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Sibirische Erziehung

(Originaltitel: Educazione siberiana)
Herstellungsland:Italien (2013)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Drama
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,75 (4 Stimmen) Details
inhalt:
Kolyma und Gagarin sind beste Freunde. Gemeinsam wachsen sie unter der Aufsicht von Großvater Kuzya in einem verlassenen Winkel der Sowjet- union auf. Sie gehören den Urki an, einem aus Sibirien stammenden Ver- brecherclan. Gemeinsam gehen die Jungen durch die Schule des ehren- haften Verbrechens, wie die Urki es verstehen. Sie lernen Diebstahl,
Banditentum und den Umgang mit Waffen. Großvater Kuzya wacht über die Einhaltung des strengen Ehrenkodex, der seit Generationen im Clan herrscht. Doch sieben Jahre im Gefängnis machen aus Gagarin einen ein- samen jungen Mann, der dem Reiz des schnellen Geldes durch unehrenhafte Verbrechen erliegt. Die ehemaligen Freunde stehen sich schließlich als Todfeinde gegenüber, getrennt durch den Ehrenkodex des Clans …
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von qusp:

Der Film ist zwar laut Titel eine Verfilmung des gleichnamigen Buches, leider hat er damit jedoch kaum etwas zu tun. Ich bewerte den Film sowohl als selbstständigen Film als auch als Buchverfilmung.

 

Der Film an sich:


Die Darsteller agieren soweit akzeptabel, John Malkovich überzeugt wie auch die eher unbekannteren baltischen Schauspieler. leider können diese auch nicht gegen die hanebüchene Handlung ankommen. Man hat eher das Gefühl, daß dies ein harmloser Jugendfilm ist, lediglich ein paar eingestreute Mord- und Gewaltszenen täuschen darüber nicht hinweg. Immerhin geht es hier um die Darstellung von Kriminellen, nicht um ein paar Jugendliche, die mal eben ein paar kleinere Diebstähle begehen. So sieht es hier jedoch aus.

Natürlich bleibt dem Zuschauer auch eine Liebesgeschichte nicht erspart, die - wie ich weiter unten noch schreiben werde - aus dem Kontext heraus totaler Unsinn ist.

Die Figuren sind sehr oberflächlich gezeichnet und man bekommt so gut wie nichts von der kriminellen Subkultur und ihren interessanten Schattierungen mit.

Über eine Szene mußte ich besonders den Kopf schütteln, aber diese war notwendig, um die verkorkste Handlung endlich zum Ende zu führen. Der Protagonist läßt mitten im Tschetschenienkrieg einen Gefangenen frei und folgt dessen Spur, bis er zu seinem ehemaligen Freund kommt, mit dem er sich den Endkampf abliefert. Es ist zwar Krieg und überall Gefahrengebiet, aber natürlich hat unser Protagonist dennoch die Möglichkeit, unbehelligt durch den Wald zu rennen, in einer Hütte den mittlerweile zum Feind übergelaufenen ehemaligen Freund zu treffen, wo auch nur dieser ist und dann wieder zurückzugehen. Logik? Realismus? Nicht vorhanden.


Dann zum Film als Buchverfilmung:

Hier versagt er einfach auf ganzer Linie. Er ist eine Mischung aus Handlungselementen aller drei Bücher des Autors, "Sibirische Erziehung" stellt zwar den Hauptanteil, dennoch werden unpassenderweise auch die Elemente der anderen Bücher reingewurschtelt.


Ich kann das Buch sehr empfehlen, es bietet Einblick in eine vielschichtige kriminelle Subkultur und die interessante Geschichte des Nicolai Lilin, leider kratzt der Film hier nur an der Oberfläche und stellt zudem auch den Großteil völlig falsch da. Wie bereits erwähnt wirkt alles wie ein harmloser Jugendfilm, dabei waren die realen Ereignisse wohl alles andere als harmlos.

Hier einige der völlig unsinnigen Abweichungen:

- Kolima hat keine unerfüllte Liebesneigung zu der geistig behinderten Xenia, die im Buch zudem auch anders heißt(Ksjuscha), da die Urki schon wissen, daß sie die "Gottgewollten" mit besonderer Obacht behandeln und über diese wachen. Er hat eine Liebesbeziehung zu der Tochter eines Händlers, diese taucht im Film jedoch nicht auf. Die Figur der Xenia erhält unnötig viel Raum im Film, im Buch wird Ksjuscha keineswegs in diesem Umfang geschildert.

- Xenia wird auch nicht von seinem Freund Gagarin ermordet, sondern von einer anderen kriminellen Bande, was zu einer umfangreichen Ermittlung und Racheaktionen führt

- dementsprechend ist auch der Kampf mit Gagarin unsinnig

- die Sache mit den Tättowierungen wird leider nur sehr oberflächlich behandelt und dazu auch kaum authentisch dargestellt. Dabei sind die Tättowierungen für die Urki eines der Hauptelemente ihrer Kultur.

- das Gefängnis wird viel zu verharmlosend dargestellt und entspricht überhaupt nicht den Schilderungen im Buch. Es werden keine Konflikte, Beziehungen zur Außenwelt usw. dargestellt, die jedoch sehr wichtig sind.

- der Tschetschenienkrieg kommt erst im Nachfolgebuch "Freier Fall" vor, nicht in "Sibirische Erziehung". Die Einziehung von Kolima kommt im Film überhaupt nicht vor. Zudem ist er nicht nur einfacher Soldat, sondern Saboteur.

 

Fazit:

Der Film versagt sowohl als eigenständiger Film als auch als Literaturverfilmung. Er ist ein oberflächliches, unsinniges Machwerk, welches die sehr interessante Welt der Urki als ehrbare Kriminelle nicht mal ansatzweise umreißen kann. Stattdessen liegt der Fokus auf einer unerfüllten Liebesgeschichte, einer falsch dargestellten dramatisierten Freundschaft und etwas gemeinsamen Spaß bei Herumgetobe im Schneegestöber zwischen Plattenbauten im Baltikum, wo der Film gedreht wurde. Die vielschichtige und oft auch düstere Welt der Urki hätte durchaus guten Filmstoff geboten, jedoch wird das grandios in den Sand gesetzt.

In den Extras bekommt man zwar immerhin mal Nicolai Lilin zu sehen, warum er allerdings diese völlig verfälschte Darstellung seines Buches auch noch begleitet hat, ist unklar.

Ich kann den Film also nicht weiterempfehlen, weder als Buchverfilmung noch als eigenständiges Machwerk.

1/10
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Kommentare

04.10.2014 18:32 Uhr - sonyericssohn
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Sehr schön. Von mir aus könnte es so weitergehen.

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