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Phantom Kommando

(Originaltitel: Commando)
Herstellungsland:USA (1985)
Standard-Freigabe:FSK keine Jugendfreigabe
Genre:Action, Thriller
Alternativtitel:Phantom Kommando, Das
Phantom Commando
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,94 (190 Stimmen) Details
inhalt:
Da ist die Terrorbande wohl an den Falschen geraten. Um John Matrix (Arnold Schwarzenegger), ehemals Kommandant der geheimen Eliteeinheit "Silver Stars", unter Druck zu setzen, entführt sie seine Tochter. Er soll die Putschpläne seines Erzfeinds, eines südamerikanischen Ex-Diktators unterstützen. Doch wer sich mit Matrix anlegt, kriegt es mit einer Ein-Mann-Armee zu tun, die nicht mehr zu stoppen ist, wenn sie sich einmal in Marsch gesetzt hat.
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von punisher77:

PHANTOM KOMMANDO

 1985 war das Jahr des Sylvester Stallone. Mit Rambo II – Der Auftrag und Rocky IV – Der Kampf Des Jahrhunderts hatte der „Italian Stallion“ zwei Filme in die Kinos gebracht, die zusammen weltweit über 600 Millionen Dollar einspielten. Stallone stand auf dem Gipfel seiner Karriere und hatte sich spätestens jetzt als führender Actionstar etabliert. Aber Arnold Schwarzenegger sollte ihm diesen Rang sehr bald streitig machen. Mit Conan, Der Barbar (1982) und Terminator (1984) konnte er auf zwei echte Kassenhits verweisen, aber so richtig fest im Sattel saß der ehemalige „Mister Universum“ noch nicht: Sein zweiter Film Conan, Der Zerstörer (1984) war hinter den finanziellen Erwartungen zurückgeblieben und der 1985er Fantasystreifen Red Sonja war völlig gefloppt. Zeit also, Lendenschurz und Breitschwert beiseite zu legen und in Stallones Revier zu wildern: Phantom Kommando ist nicht nur Schwarzeneggers erster richtig zeitgenössischer Actionfilm (Terminator hatte ja noch ein Science – Fiction – Element), sondern weist auch Parallelen zu Slys Rambo – Filmen auf.

 Das Drehbuch zu Phantom Kommando stammt von Jeph Loeb und Matthew Weisman. Zunächst interessierte sich niemand für das Skript, aber nachdem die beiden das Drehbuch für den Kinohit Teen Wolf  (1985) geschrieben hatten, fanden sie mit Produzent Joel Silver (Lethal Weapon 1 – 4, 1987 – 1998) einen Abnehmer für Phantom Kommando. Silver gefiel das Drehbuch, allerdings fehlte ihm etwas Humor, weshalb er das Drehbuch noch einmal von Steven E. De Souza (Nur 48 Stunden, 1982) überarbeiten ließ.

Ursprünglich sollte Vernon Wells (Mad Max II – Der Vollstrecker, 1981) die Rolle der Hauptfigur John Matrix spielen, doch dann fand Silver einen besseren Darsteller: Arnold Schwarzenegger. Er hatte ihn 1984 auf der ShoWest Convention in Las Vegas getroffen, wo ihm die Auszeichnung „International Star Of The Year“ verliehen wurde. Silver schickte das Phantom Kommando – Drehbuch Schwarzeneggers Publizistin Charlotte Parker, die die „steirische Eiche“ zu dem Projekt überredete. Vernon Wells bekam dafür die Rolle des Schurken Bennet. Mit der Regie beauftragte man Mark L. Lester, der mit Die Klasse Von 1984 (1982) und Feuerkind (1984) zwei solide Kinohits gedreht hatte. Die weibliche Hauptrolle bekam Rae Dawn Chong und Schwarzeneggers Filmtochter wurde Alyssa Milano gespielt, die man aus der TV – Sitcom Wer Ist Hier Der Boss (1984 – 1992) kennt.

Das Budget des Films betrug zehn Millionen Dollar. Die Dreharbeiten dauerten vom 22. April bis zum dritten Juli 1985. Gedreht wurde in Kalifornien und auf einer Insel an der Pazifikküste, wo der Showdown inszeniert wurde. Die meisten Stunts musste Arnold Schwarzenegger selbst drehen, da es keinen Stuntman mit seinem Körperbau gab. Abgesehen von ein paar leichten Blessuren trug Arnie keine Schäden davon.

