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Karate Tiger 3 - Der Kickboxer

(Originaltitel: Kickboxer)
Herstellungsland:USA (1989)
Standard-Freigabe:FSK keine Jugendfreigabe
Genre:Action, Drama, Martial Arts
Alternativtitel:Karate Tiger 3
Karate Tiger III - Der Kickboxer
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,03 (79 Stimmen) Details
inhalt:
Der neue Kickbox-Weltmeister Eric reist nach seinem Sieg in den USA nach Thailand, um sich in Bangkok einer neuen Herausforderung zu stellen. Doch dem Meister Tong Po ist er letztendlich nicht gewachsen - nach einem brutalen und unfairen Kampf endet er im Rollstuhl. Erics Bruder Kurt ist fest entschlossen, Rache zu nehmen. Um sich auf seinen Gegner vorzubereiten, geht bei dem exzentrischen alten Kämpfer Xian Chow in die Lehre. Mit mentalem Training lernt er die Geheimnisse exotischer Kampfkunst kennen und die schlimmsten Schmerzen zu ertragen. Kurt absolviert ein mörderisches Training mit eisernster Disziplin, während der Entscheidungskampf mit Tong Po immer näher rückt...
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von clemens:

Da ich es - wie schon beim Review zu "Der Klient" - leicht angedeutet hatte, setzt sich hiermit der Jubiläums-Trend fort. "Karate Tiger 3 - Der Kickboxer" ist in diesem Jahr ein stolzes Vierteljahrhundert alt geworden und da ich zudem bekennender JCVDer bin, steht einer Kritik zu einem seiner eher kleineren und unbekannteren Filme nix im Wege. "Bloodsport", "Universal Soldier", "Harte Ziele" oder "Timecop" sollten auch Nicht-Van-Dammer (gibt's die überhaupt?!) durchaus kennen, während dieses Vehikel eher im Underground hängen geblieben ist. Aber immer schön eins nach dem anderen. [Kleine Anmerkung: Der Film wird im weiteren Verlauf mit seinem Originaltitel "Kickboxer" benannt. Auf das kaum zu durchschauende "Karate Tiger"-Dickicht gehe ich an geeigneter Stelle noch drauf ein.]

 

Die *hüstel* Story: Der amerikanische Kickbox-Champ Eric Sloane (Dennis Alexio) reist nach Thailand, um sich dem dortigen Herausforderer Tong Po (Michel Qissi) zu stellen. Da dieser allerdings auf sämtliche Kickbox-Regeln pfeift und mit nahezu unendlich Power ausgestattet ist, hat Eric nicht den Hauch einer Chance und trägt eine Querschnittslähmung davon. Von Rachegelüsten erfüllt, ersucht sein Bruder Kurt (JCVD) den alten Meister Xian Chow (Dennis Chan) und bittet ihn, ihm Muay Thai zu lehren, um Tong Po für Erics Krüppeldasein büßen zu lassen...

 

Man merkt es ja eventuell schon bei der Inhaltsangabe: bei "Kickboxer" handelt es sich um einen absoluten B-Film, der trashig vor sich hin gurkt, statt ein ernstzunehmender Action-/Martial-Arts-Film zu sein. Van Damme, dem ein Jahr zuvor mit dem kultigen "Bloodsport" der Durchbruch gelungen war, spielt hierbei seine Paraderolle quasi noch einmal, nur mit anderen Motiven (1988 wollte er seinen Ausbilder ehren, jetzt seinen Bruder rächen). Die (Qualitäts-)Unterschiede beginnen jedoch schon bei seiner Figur. Während Frank Dux ein stiller, äußerst konzentrierter und von Natur aus talentierter Kämpfer war, ist sein Kurt Sloane ein ziemlich naiver, hitzköpfiger und begriffstutziger Vollpfosten. Wie er auf Xians Grundstück in die erstbeste Falle tappt, sein Blick bei Xians Demonstration seiner Skills oder seine Einfältigkeit ob des Vorhandenseins einer Thai-Mafia - Kurt kommt eher wie die erwachsene aber nichtsdestotrotz geistig noch immer im Teenie-Alter hängen gebliebene Version des Daniel LaRusso vor. Das wäre nicht weiter schlimm, wenn unser aller Lieblingsbelgier wenigstens die "Unfähiger-Schüler"-Nummer schauspielerisch drauf hätte, doch Van Damme, damals von darstellerischen Höhen wie beispielsweise in "Maximum Risk" oder "JCVD" weit entfernt, scheitert in ausnahmslos jeden seiner emotional scenes (besonders heftig u.a. bei Kenntnisnahme von Erics Lähmung). Was bleibt ist ein zumeist dämlich glotzender Naivling, dem man die Wandlung vom kleinen, unbedarften und nur als Wasserträger fungierenden Bruder hin zum muskelbepackten, mit allen Wassern gewaschenen und zu allem entschlossenen Vollblut-Fighter nicht abnimmt.

