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Downing Street Down

(Originaltitel: He Who Dares: Downing Street Siege)
Herstellungsland:Großbritannien (2014)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Action
Bewertung unserer Besucher:
Note: 4,00 (2 Stimmen) Details
inhalt:
Nummer 10 Downing Street ist nicht nur der offizielle Amtssitz des britischen Premierministers, sondern auch das bestgesicherte Haus in ganz London.

Der weltweit gesuchte Top-Terrorist Alex Holt, wagt was bisher noch nie jemand versucht hat. Während einer Antikriegsdemonstration stürmen er und seine schwerbewaffneten Söldner die Downing Street, sprengen sich den Weg in das Haus Nummer 10 frei und nehmen den Premierminister und seine Vertrauten als Geiseln. Holt fordert 100 Millionen Pfund Lösegeld für den Premierminister. Unter den Geiseln im Haus Nummer 10 befindet sich auch Chris Lowe, ein Soldat der britischen Antiterroreinheit „SAS – Special Air Service“.

Die britische Regierung setzt auf den Einzelkämpfer und die anrückende Spezialeinheit „SAS“. Ein blutiges Katz und Maus Spiel beginnt ...
eine kritik von tom cody:

 

Die heutige Kritik ist eigentlich weiniger ein klassisches Review als vielmehr eine eindringliche Warnung an jeden, der mit dem Gedanken spielt sich diesen Film anzusehen.

Der britische Streifen

„HE WHO DARES: THE DOWNING STREET SIEGE“ ,

der bei uns in

„DOWNING STREET DOWN“

umbenannt wurde, ist nämlich, trotz des martialischen Covers, ungelogen einer der schlechtesten Actionfilme die ich je gesehen habe (und ich habe EINIGE gesehen). Nein, im Ernst, selbst ein Uwe Boll-Film ist ganz großes Kino dagegen. Von daher möge man es mir verzeihen, wenn ich den Film etwas oberflächlicher abhandle als sonst, denn ich möchte dieses Machwerk so schnell wie möglich verdrängen und (vielleicht unter Zuhilfenahme von ein ganz klein wenig Alkohol) wieder vergessen.

Zunächst hat man nach dem Studium des Covertextes den Eindruck, es mit einer hirnlosen, aber nichtsdestotrotz unterhaltsamen Mischung aus einem „Stirb Langsam“-Rip off und dem frühen 80er Jahre-Actionfilm „Das Kommando“ („Who Dares Wins“) mit Lewis Collins zu tun zu haben. Findige Geister werden vielleicht auch schon die Ähnlichkeiten zwischen den „Who Dares Wins“ bzw. „He Who Dares“ Titeln bemerkt haben. „Who Dares Wins“ ist übrigens auch das Motto der britischen Spezialeinheit „Special Air Service“ (SAS), die insbesondere bei Kommandounternehmen und Geiselbefreiungen eingesetzt wird und auch als Vorbild für die deutsche GSG 9 diente.

Bei dem Versuch, die Story des Films zu erzählen, stolpert man bereits über die erste Hürde. Das ist jetzt zwar kein Fehler des Films, sondern eher des deutschen Verleihers, mehr als ärgerlich bleibt es aber trotzdem. „HE WHO DARES: THE DOWNING STREET SIEGE“ ist nämlich eine direkt Fortsetzung zu dem Film „HE WHO DARES“! Zusätzlich handelt es sich um eine Fortsetzung, welche DIREKT an den ersten Film ansetzt. Dummerweise ist der erste Teil bis heute nicht in Deutschland erschienen. Somit fällt das zum Verständnis der Story notwendige Vorwissen ersatzlos unter den Tisch. Auch die Charakterisierung der Hauptpersonen (auch die des „Bad Guys“, der Teil 1 überlebte) fand natürlich vorher statt. Szenen aus dem ersten Film, die in den Vorspann mit eingearbeitet sind, machen also für den Uneingeweihten absolut keinen Sinn. Nachdem, was ich mir aus den verschiedenen Quellen so zusammengereimt habe, entführen im ersten Film englische Terroristen unter dem Kommando ihres Anführers Holt (Simon Phillips) die Tochter des englischen Premierministers und verschanzen sich in einer mit Sprengstoff gespickten 15stöckigen (!) Tiefgarage (Ja nee, is‘ klar). Nun obliegt es natürlich dem SAS und ihrem Anführer Christopher Lowe (Tom Benedict Knight) sich wortwörtlich Level für Level vorzukämpfen und die „First Daughter“ zu befreien. Das klappt anscheinend, aber es kommt zu einer Explosion mit vielen Verletzten. Wer kriegt die Schuld? Lowe natürlich. Der Anführer der Terroristen hat die Aktion passenderweise überlebt und wird in das nächste Krankenhaus gebracht.