 In Phantom Kommando verkörpert Arnold Schwarzenegger den Ex – Elitesoldaten John Matrix, der ruhig und zurückgezogen mit seiner Tochter Jenny (Alyssa Milano) in den Bergen lebt. Obwohl er seinen Job an den Nagel gehängt hat, wird Matrix gezwungen, den Schießprügel wieder auszupacken. Sein ehemaliger Kriegskamerad Bennet (Vernon Wells) entführt im Auftrag eines Diktators seine Tochter. Um sie lebend wiederzusehen, muss Matrix den Präsidenten der fiktiven Bananenrepublik Val Verde ermorden, dem er einst zur Macht verhalf. Da Matrix nur zu gut weiß, dass der Terrorist seine Tochter nach Erledigung des Jobs ohnehin töten würde, flüchtet er aus dem Flieger nach Val Verde. Ihm bleiben elf Stunden Zeit, um Jennys Leben zu retten …

 Phantom Kommando ist für mich  – zusammen mit Rambo II – Der Auftrag (1985), Death Wish III (1985) und Die City – Cobra (1986) ein Paradebeispiel für den klassischen 80er Jahre – (B -)Actionfilm, in dem der Bizeps und das Waffenarsenal des Hauptdarstellers wichtiger waren als die Story. Der von Mark L. Lester inszenierte Actionknaller bietet eine papierdünne Alibi – Story, etliche Filmfehler und Logiklöcher sowie teilweise grenzwertige Dialoge, was aber hier kein Nachteil ist, sondern extrem zum Unterhaltungswert des Streifens beiträgt. Bei Filmen wie Phantom Kommando fragt man ohnehin eher nach der Action und den Onelinern und was das angeht, macht der Streifen im Grunde alles richtig. Arnold Schwarzenegger ist als John Matrix eine fleischgewordene Comicfigur, die in einem Einkaufszentrum Dutzende von Polizisten verprügelt und keine Schusswaffe nachladen muss.

Das absolute Highlight des Films ist Matrix´ gut fünfzehnminütiger, packend inszenierter Sturm auf die Insel, auf der seine Filmtochter festgehalten wird. Hier plättet Schwarzenegger eine zweistellige Anzahl von Feinden mit Maschinengewehren, Pistolen, und Granatwerfen. Und sollte mal keine Schusswaffe  zur Hand sein, tun es auch mal Äxte, Mistgabeln oder gar Sägeblätter. Mark L. Lester zieht hier alle Register seines Könnens und bietet den Fans einen der besten und spektakulärsten Showdowns der 80er Jahre, der Schwarzenegger in fast jeder Einstellung mit neuer Waffe zeigt.

Was Phantom Kommando neben seiner bleihaltigen, kompromisslosen Action auszeichnet ist die Tatsache, dass sich der Film nicht allzu ernst nimmt. Während sich z. B. Rambo II – Der Auftrag ziemlich ernst nimmt, wahren Schwarzenegger und seine Crew eine gesunde, ironische Distanz zu ihrem Werk. Die oftmals rohe Gewalt des Films wird durch einige coole Schwarzenegger – Sprüche und eine Menge witziger, skurriler Einfälle abgemildert wird – so reißt Matrix z.B. eine Telefonzelle aus der Verankerung, in der der Feind gerade telefoniert.

 Auch wenn Matrix ein „normaler Mensch“ ist und kein Killerroboter aus der Zukunft, so ist er doch eher eine Art fleischgewordene Comicfigur mit übernatürlichen Fähigkeiten: Er kann den Feind gegen den Wind riechen, einen Sprung aus einem startenden Flugzeug in einen knietiefen Tümpel überleben und wenn doch mal ein Projektil seine Haut aufreißt, juckt ihn das auch nicht. Und der Erfolg von Phantom Kommando zeigt, dass das Publikum Mitte der 80er Jahre nach genau solchen Helden verlangte. Überhaupt war Schwarzenegger immer dann am erfolgreichsten, wenn er in Filmen mit Fantasy / Science – Fiction – Hintergrund agierte und / oder Figuren wie John Matrix spielte, die einfach größer als das Leben waren.

 Vieles an Phantom Kommando erinnert – wie bereits erwähnt – an Rambo II. Die Helden beider Filme tragen den gleichen Vornamen, sind absolute Elite – Soldaten und nehmen es im Finale mit einer absoluten Übermacht auf. Allerdings war Phantom Kommando für viele Kritiker weitaus weniger ärgerlich als Rambo II, da Schwarzeneggers Film – im Gegensatz zu Stallones Werk – unpolitisch war.

