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Interstellar

Herstellungsland:USA, Großbritannien (2014)
Standard-Freigabe:FSK 12
Genre:Abenteuer, Drama, Science-Fiction
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,78 (51 Stimmen) Details
inhalt:
Die Menschheit steht vor ihrem Ende, denn die Welt ist unbewohnbar. Staub liegt in der Luft, alles ist voller Müll und Getreide wächst nicht mehr. Schlussendlich hat die NASA eine Idee: Ausgesuchte Astronauten reisen via Interstellarer Reisen bis außerhalb des Sonnensystems, um Planeten zu entdecken, die der Erde am nächsten sind. Ihnen liegt das Schicksal der Menschheit in den Händen.
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von deniro:

Brüssel. Der niederländische Ingenieur Bas Lansdorp will 2024 die erste bemannte Mars-Mission starten und dort eine dauerhafte menschliche Kolonie aufbauen. Finanzieren will der findige Unternehmer das zum Großteil mit einer Reality-Show. In der engeren Auswahl der Kandidaten ist auch ein Rheinländer: Stephan Günther.

Seine Familie würde er verlassen - für immer

"Es wäre mein absoluter Traum, auf dem Mars irgendeine Form von Leben zu entdecken", schwärmt der Vater dreier Kinder. Dafür ist er sogar bereit, seine Familie zurückzulassen. Als seine Frau Beate von der Bewerbung für Mars One erfuhr, drohte sie zunächst mit Scheidung. Mittlerweile unterstützt sie ihren Mann dabei, seinen Traum Wirklichkeit werden zu lassen. Quelle: RP Online

Als ich vor einigen Monaten über die geplante Mission zum Mars las, waren mir die Dimensionen einer Reise zu einem fremden Planeten nicht wirklich bewusst. Was würde es bedeuten die eigene Familie für ein "höheres" Ziel zu verlassen und möglicherweise nie wieder zu sehen?

Eine Frage die der neueste Science- Fiktion Hit von Christopher Nolan (Memento, Inception, Batman Trilogy) beantworten will und dabei sogar noch einen Schritt weiter geht.

In "Interstellar" geht es nämlich nicht nur darum zu einem fremden Planeten innerhalb unseres Sonnensystems zu reisen, nein, der interstellare Raum ist das Ziel!
Die Erde so wie wir sie kennen, steht vor einem Kollaps, die Menschheit vor ihrem tragischen Ende. Die letzte Hoffnung scheint ein vor langer Zeit endecktes Wurmloch zu sein, das in eine andere Galaxie führt und auf die Entdeckung der Menschen wartet...
Kein Geringerer als der ehemalige NASA-Astronaut Cooper (Matthew McConaughey) soll die scheinbar ausweglose Mission zur Suche nach einem neuen Heimatplaneten annehmen. Natürlich ist seine Familie nicht allzu begeistert von seinem Vorhaben, allen voran seine 10- jährige Tochter Murphy (Mackenzie Foy, Jessica Chastain). Vor Jahren hatte sie bereits mit dem Tod ihrer Mutter zu kämpfen und sieht nun ihren Vater ebenfalls entschwinden. Doch Cooper ist fest entschlossen die Mission zum gewünschten Erfolg zu führen.
Eine Entscheidung die schlussendlich die Beziehung zwischen Vater und Tochter nachhaltig beeinflußt, denn die Zukunft der Menscheit hängt vom Erfolg dieser wegweisenden Reise ab.

Bereits vor einigen Monaten konnte man auf diversen Internetseiten über "Interstellar" lesen, und Trailer zu diesem ambitionierten Projekt sichten. Ja, "Interstellar" ist ein gewagtes Projekt, ein Film der eigentlich nicht für ein breites Publikum konzipiert zu sein scheint. Zu komplex, fast schon wissenschaftlich korrekt geht Nolan an die Rettung der Menschheit. Ganz im Gegensatz zu Genrekollegen wie Emmerich, Bay oder auch Spielberg, verzichtet Nolan fast komplett auf Bombast und blutige Auseinandersetzungen zw. Menschen und schleimigen und aggressiven Weltraummonstern, fokusiert sich stattdessen komplett auf die eine große Aufgabe und auf die Mitglieder dieses Himmelfahrtkommandos. Schön beschreibt Nolan die Ängste der Crew, zeigt z.B. welche Gefühle die Sichtung der wenigen Nachrichten der "Hinterbliebenen" von der Erde bei den Astronauten auslösen. Lässt uns teilhaben an den unbekannten Dimensionen und dunklen Geheimnissen des unerforschten Universums.