Doch ist der gute Van Damme definitiv nicht Schlusslicht der darstellerischen Leistungstabelle. Die rote Laterne geht einzig und allein an Ex-Kickbox-Champion Dennis Alexio, der in real life sicherlich ein Ass im Ring gewesen sein mag, im Schauspiel-Gewerbe jedoch ruckzuck das alte Klischee bedient, dass Profi-Sportler nicht automatisch auch gute Schauspieler sind - um es ganz vorsichtig auszudrücken. Dennis Chan und Rochelle Ashana sind in ihren völlig stereotypen Rollen gefangen: der Eine ist der durch und durch weise, supercoole und philosophisch *hüstel hüstel* angehauchte Mister Miyagi-Verschnitt, der Anderen wurde der Typus "love interest" förmlich an die Stirn getackert. Etwas Farbe bringt immerhin Haskell Anderson mit flotten Sprüchen und ansteckend guter Laune ins Spiel, doch spätestens wenn der Kerl am Ende einen auf Rambo macht, verkommt auch er zur Comic-Figur. Nicht fehlen darf natürlich auch Van Dammes alter Freund Michel Qissi, mit dem er Anfang der 80er Jahre gemeinsam in die USA auswanderte und der bei "Bloodsport" auch immerhin in einer Nebenrolle zu sehen war. Qissi braucht als Tong Po nix weiter machen als böse gucken, böse reden und ..., naja, halt auch böse treten...äh, kämpfen [der Film vermittelt sowieso den etwas fragwürdigen Eindruck, dass in Thailand Kickboxen ohne jegliche Regeln und Kämpfer zu Krüppeln zu prügeln ganz okay ist...]. Wie dem auch sei: Qissi ist der typische bad guy, der unfaire Kämpfer, der augenscheinlich unbesiegbare Super-Fighter. Sein erstes Auftreten, als er Van Damme seine Skills demonstriert plus die dabei inbegriffene Your-brother-is-as-good-as-dead-Geste sind dabei so herrlich blödsinnig, dass sie in unseren Kreisen Kult-Status genießen!

 

Kann bei einem B-Actioner, insbesondere einem ziemlich stumpfen wie diesem hier, etwas Positives zur Story gesagt werden. Naja, auch wenn der liebe JCVD tatsächlich am Drehbuch mitgebastelt hat (!), leider nicht besonders viel. "Kickboxer" geht stur seinen Weg (Typ wird unfair fertiggemacht - Bruder trainiert - Bruder rächt) und widmet etwaigen Nebenschauplätzen sehr schnell kaum noch Aufmerksamkeit. So wird die ganze Mafia-Thematik in höchstem Maße oberflächlich abgetan, führt ganz im Gegenteil zu riesigen Logiklöchern und ist unterm Strich nicht der Rede wert. Oder wo gibt es sonst eine Mafia, die sich von einem dahergelaufenen Touristen (noch dazu einem Ami!) bei der Schutzgeldauszahlung vermöbeln lässt, und danach den Schwanz einzieht??!!

