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The Ghouls - Cannibal Dead

Originaltitel: The Ghouls

Herstellungsland:USA (2003)
Standard-Freigabe:FSK keine Jugendfreigabe
Genre:Horror
Bewertung unserer Besucher:
Note: 5,75 (8 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

L.A., eine Metropole am Abgrund der Zivilisation - nachts beherrschen Gewalt und Elend die Straßen. Der heruntergekommene Sensationsjournalist Eric Hayes (Timothy Muskatell) heftet sich jede Nacht an die Fersen der Polizei, um direkt vor Ort von blutigen Taten zu berichten. Doch auf einem seiner Streifzüge stößt er auf etwas Schockierendes: Im Schatten der Nacht fallen menschenähnliche Wesen über wehrlose Opfer her und zerfleischen sie! Es sind die Ghouls, die in der "Stadt der Engel" den blanken Terror verbreiten... (IFM World DVD-Cover)

eine kritik von cecil b:

Es gibt diese Independent-Filme, die es nicht leicht haben. Sie weichen stilistisch, narrativ, und was die Qualität der Effekte angeht, zu sehr von dem ab, was man sonst von den meisten Filmen gewohnt ist. Für viele Zuschauer reicht es aus, ein Paar Minuten von so einem Streifen zu sehen, bei dem man eine sichtlich günstige  Kamera verwendet hat, und dessen Inszenierung nicht besonders aufwendig ist, um ein Urteil über diesen Film zu fällen. The Ghouls ist gewiss so ein Streifen. Wenn man sich einen Großteil der Bewertungen zu diesem Film ansieht, dann sieht man, dass er nicht gerade viele Fans hat. Etwas weiter im Internet 'geblättert', findet man aber auch diese Filmfans und Autoren (überraschenderweise sogar einer sehr bekannten TV-Zeitschrift), die sich daran erfreuen, wie hintersinnig der Lowbudget-Film The Ghouls verstanden werden kann, und dass er erfrischend von den üblichen Sehgewohnheiten abweicht. Des Weiteren ist er gut inszeniert, und die Protagonisten Timothy Muskatell (Deadgirl), Tina Birchfield (Unspeakable) und James Gunn (Regisseur von SLITHER!) machen ihre Sache recht gut. Und die Story hat was! Der Reporter, der fast immer auf der Jagd nach dem absolut einzigartigen Material ist, und dabei auf die Spur von etwas grauenvollen kommt, ist natürlich nicht unbedingt neu. Man kennt dieses Prinzip beispielsweise auch aus zweitklassigen Horrorfilmen wie The Nightflyer und Hellraiser Deader, aber The Ghouls hat diesem Thema durchaus etwas neues hinzuzufügen. So kann man diesen Film sogar ein sozialkritisches Drama im Gewand eines Horrorfilms nennen, und nicht einfach eine simple B-Film-Schlachtplatte. Obwohl den Gorehounds durchaus was fürs Auge geboten wird. Die Inszenierung ist an sich weniger etwas fürs Auge, da die Kosten nun wirklich sichtlich gering waren (10.000 Dollar), aber es handelt sich bei The Ghouls nicht um einen Amateurfilm, sondern lediglich um einen Low-Budget-Film, der durchaus seine inszenatorische Finesse hat. Chad Ferrin, der Regisseur und Drehbuchautor dieses Films, gab mit der TROMA-Produktion „Unspeakable“ sein Spielfilmdebut, und drehte die TV-Serie „Troma’s Edge TV“.

Wenn die Kamera von quietschenden Geigen oder Free-Jazz begleitet durch schlecht beleuchtete Tunnel fährt, sie durchweg des Nachts in matt beleuchteten, verrauchten Räumen, dreckigen Gossen und auch mal im Doku-Stil durch die Hauptstraßen zieht, ist die Atmosphäre durchweg düster. Und dieser Grundton steht The Ghouls verdammt gut. Dieser kommt auch durch gelungene, durchaus professionelle Schnitte und einen durchweg gelungenen Szenenaufbau mit dazu passenden Kamera-Perspektiven zum tragen. Die Kamera begleitet Eric so nah, dass der Zuschauer das Gefühl haben kann, mit ihm durch die Straßen zu ziehen. Wenn man dann manche Szenen durch seine günstige Kamera sieht, und daraufhin der Blickwinkel der beobachtenen Kamera sein Gesicht zeigt, kann man logischerweise das sehen, was er aufnimmt, und dann seine Reaktion darauf. Manche Szenen wirken durch Erics Kamera realistisch (inklusive Wackel-Bilder), eben wie Szenen aus den Nachrichten, und der Blick auf Erics Gesicht ermöglicht direkt die Emotionen der einzig möglichen Identifikationsfigur wahr zu nehmen. Dieser Kamera-Wechsel macht auch andere Szenen interessant. Wenn sich z. B. Eric und seine Freundin in den Nachrichten Aufnahmen von Mord und Totschlag anschauen, sie lachend und saufend in einer verrauchten Bude sitzen, und dann kurz darauf ein sexueller Akt der Beiden zu sehen ist, der mit einer Kamera aufgenommen worden ist, die auch für die Nachrichten verwendet wird. Ein gut durchdachter Dreh. Denn die grausamen Szenen im TV entsprechen ja der Realität, und Eric verdient durch solche sein Geld. Also wird die blutige Realität im Kontext des Films zu einem Marketing-Objekt, und die persönlichsten Momente von Eric werden inszenatorisch in ein gleiches Licht gestellt, was verdeutlicht wie sehr Erics Arbeit sein Leben beeinflusst. Und Eric ist an der Grenze zum Nihilismus.