Fast automatisch drängen sich dabei fast zwangsläufig Vergleiche zu "2001: Odysee im Weltall" auf, natürlich huldigt Nolan mit seinem Werk diesem ultimativen Science- Fiktion Klassiker, aber nie ohne den dazugehörigen Respekt aus den Augen zu verlieren und die nötige Eigenständigkeit vermissen zu lassen. Die Vergleiche fangen beim Einsatz der monumentalen Musik eines Hans Zimmer an, und enden beim grandiosen Raumschiffdesign der „Endurance“. Tatsächlich aber ist "Interstellar" ein typischer Nolan, auch hier ist seine individuelle und beeindruckende Bildsprache zu finden, auch hier seine Stärke, Dialoge visuell perfekt umzusetzten und einzufangen. 

Stichwort Design und Effekte, wie bereits angeschnitten, hält sich Nolan so gut es geht an wissenschaftlich aktuelle Erkenntnisse in Bezug auf schwarze Löcher und der inzwischen etwas angestaubten Gravitationsgesetzte eines Newton.

Explosionen verursachen keine Geräusche und Schwerkraft wird durch Rotation erzeugt.

Um erhrlich zu sein war ich positiv überrascht wie gut Effekte und Musik ins Geamtbild der Handlung passen und eine nahezu perfekte Symbiose bilden. Dabei halten sich die Spezialeffekte angenehm zurück und sind nie aufdringlich oder gar unpassend. Alles fühlt sich irgendwie überzeugend und echt an!

Doch ein Film lebt und stirbt natürlich auch mit seinen Darstellern. Müssig und fast schon überflüssig zu erwähnen das Matthew McConaughey abermals eine beeindruckende Leistung abliefert, egal ob als exzessiver Detective, oder als aidskranker Cowboy, der Typ scheint irgendwie alles spielen zu können. Und das mit einer Inbrunst und Leidenschaft als wolle er seine Jahre als oberflächlicher Macho in Frauenfilmen vergessen machen um jeden einzelnen Kritiker eines Besseren belehren zu wollen. Würde mich nicht wundern wenn sich da jemand eine weitere goldene Statue ins Regal stellen würde. Der Film ist bis in die kleinsten Nebenrollen nahezu perfekt besetzt, egal ob Anne Hathaway, Michael Caine, Casey Affleck (hab ich schon erwähnt das ich ihn, im Gegensatz zu seinem Bruder, für das weitaus größere Talent halte?), John Lithgow, das gesamte Ensemble kann bis zum Schluss absolut überzeugen und zieht den Zuschauer in seinen Bann. Da fehlt doch einer? Absolut, Matt Damon sei an dieser Stelle noch separat erwähnt. In einer für ihn doch ungewohnten eher negativ angelegten Rolle, vermag auch er sein schaupielerisches Können gekonnt unter Beweis zu stellen. Obwohl doch eher zurückhaltent und reduziert spielend, konnte man mit dem Mann mitfühlen und seinen Überlebenswillen und sein schlußendlich destruktives Verhalten nachvollziehen.

Auch wenn der Film in meinen Augen so ziemlich alles richtig macht, so sollen doch auch ein paar negative Punkte Erwähnung finden.

An einigen Stellen kam mir die Entwicklung der Geschichte etwas überhastet vor, so hätte ich mir durchaus noch ein paar Informationen zur Bedrohung und zur aktuellen Entwicklung auf der Erde gewünscht, auch ging mir der Entwicklungsprozess und die Konfrontation zwischen Cooper und seiner Tochter doch irgendwie zu schnell. Schließlich hatte man das Gefühl zwischen Endeckung der geheimen NASA- Basis und dem Start ins All wären nur 1-2 Tage vergangen. Die Beziehung zwischen Vater und Tochter, den gemeinsamen Kampf, das ringen und hadern mit der Entscheidung, all das hätte ich gern noch etwas näher beleuchtet gesehen. Als weiteren, zumindest diskussionwürdigen Punkt, halte ich den doch stark mit Informationen angereicherten Schluß des Filmes. Klar bietet das Spiel mit Zeit und Raum genügend Interpretationsspielraum um eine zufriedenstellende Auflösung anzubieten, hier wäre evtl. weniger mehr gewesen und dem Verständnis sicher zuträglicher. Evtl. schafft eine Zweitsichtung hierfür aber auch Abhilfe!

