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Godzilla - Die Rückkehr des Monsters

(Originaltitel: Gojira)
Herstellungsland:Japan (1984)
Standard-Freigabe:FSK 12
Genre:Action, Fantasy, Science-Fiction
Alternativtitel:Godzilla 1985
Godzilla 1985: A Legend is Reborn
Return of Godzilla
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,56 (18 Stimmen) Details
inhalt:
Ein gigantischer Vulkanausbruch, begleitet von einem Sturm, lässt Godzilla erwachen. Ein kleines Fischerboot kommt dem Monster zu nahe. Nur der Biologiestudent Okumura überlebt die Begegnung. Nach seiner Rettung erzählt er den Behörden von seinem bedrohlichen Erlebnis. Um eine Panik zu verhindern, wird ein Nachrichtenstopp verhängt. Doch als Godzilla ein russisches U-Boot versenkt, droht durch die angespannte politische Lage ein globaler Vernichtungsschlag. Die Japaner unterrichten schließlich die beiden Weltmächte über den wahren Hintergrund der Bedrohung. Gemeinsam versucht man, das Riesenmonster aufzuhalten, bevor es Tokio in Schutt und Asche zerlegt.
eine kritik von laughing vampire:

Ich habe nach Sichtung des neuen amerikanischen Films lange überlegt, ob ich mich dazu äußern möchte. Jener Film hat mich nämlich sehr gekränkt -- selten habe ich ein derart seelenloses, uninspiriertes Machwerk gesehen, und normalerweise meide ich solche Filme auch, so gut es geht. Aber wenn einem großen Kaijū-Fan wie mir tatsächlich ein neuer Godzilla-Film weisgemacht wird, muß man wohl oder übel einen Blick riskieren, selbst wenn man schon von vornherein weiß, daß es nichts Gutes sein kann. Wie auch immer. Ich habe es verdaut, warte inzwischen weiter geduldig auf einen echten neuen Godzilla-Film, der selbstverständlich nur aus Japan stammen kann, und äußere mich viel lieber zu einem älteren Werk aus den Tōhō-Studios, das in meiner eigenen Lebensgeschichte eine sehr wichtige Rolle gespielt hat, ist es doch schließlich auch der erste japanische Film, den ich je gesehen habe: Godzilla 1984. Folgender Text ist dementsprechend auch weniger als Filmkritik angelegt, sondern sehr persönlich.

In der Kleinstadt am Bodensee, aus der ich stamme, hatten wir damals eine Bibliothek, von der ich nicht einmal weiß, ob es sie immer noch gibt. Ich war häufig dort, um mir Bücher über Dinosaurier auszuleihen, denn das faszinierte mich als kleiner Junge am meisten -- leider gab es nie besonders viel zu dem Thema. Was jedoch eine viel größere Anziehungskraft auf mich ausübte, war das Filmregal mit den vielen bunten VHS-Kassetten: Ich studierte die Hüllen genau, besonders jene mit Monstern oder sonstigen Fantasiegestalten darauf, konnte meine Mutter jedoch in den seltensten Fällen dazu überreden, sich tatsächlich eine Kassette auszuleihen. Bei einem Film gelang mir das jedoch: Die Kassette trug den Titel The Return of Godzilla und beinhaltete eine, wie ich später herausfinden sollte, stark gekürzte und natürlich synchronisierte Fassung dieses Films.

Am nächsten Tag durfte ich den Film schließlich sehen, und meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht: Da trampelt ein absolut bösartiger, riesiger Dinosaurier eine exotische Großstadt namens Tokyo platt, und kein Mensch kann etwas dagegen ausrichten, selbst die gewaltigen Laserkanonen und die futuristische fliegende Untertasse Super X nicht. Am Ende wird das Ungetüm durch aufgenommene Vogelstimmen in einen Vulkan gelockt. Ich habe Tränen geweint, als Godzilla in der Lava versank, und kann es selbst heute noch nicht ganz verkneifen -- aber was darauf folgte, waren wöchentliche Recherchen über das Fernsehprogramm, da ich schnell herausgefunden hatte, daß der Sender Kabel 1 regelmäßig am Samstagnachmittag (oder war es doch sonntags?) weitere Filme mit dem japanischen Riesen ausstrahlte, und das ließ ich mir fortan nie entgehen. Meine Schulfreunde, Geschwister und ich machten es uns jedes Mal gemütlich und warteten gespannt auf die Filme, und wenn es die tausendste Wiederholung war: Es wurde nie langweilig. Godzilla und seine Freunde und Feinde zierten fortan meine Schulbücher, und zudem wollte ich auch mehr über dieses ferne Land mit seinen riesigen Städten, tollen Landschaften und schönen Frauen herausfinden. Damit dies nicht zu geschönt klingt: Auch der Emmerich-Film gefiel mir damals ganz gut. Aber daß er nicht viel mit den Originalfilmen zu tun hatte, war mir auch als Kind bewußt.

