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Die City Cobra

Originaltitel: Cobra

Herstellungsland:USA (1986)
Standard-Freigabe:FSK keine Jugendfreigabe
Genre:Action, Krimi, Thriller
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,09 (139 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Cobra (Sylvester Stallone), der härteste Cop in Los Angeles, macht Jagd auf den Nachtschlitzer, der bereits mehr als ein Dutzend Menschen brutal ermordet hat. Als ein Model (Brigitte Nielsen) zufällig Zeugin eines der Morde wird und der Polizei mitteilen kann, dass es wohl mehr als nur ein Killer ist, gerät sie selbst ins Visier der Killerbande. ()

Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von punisher77:

                             DIE CITY – COBRA

Das Jahr 1985 war der Höhepunkt in Sylvester Stallones Karriere. Mit Rambo II – Der Auftrag und Rocky IV – Der Kampf Des Jahrhunderts hatte er zwei Filme ins Kino gebracht, die weltweit über 600 Millionen Dollar eingespielt hatten. Um seinen wiederhergestellten Ruf als Kassenmagneten nicht zu gefährden, wollte der „Italian Stallion“ auf keinen Fall ein Risiko eingehen und variierte mit seinem nächsten Film Die City – Cobra (1986) das Rambo – Schema, indem er vom Dschungel in die Großstadt wechselte und seinem Helden eine Polizeimarke verpasste.

Das Drehbuch der City – Cobra, das wieder einmal von Stallone selbst verfasst wurde, basiert lose auf Paula Goslings Roman Fair Game, der 1995 noch einmal mit Cindy Crawford und William Baldwin verfilmt wurde. Stallone griff bei der Arbeit an dem Drehbuch auch auf sein Beverly Hills Cop – Skript zurück, das er geschrieben hatte als er noch statt Eddie Murphy für die Hauptrolle im Gespräch gewesen war. Sylvester Stallone schrieb sich Skript und Hauptrolle buchstäblich auf den Leib, um dem Publikum zu geben, was es seiner Meinung nach haben wollte: Stallone in einer Actionrolle. Dabei schwebte ihm ein einzelgängerischer Cop  á la Dirty Harry vor und wenn man sich Die City – Cobra ansieht, kann man viele Parallelen zu Don Siegels Meisterwerk mit Clint Eastwood erkennen. In Dirty Harry wurde Eastwoods Partner von Reni Santoni gespielt und diesen Job erledigte er hier auch für Stallone … sogar unter dem gleichen Rollennamen! Andrew Robinson, der in Dirty Harry den Killer Skorpion spielte, ist in Die City – Cobra einer von Sylvester Stallones Vorgesetzten.Stallone brachte  außerdem seine damalige Frau Brigitte Nielsen im Film unter, die hier die zweite Hauptrolle nach Stallone spielt.Da er sich  bei Rambo II – Der Auftrag als zuverlässiger Erfüllungsgehilfe erwiesen hatte, verpflichtete man erneut George P. Cosmatos für die Regie.

 In Die City – Cobra spielt Sylvester Stallone den ultracoolen Cop Marion Cobretti, den alle nur Cobra nennen. Wegen seiner fragwürdigen Methoden und seines extrem lockeren Abzugsfingers ist er bei seinen Vorgesetzten nicht gerade beliebt. Eines Tages bekommt es der wortkarge Gesetzeshüter mit einer Bande von Serienkillern zu tun, die offenbar grundlos jeden niedermetzeln, die das Pech haben, ihnen vor die Klinge zu kommen. Eines der Opfer – das Fotomodell Ingrid Knudsen (Brigitte Nielsen) – kann den „Nachtschlitzern“, wie die Killer genannt werden, entkommen. Nach einigen Anschlägen auf ihr Leben beschließt Cobretti, Ingrid aus der Stadt zu bringen. Natürlich nehmen die „Nachtschlitzer“ die Verfolgung auf …

Die City – Cobra sollte eine Art neuer Dirty Harry werden, doch die Klasse seines Vorbilds erreicht Stallones Actionvehikel bei weitem nicht. Während die Dirty Harry – Filme versuchten, die Motivation des Antihelden Harry Callahan zu erklären, der nicht dem Gesetz, sondern eigenen moralischen Prinzipien folgt, zeigt Die City – Cobra schlichtweg eine Ein –Mann – Armee als Richter, Geschworener und Henker in einer Person. Er allein entscheidet, wo das Gesetz aufhört und Verbrecher wie die „Nachtschlitzer“ haben seiner Ansicht nach allenfalls das Recht auf ein Einschussloch zwischen den Augen. Diese kaum verhohlene „Rübe Ab“ – Mentalität trieb das Gros der Kritiker auf die Barrikaden, obwohl Selbstjustiz seit jeher ein beliebtes Motiv im Actionfilm war und ist.Im Gegensatz zu Clint Eastwood gestattete Sylvester Stallone seinem Marion Cobretti nicht den Hauch von Verwundbarkeit. Während Eastwood als Dirty Harry angeschossen und zusammengetreten wurde, übersteht Stallone selbst härteste Verfolgungsjagden fast ohne einen Kratzer – ein dekoratives Pflaster an der Schläfe ist da schon das Höchste der Gefühle.