"Sie sind ein Parasit, Haze. Sie Leben vom Elend anderer Leute", sagt ein schmieriger Nachrichtenredakteur zu Eric. "Was verstehst du schon von Liebe?" fragt ihn seine Freundin, und nennt Eric herzlos. Wenn man die Figur Eric betrachtet, ist es natürlich wichtig, auch deren Umgebung näher zu betrachten. Abgesehen von einem widerlichen "Nachrichtenmacher" und einer hübschen alleinerziehenden Frau, die aus nicht erklärlichen Gründen das Bett mit Eric teilt, gibt es da zum Beispiel den stark übergewichtigen Dealer, der sich notfalls auch mit heftigsten Filmmaterial bezahlen lässt:"Mösen sind doch nicht zum aufschlitzen da." Eric:"Bist ja ein ganz Schlauer". Oder ein Haufen Reporter, die gierig nach jedem Tropfen Blut suchen. Innerhalb dieser Szene ist Eric nicht nur äußerst unangenehmen Menschen, sondern auch einer Pseudo-Ethik ausgeliefert, wenn ihm Reporter und Käufer von blutigen Filmmaterial vorwerfen gezielt nach solchen zu suchen. Eric ist was seine Suche nach erschreckenden Filmmaterial angeht geradezu aufrichtg, wenn er sagt: "Ist doch nicht abwegig, oder?". Doch mit zunehmender Zeit wird der Säufer und Drogenkonsument Eric immer mehr von all seinen Erlebnissen erdrückt. Interessant dabei ist, dass er nicht einseitig als gedankenloser Nihilist oder aber als schwer belasteter Mensch am Abgrund gezeichnet wird. Er ist sehr hart, herzlos und unmenschlich, aber er wird auch als Leidener dargestellt, der keinen anderen Weg hat, als seinen Beruf verwerflich auszuüben. Tatsächlich wird Erics Empathielosigkeit dabei noch psychologisch schlüssig erklärt, was allerdings etwas aufgesetzt wirkt. Durch Erics Lebenssituation werden die Auswirkungen einer mediengeilen Konsumgesellschaft präsentiert, die sich durch eine am Rande der Gesellschaft stehenden Welt voller Obdachloser, Mörder, Prostituierten, Säufer und Drogensüchtigen finanziert, von denen manche nur leidliche Hilfe von zynischen Polizisten bekommen, von diesen teilweise eher missbraucht werden. Und hier kommen die Ghouls zum tragen. Die Ghouls sind weniger Monster, die hirnlos und gierig auf Menschenfleisch sind. Sie sind arme Kreaturen, Menschen, die nur noch einer Hülle ihrer Selbst sind. Sie werden von der Polizei ignoriert, sie werden von der Gesellschaft verschwiegen, und leben eine Co-Existenz neben den Bürgern von L.A.. So können sie als eine Parabel für die Menschen die ein Leben ausgegrenzt von der Gesellschaft leben verstanden werden, die im wahrsten Sinne des Wortes in einem unmenschlichen Zustand leben. Und die Konsumgesellschaft bekommt man nicht wirklich zu Gesicht, sie bleibt eine über allen stehende, anonyme Macht.

Wenn man von einem Horrorfilm spricht, dann muss man aber natürlich auch die Effekte und das Make-Up begutachten. Und hier finden sich die größten Schwächen von The Ghouls. Die Kannibalen sind schlecht geschminkt, und sie wirken auch nicht gruselig. Gruselige Szenen gibt es, aber die Ghouls selbst können für den ein oder anderen Zuschauer eher als lächerlich empfunden werden. Was die Effekte angeht, sieht es aber teilweise besser aus! Auch wenn es nur wenige Splatterszenen gibt, bekommen Gorehounds durchaus solide getrickstes Gekröse zu Gesicht, welches nicht nach mit roten Wackelpudding gefüllten weißen Socken aussieht. In einer Szene wird dann aber leider mit dem klassischen Theatermesser zugestochen.