Hier setzt nun der zweite Teil ein. Obwohl er ans Bett gefesselt ist, krallt sich Holt eine Krankenschwester (und ihr Handy). Ein kurzes Telefongespräch später rückt auch schon ein von Holt bestelltes Rollkommando an, um ihn dem Polizeigewahrsam zu entreißen. Nebenbei werden noch wahllos ein paar Krankenschwestern, Ärzte und Zivilisten weggeknallt. Natürlich startet Holt anschließend gleich seine nächste Aktion, nämlich die Besetzung von Englands bestbewachtem Haus, Downing Street Nr.10, dem Amtssitz des britischen Premierministers. Klar, nichts einfacher als das. Doch eines hat der Terrorist übersehen. Zu derselben Zeit befindet sich nämlich (*tadaaa*) Christopher Lowe in der Downing Street, um sich einen Arschtritt, pardon eine mögliche Suspendierung, wegen der vorherigen Aktion abzuholen. Die Tatsache, vorher die Tochter des Ministers gerettet zu haben, wiegt anscheinend weniger schwer. Nun gut. Von nun an geht alles seinen gewohnten Gang nach Schema „F“ (wobei „F“ hier natürlich für „Stirb Langsam“ steht). Ein bisschen rennen, ein bisschen schießen, ein wenig verstecken und ein wenig kämpfen und die Situation ist bald wieder unter Kontrolle. Das übliche halt. Klappe zu, Affe tot.

Wo setzt man jetzt als erstes an? Vielleicht bei den dilettantisch inszenierten Action-Szenen. Sämtliche Action im Film wirkt billig, lust-und inspirationslos heruntergekurbelt. Zu keinem Zeitpunkt im Film kommt so etwas wie Spannung oder sogar Suspense auf. Am Ende gibt es einen Zweikampf zwischen Lowe und der obligatorischen Terroristen-Braut. Es scheint, als solle dieser Kampf so etwas wie Martial-Arts enthalten. Das Ganze ist aber so lahmarschig gespielt und inszeniert, dass selbst der toleranteste Zuschauer das Ende herbeisehnt. Kaum vorstellbar, was ein echter Fighter, wie z.B. Scott Adkins, hier mit einem guten Regisseur hätte herausholen können. Es gibt zwar jede Menge Tote (auch diverse Unbeteiligte), aber SÄMTLICHE Einschüsse im Film sind computeranimiertes, wenig realistisches CGI-Blut. Auch die Schauspieler konnten mich nicht überzeugen. Der Protagonist ist farblos, uninteressant und schlichtweg unsympathisch. Auch der Antagonist wirkt (zumindest in DIESEM Streifen) wie ein 08/15 Bösewicht von der Resterampe einer nicht realisierten Krimi-Serie. Und was den groß angekündigten Einsatz der Spezialeinheit „SAS“ angeht – davon ist weit und breit nichts zu sehen. Auf Szenen wie die bei „Das Kommando" oder der Erstürmung der besetzten iranischen Botschaft in London im Mai 1980, wartet man hier leider vergebens. Nachdem das Vorgehen der Einheit im ersten Film schon als „äußerst dilettantisch“ beschrieben wurde, ist das vielleicht sogar ein Segen. Mit diesen Filmen hat man weder dem „SAS“ noch den Zuschauern einen Gefallen getan. „DOWNING STREET DOWN“ ist noch nicht einmal als unfreiwillig komische Trash-Unterhaltung goutierbar. Ernsthaft, in jeder „Asylum“-Produktion steckt mehr Herzblut und Talent als in diesem Streifen!