Bisweilen fehlt dem Film auch Balance. Von "lustigen" Sprüchen (insbesondere von Anderson) bis hin zu ziemlich düsterer Action im Finale (dazu gleich mehr), gibt es zwischendurch bereits erwähnte comic moments (Andersons Rambo-Auftritt) und im krassen Gegensatz dazu sogar eine Vergewaltigung. "Kickboxer" weiß nie so richtig, was er nun eigentlich sein will: Simpler Actioner? Rache-Drama? Martial-Arts-Reißer? Gekloppe mit Witz? Gegen eine gesunde Mischung hat niemand etwas einzuwenden, aber den Regisseuren Mark DiSalle und David Worth fehlt ersichtlich das Talent, diesen Spagat [dieses Wort darf in keinem JCVD-Film oder -Review fehlen...!) ordentlich hinzukriegen. Zwischen (fast) tödlichem Gekloppe und der (immerhin offscreen) Vergewaltigung schrecken die Zwei nicht mal davor zurück, JCVD in eine letztklassige Dorfkneipe zu schicken, wo er von Mr. Miyagi...äh, von Xian ordentlich abgefüllt wird, um zu testen, ob die Kampfsport-Skills auch im besäuselten Zustand fruchten! Sehr fein, besonders da der olle JCVD sofort "nüchtern" wird, als die Goons ihm an die Wäsche wollen... Dass es dazu grauenerregende Synthie-Pop-Mukke Marke Achtziger gibt, für deren Einsatz ich Paul Hertzog am liebsten für immer in eine einsame Wetterstation am Nordpol verbannen würde, wird mir denke ich mal jeder Betrachter des Films bestätigen (es ist für mich wirklich unbegreiflich, wie der Mann nur ein Jahr nach dem grandiosen "Bloodsport"-Soundtrack so tief ins Klo greifen konnte...).

 

Aber wie steht es nun eigentlich zum Hauptthema des Film: der Action? Ich nehme es schon mal vorweg: mit dem bereits angesprochenen, ein Jahr älteren "Bloodsport" kann "Kickboxer" nicht mithalten. Nicht mal ansatzweise. Das liegt schon an der reinen Menge der Action-Parts: nach dem Anfangs-Fight zwischen Alexio und Qissi gibt es fast bis zum Ende hin konstanten Leerlauf (Van Dammes Fight im Lebensmittelladen und der Spelunke sind nicht der Rede wert), was für einen solchen Film eigentlich ein No-Go ist. Sicher, auch "Bloodsport" brauchte ein wenig, bis es richtig rappelte, schürte aber wenigstens die Spannung bis dahin und explodierte schließlich in den Kämpfen regelrecht. Von einer solchen Choreografie ist "Kickboxer" weit entfernt; der Kampf am Anfang ist bloßes Gekloppe und zudem schlecht geschnitten, während das finale Duell zwischen JCVD und Qissi zwar lang und hart ist, aber ebenfalls nicht mal im Ansatz an den Fight Van Dammes gegen den altehrwürdigen Bolo Yeung heran kommt. Dazwischen verschwendet der Streifen seine Zeit mit endlosen Trainingsszenen, wo den Machern unerklärlicherweise die Ideen fehlten (ich dachte JCVD war am Drehbuch beteiligt??), da sie sich schlicht nur wiederholen, nur dass Van Damme einfach besser wird. Schweißtreibend ist das Ganze zudem keineswegs (das Charisma und die Erhabenheit des legendären Roy Chiao (RIP) fehlt sooo schmerzlich...), sondern ganz im Gegenteil eher unfreiwillig komisch (siehe Van Damme versus Die Palme; Van Damme und das Steak).

[Ach ja, ich wollte ja noch ein paar Worte über die "Karate Tiger"-Problematik in deutschen Gefilden verlieren. Seht es mir nach, liebe Leser, dass ich darauf verzichte. Zum Einen blicke ich bei diesem ganzen Blödsinn selber nicht so richtig durch, zum Anderen würde es mich und auch euch nur sinnlos aufregen. Danke!]

 

Fazit:

Auch ich als überzeugter JCVDer sage: Leute, guckt euch zum elfundneunzigsten Mal "Bloodsport", "Leon" oder "Maximum Risk" an, wenn ihr euch an den zweifelsfrei überragenden Kampfsportfähigkeiten unseres Lieblingsbelgiers ergötzen wollt, "Kickboxer" taugt dazu keineswegs. Dem Streifen mangelt es an Spannung, Kompaktheit und Action (unentschuldbar) und Van Damme selber steht die meiste Zeit nur wie ein doofer Schuljunge in der Gegend herum. Wenn es denn mal zur Sache geht ist die Choreografie mehr als dürftig, ist der Film schlecht geschnitten oder wird von der Musik verhunzt. Immerhin: die unfreiwillige Komik und allerlei Peinlichkeiten machen ihn recht partytauglich.