Dass der Film das amerikanische Publikum trotzdem erreichen konnte, lag daran, dass es in Phantom Kommando um den Erhalt der heilen Familie geht. Das ist nicht nur ein amerikanischer Grundwert, sondern auch ein Thema, dass Schwarzenegger persönlich sehr am Herzen lag. Nachdem er für seine Tochter über Leichen gegangen war, denkt Matrix nicht daran, wieder in die Armee zurückzukehren. Das idyllische Familienleben mit seiner Tochter und seiner neuen Freundin ist ihm wichtiger.

 Phantom Kommando spielte weltweit über 57 Millionen Dollar ein. Damit kam Schwarzen-egger zwar nicht gegen die 300 Millionen an, die Rambo II weltweit einspielte, aber trotzdem zementierte der Film Schwarzeneggers Ruf als Kassenmagnet, da diese Summe im Vergleich zum Budget von zehn Millionen Dollar ein enormer Erfolg war. Phantom Kommando zeigte außerdem, dass Schwarzenegger auch in zeitgenössischen Filmen ohne Fantasy – undScience – Fiction – Elemente überzeugen konnte. Der ehemalige Bodybuilding – Weltmeister war karrieretechnisch auf dem richtigen Weg.

 Phantom Kommando ist zwar ein völlig anspruchsloser, aber trotzdem verdammt unterhaltsamer Actionstreifen, der zu den Highlights in Schwarzeneggers Filmographie gehört und ein Glanzlicht des 80er Jahre – Actionfilms ist.

 9/10

 

 

 

 

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Kommentare

05.10.2014 13:37 Uhr - Frank the Tank85
DB-Helfer
User-Level von Frank the Tank85 5
Erfahrungspunkte von Frank the Tank85 379
100% ;-)

05.10.2014 13:47 Uhr - Punisher77
1x
DB-Helfer
User-Level von Punisher77 14
Erfahrungspunkte von Punisher77 3.514
Thanx!

05.10.2014 14:48 Uhr - F-Ready
DB-Helfer
User-Level von F-Ready 4
Erfahrungspunkte von F-Ready 239
Genau so ! Und außerdem ein ausführliches, gut geschriebenes Review !

05.10.2014 16:43 Uhr - Punisher77
1x
DB-Helfer
User-Level von Punisher77 14
Erfahrungspunkte von Punisher77 3.514
Danke!!!

10.10.2014 14:50 Uhr - Kable Tillman
DB-Helfer
User-Level von Kable Tillman 12
Erfahrungspunkte von Kable Tillman 2.206
Das Review spricht auch mir komplett aus der Seele. Mein erstes Review, welches ich hier auch Schnittberichte.com veröffentlicht habe, war übrigens zu diesem Actionfilm-Meilenstein, welches unbestritten zu den unterhaltsamsten Filmen aller Zeiten und zu meinen Lieblingsfilmen gezählt werden kann. Stallones "Rambo II - Der Auftrag" hat zwar mehr Budenzauber, aber ist viel zu ernst, zu politisch, zu pathetisch und nimmt sich selbst viel zu wichtig. Und wäre das nicht schon ärgerlich genug, muss man während der End-Credits auch noch diesen grauenvollen Song von Stallones Bruder hören. Schwarzeneggers "Phantom Kommando" beschert mir dagegen jedesmal aufs Neue knappe 90 Minuten rasante Action, witzige One-Liner und kultigen Trash, bei dem es zu keiner Sekunde langweilig wird. Ähnlich perfekt sind im 80er-Actionkino nur "Stirb langsam", "Predator" und "Terminator" in meinen Augen.
Dein Review ist gefüllt mit interessanten Informationen und deckt alles ab, was sich über diesen inhaltlich zwar schmalbrüstigen, aber mordsunterhaltsamen Kultfilm sagen lässt. Tolle Arbeit, mach weiter so!

13.10.2014 12:20 Uhr - Punisher77
DB-Helfer
User-Level von Punisher77 14
Erfahrungspunkte von Punisher77 3.514
Danke für das Lob, ich werd´ mich bemühen :-).

Ich denke auch, dass "Phantom Kommando" unterhaltsamer und zugänglicher ist als "Rambo II", obwohl der von mir wohl auch eine 9/10 bekommen würde, weil die Action einfach so bombastisch ist und die bedrohliche Dschungelatmosphäre perfekt eingefangen wurde. Und die Musik ist einfach fantastisch ...

Aber "Phantom Kommando" kann ich mir immer wieder anschauen, ohne mich zu langweilen. "Stirb Langsam", "Terminator" und "Predator" schätze ich genauso ein wie Du. Die ersten beiden "Lethal Weapon"-Filme sind für mich auch noch Beispiele für perfektes Achtziger Jahre - Action.

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