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Rollerball

Herstellungsland:USA (1975)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Action, Science-Fiction
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,45 (11 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Zu Beginn des nächsten Jahrhunderts kontrollieren sechs Industrie-Giganten die Welt. Diese haben das blutige und brutale Rollerball-Spiel als Ventil für versteckte Aggressionen der Menschen erfunden.
James Caan verkörpert einen Spieler, dessen außergewöhnliche Begabung ihm erlaubt, die Spielregeln zu unterlaufen und das Konzept durcheinander zu bringen. Atemberaubende Actionszenen in der Spielarena sind die Höhepunkte von "Rollerball". (20th Century Fox)

Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von roderich:

Rollerball (1975) ist ein Science Fiction Film von Norman Jewison nach der Kurzgeschichte „The Rollerball Murders“ von Bill Harrison.  James Caan spielt den Ausnahmespieler „Jonathan E.“ (ja, er hat keinen richtigen Nachnamen in dem Film, ein Hinweis auf seine eigentliche Funktion, die sich im Rahmen der Handlung aufklärt), der in der futuristischen Superbrutalsportart Rollerball sein Team Houston von Sieg zu Sieg führt.

 

Die Welt, in der Rollerball spielt, wird von Megakonzernen beherrscht, Regierungen und Nationen gibt es nicht mehr oder sie haben jedenfalls ihre Bedeutung verloren und es herrscht offenbar Frieden. Die Menschheit amüsiert sich beim Rollerball gucken und die Rollerball-Mannschaften werden weltweit gefeiert. Ihr größter Star jedoch ist seit einiger Zeit Jonathan E. und das wird für die Mächtigen der Welt langsam zum Problem, weil Rollerball eigentlich nur als Aggressionsabfuhr für den Pöbel gedacht ist, nicht als „echter“ Sport. Im Verlaufe der Handlung verfügen sie daher Regeländerungen im Spiel, die - zur Begeisterung des Publikums - zu immer brutaleren Auseinandersetzungen mit Verletzten und Toten führen. Aber wird es ihnen gelingen, Jonathan E. endgültig auszuschalten? Der wird immerhin von James Caan gespielt und das ist immer noch einer der härtesten der harten!

 

Rollerball ist formal interessant inszeniert, aber das wird nicht jedermanns Geschmack sein. Wir erleben 3 Rollerballspiele mit, am Anfang ein „normales“ Spiel mit mässiger Gewalt, dann ziemlich genau in der Mitte ein bereits äußerst hartes, aber auch richtig spannendes Spiel gegen Tokio und am Ende ein zynisches und brutales Schlachtfest als Höhepunkt und Abschluss. Die beiden langen Sequenzen zwischen den Spielen, die Jonathans von den Konzernen kontrolliertes und inszeniertes  Privatleben und später seine Suche nach den politischen Hintergründen der Weltordnung und des Rollerballspieles zeigen sind als Kontrast sehr ruhig inszeniert, mit - toller - klassischer Musik unterlegt und für manchen Zuschauer vielleicht auch etwas zu langatmig. Apropos Musik: Der Anfang des Filmes, in dem zur bekannten Toccata und Fuge d-Moll von Bach das toll aussehende Rollerballstadiion eingeführt wird gehört zu den Gänsehautmomenten der Filmgeschichte.

 

Gedreht wurden die Rollerball-Actionsequenzen auf einer umgebauten Olympia-Radrennbahn in München und dieses Stadion (das modifiziert für alle Partien verwendet wurde) ist es bereits alleine wert, den Film anzuschauen. Die Mannschaften rasen auf Rollschuhen auf einer Steilbahn im Kreis begleitet von Motorrädern und prügeln sich um eine Grapefruit-große,aus einer Kanone abgefeuerte Stahlkugel, die in ein kleines Tor geschlagen werden muss. Die Spieler tragen Nagelhandschuhe und Schutzausrüstungen und in jeder Partie ist mehr erlaubt. Die Action ist von Stuntmen real gestaltet und es geht zunehmend derb zur Sache. Für 1975 war der Film sehr hart und er ist es auch heute noch, weil - im Gegensatz zu dem absolut dümmlichen Remake von 2002 - die Gesetze der Physik und Logik weiter Gültigkeit haben und jeder weiss, dass es weh tut wenn einem ein Nagelhandschuh ins Gesicht geschlagen wird.

 

Neben James Caan ragen John Houseman als eiskalter Konzernchef und John Beck als Jonathans etwas naiver Spielerfreund Moonpie schauspielerisch heraus. Die Botschaft des Filmes, die sich gegen eine zunehmende Brutalisierung des Sportes wendet, aber auch grundsätzliche Fragen, zB welchen Preis man bereit ist für einen weltweiten Frieden zu zahlen, thematisiert, kommt gut rüber, aber es fällt schwer bei den tollen Actionsequenzen nicht doch mitzufiebern. Das hat dem Film seinerzeit eine Menge Kritik eingebracht; trotzdem war er sehr erfolgreich und er ist bis heute ein sehenswerter und auch inhaltlich aktueller Science Fiction-Film mit harter Action. 

9/10
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Kommentare

26.11.2014 14:54 Uhr - Tom Cody
3x
DB-Helfer
User-Level von Tom Cody 21
Erfahrungspunkte von Tom Cody 9.176
Sehr schöne Kritik zu einem echten SciFi-Klassiker der 70er Jahre.

Einige Szenen haben zwar etwas Patina angesetzt (ich erinnere mich an eine Art merkwürdigen "Computerraum" mit schwimmenden Blubberbläschen ??) aber die dynamischen Szenen in der "Sport"-Arena funktionieren auch heute noch prächtig. Und James Caan ist sowieso immer 'ne sichere Bank.

Ich meine mal gelesen zu haben, dass Jewison selber am meisten überrascht war, wie sehr die Leute bei den rasanten Actionszenen "mitgingen", obwohl er ja eher den mahnenden Zeigefinger beabsichtigt hatte. Fast ein wenig wie Scorcese, der auch über die positiven Reaktion der Kinofans auf Travis Bickle's Massaker am Ende von "Taxi Driver" sehr erstaunt gewesen sein soll.

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