So entstand der Mensch, der hier als Laughing Vampire so gerne über asiatische Filme schreibt. Und selbst wenn mich heute hauptsächlich ganz andere Filme ansprechen: Die Liebe zu den japanischen Monsterfilmen ist niemals erloschen, und sie wird es auch bestimmt nie. Vielmehr habe ich mir über die Jahre alles angeeignet, was mir in die Finger kam, kenne mittlerweile die allermeisten Filme in ihrer japanischen Originalfassung und kann sie historisch zuordnen. Das ist bei Godzilla besonders aufregend, ziehen sich die Filme doch über die gesamte zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts und wiederspiegeln so ziemlich alles, was damals eine Rolle spielte.

Godzilla 1984 war für die Tōhō-Studios ein Neuanfang: Mitte der 70er-Jahre war man kreativ und finanziell am Ende, denn ihr Urmonster, das 1954 sein erschreckendes Schwarz-Weiß-Debüt feiern durfte, war zum kinderfreundlichen Superhelden mutiert, das hauptsächlich gegen Archivaufnahmen und weitere Löcher im Gummikostüm kämpfte. Wer z.B. Godzilla vs. Megalo kennt, weiß, wovon ich spreche. Und dies, obwohl der letzte Film von 1975 unter der Regie von Ishirō Honda aus meiner Sicht sehr gelungen ist -- aber er kam wohl einfach zu spät, und das öffentliche Interesse tendierte damals gegen Null. Neun Jahre später wagte man jedoch einen Neuanfang, und auch wenn der 1993 gestorbene Honda fortan nie wieder im Regiestuhl saß und viele seiner ehemaligen Mitarbeiter nach und nach verstarben, war es ein Glückstreffer, denn dieser Film hat es in sich: Er zeigt die wohl bösartigste, kompromißloseste Inkarnation Godzillas aller Zeiten, der aus meiner Sicht selbst das 1954-Original übertrifft.

Der Film funktioniert dabei als direkte Fortsetzung zum Original und ignoriert alle über die Jahre entstandenen Fortsetzungen und Spin-Offs. Dabei entstand der Film in einer Hochphase des Kalten Kriegs, und ganz in der Tradition des Kaijū Eiga, auf gegenwärtige politische Ereignisse auf eine leicht verständliche Art und Weise Bezug zu nehmen, spielt dies eine zentrale Rolle: Godzilla zerstört bei seiner Ankunft ein sowjetisches U-Boot, und die Russen halten es für einen amerikanischen Angriff. Die japanische Regierung, die Godzillas Erscheinen eigentlich so lange wie möglich geheim halten wollte, ist also gezwungen, eine Mittlerrolle zu übernehmen, da ein Atomkrieg wohl immer noch bedrohlicher ist als das Auftreten eines achtzig Meter großen radioaktiven Reptils. Aufgedeckt wurde die ganze Affäre indes von einem etwas wortkargen Reporter, der hier den typischen 1980er-Helden spielt und Gefühle für die Schulterpolster tragende Schwester eines Godzilla-Überlebenden entwickelt. Der Höhepunkt dieser Lovestory ist, ganz asiatisch, eine kurze Umarmung.

Natürlich sind die Charaktere allesamt etwas hölzern, natürlich sind viele Sachen weit an den Haaren herbeigezogen und natürlich kann die Tricktechnik nicht ganz mit US-amerikanischen Standards jener Zeit mithalten. Aber wen interessiert das? Hier gibt es ein wirklich böses, von den Kostümmachern hervorragend gestaltetes Ungeheuer, liebevoll gestaltete und sehr detailreiche Sets, Explosionen an jeder Ecke, Zerstörung, futuristische Waffen, einen großartigen und sehr düsteren Soundtrack, Pseudowissenschaft, Weltpolitik mit ausländischen Laiendarstellern und selbst etwas schwarzen Humor. Mehr kann man doch nicht verlangen, wenn man den kleinen Jungen (oder das kleine Mädchen) in sich noch nicht ganz abgetötet hat.

Das ist Godzilla.

10/10
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Kommentare

09.10.2014 12:24 Uhr - Dragon50
DB-Helfer
User-Level von Dragon50 12
Erfahrungspunkte von Dragon50 2.040
Guter Film und eine sehr gute Review.
Das einzige was mich am Film gestört hat, ist dieser Elektronische Godzilla-Kopf.

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