Das Drehbuch der City – Cobra ist zudem äußerst schlicht. Mit den Rocky – und Rambo – Filmen hatte es Stallone mühelos geschafft, das Publikum für sich zu gewinnen, weil es sich mit den Figuren identifizieren konnte. Die Identifikation mit Marion Cobretti fällt da schon schwerer, da er im Grunde eine Fleisch gewordene Comicfigur ist. Außerdem hat es der Autor Stallone versäumt, seine Killerbande mit einem Motiv auszustatten, wodurch die Identifikation mit der Heldenfigur zusätzlich erschwert wird. Skorpion, der Antagonist in Dirty Harry, wurde von Andrew Robinson so böse und hassenswert dargestellt, dass der Zuschauer gar nicht anders konnte als seine Hinrichtung durch Eastwood/Callahan zu bejubeln. Die „Nachtschlitzer“ in der City – Cobra haben nur eine vage angedeutete Motivation, bleiben weitgehend kontur – und gesichtslos und dienen hauptsächlich als Kanonenfutter für Slys hochmodernes Waffenarsenal.

Trotzdem ist Die City – Cobra ein äußerst unterhaltsamer, überdurchschnittlicher  B –Actionkracher mit hohem Spaßfaktor. Die zweite und letzte Zusammenarbeit von George P. Cosmatos und Sylvester Stallone bietet rasante Verfolgungsjagden, massig Schießereien, markige Stallone – Sprüche („Du bist eine Krankheit, und ich die Medizin!“) und wenig Pausen zum Luft holen. Der Showdown ähnelt dem von Rambo II. Während Stallone dort den Dschungel als Tarnung benutzte, um seine zahlenmäßig weit überlegenen Gegner auszuschalten, schleicht Stallone als Cobretti durch die dunklen Ecken einer Eisengießerei, um seine Feinde zu erledigen. Ein weiteres Zeichen dafür, dass Stallone keine Experimente eingehen wollte und das Rambo – Muster in den Großstadtactionfilm übertragen wollte. Außerdem kann man sich herrlich über Brigitte Nielsen hölzernes Spiel amüsieren – sie ist somit die unbegabteste „Schauspielerin“, mit der der „Italian Stallion“ in seiner langen Karriere gearbeitet hat.

Die City – Cobra wurde mit großem Werbeaufwand angekündigt und startete in 2131 US –Kinos. Man hatte den Film, der in seiner Rohfassung über zwei Stunden dauerte,  auf weniger als 90 Minuten zusammengeschnitten, um möglichst viele Vorführungen im Kino zu ermöglichen. Mehrere Handlungsszenen wurden gekürzt, so dass von David Rasches Auftritt kaum noch etwas übrig blieb. Außerdem war den Produzenten die Action teilweise zu brutal und zu intensiv, weshalb auch die Gewalt des Films etwas entschärft wurde. Außerdem musste Die City – Cobra noch einmal gekürzt werden, um von der MPAA (= die amerikanische FSK) das begehrte R – Rating zu bekommen. Der Werberummel konnte jedoch nichts daran ändern, dass Die City – Cobra in den USA weit hinter den Erwartungen zurückblieb. Die 25 Millionen Dollar – Produktion brachte in den USA aber nur 49 Millionen ein. Eine Riesenenttäuschung im Vergleich zu den 150 Millionen Dollar, die Rambo II ein Jahr zuvor in den USA eingespielt hatte. Weltweit spielte Die City – Cobra über 160 Millionen Dollar ein. Das war zwar nur wenig mehr als die Hälfte von dem, was Rambo II und Rocky IV weltweit eingespielt hatten – trotzdem war Die City - Cobra ein solider Erfolg.

Trotz offensichtlicher Schwächen, die für viele Fans eigentlich die Stärken des Films sind, ist Die City – Cobra ein starker Actionkracher, der viele Nachfolger aus dem B – Movie – Bereich beeinflusste. Der Film bietet genau das, was das Filmplakat verspricht: Action ohne Wenn und Aber, mit einem coolen, meist sonnenbebrillten und Sprüche klopfenden Helden in der Titelrolle.

 8,5/10

8/10
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Kommentare

27.10.2014 20:58 Uhr - Tom Cody
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Hervorragende Kritik zu einem herrlichen "No-Brainer" (wurde der Begriff eigentlich für DIESEN Film geprägt?;-)).

Ich habe sogar das Buch mal gelesen. Gar nicht übel. Die Verfilmungen haben damit natürlich fast nichts mehr gemein.