Das schlimmste bei diesem Film (ja, es wird noch tatsächlich noch schlimmer) ist aber die Kameraarbeit. In KEINER einzigen Szene ist die Kamera einfach mal bewegungslos. Jede Einstellung enthält Zooms, Wackelbilder, Farbverfremdungen, Zeitlupenbilder, Überblendungen etc. Wer Tony Scotts Filme „Man On Fire“ oder „Domino“ kennt, weiß vielleicht, welche Kameramätzchen ich meine. Nur ist es hier noch um ein vielfaches schlimmer als bei Scott (der ja trotzdem ein begnadeter und von mir hochgeschätzter Action-Regisseur war). Kann man von so schlechten Filmen eigentlich Augenkrebs bekommen? Auf jeden Fall ist man bereits nach 5-6 Minuten von diesen Kameraspielereien so was von genervt, da fehlen einem die Worte.

Als Regisseur verantwortlich für diese desaströsen Streifen ist Paul Tanter, Regisseur mehrerer dieser typisch britischen Hooligan-Gangster-Filme (und nein, der großartige „Footsoldier“ ist keiner von seinen Filmen). Ich erspare mir Details, da ich mir nach diesem Film garantiert kein weiteres Tanter-Werk mehr antun werde. Aber der größte Hammer kommt noch. Tanter arbeitet zurzeit an der Serie „No Easy Days“, in der DIESELBE Story wie in „He Who Dares“ für den amerikanischen Markt neu aufbereitet wird. Terroristen, Weißes Haus, die Präsidententochter als Geisel usw. Sogar die Figuren “Christopher Lowe“ und „Holt“ tauchen wieder auf, wobei „Holt“ tatsächlich erneut von Simon Phillips verkörpert wird. Wollen die uns auf den Arm nehmen? Zumindest weiß ich genau, auf welche Serie ich NICHT warten werde.

Abschließend kann ich nur jedem nochmal eindringlich raten sich diesen „DOWNING STREET DOWN“- Rotzfilm ('tschuldigung) nie, nie, niemals anzusehen, auszuleihen  oder gar zu kaufen!

Da es vielleicht noch ein oder zwei Filme gibt, die schlechter als „DOWNING STREET DOWN“ sind („Birdemic“? „Daniel der Zauberer“?)  erhält dieser Film von mir großzügige 2 von 10 Punkten.

 

2/10
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Kommentare

08.12.2014 19:25 Uhr - Entertainmentz
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Wunderbares Review zu einem anscheinend miesen Actionfilm. Mal ne Frage: Welchen Film findest Du schlechter: Expendables 3 oder Downing Street Down?

08.12.2014 19:33 Uhr - sonyericssohn
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Hab in der Virus darüber gelesen. Da kam er auch nicht besonders gut weg.
White House Down, Downing Street down...was kommt noch ? Bundeskanzleramt down ? Deutsche Bahn down ? Lufthansa down ?
Wow, wieviele Möglichkeiten.
Cooles Rev !

08.12.2014 19:47 Uhr - Tom Cody
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08.12.2014 19:25 Uhr schrieb FilmeTV
Wunderbares Review zu einem anscheinend miesen Actionfilm. Mal ne Frage: Welchen Film findest Du schlechter: Expendables 3 oder Downing Street Down?

Da ich mir "Expendables 3" im Kino nicht angesehen habe, fehlt mir noch der Vergleich. Schlimmer als das hier kann's aber eigentlich nicht sein.