Wer sich auf Low-Budget-Filme einlassen kann, für den kann The Ghouls ein kleiner Geheimtipp genannt werden, der gewiss nicht durch eine aufwendige Inszenierung und Action zu überzeugen weiß, aber durch eine interessante und gar nicht dumme Story, und eine gelungene Inszenierung. The Ghouls zeigt bei seiner Dramatik tatsächlich auch etwas Ironie, die ihn auch davor rettet, durch die durchgängig düstere Optik und Thematik eintönig zu sein. Trotz zwei, drei schwächeren Szenen, gibt es von mir mit einem dicken Low-Budget Bonus satte 6,5 Punkte. Auch wenn diese Wertung im Vergleich mit aufwendigeren Filmen relativ ist.

 

7/10
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Kommentare

03.02.2015 20:28 Uhr - Entertainmentz
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Danke für deine Kritik. Werde mal sehen, ob ich mir den zulege ;)

03.02.2015 20:36 Uhr - cecil b
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Gerne:) Überlege, ob du dich darauf einlassen kannst.

03.02.2015 22:46 Uhr - Gorno
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Klingt wirklich interessant. Super Review wie gewohnt ;)

03.02.2015 23:28 Uhr - Gnislew
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Super Review. Ich habe den auch gesehen und fand den jetzt nicht so toll und dabei kann ich vielen Low-Budget Produktionen einiges abgewinnen.

04.02.2015 03:34 Uhr - cecil b
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Danke für das Lob!

Gnislew@ Der Film funktioniert nicht bei jedem, und ich fand ihn bei der ersten Sichtung auch nicht so doll, bis ich bei der Zweiten bemerkt habe, wie gut seine Idee und seine Inszenierung eigentlich sind. Echter Underground mit Hirn.

04.02.2015 22:45 Uhr - leichenwurm
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Wow...wer hätte gedacht dass es über diesen kleinen independent Film so viel zu erzählen gibt :-)). Ich bin schon vor Jahren nen paar mal über das äußerst Reisserische DVD Cover inner Videothek gestolpert aber aufgrund der Kürzungen der dt. Version hab ich immer nen Bogen um den Film gemacht... aber das is ja nen Ding das ausgerechnet James "Guardians of the galaxy" Gunn darin auftaucht...;-)).

04.02.2015 23:24 Uhr - cecil b
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@Leichenwurm.Thanx! Die Einleitung ist grenzwertig lang ;) Aber ich wollte erst vermitteln, dass die Vorzüge dieses Film eben erst entdeckt werden müssen, und die 7 Punkte nicht den üblichen Bewertungen gleich zu setzten sind, bevor ich den Film überhaubt bespreche. Überraschenderweise wurde der Film von der TV-Spielfilm mit dem Hochdaumen bewertet, obwohl die ja den Mainstream bedient. Ich hoffe, dass der lange Text nachvollziehbar ist:)
Kürzungen: ärgerlich und quatsch. Aber sie schwächen den Film nicht in seiner Idee.

06.02.2015 16:52 Uhr - Deathking
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Gewohnt gutes Review zu einem unterschätzten Film.
Besonders der Vergleich von den Ghouls zu dem Gesellschafts"abschaum" finde ich gut.
Kann man auch getrost die deutsche Fassung von kaufen/sichten.

06.02.2015 23:32 Uhr - Kable Tillman
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Da kann ich nur mein Lob und Respekt aussprechen, Cecil. Ein sehr anspruchsvoll verfasstes, gewohnt gelungenes Review von dir. Für mich ist der Film, trotz deiner positiv ausfallenden Besprechung, aber nichts. Düster, Low-Budget, Shaky Cam, konfuse Story... neee.

09.02.2015 15:32 Uhr - cecil b
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Danke für euer Feedback! Kable@: Ich bin erhlich gesagt froh, dass einige, auch du, für sich wissen, dass dieser Film nichts für sie ist. Eines meiner Ziele war es, zu vermitteln, dass man gut überlegen sollte, ob man den Film mögen kann.

Deathking: Danke für dein Feedback, und dafür, dass du mir den Film ausgeliehen hast!"

09.02.2015 22:25 Uhr - Deathking
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Gerne doch, ich leihe jemandem wie dir, wie du weißt, immer wieder gerne einen (Underground)film.
Ich bin froh wenn Leute einen Film intensiv wie auch objektiv sichten und sich eine eigene Meinung darüber bilden.

Welche, muss jeder für sich selbst entscheiden...

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