationalhymne „Heil Heil Ostdeutschland“, in der den Bürgern klargemacht wird, dass sie gar nicht erst versuchen sollen, abzuhauen, weil sie spätestens an der Mauer erschossen werden, auf Deutsch nur zu „Prinz Eugen, der edle Ritter“ ohne aktuelle politische Anspielungen. Und alle - superlustigen - Scherze die Resistance betreffend (alle Namen der Widerstandksämpfer sind natürlich „französisch“, wir treffen jemanden namens Deja Vu, der gleich fragt „‚aven’t we met sometime before, monsieur?“ usw.) wurden getilgt, es gibt also auf Deutsch keinen Hinweis darauf, dass hier die „Resistance“ veräppelt wird.

 

Entschädigt werden wir aber von eigenen, sehr albernen deutschen Gags. Z.B. heisst die Heldin auf Englisch „Hillary - a german name. It means ‚She whose bosom defies gravity‘“ auf Deutsch zu „Waldtraut - ein alter germanischer Name. Er bedeutet: ‚Sie, die sich auch im Wald traut‘! 

 

Es lohnt sich also total, Top Secret! gleich zweimal zu schauen: Einmal auf Deutsch, einmal auf Englisch! Ein auch heute noch absolut lustiger und unheimlich flotter, teilweise politisch herrlich unkorrekter Superspaß, der noch dazu ein paar schöne Rock’nRoll-Parodien zur Auflockerung bieten kann. 

10/10
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