"Ey Mann, komm nicht näher! Ich hab' 'ne Bombe hier! Ich jag' den ganzen Laden in die Luft!"
"Nichts dagegen. Ich kauf' hier sowieso nie ein. Du willst reden? Okay, wir reden. Bin immer für 'ne kleine Unterhaltung zu haben."
"Wer will denn mit dir reden? Die vom Fernsehen sollen kommen! Das sollen alle miterleben!"
"Geht leider nicht."
"Was? Warum nicht?"
"Ich verhandle nicht mit Psychopathen - ich räum' sie aus dem Weg!"
"Ich bin kein Psychopath. Ich bin ein auserwählter Jäger, ein Held der neuen Welt!"
"Du bist eine Krankheit -und ich die Medizin!"
"..Ich töte dich..!"
(*Bam, Bam, Bam, BamBamm*)

Ist doch irgendwie nett von dem Psycho, dass er ankündigt, wann er die Waffe zu ziehen beabsichtigt. Der Dialog ist ja fasst schon so bekannt wie das berühmte "Do you feel lucky, punk?" von Harry Callahan.

Ich frage mich allerdings gerade, ob ich den Film VIELLEICHT ein, zwei mal zu oft gesehen habe. ;-)


27.10.2014 21:24 Uhr - sonyericssohn
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Leider ist die BamBamBaaamm Szene für mich zu blutleer *räusper*

"War es nötig ihn zu töten ?"
"Wollen sie diese Scheisse auch seinen Eltern erzählen ?"

28.10.2014 05:07 Uhr - Tom Cody
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27.10.2014 21:24 Uhr schrieb sonyericssohn
Leider ist die BamBamBaaamm Szene für mich zu blutleer *räusper*

Stimmt eigentlich. Der Film ist im nachhinein, was blutige Einschüsse oder ähnliches angeht, sogar viel zurückhaltender als man eigentlich denkt.
Egal ob bei der Erschießung der Geisel, wenn die "Nachtschlitzer" zuschlagen oder Verfolger von ihren Motorrädern geschossen werden - Morde geschehen im "off" und eine Peckinpah'sche Detailfreude ist allgemein eher selten.
Wirklich explizit ist der Film eigentlich nur in den Szenen mit dem abgefackelten Typen in der Fabrik, dem ruppigen Ende des "Nightslashers" und in seiner "crime is a disease"-Aussage.

28.10.2014 19:04 Uhr - Kable Tillman
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Zunächst mal muss ich auch hier sagen, dass ich "Die City Cobra" trotz all seiner Schwächen liebe, auch wenn ich höchstwahrscheinlich der einzige Mensch auf der Welt bin der das so sieht. Für mich ist Cobretti nicht nur eine der ikonischsten Rollen von Sly Stallone, sondern auch eine der coolsten Filmfiguren ever.
Und dieses Review bescherte mir einen... Reviewgasmus. Ich meine, Sätze wie
Er allein entscheidet, wo das Gesetz aufhört und Verbrecher wie die „Nachtschlitzer“ haben seiner Ansicht nach allenfalls das Recht auf ein Einschussloch zwischen den Augen.

oder
Während Eastwood als Dirty Harry angeschossen und zusammengetreten wurde, übersteht Stallone selbst härteste Verfolgungsjagden fast ohne einen Kratzer – ein dekoratives Pflaster an der Schläfe ist da schon das Höchste der Gefühle.

sind genial. Genau so hat ein Review auszusehen, basta! Informativ, herausragend gut geschrieben, mit etwas lakonischem Humor gewürzt, großartig analysiert, einfach klasse. Ganz großes Lob von meiner Seite, Punisher.

@Tom Cody:
Es gibt nicht die Möglichkeit, dass man "Die City Cobra" zu oft gesehen hat, sondern nur, dass man ihn zu selten sieht. Man kann diesen Film einfach nicht oft genug genießen.

28.10.2014 22:28 Uhr - Punisher77
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Vielen Dank für Euer Lob!
Finde auch, dass "Die City-Cobra" ein "No Brainer" im besten Sinne des Wortes ist und zwar ein verdammt unterhaltsamer. Wird immer mal wieder in meinem Player rotieren.

Auch das Kinoplakat ist große Klasse: Da weiß man, was man kriegt!

29.10.2014 08:21 Uhr - JasonXtreme
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Ich liebe den Film seit ich ein kleiner Junge war, und ich danke ganz herzlich für dieses GEILE Review! Soviele Hintergrundinfos, die ich noch nicht wusste, das es eine wahre Freude ist! Was würd ich drum geben, den Streifen mal in seiner langen und ungekürzten Fassung sehen zu können :)

Wird wohl nie geschehen bei einem Film, der die goldene Himbeere eingeheimst hat. Für mich unverständlich, da zu der damaligen Zeit derartige Produktionen ja ihre Hochzeit hatten

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