08.12.2014 19:33 Uhr schrieb sonyericssohn
...White House Down, Downing Street down...was kommt noch ? Bundeskanzleramt down ?

Du wirst lachen. "Down" vielleicht nicht, aber das Sequel zu "Olympus Has Fallen", welches gerade entsteht, heißt tatsächlich "London Has Fallen".

08.12.2014 19:55 Uhr - sonyericssohn
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Ich bin schockiert. Und das hat nix mit Schokolade zu tun.

Mann, bin isch heude wieda witzisch...

08.12.2014 20:23 Uhr - F-Ready
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Respekt für die Mühe, ein solches Machwerk zu reviewen. Und vielleicht kann ich dich etwas beruhigen: Eine Verbindung zwischen Kamera-Spieränzchen und Augenkrebs ist bisher nicht nachgewiesen. ;-)

08.12.2014 22:47 Uhr - NICOTERO
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@ tom cody
Auf " London has fallen" freue ich mich wie Sau.

09.12.2014 05:32 Uhr - Tom Cody
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08.12.2014 22:47 Uhr schrieb NICOTERO
@ tom cody
Auf " London has fallen" freue ich mich wie Sau.

Yep. Im Gegensatz zu den oben erwähnten Werken wird DER sicherlich unterhaltsam werden.

Und da wir gerade bei möglicherweise interessanten "STIRB LANGSAM"-Ripp Offs sind:
Laut der britischen Produktionsfirma "Altidude Films" befindet sich gerade ein weiterer in der Phase der Vor-Produktion (hoffentlich, hört sich nämlich ganz gut an):

Tagline: 100 Meter unter der Erde - 20 Kriegsverbrecher - 400 Geiseln - Nur einer kann sie da lebend herausholen

Titel: "SAS: RED NOTICE"

Eine Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers von Autor (und Ex-SAS Mitglied) Andy McNab ("Bravo Two Zero"). "Stirb Langsam im Eurotunnel" sozusagen, in dem natürlich auch der gesamte Tunnel zerstört werden soll. Die Hauptrolle übernimmt anscheinend Luke Evans unter der Regie von Nick Love ("Football Factory", "Outlaw", "The Crime"). Wie gesagt - noch steht es nicht in der Imdb, sondern nur auf der hauseigenen Website als "Pre-Production"-Status (http://www.altitudefilment.com/film/production/5/sas-red-notice). Daumen drücken, dass sich das Projekt nicht doch noch zerschlägt, denn ich denke, das könnte ebenfalls sehr spaßig werden.

09.12.2014 14:47 Uhr - Kable Tillman
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Ein Abriss von einem Review. Nachdem ich die Story immerhin ganz nett fand ("Stirb langsam"-Klone gehen immer), so lasse ich den Film jetzt besser links liegen, denn eine 2 von 10 Wertung und Aussagen wie "selbst ein Uwe Boll-Film ist ganz großes Kino dagegen" schrecken konsequent ab. Dabei sah vor allem der Trailer zu "He Who Dares" zwar billig, aber actionreich aus. Sehr schade, dass Regisseur Paul Tanter anscheinend ein Dilettant in seinem Fach ist. Das komplette Gegenteil dessen bist du, denn auch diese Filmkritik ist exquisit geschrieben. Ich kann nur Lob aussprechen.

28.04.2015 19:37 Uhr - Critic
08.12.2014 19:33 Uhr schrieb sonyericssohn
Hab in der Virus darüber gelesen. Da kam er auch nicht besonders gut weg.
White House Down, Downing Street down...was kommt noch ? Bundeskanzleramt down ? Deutsche Bahn down ? Lufthansa down ?
Wow, wieviele Möglichkeiten.
Cooles Rev !


Bundeskanzleramt Down mit deutschen Promis. Also so einen Schwachsinn würd ich sogar sehen, obwohl ich weiß, dass RTL ihn fabrizieren würde.

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