"Interstellar" lebt von seinen grandiosen Schauspielern und der interessanten Umsetzung der Geschichte. Geschickt greift der Film aktuelle gesellschaftliche Strömungen und Gedanken zur allgemeinen Untergangsstimmung und der Suche nach etwas Höheren auf, und verbindet diese mit einer durchaus spannenden Science- Fiction Story. Ja, "Interstellar" ist sicher der bisherige Höhepunkt des Kinojahres und sicher auch das ausgereifteste Werk Nolan´s, ob es zu einem Science Fiction- Klassiker oder gar zu einem Meilenstein reicht, wird wohl die Zeit und damit die Zukunft zeigen. 

Bleibt noch zu sagen das der Film nach Sichtung noch Stunden beschäftigt, und euer Gehirn f...! Übrigens habe ich vom versprochenen 4K Kinoerlebnis nicht wirklich was mitbekommen.

 

 

9/10
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Kommentare

10.11.2014 15:00 Uhr - cecil b
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Ich neige mein Haupt ! Jeder Satz ist ein Genuss, kein Buchstabe wirkt überflüssig, der Aufbau ist sehr gelungen eigenständig, und das Review ist sehr verständlich geschrieben. Du bist ohnehin einer der Top-Autoren, und dies zeigt sich mit diesem Review wiedermals !

10.11.2014 15:01 Uhr - Gorno
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10.11.2014 15:00 Uhr schrieb cecil b
Ich neige mein Haupt ! Jeder Satz ist ein Genuss, kein Buchstabe wirkt überflüssig, der Aufbau ist sehr gelungen eigenständig, und das Review ist sehr verständlich geschrieben. Du bist ohnehin einer der Top-Autoren, und dies zeigt sich mit diesem Review wiedermals !


Dem kann ich nur zustimmen. Da hast du einfach so aus dem Nichts ein tausend mal geileres Review zu dieser Granate als ich abgeliefert :D

Hut ab ;)

10.11.2014 15:30 Uhr - cecil b
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Tausendmal geiler ? Keine falsche Bescheidenheit Static & Gorno !!! Ich persönlich finde eure BEIDEN Reviews genial ! Von mir bekämen beide 10 Punkte. Sie sind unterschiedlich, und dass finde ich auch super !

10.11.2014 15:57 Uhr - sonyericssohn
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Was soll man sagen...
Respekt !

10.11.2014 16:23 Uhr - Entertainmentz
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Ich glaube wir brauchen kein Review mehr...

10.11.2014 17:02 Uhr - Tom Cody
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Aber holla, ich ziehe meinen Hut!

Außergewöhnlich gute Rezension zu einen sehr komplexen SiFi-Epos!
Allein schon das ungewöhnliche Intro macht neugierig und verführt zum Weiterlesen. Spoiler-Fallen werden geschickt vermieden und der Leser bekommt einen sehr guten Eindruck von dem, was ihn erwartet.

Auch muss ich cecil b zustimmen. Sowohl dein Review als auch das von Static & Gorno sind beide hervorragend geschrieben. Von solch hochwertigen Rezensionen kann man eigentlich nie genug haben!

Ich muss zwar (wegen eines Kumpels) noch eine ganze Woche (!) warten, dann kann ich mir auch endlich ein Bild machen, ob wir es hier mit einem epochalen Meisterwerk oder "nur" mit einem sehr guten, philosophisch angehauchten Science Fiction-Film zu tun haben.

10.11.2014 17:08 Uhr - Insanity667
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Respekt! Wahnsinns Review! :)

10.11.2014 18:22 Uhr - Kable Tillman
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Nach langer Zeit endlich wieder ein deNiro Review und was für eins. Top, besser gehts nicht. Vor allem das Intro gefällt mir sehr, denn diese Assoziation ist mir kürzlich ebenfalls aufgefallen. Auch das die USA nach einigen Jahren Pause wieder in die Weltraumforschung einsteigen wollen und viele weitere von dir bereits angesprochenen Faktoren lassen die Filmhandlung glaubhafter und brisanter wirken, als sie es in Wahrheit wahrscheinlich ist. Nach den beiden sehr gelungenen und ausgesprochen positiv ausfallenden Reviews von dir und Static&Gorno scheint dieser Film doch zu den unumstrittenen Pflichtbesuchen oder zumindest Pflichtkäufen zu gehören, und zwar für jeden Filmfan.

10.11.2014 18:37 Uhr - deNiro
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Vielen Dank an alle Leser, freut mich das euch mein Kritik zum Film gefällt! Fühle mich sehr geschmeichelt;))

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