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leichenwurm
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Eintrag: 08.12.2014

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Tucker & Dale vs. Evil

Herstellungsland:Kanada (2010)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Horror, Komödie
Alternativtitel:Tucker and Dale vs. Evil

Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,38 (45 Stimmen) Details
inhalt:
Eine Gruppe von neun College-Studenten trifft auf dem Weg zum Camping in einer entlegenen Waldregion auf die beiden leicht verwahrlosten Einheimischen Dale und Tucker, die auf die vorurteilsbeladenen Großstädter einen bedrohlichen Eindruck machen. Tatsächlich sind Dale und Tucker aber gutmütige Heimwerker, die nur ihre jüngst erworbene, heruntergekommene Ferienhütte renovieren und dort Urlaub machen wollen. Als die beiden beim nächtlichen Fischen auf einem Waldsee der Gruppe unverhofft wiederbegegnen, retten sie die hübsche Allison, die bei dem Versuch, von einem Felsen aus ins Wasser zu steigen, verunglückt. Ihre Freunde, die im Dunkeln nicht genau sehen können, was passiert ist, glauben, dass Allison von den beiden entführt wurde. Allison erwacht in der Hütte der beiden und merkt bald, dass sie sich nicht vor ihnen fürchten muss. Ihre Freunde hingegen versuchen, angefeuert vom fanatischen Chad, Allison gewaltsam aus den Händen der vermeintlichen Kidnapper zu befreien. Eine Verkettung unglücklicher Umstände führt dazu, dass ein tollpatschiger Student nach dem anderen ganz ohne Dale und Tuckers Zutun stirbt, während die Überlebenden immer überzeugter davon sind, es mit skrupellosen Mördern zu tun zu haben...
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von leichenwurm:

Der gute alte Backwoodhorror, ein immer wieder gern gesehenes Genre, dass genau wie das Zombie- oder Slasher- Subgenre bestimmten Regeln und Mechanismen unterliegt, die in jedem neuen Beitrag neu zusammengemixt werden, ohne dem ganzen tatsächlich eine neue Note abgewinnen zu können. Denn seien wir mal ganz ehrlich, seit Tobe Hoopers Genre Klassiker „The Texas Chainsaw Massacre“ hat sich dieses Subgenre kaum weiterentwickelt. Abseits der immer expliziteren Gewalt- und Perversionsszenarien modernerer Beiträge zu diesem Thema mal abgesehen, folgen auch diese dem immer gleichen Pfad. Seien es nun „Wrong Turn“, „Wolf Creek“, „Storm Warning“, „Plague Town“, „Timber Falls“, „Das Haus der 1000 Leichen“, „Frontiers“  oder die jeweiligen Neuauflagen von „The Hills Have Eyes“ oder eben „The Texas Chainsaw Massacre“ samt Fortsetzungen, inhaltlich sind es lediglich Variationen des immer gleichen Themas: Eine Gruppe von Stadtmenschen geraten im Hinterländle an degenerierte, vorzugsweise inzestuöse Hinterwäldlerpsychopatensippen, die meistens aus Nahrungs- oder Fortpflanzungsgründen oder einfach aus perverser Freude am Töten und Quälen, Jagd auf die potentiellen Opfer machen.

Umso erfreulicher ist es, dass „Tucker & Dale Vs. Evil“ dieses festgefahrene Konzept auf äußerst humorvolle Art und Weise aufbohrt, in dem der Film Täter- und Opfer Verhältnisse kurzerhand auf den Kopf stellt.

Dabei beginnt auch dieser Film nach bewährtem Muster, in dem eine Truppe Klischee- College- Kids in die Wildnis zum Campen fahren und an einer Tankstelle (der obligatorische Tankstellen- Stopp darf in keinem guten Backwood- Horrorfilm fehlen!!!) Bekanntschaft mit zwei überaus merkwürdigen, ungepflegten Hinterwäldlern machen. Als einer der beiden auch noch mit einer Sense bewaffnet auf die Gruppe zumarschiert und psychopatisch lachend nach dem Grund ihres Aufenthaltes fragt, ist die Sache für die anscheinend Horror- Film geschulten College Kids ganz klar: diese Typen sind gefährlich und so verlässt die Truppe fluchtartig die Tankstelle. Dabei meinte es der schüchterne Dale, der mit seinem besten Kumpel Tucker ebenfalls ein Wochenendtrip in der Wildnis unternimmt, überhaupt nicht böse. Denn die kauzigen Hinterwäldler sind einfach nur  etwas unerfahren im Umgang mit dem weiblichen Geschlecht und besonders der introvertierte Dale hat große Probleme mit seinem Selbstbewusstsein. Als die beiden dann auch noch Allison, eine Freundin der College- Kids nach einem Unfall aus dem Wasser zerren und diese mit in ihre Hütte nehmen, um sie zu versorgen, gehen die College Kids von einer Entführung oder gar Schlimmerem aus und blasen zum Großangriff auf die beiden sympathischen Trottel.