3/10
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Kommentare

18.11.2014 14:27 Uhr - Tom Cody
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Sehr gut geschriebenes und vor allem amüsantes Review zu dem alles andere als überragenden Van Damme-Klopper.
Ich fand den Film damals schon nicht besonders und es ist mir absolut unverständlich, dass die überwiegende Mehrheit hier dem Film 8, 9 oder sogar 10 Punkte gibt. Völlig absurd.
Deine Kritik zeigt aber sehr schön, wo es beim "Kickboxer" überall im Getriebe hakt und knirscht.

18.11.2014 14:48 Uhr - Clemens
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*dankend das Haupt senkt*

19.11.2014 03:37 Uhr - liebesliesschen11
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Obwohl der Streifen definitiv n B-Actioner ist, fand ich ihn immer schon cool - bin halt n Kind der 80er...
...und wenn man bedenkt, dass die Mehrheit hier das mit ner durchschnittlichen Bewertung von 8,x wohl ähnlich sieht, sind deine 3/10 schon arg niedrig gegriffen - zumal wenn man bedenkt, was es im Martial Arts Bereich wirklich für grottenschlechten Trash, gerade aus dieser Zeit, gibt!

19.11.2014 09:59 Uhr - Clemens
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Danke für den kritischen Beitrag. Lass mich diesbezüglich ein paar Worte verlieren:
Mach dir keine Sorgen, auch ich habe womöglich mehr Filme aus den Achtzigern im Schrank als aus jeder anderen Dekade. "Gremlins", "Terminator", "Lost Boys", "Stirb langsam", Red Heat", "Predator", "Rambo", "Bloodsport", "Karate Kid", "Scarface", "Conan", "Die Fliege", "The Thing" - whatdoiknow. Jeder davon herausragend und nicht unter 7/10 Punkten zu bewerten. Das Problem ist nun: ich versuche halt bei den Reviews objektiv zu bleiben und da kommt "Kickboxer" nun mal m. A.nach nicht über die 3 hinaus. Du findest ihn "cool", schön für dich, aber so kann ich nicht argumentieren. Und dass die Mehrheit ihn so gut bewertet hat: sorry da guck ich gar nicht hin und gebrauche meinen eigenen Kopf. Bei aller Liebe, aber wenn "Kickboxer" 10/10 kriegen soll, was soll dann erst mit "Apocalypse Now", Departed", "Terminator 2", "Psycho", "Marathon-Mann" und Konsorten passieren?! Bleiben wir doch mal etwas realistisch. Ich kann verstehen dass Viele "Kickboxer" unterhaltsam finden (aufgrund der unfreiwilligen Komik ist er an manchen Stellen auch recht doof-lustig), aber unterm Strich kann als Gesamtresultat leider beim besten Willen kein "gut" oder "ausreichend" von mir vergeben werden.
Danke wie gesagt dennoch für die Kritik!

19.11.2014 19:06 Uhr - Kable Tillman
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Ich bin ehrlicherweise ganz anderer Meinung zum Film, denn "Der Kickboxer" ist einer meiner Lieblingsfilme mit Jean-Claude Van Damme, doch dein Review ist absolute Spitzenklasse und sehr unterhaltsam. Die meisten Kritikpunkte, die du ansprichst, kann ich sogar nachvollziehen, obwohl ich den Film mag. Also viel besser kann man ein Review nicht verfassen, Hut ab!

19.11.2014 19:52 Uhr - Clemens
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Vielen, vielen Dank! Soviel Lob ist ja fast schon unangenehm...

Nee Spaß beiseite, man muss & soll ja nicht immer einer Meinung sein, was wie in diesem Falle die Wertung des Films angeht. Aber ich finde es riesig, wenn man sich (wie in deinem Falle) die Mühe macht, das Rev. trotzdem zu lesen und die Argumentation nachzuvollziehen. Ich weiß das absolut zu schätzen. Hut ab auch vor dir! So, ich glaub ich zock' erst mal ne Runde "Slayers"...

26.11.2014 15:04 Uhr - JasonXtreme
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Ich war im Kino, ich mag den auch heute noch - und ne 7/10 würde er bei mir kriegen. Vor allem finde ich seine ganzen anderen Actioner auch nicht viel besser in schauspielerischer Hinsicht, oder was Action angeht.

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