Was nun folgt ist ein äußerst amüsantes Scharmützel, dass gekonnt mit den Genrekonventionen spielt und Szenenweise zu einer genialen Parodie auf dieses Subgenre mutiert. Gerade die erste Filmhälfte schäumt geradezu über vor skurrilen Einfällen und  haarsträubenden Szenarien. So gehören die unbeabsichtigte Kettensägen- Attacke von Tucker, der mit selbiger versehentlich in ein Wespennest sägt und dann wild Kettensägen schwingend durch die Botanik auf die College- Kids zu rennt, was diese natürlich als Angriff interpretieren, ganz klar zu den Highlights in Sachen Horror- Komödie. Die „Gegen- Attacken“ der aggressiv agierenden College- Kids auf die beiden harmlosen Hillbillies, gestalten sich als so bescheuert, dass sich die vermeintliche Opfergruppe gnadenlos selbst dezimiert, so dass Tucker und Dale bald davon ausgehen müssen, es ihrerseits ebenfalls mit psychopatischen Teenagern zu tun zu haben, die im Wald Massensuizid begehen wollen. Und so bietet der Film ein herrliches Szenario, in dem der Zuschauer seiner Schadenfreude freien Lauf lassen kann und ungeniert dabei zusehen kann wie ein Opfer nach dem anderen in sein selbstverschuldetes Verderben rennt.

Leider schafft es der Film nicht ganz, dass Tempo und die Kreativität der ersten Filmhälfte permanent aufrecht zu erhalten. Dales wiederentdecktes Selbstbewusstsein und sein Techtelmechtel mit Allison wirken zwischendurch etwas zäh und nehmen immer wieder das Tempo aus dem Geschehen. Und im letzten Drittel hat man schon fast das Gefühl, dass die Macher ihr ganzes Pulver schon verschossen haben, denn das lustvolle, humoristische aufbohren der Genremechanismen weicht immer mehr einem eher konventionellen Ablauf, der zwar trotzdem unterhalten kann, den witzigen Esprit der ersten Filmhälfte jedoch etwas vermissen lässt.

Das ganze läuft dann auf einen eher mäßigen Showdown hinaus, der zwar immer noch den Trumpf der verschobenen Täter/ Opfer- Konstellation gekonnt ausspielt, aber  darüber hinaus wenig Neues bzw. keine Steigerung mehr bieten kann.  Und so wird die Erwartungshaltung die sich nach der ersten Hälfte aufgebaut hat doch etwas enttäuscht.

Aber, ganz ehrlich, dass ist nur meckern auf hohem Niveau, denn „Tucker & Dale Vs. Evil“ ist trotzdem noch sympathisch genug um bei eingefleischten Horrorfans punkten zu können. Man merkt in jeder Szene, dass hier Leute am Werk waren, die dieses Subgenre mit all seinen Stärken und Schwächen, wie aus dem FF kennen und verstehen. Des Weiteren werden hier zwei sympathische Anti- Helden präsentiert, die jeder Fan gleich in sein Herz schließt. Insgesamt ist „Tucker & Dale Vs. Evil“ also eine gelungene Hommage mit gelegentlichen parodistischen Spitzen an ein Genre, dass wir alle aufgrund seiner Simplizität so schätzen. Des Weiteren prognostiziere ich dem Film einen garantierten „Mehrseher- Bonus“, denn es lohnt sich in diesem liebenswerten Sammelsurium an Backwoodhorror- Klischees auf muntere Zitatenjagd zu gehen. Ein Bonus, der vor allem für die Kenner des Genres und Liebhaber der großen Klassiker zutrifft. Insgesamt ist „Tucker & Dale Vs. Evil“ also mehr als nur einmal sehenswert… !

8/10
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Kommentare

08.12.2014 13:08 Uhr - Gorno
1x
DB-Helfer
User-Level von Gorno 13
Erfahrungspunkte von Gorno 2.670
Sehr gute Review und sogar die gleiche Meinung wie ich. Top!

08.12.2014 13:23 Uhr - leichenwurm
DB-Helfer
User-Level von leichenwurm 5
Erfahrungspunkte von leichenwurm 420
Danke... ;-)

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